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„Ob wir nicht doch vielleicht Schuld sind?“ - Von der Schuldfrage in Fontanes „Effi Briest“

Termpaper, 2007, 17 Pages
Author: Kristina Keller
Subject: German - Literature, Works

Details

Event: Theodor Fontanes Gesellschaftsromane
Institution/College: University of Hannover (Deutsches Seminar)
Tags: Schuld, Schuldfrage, Fontanes, Briest“, Theodor, Fontanes, Gesellschaftsromane
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 17
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V74459
ISBN (E-book): 978-3-638-71597-3
ISBN (Book): 978-3-638-83474-2
File size: 157 KB

Abstract

Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ wurde wohl, wie selten ein anderer, auf viele verschiedene Gegenstände untersucht, die man allesamt in der Sekundärliteratur wieder findet. Einer dieser Schwerpunkte ist die Frage, inwieweit die Eltern Effis daran beteiligt waren, dass es zu ihrem Schritt vom Wege kam. Diese Arbeit versucht auf der Grundlage von Fontanes Roman und der dazugehörigen Sekundärliteratur eine ansatzweise Annäherung an die Schuldfrage der Eltern. Dazu sollen zunächst einleitend die Eltern von Effi näher charakterisiert und die Beziehung zu ihrer Tochter dargestellt werden. Wichtig für die Auseinandersetzung mit dieser Problematik ist außerdem die Beziehung der Eltern zu Effis Ehemann Innstetten, insbesondere die Beziehung zwischen Effis Mutter Luise und ihm. Daraus ableitend kann man auch die Reaktion der Eltern auf Effis Ehebruch näher darstellen und die Gründe dafür aufzeigen. Um die Charakterisierung der beteiligten Personen abzuschließen, möchte ich noch auf die Parallelen zwischen Effi und Luise in Bezug auf ihre Mutterrolle eingehen, bevor ich mich der Schuldfrage der Eltern widme. Dabei sollen vor allem die Aspekte untersucht werden, die man in Fontanes Buch findet und was dazu in der Sekundärliteratur gesagt wird, weil die Meinungen hier sehr weit auseinander gehen, da der vorhandene Text auf vielerlei Ebenen unterschiedlich interpretiert wurde.


Excerpt (computer-generated)

Gottfried-Wilhelm-Leibniz Universität Hannover
Seminar: Theodor Fontanes Gesellschaftsromane
Wintersemester 2006/07

„Ob wir nicht doch vielleicht Schuld sind?“
Von der Schuldfrage in Fontanes „Effi Briest“

von

Kristina Keller

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Charakterisierung der Eltern 3

2.1. Der Vater 3
2.2. Die Mutter 4

3. Die Beziehung der Eltern zu Effi 6

3.1. Die Beziehung der Eltern zu Innstetten 8
3.2. Die Reaktion der Eltern auf Effis Schritt vom Wege 9
3.3. Vergleich der Mutterrolle Effis und Luise Briests 10

4. Die Schuldfrage der Eltern 12

4.1. In Fontanes Roman 12
4.2. In der Sekundärliteratur 12

5. Schlussbetrachtung 14

6. Literaturverzeichnis 16



 

1. Einleitung

Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ wurde wohl, wie selten ein anderer, auf viele verschiedene Gegenstände untersucht, die man allesamt in der Sekundärliteratur wieder findet. Einer dieser Schwerpunkte ist die Frage, inwieweit die Eltern Effis daran beteiligt waren, dass es zu ihrem Schritt vom Wege kam.
Diese Arbeit versucht auf der Grundlage von Fontanes Roman und der dazugehörigen Sekundärliteratur eine ansatzweise Annäherung an die Schuldfrage der Eltern. Dazu sollen zunächst einleitend die Eltern von Effi näher charakterisiert und die Beziehung zu ihrer Tochter dargestellt werden. Wichtig für die Auseinandersetzung mit dieser Problematik ist außerdem die Beziehung der Eltern zu Effis Ehemann Innstetten, insbesondere die Beziehung zwischen Effis Mutter Luise und ihm. Daraus ableitend kann man auch die Reaktion der Eltern auf Effis Ehebruch näher darstellen und die Gründe dafür aufzeigen. Um die Charakterisierung der beteiligten Personen abzuschließen, möchte ich noch auf die Parallelen zwischen Effi und Luise in Bezug auf ihre Mutterrolle eingehen, bevor ich mich der Schuldfrage der Eltern widme. Dabei sollen vor allem die Aspekte untersucht werden, die man in Fontanes Buch findet und was dazu in der Sekundärliteratur gesagt wird, weil die Meinungen hier sehr weit auseinander gehen, da der vorhandene Text auf vielerlei Ebenen unterschiedlich interpretiert wurde.

2. Charakterisierung der Eltern

2.1. Der Vater

In Theodor Fontanes Roman werden die Personen vor allem durch das was sie sagen, also durch ihre Gespräche, direkt und indirekt charakterisiert. Der Ritterschaftsrat von Briest wird bei seinem erstmaligen Erscheinen im Roman als ein „wohlkonservierter Fünfziger von ausgesprochener Bonhommie“1 beschrieben. Er ist auch nicht das, was man ein Familienoberhaupt nennt, denn die meisten Entscheidungen im Hause Briest werden ohne, dass Briest ihr widerspricht, von seiner Frau getroffen. Dies lässt sich sehr gut an der Verlobung zwischen Innstetten und Effi aufzeigen, bei der seine Frau ihn in der Gegenwart der frisch Verlobten zurechtweist und er ihr zustimmt.2 Damit gewinnt der Leser den Eindruck der intellektuellen Dominanz von Luise gegenüber Briest. Nur einmal behält die Meinung Briests Oberhand gegenüber Luise, nämlich als es darum geht, Effi aufgrund ihrer Krankheit wieder zu Hause aufzunehmen.3
Nicht zuletzt an dieser Tat ist seine Verbundenheit mit Effi erkennbar. Er steht ihr auch in vielen anderen Dingen näher als die Mutter, zum Beispiel, wenn die Rede von Effis Neigung zu Frivolitäten ist, als sie sich den japanischen Bettschirm wünscht.4 Das alles verweist auf das Vorbild des Vaters.
Briest wird außerdem nicht ein einziges Mal im Roman mit seinem Vornamen angesprochen, womit ihm der Autor eine Sonderrolle zukommen lässt. Er distanziert sich als erster von den gesellschaftlichen Konventionen, indem er Effi wieder aufnehmen will, womit er eine „autonome Innerlichkeit“5 besitzt, die Innstetten in dieser Hinsicht fehlt.
Bei der letzten Szene des Romans, als die Eltern vor Effis Grab stehen und die Mutter nach der Schuld fragt, verweist Briest, wie so oft im Roman, auf das „zu weite Feld“6. Diese Aussage ist sein Haupterkennungsmerkmal im Buch und zeigt, insbesondere in der letzten Szene, dass Briest über den Dingen steht und dass er sich mit der Realität abgefunden hat.7

2.2. Die Mutter

[...]


1 Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest. 9.Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2004, S. 18

2 Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 19-20

3 Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 277

4 Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 30

5 Vgl. Müller-Michaels, Harro: Normendiskurse in Fontanes späten Romanen. In: Deutschunterricht Berlin, Heft 2 (2000), S. 100

6 Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 295-296

7 Vgl. Rösel, Manfred: „Das ist ein weites Feld“. Wahrheit und Weisheit einer Fontaneschen Sentenz. Frankfurt am Main, Berlin u. a.: Peter Lang 1997, S. 79


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