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Hauptseminararbeit, 2002, 13 Seiten
Autor: Elisa Bertuzzo
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Institution/Hochschule: Universität Augsburg (Philosophische Fakultät Deutsche Literaturwissenschaft)
Tags: Fassbinder Filmkritik Literatur
Jahr: 2002
Seiten: 13
Note: 2
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-14694-4
Dateigröße: 189 KB
Ich betrachte den Film Lola selbst; darüber hinaus analysiere ich die Filmkritik, die im Spiegel erschienen war. Die Filmkritik aus dem Spiegel ist hier nicht enthalten (müßte über www.spiegel.de verfügbar sein). 306 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Die Filmkritik zu Fassbinders Film ′Lola′
Elisa Bertuzzo
Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung und Exkurs S. 1
II. Zur Kritik: ,,Der blauäugige Engel" S. 4
III. Gattungsanalyse durch Vergleich(e) S. 7
IV. Schluss S. 10
V. Anhang S. 11
VI. Literaturverzeichnis S. 12
I. Einleitung und Exkurs
In meiner Arbeit habe ich mich mit der Kritik zu Reiner Werner Fassbinders Film ,,Lola" befasst, der in Deutschland produziert wurde und 1981 in den Kinos lief. Einige Besonderheiten im Film machen ihn zu einem Ausnahmefall in Vergleich zu anderen im Rahmen des Seminars betrachteten Filmen und wirken entsprechend auf die Kritik aus. Wie in verschiedenen seiner Filme1 beschäftigt sich der Regisseur mit einem literarischen Werk und schafft sich dabei einen persönlichen Zugang zu diesem, dessen er sich als roten Fadens im Prozess der Filmarbeiten bedient. Das Ergebnis: ,,Lola" ist keine unmittelbare Verfilmung eines literarischen Werks in Anklang mit den Seminarprämissen für die zu besprechenden Filme. Fassbinder greift zwar auf Sternbergs Film ,,Der blaue Engel"2 und ebenso auf dessen Vorlage, Heinrich Manns ,,Professor Unrat" zurück, verändert aber in seinem Spielfilm die Inhalte wesentlich. Bereits der Rahmen der Handlung wird von Fassbinder zeitlich und geographisch verändert: Statt in der Zeit der Weimarer Republik spielt sich die Geschichte in den 50er Jahren, statt Norddeutschland bietet sich die bayerische Stadt Bayreuth als Hintergrund an. Und der Protagonist, ursprünglich ein Gymnasiumslehrer, ist in ,,Lola" ein pflichtbewusster Baudezernent, der es mit einem korrupten Stadtrat zu tun hat. Es sind Veränderungen, die nicht nur die äußeren Bedingungen der Handlung prägen, sondern auch auf die Charaktere der Hauptfiguren wirken: Wo der nie gesellschaftsreif gewordener Professor Unrat wie ein kleiner Tyrann in seiner Klasse Furcht und gleichzeitig Verachtung und Spott auf sich zieht, ist der Baudezernent von Bohm (nicht umsonst hat er auch einen anderen Namen) ein einsamer, fortschrittsfreundlicher Beamter, der sich für asiatische Kunst interessiert und Geige spielt. Wo im Buch der Schüler Lohmann den Antagonisten spielt, ist von Bohms offensichtliche Gegenfigur der Bauunternehmer Schuckert. Der außerdem ein Bordell und dessen beste ,,Unterhalterin", Lola, besitzt. Diese wirkt nach Fassbinders Fassung pathetisch aber sympathisch, sie ist eine nicht unkorrumpierte Frau, die mit hysterischen Tränen und weiblicher Schlauheit den eigenen Gesellschaftsaufstieg erzielt. Als solche steht sie im Gegensatz zu Heinrich Manns Rosa Fröhlich, welche zwar mit den ähnlichen weiblichen Waffen Männer bezaubert, die aber eine eher positive Figur im Buch darstellt. Sie ist eine einfache Frau, die langsam ein gewisses Selbstbewusstsein entwickelt, indem sie nach und nach einen feineren, genussorientierten Lebensstil erreicht. Eine Konstellation weiterer Nebenfiguren bringt Fassbinder auf die Leinwand, die kaum Parallelen im Mannschen Werk finden.
Die Hauptthemen des Buchs3 gehen im Film eine Umwandlung ein: Die Spannung zwischen Tyrannei und Anarchie, die durch die Beziehung Professor Unrat/Schüler Lohmann zum Ausdruck kommt und ein zentrales Thema des Heinrich Manns Werks ist, findet beispielsweise keinen Raum bei Fassbinder. Ein gewisser politischer Hintergrund ist zwar im Film vorhanden, ohne allerdings besonders akzentuiert zu werden. In ,,Lola" fällt endgültig auch die Diskussion über die Schule aus, um die zur Zeit des Schriftsteller sehr viel gestritten wurde. Ein wichtiger thematischer Aspekt besteht im Buch in der Betrachtung der Liebe entweder als erotischer Trieb oder als Befreiung vom Laster, Mittel zur geistigen Erhebung. Höchstens geht es Fassbinder in ,,Lola" um die Liebe als Mittel der sozialen Erhebung, wobei Einsamkeit und die ihr verbundene Verzweiflung als Folge des Fehlens von Liebe auch als Themen des Films angesehen werden können. Eine nähere Beschäftigung mit dem Charakter ermöglicht es im Buch, Unrats Antriebskräfte in Machtwahn und Liebe zu erkennen, von denen die erstere siegt. Bei von Bohm sind Streben nach Gerechtigkeit und Rachelust (oder verletzte Liebe) die entgegengesetzten Kräfte, die ihn antreiben. Außerdem zeigt Fassbinder mit seinem Film die überallherrschende Korruption der Wiederaufbaujahre in der Bundesrepublik und den hypokritischen bürgerlichen Puritanismus an4.
[...]
1 Man denke zum Beispiel an die berühmte Literaturverfilmung "Fontane Effi Briest" oder an ,,Die Reise ins Licht/Despair" nach Nabokov.
2 Sternberg hatte in den 30er Jahren seine (im Verhältnis) originalgetreuere Verfilmung des selben Mannschen Werks gedreht, allerdings mit einem (nach dem Name des Lokals, in dem sich im Buch die Künstlerin Rosa Fröhlich alias Lola aufführte) neuerfundenen Titel. Von der Distanzierung Fassbinders gegenüber der Vorlage zeugt eben der Filmtitel ,,Lola" - eine viel mittelbarere Referenz zur Quelle.
3 Eckhard Glöckner führt in einem interessanten Aufsatz eine Betrachtung des Buchs, worauf ich mich beziehen werde. Vgl.: Glöckner, Eckhard (Hg.): Heinrich Mann ,,Professor Unrat". Klett Verlag, Stuttgart 1981.
4 Fassbinders ,,politische" Bezugsnahme könnte also denjenigen Kritikern Recht geben, die den Film eher politisch verstanden haben. Ich komme später zur Rezeption des Films seitens der Presse.
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