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Soziale Kontrolle und Repression der Häresie in Südfrankreich close

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Soziale Kontrolle und Repression der Häresie in Südfrankreich

Scholary Paper (Seminar), 2002, 23 Pages
Author: Thomas Woelki
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 23
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V7204
ISBN (E-book): 978-3-638-14532-9

File size: 218 KB
Notes :
174 KB


Abstract

Mißstände innerhalb der katholischen Kirche und die um sich greifende Häresie führten im frühen 13. Jahrhundert zur Schaffung von neuen, effektiven Kontroll- und Repressionsmethoden. Die Gläubigen wurden verpflichtet, regelmäßig zu beichten und zu Gottesdiensten zu erscheinen. Bei Nichteinhaltung der Pflichten bestand die Gefahr, unter den Verdacht der Ketzerei und damit in die Gewalt der neu entwickelten Inquisition zu geraten. Diese Methoden der sozialen Disziplinierung bildeten die Grundlage der Entwicklung zum frühmodernen Staat.


Excerpt (computer-generated)

Soziale Kontrolle und Repression der Häresie in Südfrankreich

von Thomas Woelki


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Notwendigkeit eines neuen Strafverfahrens

1. Die rechtliche Ausgangssituation

a) Der Akkusationsprozess
b) Das Sendgerichtsverfahren
c) Das Infamationsverfahren
c) Zusammenfassung

2. Die Probleme der Kirche

a) Missstände innerhalb der Kirche
b) Die Verbreitung der Ketzerei

III. Der Gesetzgebungsprozeß

1. Die Regelungen unter Innozenz III.
a) Anwendung der bestehenden Regeln
b) Das Verfahren per inquisitionem
c) Die Übertragung auf die Ketzerverfolgung

IV. Kontrolle und Verfolgung in Südfrankreich

1. Der Aufbau eines Überwachungsapparates

a) Die Synodalzeugen
aa) Die Konzilsbeschlüsse
bb) Die Anwendung in der Praxis
b) Die Eideslisten
c) Die Disziplinierung der Gemeindemitglieder
aa) Die Konzilsbeschlüsse
bb) Die Anwendung in der Praxis

2. Die Arbeit der Inquisitoren

a) Das Aufspüren von Ketzern
aa) Das tempus gratie
bb) Die systematische Sammlung von Registern
cc) Gefängnis als Bestandteil des Verhörs
b) Die Strafen
c) Grenzen der Inquisition

V. Schluss


I. Einleitung

Das Europa des 12. und frühen 13. Jahrhunderts war Schauplatz tiefgreifender gesellschaftlicher Wandelungsprozesse. Die in überschaubaren familiären Lebensbereichen organisierte Personengesellschaft löste sich auf . Rationalere und effektivere Herrschaftstechniken wurden entwickelt. Wesentliche Lebensbereiche wurden zunehmend verrechtlicht. Weltliche und kirchliche Gesetzgebung gelangten zu neuer Bedeutung . Das Erstellen und Aufbewahren von Dokumenten in großer Zahl wurde überall zu einem wesentlichen Aspekt der Regierung .
In diesem Zusammenhang entwickelten sich ausgehend von der katholischen Kirche neue Formen der Kontrolle und Repression der Bevölkerung . In dieser Arbeit wird die Entwicklung derartiger neuer Herrschaftsmethoden und Institutionen anhand der Entstehung des Inquisitionsverfahrens, der Konzilsgesetzgebung des frühen 13. Jahrhunderts und der Ketzerverfolgung durch die Inquisition in Südfrankreich vorgestellt.

Die Quellenlage scheint für mittelalterliche Verhältnisse außerordentlich günstig zu sein. Durch das mit dem neuen Inquisitionsverfahren einhergehende Prinzip der Schriftlichkeit sind viele Prozessakten überliefert. Dies erlaubt einen Einblick in Entscheidungsabläufe, nicht nur in deren Ergebnisse. Problematisch ist hierbei jedoch, dass allein die Sicht der Inquisitoren überliefert ist . Nützliche Erkenntnisse sind darüber hinaus aus den normativen Quellen zu ziehen, wobei hierbei das Problem besteht, dass meist nur die Regelung überliefert ist, nicht aber deren Anwendung in der Praxis. Auf dem Gebiet der narrativen Quellen ist besonders die Chronik des Guillaume Pelhisso zu nennen Da er selbst als Inquisitor in Toulouse tätig war stand er dem Geschehen zwar einerseits besonders nahe, war aber andererseits nicht dem Anspruch auf unparteiische und zuverlässige Überlieferung verhaftet .

Die Häretikerverfolgung und Inquisition gehört zu den beliebtesten Themen der Geschichtswissenschaft und auch der populärwissenschaftlichen Literatur , wobei der Begriff der Inquisition häufig als mit negativen Werturteilen besetzter Schlagbegriff gebraucht wurde . Erst in neuerer Zeit wurden zum einen die Entstehungszusammenhänge des Inquisitionsverfahrens aufgedeckt und zum anderen die wachsende Tendenz zur Strafverfolgung und Ausgrenzung von Abweichlern als frühe Formen sozialer Disziplinierung im 13. Jahrhundert am Beispiel der oberitalienischen Städte und der Reichsstadt Nürnberg nachgewiesen.

II. Die Notwendigkeit eines neuen Strafverfahrens

1. Die rechtliche Ausgangssituation

a) Der Akkusationsprozeß

Die dominierende Verfahrensform am Ende des 12. Jahrhunderts war der Akkusationsprozeß. Hierbei war zur Prozesseröffnung eine förmliche private Klage (accusatio) nötig. Anklage und Verteidigung basierten häufig auf dem Ruf der Parteien, der durch Leumundszeugen bewiesen wurde. Das Gericht verhielt sich stets passiv . Der Beschuldigte konnte sich durch den Reinigungseid (purgatio) vom Vorwurf der Anklage befreien. Oft entschied auch der ritterliche Zweikampf oder das Gottesurteil über den Ausgang des Prozesses. Das Verfahren war wegen der Notwendigkeit der privaten Anklage und der irrationalen Beweisformen nicht zur wirksamen Verbrechensbekämpfung geeignet .

b) Das Sendgerichtsverfahren

Beim Sendgerichtsverfahren brachten ausgewählte Mitglieder einer Gemeinde (testes synodi) die Klagen des Volkes auf den regelmäßigen Visitationen eines Bischof vor. Das Urteil wurde von den Sendschöffen gefällt. Der Bischof leitete die Verhandlung, führte aber keine eigene Untersuchung durch. Der Prozessablauf und die Beweisformen entsprachen dem Akkusationsprozeß .

[...]


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