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Subtitle: Eine Untersuchung der Religionsschrift unter der preußischen Zensur in Königsberg
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 26 Pages
Author: Hana Gunkel
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Details
Institution/College: University of Potsdam
Tags: Antisemitismus, Kant, Religion, Grenzen, Vernunft
Year: 2006
Pages: 26
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-78325-5
ISBN (Book): 978-3-638-84480-2
File size: 156 KB
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Abstract
. Einleitung Immanuel Kant ist einer der meistbeachtetsten deutschen Philosophen und zog eine Reihe von bedeutenden „Kantianern“ nach sich, die auf seine Lehren aufbauten und sie weiterentwickelten. Je bedeutender ein Autor nun ist, um so wichtiger ist seine moralische Integrität, wie in aktuellen Debatten deutlich wird. Darum ist es unbedingt notwendig Vorwürfen hinsichtlich eines möglichen Antisemitismus in Kants Schriften nachzugehen. Zwar hat der Vorwurf des Antisemitismus heute eine ganz andere Dimension, als zu Lebzeiten Kants, aber gerade weil Kants Werke zeitlose Wichtigkeit haben, scheint es sinnvoll diesen Vorwürfen nachzugehen und sie in die Zeit und deren Umstände einzuordnen. Bettina Stangneth hat in ihrem Essay Antisemitistischen und antijudaistischen Motiven bei Kant verschiedene Tatsachen, Meinungen und mögliche Ursachen zusammengetragen und soll für diese Arbeit als wichtige Quelle dieser Vorwürfe dienen. Der Großteil dieser Vorwürfe richtet sich auf Kants Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, darum soll anhand dieser Schrift überprüft werden, ob diese Vorwürfe gerechtfertigt sind, oder ob mögliche antijudaistische Äußerungen nicht einen anderen, vielleicht philosophisch begründeten Hintergrund haben. So ist es doch denkbar dass Kant in seiner Religionsschrift Religion im allgemeinen kritisieren wollte und dies aus bestimmten Gründen beim Judentum expliziter getan hat als beim Christentum. Um dies herauszuarbeiten wird die Religionsschrift in groben Zügen dargestellt, um anschließend die antisemitischen bzw. antijüdischen und antichristlichen Motiven herauszuarbeiten. Dabei soll neben den Äußerungen in seinem Werk auf Kants persönliches Verhältnis zu den Juden eingegangen werden, da dies nicht unerheblich für einen möglichen Antisemitismus erscheint. Daneben werden die Bedingungen betrachtet, unter denen Kant die Religionsschrift 1793 in Königsberg geschrieben hat. Denn in jene Zeit fiel mit der Amtsübernahme Friedrich Wilhelm II. eine Verschärfung der staatlichen Zensur, die durchaus einen Einfluss auf Kants Schriften gehabt haben könnte.
Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam, Philosophische Fakultät
Hauptseminars: Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
Sommersemester 2006
Antisemitismus bei Kant?
Eine Untersuchung der Religionsschrift unter der preußischen Zensur in Königsberg
von
Hana Gunkel
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Religionsschrift als Werk der Aufklärung 5
2.1 Überblick über die Religionsschrift 5
3. Antiklerikale Elemente 10
3.1 Antisemitische bzw. Antijudaistische Elemente 10
3.1.1 Antijudaistische Äußerungen in Kants Religionsschrift 10
3.1.2 Kant - ein Antijudaist? 12
3.2 Antichristliche Äußerungen 13
4. Kants Schrift unter der preußischen Zensur jener Zeit 19
4.1 Wandel der Zensur unter Friedrich Wilhelm II . 19
4.2 Die Religionsschrift und die preußische Zensur 21
5. Fazit 24
Quellen 26
1. Einleitung
Immanuel Kant ist einer der meistbeachtetsten deutschen Philosophen und zog eine Reihe von bedeutenden „Kantianern“ nach sich, die auf seine Lehren aufbauten und sie weiterentwickelten. Je bedeutender ein Autor nun ist, um so wichtiger ist seine moralische Integrität, wie in aktuellen Debatten deutlich wird. Darum ist es unbedingt notwendig Vorwürfen hinsichtlich eines möglichen Antisemitismus in Kants Schriften nachzugehen. Zwar hat der Vorwurf des Antisemitismus heute eine ganz andere Dimension, als zu Lebzeiten Kants, aber gerade weil Kants Werke zeitlose Wichtigkeit haben, scheint es sinnvoll diesen Vorwürfen nachzugehen und sie in die Zeit und deren Umstände einzuordnen.
Bettina Stangneth hat in ihrem Essay Antisemitistischen und antijudaistischen Motiven bei Kant verschiedene Tatsachen, Meinungen und mögliche Ursachen zusammengetragen und soll für diese Arbeit als wichtige Quelle dieser Vorwürfe dienen. Der Großteil dieser Vorwürfe richtet sich auf Kants Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, darum soll anhand dieser Schrift überprüft werden, ob diese Vorwürfe gerechtfertigt sind, oder ob mögliche antijudaistische Äußerungen nicht einen anderen, vielleicht philosophisch begründeten Hintergrund haben.
So ist es doch denkbar dass Kant in seiner Religionsschrift Religion im allgemeinen kritisieren wollte und dies aus bestimmten Gründen beim Judentum expliziter getan hat als beim Christentum. Um dies herauszuarbeiten wird die Religionsschrift in groben Zügen dargestellt, um anschließend die antisemitischen bzw. antijüdischen und antichristlichen Motiven herauszuarbeiten. Dabei soll neben den Äußerungen in seinem Werk auf Kants persönliches Verhältnis zu den Juden eingegangen werden, da dies nicht unerheblich für einen möglichen Antisemitismus erscheint.
Daneben werden die Bedingungen betrachtet, unter denen Kant die Religionsschrift 1793 in Königsberg geschrieben hat. Denn in jene Zeit fiel mit der Amtsübernahme Friedrich Wilhelm II. eine Verschärfung der staatlichen Zensur, die durchaus einen Einfluss auf Kants Schriften gehabt haben könnte.
Da die preußische Zensurbehörde jener Zeit nur aus christlichen Theologen bestand, könnte man vermuten, dass sich Kant mit antichristlichen Äußerungen zurückhalten musste, um möglichen Sanktionen zu entgehen. Um seine allgemeine Religionskritik dennoch auszudrücken, blieb ihm nur die harsche Kritik des Judentums, da die preußische Zensur mit judenfeindlichen Äußerungen kein Problem hatte. Darum stelle ich die Behauptung auf, dass die antisemitischen und antijudaistischen Elemente in Kants Religionsschrift lediglich explizit formulierte Religionskritik sind, die ebenso für das Christentum gelten, jedoch aufgrund der möglichen christlichen Zensur dort nicht so explizit auftauchen konnten.
2. Die Religionsschrift als Werk der Aufklärung
Ein Leitsatz der Aufklärung war Kants „Sapere aude“ (Habe den Mut dich deines Verstandes zu bedienen). Damit richtete sich der Grundgedanke gegen die selbstverschuldete Unmündigkeit des Bürgers. Unmündigkeit sei die Unfähigkeit sich seines Verstandes ohne die Hilfe anderer zu bedienen. Die Autoren der Aufklärung forderten diese Unmündigkeit zu durchbrechen. Darum richtete sich ihr Augenmerk gegen die bisherigen Quellen des Wissens und legten verstärkten Wert auf wissenschaftliche Erkenntnis durch Beobachtung und Experimente. Damit einher ging das Infragestellen der bisherigen Autoritäten, zu denen natürlich auch die Kirche zählte, die nun einer massiven Kritik unterworfen wurde. Die Konsequenz daraus war aber keine grundlegende Ablehnung der Religion1, sondern ein sogenannter Deismus, der davon ausging, dass Gott zwar die Welt erschaffen hat, jedoch danach nicht mehr in ihren Lauf eingreift. Religion wurde damit nicht komplett negiert, sondern galt als eine weitere Bewusstseinsebene neben den anderen spezialisierten der neuen Naturwissenschaften, des Rechts, der einsetzenden Psychologie, der Selbstbegründung philosophischer systemischer Rationalität. Religion war neben diesen Sphären auf das alltagspraktische Komplexbewusstsein reduziert, aber dennoch anerkannt.2
2.1 Überblick über die Religionsschrift
Kants Religionsschrift richtete sich gegen bestimmte Elemente des Volksglaubens, die als kirchliche Zwangsinstitutionen dienten. In dieser Schrift beginnt er im ersten Stück damit den „Augustinischen und den Lutherischen Glaubensschrecken, also die Existenz der Hölle und [...] die Personifizierung und die Externalisierung des Bösen in der Gestalt des von Luther dringlich eingeprägten Teufels“3 zu dekonstruieren. Diese Dekonstruktion gelingt ihm durch seine Auseinandersetzung mit dem radikal Bösen, das er im Gegensatz zur Lutherischen Lehre nicht außerhalb der menschlichen Natur verortet, sondern in ihr. Das Böse hat seinen Ursprung also nicht im Leib, sondern in der Vernunft. Damit macht er einen entscheidenden Schritt gegen die christliche Annahme, das Böse sei der Sinnlichkeit des Leibes entsprungen. Da der Leib aber keine Entscheidungen treffen kann, und damit auch keine Entscheidungen für das Böse, kann er nicht Quelle sein. Diese Entscheidungen, nach welcher Triebfeder das Handeln ausgerichtet ist, wird von der Vernunft getroffen und ist immer frei. Die Quintessenz dieses ersten Abschnittes, ist eben jene Erkenntnis, dass der „natürliche Hang zum Bösen, und da er doch immer selbstverschuldet sein muss, ihn selbst ein radikales, angebornes (nichtsdestoweniger von uns selbst zugezogenes) Böse in der menschlichen Natur“4 ist, und der Teufel damit als Quelle des Bösen hinfällig ist.
[...]
1 Diese vollständige Ablehnung wurde lediglich von dem atheistischen Flügel der aufklärerischen Religionstheoretiker verlangt.
2 Vgl. Irrlitz, Gerd (Hg.): Kant Handbuch, Leben und Werk, Metzler, Stuttgart Weimar 2002, S.381
3 ebd., S.382
4 Kant, Immanuel: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, Reclam, Stuttgart 1974
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