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Hausarbeit, 2006, 29 Seiten
Autor: Diplom-Pädagogin Cornelia Suchan
Fach: Pflegewissenschaften
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Psychogerontologie)
Tags: Biografiearbeit, Menschen, Demenz, Biografische, Methoden, Forschung, Intervention
Jahr: 2006
Seiten: 29
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-80100-3
Dateigröße: 161 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Von der Geburt bis zum Tod durchläuft jeder Mensch viele einzelne Situationen, die ihn in seiner Entwicklung und seinem Verhalten prägen. Biografie stellt somit eine subjektiv-individuelle Lebensbeschreibung dar, die bei jedem einzelnen Menschen einzigartig ist. Die Biographie eines Menschen kennen zu lernen, ermöglicht oft ein besseres Verständnis seiner Äußerungen und Handlungen, Bedürfnisse und Gefühle. Dadurch ergeben sich Ansatzpunkte für eine positive Einflussnahme sowie zur Förderung des Wohlbefindens. Auch im Bereich der Altenhilfe gewinnt die Biografiearbeit immer mehr an Stellenwert. Während in der Vergangenheit ein defizitäres Bild von alten Menschen herrschte, d.h. eine Betonung auf das, was der „alte Mensch“ nicht mehr kann, rückt immer mehr eine aktivierende und ressourcenorientierte Pflege in den Vordergrund. Der Fokus wird vermehrt darauf gerichtet, was der alte Mensch kann, welche Kompetenzen er noch besitzt. Es stellt sich immer häufiger die Frage „Wie wurde der Mensch zu dem was er ist?“. Die Beschäftigung mit der individuellen Biografie kann dabei helfen, pflegebedürftige Menschen besser zu verstehen und Handlungsalternativen zu entwickeln. Dies trifft insbesondere auf demenzkranke Menschen zu. Einerseits gelingt es Außenstehenden häufig nur schwer, sich in die Welt der verwirrten Menschen hineinzuversetzen, sich dort zurechtzufinden und sie zu begleiten. Durch Kenntnisse von der Biografie können Verhaltensweisen und Äußerungen von demenzkranken Menschen besser gedeutet und interpretiert werden. Andererseits stellt für Menschen mit Demenz die Erinnerung an ihre Vergangenheit eine wichtige Ressource dar, weil das Kurzzeitgedächtnis eingeschränkt ist und das Langzeitgedächtnis, in dem sehr gut memorierte und meist lange zurück liegende Informationen gespeichert sind häufig noch relativ lange intakt bleibt. Menschen mit Demenz suchen häufig nach Identität und Vertrautheit, die ihnen Sicherheit geben, in einer Welt, die ihnen aufgrund der nachlassenden Erinnerungsfähigkeit immer fremder erscheint. Erinnerungen, die auf das Langzeitgedächtnis zurückgreifen, geben ihnen Halt und schafft somit Vertrautheit. Biografiearbeit dient weiterhin dazu, das gelebte Leben eines alten Menschen mitin positiver Weise zu berücksichtigen. Insofern kann die Biografiearbeit einen Beitrag zur Lebensqualität im Pflege- und Betreuungsprozess leisten, da sie zur individuellen Betreuung, sinnvollen Tagesgestaltung und Aktivierung von Ressourcen beiträgt.
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Psychogerontologie
Seminar: Biografische Methoden in der gerontologischen Forschung und Intervention
Sommersemester 2006
Biografiearbeit bei Menschen mit Demenz
von
Cornelia Suchan
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Biografiearbeit und biografische Grundhaltung 5
2.1 Ziele der Biografiearbeit 7
3. Der Begriff Demenz 9
3.1 Die (Lebens-) Welt von Demenzkranken 10
3.2 Biografiearbeit bei Menschen mit Demenz 12
4. Biografieorientierte Ansätze in der Arbeit mit Demenzkranken 15
4.1 Validation 15
4.2 Integrative Validation 18
4.3 Reminiszenz-Therapie 19
4.4 Selbst-Erhaltungs-Therapie 20
4.5 Psychobiografisches Pflegemodell 21
4.6 Personenzentrierter Ansatz als Methode zum Erhalt der Subjektivität 22
5. Fazit 24
6. Literaturverzeichnis 28
1. Einleitung
Von der Geburt bis zum Tod durchläuft jeder Mensch viele einzelne Situationen, die ihn in seiner Entwicklung und seinem Verhalten prägen. Biografie stellt somit eine subjektiv-individuelle Lebensbeschreibung dar, die bei jedem einzelnen Menschen einzigartig ist. Die Biographie eines Menschen kennen zu lernen, ermöglicht oft ein besseres Verständnis seiner Äußerungen und Handlungen, Bedürfnisse und Gefühle. Dadurch ergeben sich Ansatzpunkte für eine positive Einflussnahme sowie zur Förderung des Wohlbefindens. Auch im Bereich der Altenhilfe gewinnt die Biografiearbeit immer mehr an Stellenwert. Während in der Vergangenheit ein defizitäres Bild von alten Menschen herrschte, d.h. eine Betonung auf das, was der „alte Mensch“ nicht mehr kann, rückt immer mehr eine aktivierende und ressourcenorientierte Pflege in den Vordergrund. Der Fokus wird vermehrt darauf gerichtet, was der alte Mensch kann, welche Kompetenzen er noch besitzt. Es stellt sich immer häufiger die Frage „Wie wurde der Mensch zu dem was er ist?“.
Die Beschäftigung mit der individuellen Biografie kann dabei helfen, pflegebedürftige Menschen besser zu verstehen und Handlungsalternativen zu entwickeln. Dies trifft insbesondere auf demenzkranke Menschen zu. Einerseits gelingt es Außenstehenden häufig nur schwer, sich in die Welt der verwirrten Menschen hineinzuversetzen, sich dort zurechtzufinden und sie zu begleiten. Durch Kenntnisse von der Biografie können Verhaltensweisen und Äußerungen von demenzkranken Menschen besser gedeutet und interpretiert werden. Andererseits stellt für Menschen mit Demenz die Erinnerung an ihre Vergangenheit eine wichtige Ressource dar, weil das Kurzzeitgedächtnis eingeschränkt ist und das Langzeitgedächtnis, in dem sehr gut memorierte und meist lange zurück liegende Informationen gespeichert sind häufig noch relativ lange intakt bleibt. Menschen mit Demenz suchen häufig nach Identität und Vertrautheit, die ihnen Sicherheit geben, in einer Welt, die ihnen aufgrund der nachlassenden Erinnerungsfähigkeit immer fremder erscheint. Erinnerungen, die auf das Langzeitgedächtnis zurückgreifen, geben ihnen Halt. Eine an der jeweiligen Biographie orientierte Struktur, die an Gewohnheiten der alten Menschen anknüpft, schafft somit Vertrautheit.
Biografiearbeit dient weiterhin dazu, das gelebte Leben eines alten Menschen mit seinen Werten, dem Lebensstolz und den vertrauten Stationen in positiver Weise zu berücksichtigen. Insofern kann die Biografiearbeit einen Beitrag zur Lebensqualität im Pflege- und Betreuungsprozess leisten, da sie zur individuellen Betreuung, sinnvollen Tagesgestaltung und Aktivierung von Ressourcen beiträgt. Außerdem werden die Kommunikation und die soziale Kontaktaufnahme gefördert und die Rückbesinnung auf Erfolge und Leistungen im vergangenen Leben kann die Selbstachtung bei den alten Menschen stärken.
Im ersten Abschnitt meiner Hausarbeit beschäftig ich mich mit dem Begriff der Biografiearbeit und biografischer Grundhaltung im Allgemeinen. Dazu zählen auch die Ziele von Biografiearbeit.
Im dritten Kapitel möchte ich aufzeigen, was unter einer Demenz zu verstehen ist und welche Auswirkungen dies auf die Betroffenen haben kann. Schließlich erläutere ich die speziellen Aspekte der Biografiearbeit im Hinblick auf demenzkranke Menschen. Das vierte Kapitel gibt einen Überblick über biografieorientierte Ansätze in der Arbeit mit demenzkranken Menschen. Dort werden spezielle Konzepte und Methoden wie bspw. die Validation, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder die Reminiszenz-Therapie etc. vorgestellt. Im fünften Kapitel ziehe ich ein Fazit.
2. Biografiearbeit und biografische Grundhaltung
Das Wort Biographie stammt aus dem griechischen. Bio bedeutet soviel wie Leben und Graphie schreiben. Biographie ist demnach eine Lebensbeschreibung (vgl. Opitz 1998, S. 31). Unter Biographie wird „die Darstellung der Lebensgeschichte eines Menschen sowohl hinsichtlich der äußeren Umstände und Ereignisse (...) als auch der geistig-seelischen Entwicklung“ (Opitz 1998, S. 31 ff.) gesehen. In diesem Zusammenhang muss jedoch die „Biografie“ von dem Begriff „Lebenslauf“ abgegrenzt werden: Während der Begriff „Lebenslauf“ die äußeren (objektiven) Daten eines gelebten Lebens umfasst, bezieht sich die Biografie eines Menschen auf seine Innenseite, d.h. auf das, was der oder die Erzählende subjektiv zu seiner oder ihrer Lebensgeschichte macht (vgl. Weingandt 2001, S. 7). Lebensgeschichtliche Erzählungen sind somit immer Rekonstruktionen der Vergangenheit aus dem Heute und stellen nach Fuchs-Heinritz strukturierte Selbstbilder dar. Diese können sich mit jeder Veränderung der Lebenslage und des jeweiligen Selbstverständnisses ändern, dabei kommen andere Ereignisse in den Vordergrund der Erinnerung und andere werden vergessen (vgl. Fuchs-Heinritz 2000, S. 51 ff.). Somit stellt die Biografie eines Menschen kein statisches Gebilde dar, sondern sie kann sich im Laufe eines Lebens durch subjektive Umdeutungen oder Neudefinitionen von Ereignissen oder Erlebnissen ändern.
Erlemeier betont eine biografische Grundhaltung gegenüber anderen Menschen. Er versteht unter Biografiearbeit in erster Linie nicht nur eine reine Wissensansammlung über das Leben eines Menschen, sondern sieht es als eine Haltung der Offenheit gegenüber dem Leben und der Geschichte eines Menschen (vgl. Erlemeier 1998, S. 207). „Eine Haltung, die sich im Respekt vor der einzigartigen Lebensgeschichte des Gegenübers ausdrückt, in der Behutsamkeit des Fragens, im Schutz der Intimsphäre, aber auch in der Offenheit, Anlässe für biografische Gespräche im Alltag wahrzunehmen und aufzugreifen, in der Neugier auf die Lebenserfahrungen des Anderen, in der Bereitschaft sich auf Erzählungen einzulassen“ (Franke 2003, S. 73). Biografiearbeit beinhaltet oft alle drei Zeitdimensionen (vgl. Klingenberger 2001):
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