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Die Vereinigten Arabischen Emirate und der Golfkooperationsrat - zwei Beispiele für partielle Integration in der arabischen Welt

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 30 Pages
Author: Diplom-Politologe Martin H. Hetterich
Subject: Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 30
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V72573
ISBN (E-book): 978-3-638-62380-3

File size: 172 KB
Notes :
Laut Beurteilung des Dozenten hätte die Arbeit den Faktor "Nationalismus" stärker bearbeiten müssen, da die Arbeit sich auf ein Seminar zum Thema bezog. "Eine vergebene Chance", so die Beurteilung. Die Darstellung der Problematiken des Golkooperationsrates und der Vereinigten Arabischen Emirate wird dagegen als "sehr gut" bezeichnet.


Abstract

Die Region am Persischen Golf ist historisch betrachtet keine Region, der eine intensive Zusammenarbeit ihrer politischen Führer nachgesagt werden kann. Die Wichtigkeit der Region beruht historisch auf der Funktion als wichtige Handelsroute und wirtschaftlich auf den reichen fossilen Bodenschätzen. Mit dieser Bedeutung gehen die Versuche auswärtiger Mächte einher, einen starken Einfluss auf die Region auszuüben. Ebenso macht sie es aber unabdingbar, dass die Herrscher auf der Halbinsel ihre Position durch Zusammenarbeit stärken. Seitdem die kolonial-ähnliche Herrschaft der Briten in der Region beendet ist, konnten sich vor allem zwei Akteure dauerhaft als Garanten institutionalisierter Zusammenarbeit etablieren: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die als Zusammenschluss mehrerer Emirate am unteren Golf als eigenständiger Staat in Erscheinung treten, und der Golfkooperationsrat (Gulf Cooperation Council, GCC), eine Form institutionalisierter Zusammenarbeit mehrerer eigenständiger Staaten. Diese beiden Akteure verdienen eine Betrachtung: Ihre Entstehung und die Rahmenbedingungen dafür ebenso wie die wesentlichen Grundzüge ihrer institutionellen Gefüge. Anschließend werden die Problemstellungen und Herausforderungen für die VAE und den GCC dargelegt. Eine komplette Darstellung der Politik auf der Halbinsel abzuliefern kann und soll nicht der Anspruch dieser Ausarbeitung sein. Daher konzentriert sich die Arbeit auf einige wenige zentrale Problemstellungen und versucht, diese in groben Zügen zu umschreiben. Der Betrachtung dieser zentralen Probleme und teilweise auch der Lösungsansätze schließt sich ein Fazit an, das die vorausgehenden Ausführungen abrundet. Darüber hinaus wird der Versuch einer Beurteilung unternommen: Sind beide Akteure von Nutzen für ihre Mitglieder? Kann man diese Zusammenschlüsse als sinnvoll, gewinnbringend und zukunftsgemäß bezeichnen?


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Politische Wissenschaft
Professur für Zeitgeschichte/Politikwissenschaft des Nahen und Mittleren Ostens
Hauptseminar: Nationalismus in der arabischen Welt
Wintersemester 2006/2007

Die Vereinigten Arabischen Emirate und der Golfkooperationsrat -
zwei Beispiele für partielle Integration in der arabischen Welt

vorgelegt von:

Martin H. Hetterich

Politikwissenschaft (Diplom)
Neuere und Neueste Geschichte (WPF)
7. Semester

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung  2

2 Die Entstehung und Verfasstheit der Vereinigten Arabischen Emirate und des Golfkooperationsrats  4
2.1 Die Entstehung und Verfasstheit der Vereinigten Arabischen Emirate  4
2.1.1 Von der Piratenküste zur Staatsgründung  4
2.1.2 Die Entstehungs- und Rahmenbedingungen der Verfassung  6
2.1.3 Das politische System der Vereinigten Arabischen Emirate  8
2.2 Die Entstehung und Verfasstheit des Golfkooperationsrats  10
2.2.1 Von der Unsicherheit nach dem britischen Abzug zu eigener Stabilität  10
2.2.2 Die Struktur des Golfkooperationsrates  12

3 Die Problemstellungen und Herausforderungen für die Vereinigten Arabischen Emirate und den Golfkooperationsrat  14
3.1 Die Grenzkonflikte  14
3.2 Die eigene Aufrüstung als Sicherheitsgarant  16
3.3 Die Herausforderungen Iran und Irak: Zwischen Bedrohung, „balance of power” und Schutz durch Großmächte  17
3.4 Die traditionellen Herrschaftsstrukturen als Problem der Integration  20
3.5 Die Bedrohung von innen  22

4 Fazit  25

Quellenverzeichnis  27
Primärquellen  27
Sekundärquellen  27

 

 

1 Einleitung


„Nationale Souveränität, innerhalb markierter Grenzen gehört zu den Konzepten, die der arabischen Halbinsel bis weit ins 20. Jahrhundert fremd blieben. […] Die Zersplitterung politischer Herrschaft auf der Halbinsel, das europäische Interesse an dieser Machtkonkurrenz und der geringe Einfluß des arabischen Nationalismus wirkten gegen politische Kooperation.“1

Die Region am Persischen Golf ist historisch betrachtet keine Region, der eine intensive Zusammenarbeit ihrer politischen Führer nachgesagt werden kann. Die Wichtigkeit der Region, die historisch betrachtet auf der Funktion als wichtige Handelsroute und wirtschaftlich betrachtet auf den reichen fossilen Bodenschätzen beruht, und die damit einhergehenden Versuche auswärtiger Mächte, einen starken Einfluss auf die Region auszuüben, machen es aber unabdingbar, dass die Herrscher auf der Halbinsel ihre Position durch Zusammenarbeit stärken. Seitdem die kolonial-ähnliche Herrschaft der Briten in der Region beendet ist, konnten sich vor allem zwei Akteure dauerhaft als Garanten institutionalisierter Zusammenarbeit etablieren: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die als Zusammenschluss mehrerer Emirate am unteren Golf als eigenständiger Staat in Erscheinung treten, und der Golfkooperationsrat (Gulf Cooperation Council, GCC), eine Form institutionalisierter Zusammenarbeit mehrerer eigenständiger Staaten. In der vorliegenden Arbeit werden beide Akteure betrachtet. Dazu sollen die Entstehung beider und die Rahmenbedingungen hierfür betrachtet werden. Anschließend werden noch die wesentlichen Grundzüge ihrer institutionellen Gefüge betrachtet.

Nach diesem eher deskriptiven und nur teils problemorientierten Teil der Arbeit sollen die Problemstellungen und die Herausforderungen für die VAE und den GCC dargelegt werden. Eine komplette Darstellung der Politik auf der Halbinsel, eine dermaßen politisch unruhige und komplizierte Region, abzuliefern kann und soll nicht der Anspruch dieser Ausarbeitung sein. Daher wird sich diese Arbeit auf einige wenige zentrale Problemstellungen konzentrieren und versuchen, diese in groben Zügen zu umschreiben.

Der Betrachtung dieser zentralen Probleme und teilweise auch der Lösungsansätze schließt sich ein Fazit an, das die vorausgehenden Ausführungen abrunden soll. Darüber hinaus soll im Fazit der Versuch einer Beurteilung unternommen werden, ob beide Akteure von Nutzen für ihre Mitglieder sind und ob die Zusammenschlüsse sich als sinnvoll, gewinnbringend und zukunftsgemäß erwiesen haben.

2 Die Entstehung und Verfasstheit der Vereinigten Arabischen Emirate und des Golfkooperationsrats

2.1 Die Entstehung und Verfasstheit der Vereinigten Arabischen Emirate


„Bis in die sechziger Jahre hinein zählten die sieben Scheichtümer am unteren Golf zu den ärmsten Gebieten der Erde. Wirtschaftlich und politisch bedeutungslos, fanden sie in der internationalen Öffentlichkeit kaum nennenswerte Beachtung. Diese Situation änderte sich schlagartig in den frühen siebziger Jahren. Ölreichtum und Staatsgründung verliehen den Vereinigten Arabischen Emiraten […[, jenem 1971 erfolgten Zusammenschluß der »Sieben«, außenpolitisch Profil, machten den jungen Staat zu einem Wirtschaftsfaktor von internationalem Rang. Innenpolitisch setzten sie eine allgemeine Landesentwicklung in Gang, deren Art, Ausmaß und Geschwindigkeit ohnegleichen ist.“2

In diesem Teil der Arbeit soll die Entwicklung der VAE verfolgt werden. Die wirtschaftliche Entwicklung nur am Rande streifend, soll dabei die Entstehung der momentanen Konstellation von den „Trucial States“ bis zu den VAE aufgezeigt werden.

2.1.1 Von der Piratenküste zur Staatsgründung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann Großbritannien nach der Besetzung der Region am Persischen Golf die lokalen Herrscher durch die britische Militärmacht und durch Verträge zu entmündigen und die faktische Kontrolle über die Region zu übernehmen. So schloss die britische Regierung mit den Scheichs der Golf-Küste Abkommen, welche spätestens 1892 dazu führten, dass Großbritannien zur tatsächlichen Macht am Golf aufgestiegen war.3


„The UAE never was a colony, but its forerunner, the `Trucial States´, was increasingly absorbed into the British orbit by a system of agreements which successive British governments, first in Delhi and then in London, deemed necessary in order to best pursue their particular objectives of the day.”4

Der Fokus des britischen Interesses lag hierbei nicht auf dem Landesinneren, sondern auf dem Seeweg nach Indien. Es waren also die Küsten entscheidend.

[....]


1 Kistenfeger, Hartmut: Maghreb-Union und Golfrat. Regionale Kooperation in der arabischen Welt (Arbeitspapiere zur internationalen Politik; 89), Europa Union, Bonn 1994, S. 86.

2 Cordes, Rainer: Vereinigte Arabische Emirate. Von der Piratenküste zum Wirtschaftswunderland, in: Scholz, Fred (Hrsg.): Die Golfstaaten: Wirtschaftsmacht im Krisenherd, Westermann, Braunschweig 1985, S. 249.

3 Vgl. Taryam, Abdullah Omran: The establishment oft the United Arab Emirates 1950-85, Croom Helm, London 1985, S. 9.

4 Heard-Bey, Frauke: The Beginning of the Post-Imperial Era for the Trucial States from World War I to the 1960s, in: Al Abed, Ibrahim/Hellyer, Peter (Hrsg.): United Arab Emirates: A New Perspective, Trident Press, London 2001, S. 117


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