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Autor: Nina Laatsch
Fach: Kunst - Sonstiges
Details
Tags: Erzählstrukturen, Kaselkreuzen, Jahrhunderts, Beispielen
Jahr: 2007
Seiten: 78
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 31 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 3622 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-62566-1
ISBN (Buch): 978-3-638-68080-6
Zusammenfassung / Abstract
In der vorliegenden Arbeit wird erörtert, welche Erzählstrukturen auf Kaselkreuzen des 15. und 16. Jahrhunderts zu finden sind. Wichtig sind bei der Analyse nicht nur die einzelnen Motive sondern vor allem deren Anordnung und die Bezüge zwischen ihnen, die tieferliegende Bedeutungsebenen in den Gesamtdarstellungen erschließen lassen. Die Kasel, das liturgische Obergewand des Priesters, fungiert sozusagen als Bildträger des Kaselkreuzes, weshalb im ersten Schritt die Entwicklung der liturgischen Gewänder im Allgemeinen beleuchtet wird, um dann in einem weiteren Schritt auf die Entwicklung der Kasel und der Kaselbesätze einzugehen. Wichtig sind im ersten Teil die Fragen, was ein liturgisches Gewand ausmacht, wodurch es von profanen Gewändern zu unterscheiden ist und wann und warum sich besondere Kleidung für christliche Geistliche entwickelt hat. Vor der Analyse einzelner Beispiele werden Typen von Erzählstrukturen dargestellt. Zu diesem Zweck wird ein kurzer Einblick in die Entwicklung von Bildern und Bildergeschichten geliefert, um in diesem Rahmen die Anfänge der Entwicklung narrativer Erzählstrukturen in bildlichen Darstellungen aufzuzeigen. Im weiteren Verlauf werden verschiedene Bildformen wie die der Andachtsbilder und gotischer Kirchenfenster helfen, die fehlenden Aspekte für die Analyse der Kaselkreuze zu finden. In beiden genannten Beispielen werden unterschiedliche Erzählstrukturen aufgezeigt, d.h. Bildinhalte durch unterschiedliche Mittel dargestellt, welche eng mit den Darstellungsweisen auf Kaselkreuzen verwandt sind, da auch hier mit verkürzten, symbolhaften Darstellungen gearbeitet wird. Zu allen Aspekten werden im Anschluss Beispiele zu einzelnen Kaselkreuzen herangezogen und ausführlich nach den verschiedenen vorher entwickelten Gesichtspunkten analysiert.
Textauszug (computergeneriert)
Universität zu Köln
Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Institut für Kunst und Kunsttheorie / Abteilung Textilwissenschaft und ihre Didaktik
Erzählstrukturen auf Kaselkreuzen des XV. und XVI. Jahrhunderts an exemplarischen Beispielen
Nina Laatsch
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3
1 Liturgische Gewänder – Historische Entwicklung bis zum 2. Vatikanischen Konzil ... 5
1.1 Liturgische Farben und ihre Symbolik ... 9
2 Die Kasel ... 12
2.1 Historische Entwicklung der Kasel ... 13
2.2 Material und Farbe ... 15
2.3 Symbolik der Kasel ... 16
3 Kaselkreuze ... 19
3.1 Deutsche Kaselkreuze des 15. und 16. Jahrhunderts ... 19
3.2 Symbolik der Kreuztypen ... 20
3.3 Darstellung der Kreuzigung in der Gotik ... 22
4 Typen von Erzählstrukturen ... 25
4.1 Entwicklung narrativer Erzählstrukturen ... 25
4.2 Zeichenhaftigkeit in mittelalterlichen Darstellungen ... 28
4.2 Syntaktische und paradigmatische Erzählstrukturen ... 35
4.3 Die Macht der Mitte ... 39
5 Erzählstrukturen auf Kaselkreuzen ... 42
5.1 Vertikale Erzählstruktur ... 43
5.1.1 Kreuzigung mit Kelch ... 44
5.1.2 Kreuzigung mit Petrus ... 45
5.1.3 Arma Christi ... 47
5.2 Mehrfache, simultane Erzählstrukturen ... 50
5.2.1 Kreuzigung mit Engeln ... 50
5.2.2 Kreuzigung mit Propheten ... 52
5.2.3 Ecce Homo und Arma Christi ... 55
5.3 Zusammenfassung der Ergebnisse ... 57
5.4 Zusammenhänge zwischen Kaselkreuzen und liturgischen Farben ... 58
6. Schluss ... 61
7 Katalog ... 64
8 Verwendete Literatur ... 66
9 Abbildungsverzeichnis ... 69
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit wird erörtert, welche Erzählstrukturen auf Kaselkreuzen des 15. und 16. Jahrhunderts zu finden sind. Wichtig sind bei der Analyse nicht nur die einzelnen Motive sondern vor allem deren Anordnung und die Bezüge zwischen ihnen, die tieferliegende Bedeutungsebenen in den Gesamtdarstellungen erschließen lassen.
Die Kasel, das liturgische Obergewand des Priesters, fungiert sozusagen als Bildträger des Kaselkreuzes, weshalb hier im ersten Schritt die Entwicklung der liturgischen Gewänder im Allgemeinen beleuchtet wird, um dann in einem weiteren Schritt auf die Entwicklung der Kasel und der Kaselbesätze einzugehen. Wichtig sind im ersten Teil die Fragen, was ein liturgisches Gewand ausmacht, wodurch es von profanen Gewändern zu unterscheiden ist und wann und warum sich besondere Kleidung für christliche Geistliche entwickelt hat.
Vor der Analyse einzelner Beispiele ist es unerlässlich, Typen von Erzählstrukturen darzustellen. Zu diesem Zweck wird ein kurzer Einblick in die Entwicklung von Bildern und Bildergeschichten geliefert, um in diesem Rahmen die Anfänge der Entwicklung narrativer Erzählstrukturen in bildlichen Darstellungen aufzuzeigen.
Im weiteren Verlauf werden verschiedene Bildformen wie die der Andachtsbilder und gotischer Kirchenfenster helfen, die fehlenden Aspekte für die Analyse der Kaselkreuze zu finden. In beiden genannten Beispielen werden unterschiedliche Erzählstrukturen aufgezeigt, d.h. Bildinhalte durch unterschiedliche Mittel dargestellt, welche eng mit den Darstellungsweisen auf Kaselkreuzen verwandt sind, da auch hier mit verkürzten, symbolhaften Darstellungen gearbeitet wird.
Zu allen Aspekten werden im Anschluss exemplarische Beispiele zu einzelnen Kaselkreuzen herangezogen und ausführlich nach den verschiedenen vorher entwickelten Gesichtspunkten analysiert.
Wenn in dieser Arbeit von der „Gegenwart“ oder dem „heutigen Gebrauch" liturgischer Gewänder gesprochen wird, so ist damit stets die Zeit bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil gemeint, da sich durch die Beschlüsse teilweise drastische Änderungen bemerkbar machten: Mit der Liturgiereform wird unter anderem die Umschreibung des Missale Romanum angeordnet, was zur Folge hatte, dass die prunkvollen Gewänder nach und nach durch schlichtere Gewänder ersetzt wurden. Diese Änderungen in der Liturgie führten jedoch dazu, dass eine wirkliche einheitliche Entwicklung nicht mehr festzustellen ist, weshalb eine strukturelle Ordnung nach 1965 in dieser Arbeit nicht geleistet werden kann.
Auch ein Vergleich zu protestantischer Gewandung oder zu anderen Religionen wird hier nicht gezogen, da das Thema zwar durchaus viele interessante Aspekte birgt, diese aber für das Thema der vorliegenden Arbeit nicht weiter von Belang sind.
1 Liturgische Gewänder – Historische Entwicklung bis zum 2. Vatikanischen Konzil
Als liturgische1 Gewänder werden jene Kleidungsstücke bezeichnet, die ausschließlich dem Klerus für den liturgischen Gebrauch vorbehalten sind und sich in ihrer Form und sonstigen Beschaffenheit von jeder anderen Gewandung unterscheiden.
Doch wie und warum entwickelten sich überhaupt besondere Gewänder für den gottesdienstlichen Gebrauch?
Es mag wohl in der Menschheitsgeschichte schon immer das Bedürfnis gegeben haben, religiöse Führungs- bzw. Vermittlungspersonen mit speziellen Gewändern auszustatten, z.B. um den besonderen Rang der betreffenden Personen zu verdeutlichen, die Ehrfurcht vor den heiligen Geheimnissen zu stärken und -aus christlicher Sichtweise- in den Gläubigen die Hochschätzung des unblutigen Opfers des Neuen Bundes zu wecken.2
Sicherlich waren dies nicht die einzigen Gründe. Aus psychologischer Sicht mag auch eine Rolle gespielt haben, dass der Mensch in seiner Schwachheit und Sündenbehaftetheit es für vorteilhaft und geradezu notwendig hält, sich hinter „Masken“ und „Kostümen“ zu verstecken, um der Gottheit entgegentreten zu können.
Schon im Alten Testament finden sich detaillierte Beschreibungen liturgischer Kleidung; so heißt es z.B. im Buch Exodus: „Laß für deinen Bruder Aaron heilige Gewänder anfertigen, die ihm zur Ehre und zum Schmuck gereichen. […] Das sind die Gewänder, die sie anfertigen sollen: Lostasche, Ephod, Obergewand, Leibrock aus gewirktem Stoff, Turban und Gürtel. […] Sie sollen dazu Gold, violetten und roten Purpur, Karmesin und Bysus3 verwenden.“ (Ex 28,2-5).
[...]
1 „Liturgie (liturgia), 1) im weitesten Sinn jeder von der Auktorität od. durch Brauch u. Gewohnheit geregelte gemeinschaftl. öffentl. Gottesdienst. […] 2) im engeren Sinn die von der K. im Namen und Auftrag Christi durch eigens von ihr dazu berufene u. bevollmächtigte Amtspersonen gemäß den von ihr geschaffenen od. anerkannten Formularen und Regeln zur Verherrlichung Gottes u. zum Heile ihrer Angehörigen ausgeübte stellvertretende u. mittlerische Gebetstätigkeit. Die Lit. in diesem Sinn umfaßt die Spendung der Sakr., die W. u. Segn., die Proz. und Exorzismen sowie namentlich die M-feier u. das kirch. Stundengebet (Off.).“ (Braun, Joseph S.J: Liturgisches Handlexikon. Verlag Josef Kösel und Friedrich Pustet, Regensburg 19242,S.196)
2 Vgl.: Braun, Joseph S.J: Die liturgische Gewandung im Occident und Orient – Nach Ursprung und Entwicklung, Verwendung und Symbolik. Herderische Verlagshandlung, Freiburg 1907, S.769
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