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Subtitle: Die Rolle der frankographen Mande-Literatur in der modernen Négritude-Bewegung am Beispiel von Masse Makan Diabaté
Termpaper, 2007, 64 Pages
Author: Lisa-Marie Rohrdantz
Subject: African Studies
Details
Tags: Mande-Literatur, Zeitalter, Négritude
Year: 2007
Pages: 64
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 50 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-74325-9
ISBN (Book): 978-3-638-77017-0
File size: 663 KB
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Abstract
„Le monde est une maison qui n’a ni portes ni fenêtres. Et seuls se voient coincés dans cette immense demeure ceux qui essaient d’en sortir en emportant la part des autres. La part des autres? C’est leur défauts.“ Die Mande-Literatur ist eine Form des Ausbrechens aus dieser Welt „ohne Fenster und Türen“, ein Versuch, die kolonialen Strukturen in einer postkolonialen Welt zu überwinden und durch ein Berufen auf die eigene Kultur und Geschichte zurückzugewinnen, was zahlreichen afrikanischen Menschen durch die unfreiwillige Kolonialisierung genommen wurde. Mande-Autoren fordern die Rückbesinnung und Selbstfindung ihrer verratenen Völker und streben durch eine „nostalgische Rückbesinnung in die eigene Vergangenheit“ ein neues Gefühl der Solidarität und der gesellschaftlichen Dynamik an. Sie sehen sich als Lehrer und „Anwälte“ ihrer Mitmenschen, die durch „kritische Bilanz“ an ihre traditionellen moralischen und sozialen Werte erinnern möchten und moderne Konflikte mit traditionellen Mitteln zu lösen versuchen. Die Mande-Literatur lässt sich in ihrer Eigenart somit nicht in westliche Muster und Literaturkonzepte einordnen, sondern hebt sich durch ganz eigene Konzepte von eben dieser „westlichen“ Literaturkonzeption ab und ist dieser sogar fast kämpferisch gegenüber zu stellen, da sie sich gegen eine weitere Assimilation an die westliche Kultur und das westliches Werteverständnis auflehnt und für die Selbstbehauptung der ehemals kolonisierten Völker eintritt. Diese Arbeit nimmt sich die besagte besondere Beschaffenheit der Mande-Literatur zum Gegenstand, mit dem Ziel, ihre Eigenart zu beschreiben sowie ihre Bedeutung und Funktion in der modernen postkolonialen Gesellschaft Afrikas zu verdeutlichen. Nach einer allgemeinen und historischen Begriffsbestimmung wird ausführlich auf die konkreten Mande-Konzepte eingegangen, die sich in traditionellen Bambara -Begriffen ausdrücken lassen. Zudem wird die Bedeutung des Sunjata -Epos in der Mande-Literatur erläutert und insbesondere die sprachsoziologischen Aspekte sowie die sprachliche und kulturelle Identität beschrieben, die im Mittelpunkt der Mande-Literatur stehen. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf die zunächst sehr problematisch erscheinende Tatsache gelegt, dass die Mande-Autoren die französische Sprache nutzten, um sich literarisch auszudrücken.
Excerpt (computer-generated)
Institut für Afrikanistik der Universität zu Köln
Blockseminar: „Die Négritude wird 70 – eine literarische Bilanz“
Wintersemester 2006/07
MANDE-LITERATUR IM ZEITALTER DER NÉGRITUDE
- Die Rolle der frankographen Mande-Literatur in der
modernen - Négritude-Bewegung am Beispiel von Massa
Makan Diabaté -
von
Lisa-Marie Rohrdantz
8. Semester
Afrikanistik, Öffentliches Recht, Germanistik, Philosophie
Inhalt 2
A Einleitung: Die Mande-Literatur und Massa Makan Diabaté 4
B Die Konzeption der Mande-Literatur und Diabatés Umsetzung in seinen Romanen 6
I Die Eigenart der Mande-Konzepte 6
1. Ursprung und Bedeutung der Mande-Literatur 6
2. Der jamu – die soziale Struktur der Mande 8
3. Das Sunjata-Fasa 10
4. „Kasten“ in der Mande-Gesellschaft 14
4.1 Das soziale System des antiken Mande-Reiches in der modernen Mande-Gesellschaft 14
4.2 Das Verhältnis von nyamakalaw und [Sonderschrift] 18
5. Konkrete Mande-Konzepte im Überblick 20
5.1 fasa und fasiya – Die Determination des Seins im Mande 20
5.2 fadenya und badenya als grundlegende Mande-Sozialkonzepte 21
5.3 ngana und nganaya – Helden und Heldenideal im Mande 23
5.5 ngara – Der Künstler als Mediator des Heldentums 24
6. Sprichwörter in der Mande-Gesellschaft 27
7. Kulturelle und sprachliche Identität im Mande – Diglossie und Transposition von Mande-Metaphorik in die französische Sprache 30
II. Massa Makan Diabaté 34
1. Massa Makan Diabaté und seine Rolle als moderner Griot 34
2. Die Roman-Trilogie Massa Makan Diabatés und die Struktur der Mande-Prosa 39
3. „Le Boucher de Kouta“ 40
Fazit 44
III. Der Bezug der Mande-Literatur zur modernen Négritude-Bewegung 45
1. Ursprünge und Grundzüge der Négritude-Bewegung 45
2. Definitionen von Négritude 48
3. Die Mande-Literatur als Ausdrucksform der Négritude 54
C Ausblick und Schlussbetrachtung: Möglichkeiten und Grenzen der Mande-Literatur im heutigen postkolonialen Afrika 56
Literaturverzeichnis 60
A Einleitung: Die Mande-Literatur und Massa Makan Diabaté
„Le monde est une maison qui n’a ni portes ni fenêtres. Et seuls se voient coincés dans cette immense demeure ceux qui essaient d’en sortir en emportant la part des autres. La part des autres? C’est leur défauts.“1
Die Mande-Literatur ist eine Form des Ausbrechens aus dieser Welt „ohne Fenster und Türen“, ein Versuch, die kolonialen Strukturen in einer postkolonialen Welt zu überwinden und durch ein Berufen auf die eigene Kultur und Geschichte zurückzugewinnen, was zahlreichen afrikanischen Menschen durch die unfreiwillige Kolonialisierung genommen wurde. Mande-Autoren fordern die Rückbesinnung und Selbstfindung ihrer verratenen Völker und streben durch eine „nostalgische Rückbesinnung in die eigene Vergangenheit“2 ein neues Gefühl der Solidarität und der gesellschaftlichen Dynamik an. Sie sehen sich als Lehrer und „Anwälte“ ihrer Mitmenschen, die durch „kritische Bilanz“ an ihre traditionellen moralischen und sozialen Werte erinnern möchten und moderne Konflikte mit traditionellen Mitteln zu lösen versuchen.3 Die Mande-Literatur lässt sich in ihrer Eigenart somit nicht in westliche Muster und Literaturkonzepte einordnen, sondern hebt sich durch ganz eigene Konzepte von eben dieser „westlichen“ Literaturkonzeption ab und ist dieser sogar fast kämpferisch gegenüber zu stellen, da sie sich gegen eine weitere Assimilation an die westliche Kultur und das westliches Werteverständnis auflehnt und für die Selbstbehauptung der ehemals kolonisierten Völker eintritt.
Diese Arbeit nimmt sich die besagte besondere Beschaffenheit der Mande- Literatur zum Gegenstand, mit dem Ziel, ihre Eigenart zu beschreiben sowie ihre Bedeutung und Funktion in der modernen postkolonialen Gesellschaft Afrikas zu verdeutlichen.
Nach einer allgemeinen und historischen Begriffsbestimmung wird ausführlich auf die konkreten Mande-Konzepte eingegangen, die sich in traditionellen Bambara4- Begriffen ausdrücken lassen. Zudem wird die Bedeutung des Sunjata5-Epos in der Mande-Literatur erläutert und insbesondere die sprachsoziologischen Aspekte sowie die sprachliche und kulturelle Identität beschrieben, die im Mittelpunkt der Mande-Literatur stehen. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf die zunächst sehr problematisch erscheinende Tatsache gelegt, dass die Mande-Autoren die französische Sprache nutzten, um sich literarisch auszudrücken.
In einem zweiten Teil wird exemplarisch der malische Griot und Autor Massa Makan Diabaté6 vorgestellt, der als einer der populärsten Autoren Malis gilt und als Hauptvertreter der Mande-Literatur angesehen werden kann. Es soll im Weiteren an Diabatés Roman-Trilogie gezeigt werden, in wie weit die zuvor erläuterten Mande- Konzepte in seinem literarischen Werk zu finden sind.
In einem dritten und abschließenden Teil wird der Bezug von Massa Makans Diabatés Tätigkeit als Mande-Autor zur Négritude-Bewegung hergestellt, die ihren Ursprung in der intellektuellen Revolte gegen den französischen Kolonialismus im Paris der 1930er Jahren findet. Dabei wird die Bedeutung und Rolle der Mande-Literatur in dieser revolutionären Bewegung herausgearbeitet sowie in ihren Grundsätzen und Forderungen der Négritude-Bewegung gegenüber gestellt. Im Rahmen der Schlussbetrachtung sollen schließlich ausblickend die Möglichkeiten und Grenzen der Mande-Literatur im heutigen modernen, aber immer noch stark von kolonialen Strukturen und deren Auswirkungen geprägten, Afrika aufgezeigt werden.
B Die Konzeption der Mande-Literatur und Diabatés Umsetzung in seinen Romanen
I Die Eigenart der Mande-Konzepte
1. Ursprung und Bedeutung der Mande-Literatur
Die Mande7-Literatur wurzelt im antiken Mande-Reich8 und in diesem Rahmen in den antiken Mande-Gesellschaften. Diese Gesellschaften und Völker sind vor allem die Malinke, die Bambara, die Dyula und die Soninka,9 die auch heute noch Dialekte des Mande10 sprechen und in einem großen Teil von Westafrika, in der westafrikanischen Savanne, von der Gambischen Küste bis Zentral-Burkina-Faso sowie vom südlichen Mauretanien bis Abidjan in der Elfenbeinküste leben. Als „Mande heartland“ oder Kernland des Mande-Reiches11 kann jedoch das östliche Guinea sowie das westliche Mali bezeichnet werden.12
[....]
1 Traditionelle Weisheit aus Mali, zitiert von Diabaté, Massa Makan. – In: Le Boucher de Kouta, S.3.
2 Ischinger, Anne-Barbara. Kulturidentität und Frankographie, S.132.
3 Ebenda, S.9.
4 Bambara wird hauptsächlich in Mali gesprochen, als zentrale Variante des Mande kann man sich damit jedoch zudem in den meisten Regionen von Burkina Faso, der Elfenbeinküste, in der östlichen Landeshälfte Guineas sowie im Ostsenegal verständigen; Kastenholz, Raimund. Bambara/Dyula, in: Mabe, Jacob E. (Hrsg.), Das Afrika-Lexikon, S.69f.
5 Sunjata Keita (~1190-1260), auch „Löwenkönig“ genannt, war der erste legendäre König des Mali-Reiches, er trägt in Mali den Titel des Mansa, d.h. er gilt als „König der Könige“.
6 Massa Makan Diabaté lebte von 1938 bis 1988 in Bamako und Paris.
7 Unter dem Begriff des „Mande“ werden in der Afrikalinguistik ca. 40 Sprachen zusammen gefasst, Kastenholz, Raimund. Sprachgeschichte im West-Mande, S.14.
8 Das Mande-Reich (auch: Mali-Reich) bestand ca. von 1240 bis 1400, u.a. unter der Herrschaft von Sunjata Keita und Mansa Musa; Falola, Tayin. Mali (Königreich), in: Mabe, Jacob E. (Hrsg.), Das Afrika-Lexikon, S.373.
9 McGuire, James. Narrating Mande Heroism, S.37.
10 Der Begriff des Mande wurde erstmals von Sigismund W. Koelle in seiner „Polyglotta Africana“ von 1854 geprägt, dort hieß es aber noch „Mandenga“, dieser Begriff wurde von Diedrich Westermann im Jahre 1943 aufgegriffen und, unter Auslassung des „-ga“, für die gesamte Sprachfamilie festgeschrieben; Kastenholz, Raimund. Mande, in: Mabe, Jacob E. (Hrsg.), Das Afrika-Lexikon, S.376.
11 Kastenholz, Raimund. Sprachgeschichte im West-Mande, S.14f; Bird/Shopen. Maninka. – In: Language and their speakers, S.59.
12 Miller, Christopher. Theories of Africans, S.74.
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