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Wissenschaftliche Definition von kultureller Differenz und Fremdheit

Essay, 2004, 6 Pages
Author: B. A. Paul Peters
Subject: Cultural Studies

Details

Event: Interkulturalität vs. Multikulturalität
Institution/College: European University Viadrina Frankfurt (Oder)
Tags: Wissenschaftliche, Definition, Differenz, Fremdheit, Interkulturalität, Multikulturalität
Category: Essay
Year: 2004
Pages: 6
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V72335
ISBN (E-book): 978-3-638-62369-8

File size: 80 KB


Excerpt (computer-generated)

Europa Universität Viadrina, Kulturwissenschaftliche Fakultät / BA
Seminar: Interkulturalität vs. Multikulturalität

Wissenschaftliche Definition von kultureller Differenz und Fremdheit
Kulturelle Differenz und Fremdheit als Hemmnis der Annäherung?

von: Paul Peters

 


Was ist kulturelle Differenz und was bewirkt die daraus resultierende Fremdheit? In Anlehnung an Lévi-Strauss gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Erklärungen, warum es heute verschiedene Kulturen und dadurch eine kulturelle Differenz gibt (vgl. Lévi-Strauss 1993: 21-22). Zum einen wird davon ausgegangen, dass die menschliche Rasse in frühesten Zeiten schon Unterrassen hatte. Kreuzungen dieser Gruppen hatten Merkmalsausprägungen jeglicher Art und Form zur Folge, die die heutigen kulturellen Unterschiede ausmachen bzw. begründen. Zum anderen wird die These vertreten, dass es eine Isolation menschlicher Gruppen gab, und die heutigen Unterschiede aus geographisch, lokal bedingten, Ursachen herrühren (vgl. Lévi-Strauss 1993: 21-22). Warum keine dieser Vermutungen, denn mehr sind es nach Lévi-Strauss nicht (vgl. Lévi-Strauss 1993: 22), Bestand hat hängt damit zusammen, dass beide Vermutungen zu weit in die Vergangenheit zurückreichen um vollständig verifizierbar zu sein. Es handelt sich vielmehr „um eine kategorische Behauptung mit einer ins Absolute verlängerten axiomatisch […]“ (Lévi- Strauss 1993: 22) aufgestellten Grundbedingung um den heutigen Zustand beschreiben zu können. Des Weiteren begründen diese Vermutungen den Unterschied zwischen Kulturen nur mit dem Argument des Rassenunterschieds. Diese Begründung ist aber nicht tragfähig, weil unterschiedliche Merkmalsausprägungen verschiedener Gruppen als „Anpassungsphänomene“ (Lévi-Strauss 1993: 22) an Kulturen betrachtet werden können bzw. müssen. Diese sind aber zu komplex um nur an Gene geknüpft zu sein (vgl. Lévi-Strauss 1993: 22-23). Das heißt nach Lévi-Strauss, dass es einen Zusammenhang zwischen den Begriffen Kultur einerseits und Rasse andererseits geben muss. Dieser Zusammenhang besteht aber nur darin, dass die Kultur die Rasse (Rassenmerkmale) beeinflusst (vgl. Lévi-Strauss 1993: 41-45). Kulturelle Differenzen beruhen jedoch ausschließlich auf Anpassungsmechanismen, - phänomenen, die auf kulturelle Einflüsse und nicht rassenspezifische Merkmale, Rassenzugehörigkeit, zurückzuführen sind. Sie stellen die jeweils notwendige funktionale Differenzierung einer, oder Anpassung an eine jede Kultur dar (vgl. Lévi-Strauss 1993: 41-45). So weit zunächst zu den Erklärungsversuchen für kulturelle Differenzen. Die Frage ist damit aber noch nicht endgültig beantwortet.

Hellmann geht in seiner Studie davon aus, dass es keinen Unterschied zwischen kultureller Differenz und Fremdheit gibt, sondern vielmehr Unterschiede in der Auffassung und dem Umgang mit Fremdheit zu erkennen sind.

Um die Frage, was kulturelle Differenz ist, beantworten zu können muss grundsätzlich festgehalten werden, dass es sich bei der Wahrnehmung von kultureller Differenz bzw. Fremdheit um eine Konstruktion auf der Grundlage einer Referenzstruktur handelt. Das heißt, dass das Empfinden des Fremden vorrangig von der persönlichen Erfahrungsweite des Einzelnen abhängig ist. Fremdheit ist nichts Gegebenes, sondern etwas Konstruiertes (vgl. Hellmann 1998: 409-413). Folgt man den Ausführungen Hellmanns, so gibt es verschiedene Konstruktionsmerkmale, die zur Klassifikation des Fremden als etwas Fremdes beitragen. Grundlagen dieser Klassifikation sind das „strukturelle Nichtverstehen“ (Hellmann 1998: 413), die Unvertrautheit mit etwas Neuem (vgl. Hellmann 1998: 418), der Umgang mit Unvertrautem als einem Problem (vgl. Hellmann 1998: 422-431) und der Ambivalenz beim Umgang mit Fremden/Fremdem (vgl. Hellmann 1998: 431). Wird etwas als fremd betrachtet, so kann dies auf ein strukturelles Nichtverstehen zurückzuführen sein.

[...]


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