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Zur Aktualität höfischer Werte

Essay, 2006, 10 Pages
Author: Saphira Kulow
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: Hauptseminar: Hof - Höfische Kommunikation - Höflichkeit
Institution/College: University of Freiburg
Tags: Aktualität, Werte, Hauptseminar, Höfische, Kommunikation, Höflichkeit
Category: Essay
Year: 2006
Pages: 10
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V74840
ISBN (E-book): 978-3-638-72903-1

File size: 94 KB

Abstract

Willi Lemke, Senator für Bildung und Wissenschaft in Bremen, beklagte sich kürzlich im Rahmen der ARD-Sendung Sabine Christiansen über die schlechten Umgangsformen der heutigen Jugend: "Ich wünsche mir, dass es wieder so ist, dass die Kinder erzogen werde[n], dass sie, wenn eine schwangere Frau in den Waggon einsteigt oder eine ältere Dame oder ein älterer Herr, dass sie aufstehen. Heute bin ich ja froh, wenn die nicht angemacht werden oder ihnen Prügel angedroht wird. Das ist die Wahrheit und da müssen wir mal ganz kräftig gegensteuern." Die Diskussion, in der Lemke diese Worte äußerte, bezog sich auf die möglichen Ursachen für den Amoklauf eines Schülers in Emsdetten. Glaubt Lemke tatsächlich, die Gewaltbereitschaft junger Menschen könne durch die Erlernung höflicher Umgangsformen gemindert werden? Und: verhielten sich junge Menschen früher wirklich höflicher? Der vorliegende Essay vergleicht frühe mit moderner deutscher „Anstandsliteratur“ und stellt sich dabei die Frage: Was hat sich geändert in 800 Jahren deutscher Sitten? Wo sind sie geblieben - die „ritterlichen“ Tugenden: die Aufrichtigkeit, die Verlässlichkeit, die Höflichkeit, die Großzügigkeit und der Schutz der Armen und Schwachen?


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Hauptseminar: Hof – Höfische Kommunikation - Höflichkeit
SoSe 2006

Aktualität höfischer Werte

von

Saphira Kulow

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung  3

1 Höfische Werte: früher und heute  4

1.1 Die Ritter der Artusrunde – Ideale der Höflichkeit 4
1.2 Der mittelalterliche „Knigge“: Der Welsche Gast  5
1.3 Tugenden heute  6

2 Fazit  8

3 Literaturverzeichnis 10




 

Einleitung

Willi Lemke, Senator für Bildung und Wissenschaft in Bremen, beklagte sich kürzlich im Rahmen der ARD-Sendung Sabine Christiansen über die schlechten Umgangsformen der heutigen Jugend:

Ich wünsche mir, dass es wieder so ist, dass die Kinder erzogen werde[n], dass sie, wenn eine schwangere Frau in den Waggon einsteigt oder eine ältere Dame oder ein älterer Herr, dass sie aufstehen. Heute bin ich ja froh, wenn die nicht angemacht werden oder ihnen Prügel angedroht wird. Das ist die Wahrheit und da müssen wir mal ganz kräftig gegensteuern.1

Die Diskussion, in der Lemke diese Worte äußerte, bezog sich auf die möglichen Ursachen für den Amoklauf eines Schülers in Emsdetten. Glaubt Lemke tatsächlich, die Gewaltbereitschaft junger Menschen könne durch die Erlernung höflicher Umgangsformen gemindert werden? Und: verhielten sich junge Menschen früher wirklich höflicher?
Der vorliegende Essay vergleicht frühe mit moderner deutscher „Anstandsliteratur“ und stellt sich dabei die Frage: Was hat sich geändert in 800 Jahren deutscher Sitten? Wo sind sie geblieben - die „ritterlichen“ Tugenden: die Aufrichtigkeit, die Verlässlichkeit, die Höflichkeit, die Großzügigkeit und der Schutz der Armen und Schwachen?

1 Höfische Werte: früher und heute

1.1 Die Ritter der Artusrunde – Ideale der Höflichkeit

Der sagenumwobene Artushof weckt bei vielen die Vorstellung an tugendhafte, vollkommene Ritter, die - koste es was es wolle – jeden Gast höflich empfingen, ihr Wort niemals brächen und ihr Leben für den Schutz der Armen und Schwachen gäben. Und tatsächlich sind es unter anderen diese Werte, die sich wie ein roter Faden durch den Artusroman ziehen. Es gibt eine nahezu zeremoniell festgelegte Abfolge der Begrüßung eines Gastes am Hofe. Die Gastfreundschaft, beziehungsweise der Respekt einem Fremden gegenüber ist oberstes Gebot. Wer sich am Artushof nicht an den Wertekanon hält, kann nicht mehr Teil der Artusgesellschaft sein.
Einer der Grundwerte auf den das arturische Wertesystem baut, ist die Verlässlichkeit. So muss Iwein den Hof verlassen, nachdem er gegenüber seiner Frau Wortbruch begangen hat. Und König Artus selbst überlässt seine Frau Ginower dem fremden Ritter Meljaganz, um seinem Wort treu zu bleiben, denn des Königs Wort „daz was ein eit“2. Ein weiteres elementares Verhaltensprinzip der Artusritter ist der Schutz der Armen und Schwachen um jeden Preis. So riskiert Iwein auf seinem Bewährungsweg sein Leben, um 300 Frauen aus der Tyrannei zu befreien, eine wehrlose Familie gegen einen Riesen zu beschüzten und die zum Tode verurteilte Lunete vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen zu bewahren.
Die Ritter des Artushofes müssen Lemke geradezu als Inbegriff der Höflichkeit erscheinen und ihre heldenhafte Selbstaufopferung steht so gesehen in scharfem Gegensatz zu den heutzutage wahllos mordenden jungen Menschen in Emsdetten oder Erfurt.

1.2 Der mittelalterliche „Knigge“: Der Welsche Gast

[...]


1 http://www.sabinechristiansen.de/index.php?id=101&tx_talk2web_pi3[guestid]=6430&tx_talk2web_pi3[showid]=206.

2 IWEIN, V. 4584.


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