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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 155 KB
Archivnummer: V71964
ISBN (E-Book): 978-3-638-63552-3
ISBN (Buch): 978-3-638-75912-0

Zusammenfassung / Abstract

Thomas Moores Werk Lalla Rookh erschien im Jahre 1817 und war ein weltweiter Erfolg. Bis dahin war der Ire Thomas Moore hauptsächlich bekannt als Verfasser von irischen Nationalliedern und –gedichten (Irish Melodies) sowie politischer Satire, doch die Sammlung von vier erzählenden Gedichten, eingerahmt von einer romantischen Liebesgeschichte in Prosa katapultierte den Dichter auf einmal zum Liebling des literarischen Publikums. Die orientalische Liebesgeschichte erschien in zahlreichen Auflagen und wurde in beinahe jede literarische Sprache übersetzt. Die Arbeit behandelt hauptsächlich die Frage, ob der Erfolg sich rein an dem Inhalt, auf der Geschichtsebene, von Lalla Rookh messen lässt – immerhin waren Geschichten aus dem Orient gerade stark in Mode – oder ob das Publikum zur Kenntnis nahm, dass sich unter der Oberfläche ein politisches Statement verbarg. Es ist zu klären ob Moore tatsächlich nur daran interessiert war Geld und Ruhm zu erlangen, wie Kritiker ihm häufig vorwerfen – „In a word, Lalla Rookh was written to make money and win reputation“ - oder ob er in der Beschäftigung und literarischen Auseinandersetzung mit dem Orient einen Weg gefunden hatte, die politische Situation seines Landes darzustellen und seine Position klarzumachen.

Textauszug (computergeneriert)

Ludwig-Maximilian-Universität, München
Proseminar II, Typ A: Romantic Orientalism and Beyond
Sommersemester 2006, 4. Fachsemester

A Political reading of Thomas Moores Lalla Rookh

von

Claudia Ballhause

 


Gliederung

1 Einführung: Die politische Metaebene von Lalla Rookh  3

2 Politische Situation in Irland und Moore’s Position  5

2.1 Die lange Geschichte von Unterdrückung und Widerstand 5
2.2 Moore als passiver und schreibender Patriot  7
2.3 Politik in seiner Dichtung  9

3 Lalla Rookh als politisches Statement 11

3.1 Paradise and the Peri  11
3.2 The Fire-Worshippers  14

4 Lalla Rookh im Kontext der Orientalismus-Forschung  17

5 Abschlussbemerkung 21

6 Bibliografie 23


 

 

1 Einführung: Die politische Metaebene von Lalla Rookh

Thomas Moores Werk Lalla Rookh erschien im Jahre 1817 und war ein weltweiter Erfolg. Bis dahin war der Ire Thomas Moore hauptsächlich bekannt als Verfasser von irischen Nationalliedern und –gedichten (Irish Melodies) sowie politischer Satire, doch die Sammlung von vier erzählenden Gedichten, eingerahmt von einer romantischen Liebesgeschichte in Prosa katapultierte den Dichter auf einmal zum Liebling des literarischen Publikums. Die orientalische Liebesgeschichte erschien in zahlreichen Auflagen und wurde in beinahe jede literarische Sprache übersetzt.

Lalla Rookh (Tulpenwange), die wunderschöne Tochter des Moguls Emperor Aurunzebe von Indien befindet sich mit ihrem Gefolge auf einer Reise von Delhi nach Kaschmir, wo sie mit Akiris, dem jungen König von Bucharia, vermählt werden soll, den sie zuvor noch nie gesehen hat. Anführer ihres Gefolges ist Fadladeen, der pedantische und kritische Großkämmerer. Während der Reise wird der junge Dichter Feramorz vom Hofe des Königs geschickt, um die Prinzessin mit seinen Geschichten zu unterhalten. Die beiden verlieben sich. Lalla Rookh versucht vergeblich ihre Gefühle zu unterdrücken und erwartet traurig den Tag ihrer Hochzeit. In Kaschmir angelangt stellt sie jedoch zu ihrer Überraschung fest, dass der junge Dichter der König Akiris in Verkleidung war und einer glücklichen Vermählung mit ihm so nichts mehr im Wege steht. Eingebettet in diesen etwas simpel erscheinenden Rahmen sind die vier Geschichten des jungen Dichters The Veiled Prophet of Khorassan, Paradise and the Peri, The Fire-Worshippers und The Light of the Haram, alle in Indien oder Persien spielend. Untersucht werden sollen in der Hausarbeit vor allem die Geschichte über die Feueranbeter sowie Paradise and the Peri, da sich hier eine politische Deutung am ehesten offenbart, wie später gezeigt werden soll.

Mir stellt sich hauptsächlich die Frage, ob der Erfolg sich rein an dem Inhalt, auf der Geschichtsebene, von Lalla Rookh messen lässt – immerhin waren Geschichten aus dem Orient gerade stark in Mode1 – oder ob das Publikum zur Kenntnis nahm, dass sich unter der Oberfläche ein politisches Statement verbarg. Mich interessiert, ob Moore tatsächlich nur daran interessiert war Geld und Ruhm zu erlangen, wie Kritiker ihm häufig vorwerfen – „In a word, Lalla Rookh was written to make money and win reputation“ (DeFord/1967/47) - oder ob er in der Beschäftigung und literarischen Auseinandersetzung mit dem Orient einen Weg gefunden hatte, die politische Situation seines Landes darzustellen und seine Position klarzumachen.

Dafür werde ich zuerst die Geschichte Irlands kurz darstellen und Moores Position im Unabhängigkeitskampf der Iren gegen England. Danach gilt es die beiden Geschichten Paradise and the Peri und The Fire-Worshippers diesbezüglich zu untersuchen und Moores Position herauszuarbeiten. Schließlich interessiert mich auch, inwieweit Lalla Rookh sich mit der heutigen Orientalismus-Forschung interpretieren lässt. Dafür werde ich Edward Saids These aus seinem Buch Orientalism und seine darin formulierten Vorwürfe an die Generation der romantischen Dichter versuchen auf Thomas Moores Werk anzuwenden.

2 Politische Situation in Irland und Moores Position

2.1 Die lange Geschichte von Unterdrückung und Widerstand

Die englische Herrschaft in Irland begann schon sehr früh. Im Jahre 1171 bat ein verbannter König von Leinster, der sich im Zwist mit einem anderen irischen Kleinkönig befand, den englischen König Heinrich II. um Hilfe, der daraufhin mit seiner Armee nach Irland übersetzte. Innerhalb eines Jahres hatten sich ihm die bedeutendsten Herrscher Irlands unterworfen. Es dauerte nur zwei Generationen, bis die Engländer eine zentrale Regierung unter der direkten Kontrolle des englischen Königs installiert hatten. Zwar gab es immer wieder eine Erneuerungsbewegung der Iren, aber gegen die Übermacht der Engländer konnte das nichts ausrichten. Die eigentliche Unterwerfung Irlands begann 1534, als Heinrich VIII. den Vertreter des Königs in Irland absetzte und sich vom irischen Parlament den Titel eines Königs von Irland übertragen ließ. Landbesitzer mussten fortan ihr Gebiet dem König übertragen und den englischen Adelstitel führen. Zudem wurden sämtliche Kirchengüter auf der irischen Insel eingezogen. Dennoch verblieben die Iren bei ihrem katholischen Glauben und nahmen nicht den Glauben der Anglikanischen Staatskirche an. Um die Einwohner zu kontrollieren kam es verstärkt zur Ansiedlung von Briten in Irland, begleitet von militärischen Maßnahmen, trotzdem wuchs der Widerstand gegen die englische Besatzung. Es kam in den folgenden Jahren immer wieder zu blutigen Aufständen, die von den Engländern mit allen Mitteln niedergeschlagen wurden, militärisch aber auch mit dem Vernichten der Ernte, um den Aufständigen die Nahrung zu entziehen. Mit besonderer Härte griff der puritanische Abgeordnete Oliver Cromwell im Jahre 1649 gegen die Iren durch. Er eroberte mit seinen Truppen den Hauptstützpunkt der Iren und ließ die gesamte Bevölkerung der Stadt töten oder deportieren. Durch seine Verwüstungsstrategie wurden weite Teile Irlands zerstört und es kam in Folge erneut verstärkt zu Ansiedlungen von Engländern.

[...]


1 “He was following the fashion of his day, the passion for the Oriental, which after Napoleon’s campaign in Egypt and British incursions into India had seized the imagination of the English. The motto of the popular poetry was ,Stick to the East’. Byron’s The Bride of Abydos and The Giaour had appeared in 1813 and The Corsair (which he had offered to withdraw when he learned that Moore also was mining the Oriental vein) in 1814. The Orient, in a word, was all the rage, and Moore took the theme as a deliberate assignment.” (DeFord/1967/43).

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