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Die Entwicklung der mitteleuropäischen Esskultur seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts unter Einbeziehung von Essstörungen

Examination Thesis, 2007, 56 Pages
Author: Nicole Peters
Subject: Sociology - Consumption and Advertising

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2007
Pages: 56
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 32  Entries
Language: German
Archive No.: V72656
ISBN (E-book): 978-3-638-62769-6

File size: 324 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Duisburg-Essen
Institut für Soziologie
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften

Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt GHR mit dem Schwerpunkt Grundschule

Die Entwicklung der mitteleuropäischen Esskultur seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts unter Einbeziehung von Essstörungen

Nicole Peters

 

Inhaltsverzeichnis


Einleitung ... 3

1 Begriffserklärungen ... 5

1.1 Zum Kulturbegriff in der Psychologie, Pädagogik und Soziologie ... 5
1.2 Esskultur ... 7

2 Entwicklungslinien der Esskultur im Zeitverlauf ... 9

2.1 Entwicklung der Esskultur seit Ende des 2. Weltkriegs bis in die Gegenwart ... 9
2.2 Entwicklung der Tischsitten als Teil der Esskultur ... 14
2.3 Fast Food und Slow Food als Entwicklungslinien der Esskultur ... 15
2.3.1 Fast Food ... 16
2.3.1.1 Imbissgastronomie ... 17
2.3.1.2 Systemgastronomie ... 18
2.3.1.3 Kritische Betrachtung von Fast Food ... 20
2.3.2 Slow Food ... 21

3 Probleme durch die veränderte Esskultur am Beispiel von Essstörungen ... 24

3.1 Essstörungen aus historischer und soziokultureller Sicht ... 25
3.2 Anorexia nervosa (Magersucht) ... 27
3.2.1 Krankheitsbild und Diagnose ... 27
3.2.2 Soziokulturelle Ursachen ... 29
3.3 Bulimia nervosa (Bulimie) ... 32
3.3.1 Krankheitsbild und Diagnose ... 32
3.3.2 Soziokulturelle Ursachen ... 35
3.4 Adipositas (Fettsucht) ... 38
3.4.1 Krankheitsbild und Diagnose ... 38
3.4.2 Soziokulturelle Ursachen ... 39

4 Präventions- und Interventionsmöglichkeiten der Institution Schule im Bezug auf das Essverhalten der Schülerinnen und Schüler unter Berücksichtigung der veränderten Mahlzeitensituation innerhalb der Familie ... 41

4.1 Soziale Funktion der alltäglichen Mahlzeiten innerhalb der Familie ... 41
4.1.1 Gemeinsam eingenommene Mahlzeiten ... 42
4.1.2 Getrennt eingenommene Mahlzeiten ... 44
4.2 Präventions- und Interventionsmöglichkeiten der Institution Schule ... 45
4.2.1 Präventionsmöglichkeiten ... 46
4.2.2 Interventionsmöglichkeiten ... 49

Fazit ... 51

Literaturverzeichnis ... 52

 

 

Einleitung

Der Mensch muss essen, um überleben zu können. Deshalb ist Essen seit jeher ein fundamentales Element des täglichen menschlichen Denkens und Handelns und stellt somit ein Grundbedürfnis dar. Diente Essen und damit das Stillen von Hunger in früherer Zeit ausschließlich einem Selbstzweck, so stellt sich dieses Thema heute weitaus komplexer dar. Der Grund dafür liegt in Mitteleuropa wie in weiten Teilen der westlichen Welt im Überangebot von Nahrungsmitteln. Dadurch stehen Menschen vor der Entscheidung ‚was, wo und wie’ sie essen.
Für die Darstellung des ‚was, wo und wie’ bietet sich der Begriff der Esskultur an. Mit Hilfe des Begriffs Esskultur lassen sich nicht nur Entwicklungen im Zeitverlauf hinsichtlich des Essverhaltens einer Gesellschaft darstellen, sondern auch Vergleiche zu anderen Gesellschaften ziehen. Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt in diesem Zusammenhang auf den Entwicklungslinien der Esskultur im Zeitverlauf sowie deren Auswirkungen.
Auswirkungen einer veränderten Esskultur in Mitteleuropa zeigen sich beispielsweise in der Entstehung und Ausbreitung von Essstörungen. Essstörungen sind in diesem Zusammenhang verursacht durch ein komplexes Ursachenbündel, unter anderem bestehend aus dem Widerspruch zwischen dem beschriebenen Überangebot von Nahrungsmitteln, einem ständig vor Augen geführten Schönheitsideal sowie individuellen Bedürfnissen jedes einzelnen Menschen.
Insbesondere Kinder und Jugendliche sehen sich diesbezüglich einer besonderen Herausforderung gegenüber. Ihr erlerntes Essverhalten und somit die zukünftige Esskultur sind in erster Linie abhängig vom Elternhaus. Offenbaren sich bei den Eltern Orientierungsprobleme hinsichtlich des ‚was, wo und wie’ des Essens, überträgt sich dieser Zustand auf das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen und begünstigt Essstörungen.
Die Folgen eines unangemessenen Essverhaltens durch die sich verändernde Esskultur sind gravierend. So waren bereits im Jahr 2003 über 15 % der Kinder in Mitteleuropa übergewichtig. Der Anteil der bereits fettsüchtigen Kinder lag zu dieser Zeit mit steigender Tendenz bei 5 %. Doch nicht nur Übergewicht und Fettsucht gelten mittlerweile als großes Problem. Aktuelle Veröffentlichungen dokumentieren die Zunahme von Essstörungen wie Magersucht und Bulimie bei immer jüngeren Kindern bereits im Grundschulalter. Galten Essstörungen bisher als typisch für Mädchen in der Pubertät und junge Frauen, so lässt sich jetzt feststellen, dass mittlerweile immer mehr jüngere Kinder betroffen sind. (vgl. KESELING 2007: o. S.)
An dieser Stelle ergibt sich die Fragestellung, welchen Beitrag die Schule als Institution leisten kann, um dieser Problematik zu begegnen. Im Verlauf der vorliegenden Arbeit wird erarbeitet, wie insbesondere in der Grundschule mit Hilfe von Präventions- und Interventionsmaßnahmen das Essverhalten der Schülerinnen und Schüler1 gezielt ausgebildet werden kann, damit sie bewusste Entscheidungen bezüglich des ‚was, wo und wie’ des Essens treffen können und der Entstehung von Essstörungen vorgebeugt wird.
Aus den beschriebenen Gründen habe ich mich in der vorliegenden Arbeit mit der Entwicklung der mitteleuropäischen Esskultur seit Beendigung des zweiten Weltkriegs beschäftigt. Im ersten Kapitel werde ich zunächst den Kulturbegriff aus pädagogischer, psychologischer und soziologischer Perspektive erklären, um in Anlehnung daran die Bezeichnung Esskultur zu beschreiben.
Im zweiten Kapitel werden die Entwicklungslinien der Esskultur seit Mitte des 20. Jahrhundert und die Entwicklung der mitteleuropäischen Tischsitten dargestellt. Die Entwicklungslinien, auf die ich gezielter eingehe, sind Fast Food und dessen Gegenbewegung Slow Food.
Das dritte Kapitel befasst sich mit den Problemen von Essstörungen, die durch die veränderte Esskultur in der modernen Überflussgesellschaft entstehen können. Hier gehe ich gezielt auf drei weit verbreitete Essstörungen ein: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und
Adipositas. Ich beschreibe die jeweiligen Krankheitsbilder sowie mögliche soziokulturelle Ursachen.
Im letzten Kapitel stelle ich dar, wie sich die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen auf die Mahlzeitensituation innerhalb der Familie ausgewirkt haben. Dort beziehe ich mich auf die veränderten Bedingungen für Kinder. Im Anschluss daran gehe ich auf die Frage ein, welche Präventions- und Interventionsmaßnahmen die Institution Schule und insbesondere ich als Lehrer leisten kann, um bei den Schülern ein gesundes Essverhalten zu fördern.


1 Begriffserklärungen

In diesen beiden Abschnitten werden die grundlegenden Begriffe der Arbeit erläutert. Einleitend beschreibe ich den Begriff Kultur im Allgemeinen, der bereits erste Verweise zum Begriff der Esskultur gibt, bevor ich im Speziellen auf die Esskultur eingehe.


1.1 Zum Kulturbegriff in der Psychologie, Pädagogik und Soziologie

Im Folgenden wird zunächst mit Hilfe von Fachlexika der Begriff Kultur geklärt, da es für die Esskultur keine einheitliche Erläuterung gibt, welche sie in ihrer Vollständigkeit erfasst. Aus diesem Grund werde ich mit Hilfe des allgemeinen Kulturbegriffs eine Begriffserklärung herleiten. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit ist eine Kurzbetrachtung aus den folgenden drei Perspektiven sinnvoll:

  • psychologische Perspektive
  • pädagogische Perspektive
  • soziologische Perspektive

In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass der Begriff Kultur durch diese drei Perspektiven natürlich keinesfalls erschöpfend erläutert werden kann. Vielmehr ist der im Folgenden dargestellte Kulturbegriff als ein Rahmen für den speziellen Begriff der Esskultur zu interpretieren und fokussiert somit stark.
Kultur aus psychologischer Perspektive bedeutet ein, für eine bestimmte Gesellschaft sehr typisches, Orientierungssystem. Es wird als universelles Phänomen beschrieben, „da es keine menschliche Gemeinschaft auf der Welt gegeben hat, gibt und geben wird, die keine Kultur ausgebildet hat.“ („KULTUR“ 2001: 404) Im Bezug auf den zu klärenden Begriff der Esskultur lässt sich feststellen, dass dieser deshalb existiert, weil Gemeinschaften in unterschiedlichen Ländern und Regionen ein für sie typisches Essverhalten, welches als typisches Orientierungssystem verstanden werden kann, entwickelt haben. Es gibt keine Gemeinschaft, in der sie nicht ausgebildet ist. Dieses Orientierungssystem hat Einfluss auf die Individuen, die in der jeweiligen Gesellschaft leben und sich mit dieser verbunden fühlen. Somit beschreibt der allgemeine Kulturbegriff die Zugehörigkeit des Einzelnen zu seiner jeweiligen Gemeinschaft. (vgl. „KULTUR“ 2001: 404)

 

[...]


1 Im Folgenden wird zur besseren Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet. Ich weise darauf hin, dass dabei auch die weibliche Form der jeweiligen Personengruppe angesprochen wird.


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