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Seminararbeit, 2000, 35 Seiten
Autor: Iris Baumgärtel
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Details
Institution/Hochschule: Universität Konstanz (Philosophische Fakultät / Fachgruppe Literaturwissenschaft)
Tags: Melodram, Douglas, Sirk, Rainer, Werner, Fassbinder, Genre, Gender
Jahr: 2000
Seiten: 35
Note: gut / 2
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-14574-9
ISBN (Buch): 978-3-638-63985-9
Dateigröße: 280 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Das Melodram bei Douglas Sirk und Rainer Werner Fassbinder
von Iris Baumgärtel
Inhalt
Einführung
1. Das Melodram
1.1 Entstehung und Entwicklung
1.2 Bedeutung und Funktion
2. Douglas Sirk
2.1 Herkunft und Werdegang
2.2 Die Verbindung zwischen genretypischen Themen und subtilen Motiven
2.3 WRITTEN ON THE WIND
2.3.1 Stilmittel, Personenkonstellationen
2.4 ALL THAT HEAVEN ALLOWS
2.4.1 Stilmittel, Personenkonstellationen
3. Rainer Werner Fassbinder
3.1 Herkunft und Werdegang
3.2 ANGST ESSEN SEELE AUF
3.3 Vergleich zu Sirk (ALL THAT HEAVEN ALLOWS)
Literatur
Einführung
Douglas Sirk und Rainer Werner Fassbinder sind, in Verbindung mit Sigmund Freud, ein Gespann, das sich in der Filmgeschichte seinen festen Platz gesichert hat. Der Beginn dieser äußerst produktiven Freundschaft liegt in der sonderbaren Begegnung in Sirks Haus in Ruvigliana/Tessin im Winter 1970/71. Nachdem Fassbinder schon das Urmanuskript von Katzelmacher an sein Vorbild Douglas Sirk geschickt hatte und es von diesem als "ausgezeichnete, klare, durchsichtige Arbeit" gelobt wurde, stand Fassbinder eines Tages im Schneetreiben vor Sirks Tür. Er wollte ihn nun persönlich kennenlernen und außerdem ein Urteil zu seinem Drehbuch von Der Händler der vier Jahreszeiten einholen, wobei er später äußerte, dass er, falls Sirk es für schlecht befunden hätte, das Filmemachen aufgegeben hätte.
Sirk erinnert sich an dieses Zusammentreffen: "Wir verbrachten einen der anregendsten Abende meines Lebens zusammen." Und auch Fassbinder war beeindruckt: "So kann es sein, dass man in Lugano in der Schweiz einem Mann begegnen kann, der so wach ist, so gescheit wie keiner, dem ich je begegnet bin."
Der damals 25jährige Rainer Werner Fassbinder entdeckte seine Begeisterung für das Werk des schon über 70jährigen Douglas Sirk vermutlich, als im Münchner Filmmuseum eine Reihe von dessen Filmen der Universal-Phase gezeigt wurden, darunter auch Written On The Wind und All That Heaven Allows. Daraufhin tat Fassbinder im Februar 1971 in der Zeitschrift "Film und Fernsehen" seinen Respekt und seine Verehrung für Sirk kund, und auch, wie er selbst einmal Filme machen möchte: "Sirk hat Filme gemacht, Filme mit Blut, mit Tränen, mit Gewalt, Hass, Filme mit Tod und Filme mit Liebe. Sirk hat gesagt, man kann nur Filme mit etwas machen, mit Menschen, mit Licht, mit Blumen, mit Spiegeln, mit Blut, eben mit all diesen wahnsinnigen Sachen für die es sich lohnt."
Die Begegnung mit Sirk bedeutete einen Wendepunkt in Fassbinders Schaffen und auch als in den 1970er Jahren der Trend wieder hin zum Ausdruck von Gefühlen ging, war er doch der erste und einzige Filmemacher des Jungen Deutschen Films, der sich so konsequent von der Intellektualität abwendete und stattdessen pure Emotionen zeigte.
Sirks Hauptthematiken, nämlich der innerlich zerrissene Mensch im Konflikt mit sich selbst und seiner Umwelt, findet sich immer wieder auch bei Fassbinder. Unter Berücksichtigung von Freuds Psychoanalyse sind die Protagonisten meist Menschen unterschiedlicher Klassen, die als Opfer einer entweder repressiven oder permissiven Erziehung im Leben scheitern.
Um die emotionale Wirkung auf das Publikum, die Fassbinder selbst schon bei Sirks Filmen erfahren hatte, auch für die Aussage seiner Werke zu verwenden, orientierte er sich ebenfalls an dessen filmischer Technik. Seine eigenen sonst relativ einfachen Mittel und die träge bis starre Kameraführung hob er bald gegen Sirks Prinzip "motion is emotion" auf, das heißt, dass (physische) Kamerabewegungen im Zuschauer (psychische) Regungen hervorrufen können und auch Sirks spezielle Farbdramaturgie, besondere Lichtspiele und eine symbolhafte Ausstattung der Szenerie beeinflussten Fassbinders Filme.
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