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Scholary Paper (Seminar), 2007, 16 Pages
Author: Jessica Schweke
Subject: German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
Details
Institution/College: Ernst Moritz Arndt University of Greifswald (Institut für Deutsche Philologie)
Tags: Irrtum, Lüge, Eine, Definition, Phänomene, Bedeutung, Versuch, Abgrenzung, Vagheit, Merhdeutigkeit
Year: 2007
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61976-9
ISBN (Book): 978-3-638-78298-2
File size: 172 KB
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Abstract
Dass der Mensch des Lügens fähig ist, ist ohne Zweifel. Dass er sich dieser Fähigkeit auch im Alltag gerne bedient, ist ebenso wenig zu hinterfragen. Aber wie genau geht das vonstatten? Was tut der Mensch, wenn er lügt? Ist eine Lüge ein rein moralisches Phänomen oder bestehen sprachliche Besonderheiten? Hilft uns Sprache beim Lügen oder sind gar einige Wörter an sich lügnerischer Natur? Generell gesehen gelten Lügen in unserer Kultur als etwas Negatives. Natürlich gibt es die vielen kleinen Notlügen im täglichen Leben, die kaum weiter Beachtung finden, da sie selten wirklich negative Auswirkungen haben. Oder etwa die leichten Übertreibungen und Ausschmückungen persönlicher Geschichten und Anekdoten, mit Hilfe derer wir uns profilieren möchten. Manchmal ist eine Lüge sogar etwas Gutes, wenn dadurch die Gefühle eines Freundes geschont werden, weil die Wahrheit wieder einmal zu hart und schmerzhaft ist. Schon daran lässt sich ein Spannungsverhältnis zwischen Lüge und Wahrheit erkennen. Fraglich ist jedoch, ob auch vermeintlich unabsichtlich geschehene Irrtümer als Lügen betrachtet werden können, beziehungsweise inwiefern sie sich sprachlich und moralisch von Lügen abgrenzen. Es sei vorangestellt, dass Denken und Wirklichkeit in Verbindung stehen und die Verwendung von Sprache im alltäglichen Leben stark beeinflussen. Thema dieser Arbeit soll es sein, mit Hilfe der Linguistik zu verdeutlichen, was Lügen und Irrtümer sind und was für sprachliche Prozesse und Eigenarten beide Phänomene ausmachen.
Excerpt (computer-generated)
Irrtum und Lüge.
Eine Definition beider Phänomene, ihre sprachliche Bedeutung und
der Versuch einer Abgrenzung.
Seminararbeit
im Fach Germanistik
im Mikromodul „Sprachwissenschaft – Text/ Semantik“
im Seminar „Vagheit und Mehrdeutigkeit“
im WS 06/07
an der Universität Greifswald
vorgelegt von
Jessica Schweke
Greifswald, Februar 2007
Inhalt
Prolog - 1 -
1. Von Lüge, Irrtum und Wahrheit - 3 -
2. Was ist eine Lüge?
2.1 Lüge und Semantik - 5 -
2.2 Lüge und Syntax - 9 -
2.3 Lüge und Pragmatik - 10 -
3. Was ist ein Irrtum im Gegensatz zur Lüge?
3.1 Irrtum und Semantik - 11 -
3.2 Irrtum und Pragmatik - 12 -
3.3 Exkurs: Irrtum aus rechtlicher Sicht - 12 -
Epilog - 13 -
Literaturverzeichnis - 14 -
"Die reine Wahrheit zu erzählen, ist sehr schwer."
(Leo N. Tolstoi)
Prolog
Dass der Mensch des Lügens fähig ist, ist ohne Zweifel. Dass er sich dieser Fähigkeit auch im Alltag gerne bedient, ist ebenso wenig zu hinterfragen. Aber wie genau geht das vonstatten? Was tut der Mensch, wenn er lügt? Ist eine Lüge ein rein moralisches Phänomen oder bestehen sprachliche Besonderheiten? Hilft uns Sprache beim Lügen oder sind gar einige Wörter an sich lügnerischer Natur?
Generell gesehen gelten Lügen in unserer Kultur als etwas Negatives. Natürlich gibt es die vielen kleinen Notlügen im täglichen Leben, die kaum weiter Beachtung finden, da sie selten wirklich negative Auswirkungen haben. Oder etwa die leichten Übertreibungen und Ausschmückungen persönlicher Geschichten und Anekdoten, mit Hilfe derer wir uns profilieren möchten. Manchmal ist eine Lüge sogar etwas Gutes, wenn dadurch die Gefühle eines Freundes geschont werden, weil die Wahrheit wieder einmal zu hart und schmerzhaft ist. Schon daran lässt sich ein Spannungsverhältnis zwischen Lüge und Wahrheit erkennen.
Fraglich ist jedoch, ob auch vermeintlich unabsichtlich geschehene Irrtümer als Lügen betrachtet werden können, beziehungsweise inwiefern sie sich sprachlich und moralisch von Lügen abgrenzen.
Es sei vorangestellt, dass Denken und Wirklichkeit in Verbindung stehen und die Verwendung von Sprache im alltäglichen Leben stark beeinflussen. Geht man davon aus, dass Sprache ursprünglich die Aufgabe hat, "Denken und Wirklichkeit" so aufeinander abzustimmen, dass sich eine von Missverständnissen freie Kommunikation entwickeln kann, dann können bewusste "Fehl- und Falschaussagen" diesem Zweck der Sprache entgegen wirken. "Dann kann Sprache als Instrument mißbraucht [sic] werden, um eine Beziehung von Denken und Wirklichkeit zu zerstören und aufzulösen." (Weber 1992: 161)
Thema dieser Arbeit soll es sein, mit Hilfe der Linguistik zu verdeutlichen, was Lügen und Irrtümer sind und was für sprachliche Prozesse und Eigenarten beide Phänomene ausmachen.
Diese Seminararbeit ist folgendermaßen konzipiert: Der erste Teil meiner Arbeit wird sich mit dem Verhältnis von Lüge und Irrtum zur Wahrheit beschäftigen, da die Identifizierung der beiden Erscheinungen als Lüge und Irrtum im sprachlichen Sinn stark von der Wahrheit abhängig sind. Hier bin ich von Nietzsches Aufsatz „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“1 ausgegangen, um aufzuzeigen, als was Wahrheit verstanden werden könnte. Es sollen vorläufige Definitionen gegeben werden, die im Weiteren ausgebaut werden.
Darauf folgt im zweiten Abschnitt eine Betrachtung der sprachlichen Eigenschaften von Lüge. Bei der linguistischen Auseinandersetzung mit der Lüge habe ich mich hauptsächlich auf das Werk von Harald Weinrich von 1966 gestützt, der mit seiner Antwort auf eine von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gestellten Preisfrage die „Linguistik der Lüge“2 erörtert und aufklärt. Die sprachliche Untersuchung der Lüge begründe ich auf den drei linguistischen Teilbereichen Semantik, Syntax und Pragmatik.
Der dritte Teil meiner Arbeit widmet sich dann dem Irrtum. Ich habe mich hauptsächlich auf Michael Wulffs „Zum Verstehen von Missverständnissen: Irrtum und Irreführung in psychologischer, linguistischer und medientheoretischer Sicht.“ gestützt. Auch hier soll eine Definition des Irrtums an sich mit seinen sprachlichen Charakteristika und praktischen Beispielen gegeben werden.
1. Von Lüge, Irrtum und Wahrheit
Bei der Verwendung von Sprache, sei es also beim schriftlichen Verfassen von Texten oder beim Sprechen, besteht eine Beziehung zwischen dem Denken, dem Sprechen und der Wirklichkeit3. Dies impliziert ein Verhältnis zwischen der Wahrnehmung der Wirklichkeit und dem Ausdrücken der Wirklichkeit. Daraus wiederum ergibt sich eine Spannung zwischen der aus dem Wahrnehmen der Wirklichkeit resultierenden Wahrheit und der Sprache selbst. Es soll hier nicht explizit auf die Wahrheit aus philosophischer oder logischer Sicht eingegangen werden. Doch die Wahrheit stellt eine Art Hintergrund oder Basis für die Lüge als auch für den Irrtum dar und kann zu einer Definition beider Termini führen.
[....]
1 Vgl. Nietzsche, Friedrich (1873): „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“.
URL: http://www.gutenberg.spiegel.de/nietzsch/essays/wahrheit.htm
2 Vgl. Weinrich, Harald (2000): Linguistik der Lüge. 6., durch ein Nachwort erw. Aufl. München: Verlag C.H.Beck
3 Vgl. Weber, Ursula (1992): 142 f.
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