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Seminararbeit, 2002, 16 Seiten
Autor: Daniel Fischer
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (für Politikwissenschaft)
Tags: Aristoteles, Vordenker, Liberalismus, Kommunitarismus, Seminar, Einführung, Studium, Theorie
Jahr: 2002
Seiten: 16
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-73887-3
ISBN (Buch): 978-3-638-76964-8
Dateigröße: 127 KB
Der Arbeit lag folgende Fragestellung zugrunde: Fassen Sie in der Einleitung kurz anhand ausgewählter Texte aus der Sekundärliteratur zur Liberalismus-Kommunitarismus-Debatte das liberale und kommunitaristische Politikverständnis zusammen. Untersuchen Sie im Hauptteil Aristoteles´ Politikbegriff und beurteilen Sie abschließend, ob sich dieser Begriff aus heutiger Sicht eher liberal oder als kommunitaristisch verstehen lässt.
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Zusammenfassung / Abstract
Die Liberalismus-Kommunitarismus-Debatte ist eine philosophische Kontroverse, die seit dem Erscheinen von John Rawls Gerechtigkeitstheorie 1971 zunächst auf den angelsächsischen Raum beschränkt war. Besonders zu Beginn der 1980er Jahre fand diese Debatte hier statt. Der Ausgangspunkt war in den 1970er Jahren das Buch von Rawls mit dem Titel „A Theory of Justice“ („Theorie der Gerechtigkeit“). In seiner Rezension führte dieses Werk zu einer Wiederbelebung der politischen Philosophie. Von einem „ruckartig vollzogenen und ohne nennenswerten Widerstand durchgesetzten Paradigmenwechsel“ sprach Hauke Brunkhorst in diesem Zusammenhang. Der Anspruch von Rawls war die Wiederaufnahme der klassischen Vertragslehre und der damit vorzulegenden stringenten Gerechtigkeitskonzeption. In seiner Theorie der „Gerechtigkeit als Fairness“ ging es ihm um eine „verfahrensmäßige Zuweisung von Grundrechten und Grundpflichten und eine gerechte Verteilung der erwirtschafteten Güter“.3 Rawls geht davon aus, dass vor allem Gerechtigkeit die wichtigste Tugend sozialer Institutionen ist. Dieser Grundgedanke sollte der theoretische Kern und die Grundlage für die Kommunitaristen werden. Die zunächst in den USA entflammte Debatte richtete sich zunächst gegen den „Individualismus der zu einem Atomismus mutiert“ und gegen „anonyme Verwaltungsstrukturen“, die Gemeinsinn, bürgerschaftliches Handeln und Bürgergeist demotivieren. Gerade der Bürgergeist war es, der die Vereinigten Staaten lange Zeit geprägt hat.
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Dresden, Institut für Politikwissenschaft
Lehrstuhl für politische Theorie und Ideengeschichte
Proseminar: Einführung in das Studium der politischen Theorie
Wintersemester 2001/2002, 3. Fachsemester
Ist Aristoteles ein Vordenker des Liberalismus oder des Kommunitarismus?
von
Daniel Fischer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Hauptteil 4
2.1 Verständnis von Politik im Liberalismus und Kommunitarismus 4
2.1.1 Liberales Politikverständnis 4
2.1.2 Kommunitaristisches Politikverständnis 6
2.2 Debattenbilanz 7
2.3 Der Politikbegriff bei Aristoteles 8
3 Zusammenfassung 13
4 Literatur 16
1 Einleitung
Die Liberalismus-Kommunitarismus-Debatte ist eine philosophische Kontroverse, die seit dem Erscheinen von John Rawls Gerechtigkeitstheorie 1971 zunächst auf den angelsächsischen Raum beschränkt war. Besonders zu Beginn der 1980er Jahre fand diese Debatte hier statt.1 Der Ausgangspunkt war in den 1970er Jahren das Buch von Rawls mit dem Titel „A Theory of Justice“ („Theorie der Gerechtigkeit“). In seiner Rezension führte dieses Werk zu einer Wiederbelebung der politischen Philosophie. Von einem „ruckartig vollzogenen und ohne nennenswerten Widerstand durchgesetzten Paradigmenwechsel“2 sprach Hauke Brunkhorst in diesem Zusammenhang.
Der Anspruch von Rawls war die Wiederaufnahme der klassischen Vertragslehre und der damit vorzulegenden stringenten Gerechtigkeitskonzeption. In seiner Theorie der „Gerechtigkeit als Fairness“ ging es ihm um eine „verfahrensmäßige Zuweisung von Grundrechten und Grundpflichten und eine gerechte Verteilung der erwirtschafteten Güter“.3 Rawls geht davon aus, dass vor allem Gerechtigkeit die wichtigste Tugend sozialer Institutionen ist. Dieser Grundgedanke sollte der theoretische Kern und die Grundlage für die Kommunitaristen werden. Die zunächst in den USA entflammte Debatte richtete sich zunächst gegen den „Individualismus der zu einem Atomismus mutiert“ und gegen „anonyme Verwaltungsstrukturen“, die Gemeinsinn, bürgerschaftliches Handeln und Bürgergeist demotivieren. Gerade der Bürgergeist war es, der die Vereinigten Staaten lange Zeit geprägt hat.4
2 Hauptteil
2.1 Verständnis von Politik im Liberalismus und Kommunitarismus
2.1.1 Liberales Politikverständnis
Für Liberalismus besteht keine allgemein verbindliche Definition. Dennoch kann angefügt werden, dass die wesentlichen Elemente liberaler Theorie zu Selbstverständlichkeiten heutiger demokratischer Systeme und Staaten geworden sind, sich liberales Denken somit durchgesetzt hat. Historisch gesehen war die Aufklärung der Ausgangspunkt sowie der aufkommende Rationalismus im 17. und 18.Jahshundert. „Der Grundzug der Aufklärung ist ein tiefer Drang nach Befreiung von der Last der Tradition und dem Zwang der Autoritäten.“5 Zum ersten Mal gewann der politische Liberalismus in der französischen Revolution von 1789 an großer Bedeutung und Macht und strahlte seitdem auf ganz Europa aus. Die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrecht vom 26. August 1789 prägte sich am stärksten ins allgemeine Bewusstsein.6 Diese Strömung ist sehr eng mit der Betrachtungsweise verbunden, dass die Vernunft autonom ist und deshalb Maßstab zur Beurteilung aller Dinge. 1927 meinte Ludwig von Mises: „Der Liberalismus ist keine abgeschlossene Lehre, er ist kein starres Dogma; er ist das Gegenteil von allem: er ist die Anwendung der Lehren der Wissenschaft auf das gesellschaftliche Leben der Menschen.“7 Der Wille zur Selbsterhaltung, zum Egoismus, zum Besitz- und Freiheitsstreben ist eine anthropologische Grundannahme.8
Vordergründig zielt das liberale Freiheitsverständnis auf die Begrenzung der Staatsgewalt ab, die oftmals eine Zwangsgewalt in der Gesellschaft darstellt. Denn der Staat soll der Macht beraubt werden, die wirtschaftlichen Handlungen des einzelnen zu lenken und zu kontrollieren. Erhalten bleiben soll die Freiheit, eigene Ziele und zu bestimmen und Handlungen zu wählen bei der Vollendung eines individuellen Wunsches.
[...]
1 Ahrenhövel, Mark: Kommunitarismus. in: Neumann, F. (Hrsg.) 1998: Handbuch politische Theorien und Ideologien 1. Opladen: Leske + Budrich, 1998, S. 236.
2 Brunkhorst, Hauke: Einführung in die Geschichte politischer Ideen. München: Fink-Verlag, 1997, S. 225.
3 Ahrenhövel, Mark: Kommunitarismus. in: Neumann, F. (Hrsg.) 1998: Handbuch politische Theorien und Ideologien 1. Opladen: Leske + Budrich, 1998, S. 244.
4 Vorländer, Hans: Der dritte Weg und Kommunitarismus. S. 16 –23, in: Das Parlament, 13. 04. 2001 / B 16-17, 2001, S. 19.
5 Knoll, Joachim H.: Liberalismus. München: Beck 1981, S. 90.
6 Fenske, Hans: Politisches Denken von der französischen Revolution bis zur Gegenwart. in: Fenske, H./Mertens, D./ Reinhard, W./ Rosen, K., 1997: Geschichte der politischen Ideen. Frankfurt/Main: Fischer-Taschenbuchverlag, 1997, S. 381.
7 Mises, Ludwig von, 1993: Liberalismus, [1927], S. 90.
8 Döhn, 1998, S. 163.
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