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Seminararbeit, 2001, 17 Seiten
Autor: Diplom-Staatswissenschaftler (univ.) Sascha Hissler
Fach: Soziologie - Krieg und Frieden, Militär
Details
Institution/Hochschule: Universität der Bundeswehr München (Institut für Staatswissenschaften)
Tags: Militärsoziologie, Wandel im Militär, Kriterien der Streitkräfte, Postmoderne
Jahr: 2001
Seiten: 17
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-14758-3
ISBN (Buch): 978-3-638-81575-8
Dateigröße: 205 KB
Bewertung durch die Professur für allgemeine Soziologie: Lob: Umfang, Literaturauswahl und formale Seite (Zitierweise etc.) sind okay. Kritik: Es werden eine Fülle von Einzelthemen angerissen (Motivation, Wehrsystem, Low Intensity Conflicts), ohne tiefer darauf einzugehen. Daher besteht die Gefahr, den roten Faden zu verlieren.
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Zusammenfassung / Abstract
Um das Militär in der Postmoderne beschreiben zu können, muss zuerst klargestellt werden, um welche Epoche es sich handelt und wie diese zeitlich abgegrenzt ist. Nach Charles Moskos ist anhand der amerikanischen und westeuropäischen Geschichte zwischen drei Epochen militärischer Organisation zu unterscheiden:1 Die erste Epoche (bezeichnet als „Modern Type“) reicht von 1648 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Zu dieser Zeit herrschte ein ausgeprägtes Nationalstaatsdenken und das Streben nach nationaler Souveränität stand in der Politik aller Staaten an oberster Stelle. Militärisch interessant ist die 1793 erstmals in Europa auftretende radikale Bürgerbewegung „levee en masse“ während der französischen Revolution. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur deutschen Wiedervereinigung, geprägt durch den Kalten Krieg, wird von Moskos als „Late Modern Type“ bezeichnet. Schlagworte dieser Epoche sind Antagonismus, Bipolarismus, Nuklearzeitalter, Abschreckungspolitik und Abschottung. Die Massenverpflichtungen zum Militärdienst führten zum Höhepunkt der allgemeinen Wehrpflicht in der deutschen Bundeswehr, die vor allem in der Offiziersausbildung die Betonung auf die Professionalität der Ausbildung (vgl. auch Einführung des Studiums in die Offizierslaufbahn) legte. Gesellschaftspolitisch stand die Angst vor der totalen Vernichtung in der westlichen und östlichen Welt im Vordergrund (vgl. 1962 Kuba Krise), weswegen die Macht der Bevölkerungsvernichtung als herausragendstes Merkmal des Kalten Krieges gesehen wird. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 und dem Zusammenbruch der UdSSR und des Kommunismus’ fiel die akute Bedrohung für die westlichen Staaten weg. Weltweite Globalisierung kennzeichnen diese neue Ära internationaler Beziehungen, die von Moskos als „Postmodern Type“ bezeichnet wird.
Textauszug (computergeneriert)
Seminararbeit
zum Scheinerwerb im Fach Soziologie
Frühlingstrimester 2001
6. Trimester:
Militärsoziologie
Thema:
Das Militär in der Postmoderne
- Fünf Elemente des Wandels -
Gliederung:
1. Drei Epochen der Moderne 2
2. Visionen nach dem Ende des Kalten Krieges 3 - 4
3. Fünf Elemente des Wandels 4 - 5
4. Aktuelle Kriterien der Streitkräfte 5 - 10
5. Anforderungen an postmoderne Streitkräfte 10 - 12
6. Ausblick 12 - 14
7. Literaturverzeichnis 15 - 17
1. Drei Epochen der Moderne
Um das Militär in der Postmoderne beschreiben zu können, muss zuerst klargestellt werden, um welche Epoche es sich handelt und wie diese zeitlich abgegrenzt ist. Nach Charles Moskos ist anhand der amerikanischen und westeuropäischen Geschichte zwischen drei Epochen militärischer Organisation zu unterscheiden:1
Die erste Epoche (bezeichnet als „Modern Type“) reicht von 1648 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Zu dieser Zeit herrschte ein ausgeprägtes Nationalstaatsdenken und das Streben nach nationaler Souveränität stand in der Politik aller Staaten an oberster Stelle. Militärisch interessant ist die 1793 erstmals in Europa auftretende radikale Bürgerbewegung „levee en masse“ während der französischen Revolution.
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur deutschen Wiedervereinigung, geprägt durch den Kalten Krieg, wird von Moskos als „Late Modern Type“ bezeichnet. Schlagworte dieser Epoche sind Antagonismus, Bipolarismus, Nuklearzeitalter, Abschreckungspolitik und Abschottung. Die Massenverpflichtungen zum Militärdienst führten zum Höhepunkt der allgemeinen Wehrpflicht in der deutschen Bundeswehr, die vor allem in der Offizierausbildung die Betonung auf die Professionalität der Ausbildung (vgl. auch Einführung des Studiums in die Offizierlaufbahn) legte. Gesellschaftspolitisch stand die Angst vor der totalen Vernichtung in der westlichen und östlichen Welt im Vordergrund (vgl. 1962 Kuba Krise), weswegen die Macht der Bevölkerungsvernichtung als herausragendstes Merkmal des Kalten Krieges gesehen wird.
Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 und dem Zusammenbruch der UdSSR und des Kommunismus’ fiel die akute Bedrohung für die westlichen Staaten weg. Weltweite Globalisierung kennzeichnen diese neue Ära internationaler Beziehungen, die von Moskos als „Postmodern Type“ bezeichnet wird. Als Begleiterscheinung dieser neuen Weltordnung sieht er einen allgemeiner Wandel in Struktur und Kultur der Streitkräfte hin zu postmodernen Organisationsformen. Das Jahrhundert der Ideologien ist zu Ende, ein Jahrhundert, in dem internationale Organisationen und Regime dominieren werden, hat begonnen.
2. Visionen nach dem Ende des Kalten Krieges
Nach dem Ende des Kalten Krieges und somit des Endes der bipolaren Weltordnung erschienen verschiedene Visionen über die Zukunft einer neuen Weltordnung, „die sich zwar in ihren Grundelementen abzeichnet, aber keineswegs als manifest gelten kann.“2
Die Optimisten sahen eine „Neue Weltordnung“ (George Bush) und „The ´End Of History` as the end of the Third World“3 bevor und hegten Gedanken an eine Zukunft ohne weltumfassenden Krieg. Da in einer solchen herbeigesehnten konfliktfreien Welt die Streitkräfte keinen Auftrag mehr hätten, flammten allerorts Diskussionen über Sinn und Zukunft der NATO, der Streitkräfte, der Wehrpflicht, etc. auf.4
Auf der anderen Seite befürchteten die Pessimisten eine Nachkriegs-Anarchie: Die Kriege werden weitergeführt als Bandenkrieg ohne Kontrolle und Einfluss von staatlicher Seite (bzw. in Abwesenheit formalisierter Herrschaft) auf kriminelle Organisationen und schwer kontrollierbare Terroristen (z.B. Schlepperbanden, Drogenkartelle, Mafia, etc). Als neue Gefahr sahen sie die organisierte Kriminalität in Form von schwer „bewaffnete[n] Gruppierungen, die keine übergeordnete, staatliche Autorität bei der Festlegung ihrer Auftrages sowie in der Kontrolle der Auftragsdurchführung anerkennen, beispielsweise terroristische Banden, bewaffnete Widerstands- oder Befreiungsorganisationen etc.“5
Sehr beispielhaft werden diese Visionen in den Büchern von Martin Van Creveld „The Transformation of War“ (1991, Krieg nun als „besonderes Verbrechen“ oder „organisierte Kriminalität“ getarnt) und Robert Kaplan „The Coming Anarchy and the Nation State Under Siege“ (1995) beschrieben. Samuel Huntington schrieb 1996 den Bestseller „Clash of Civilizations and the Remaking of World Order“, nachdem er noch im Jahre 1991 einen viel optimistischeren Bericht verfasste „The Third Wave: Democratization in the Late twentieth Century“.
[...]
1 Vgl. Moskos,Charles C./Williams, John Allen/Segal, David R.: Armed Forces after the Cold War. In: Dies (Ed.): The Postmodern Military, New York/Oxford 2000, S. 1-2.
2 Jacobs, Andreas/Jäger, Thomas: Militär, Staat und Gesellschaft unter den Bedingungen der Globalisierung. In: Kümmel, Gerhard/Prüfert, Andreas D.: Military Sociology. The Richness of a Discipline, In: Prüfert, Andreas (Hrsg.): Forum Innere Führung, Band 9, Baden-Baden 2000, S. 283.
3 Calvert, Susan/Calvert, Peter: Politics and Society in the Third World: An introduction, Hertfordshire/Southampton 1996, S. 7. Zitiert nach Francis Fukuyama, 1992.
4 Vgl. Koob, Dirk: Deutsche Militärpolitik in den neunziger Jahren. Wie (selbst-) organisiert ist die Bundeswehr? In: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe Politikwissenschaften, Band 8, Marburg 1999, S. 87-89.
5 Klein, Paul et al: Militär und Gesellschaft. Bibliographie zur Militärsoziologie 1979-1997. In: Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr (Hrsg.), Berichte Heft 66, Strausberg 1997, S.11.
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