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,Nationales Innovationssystem’ und ‚Regionales Innovationssystem’ als Ansätze zur Charakterisierung raumspezifischer Innovativität

Seminararbeit, 2006, 33 Seiten
Autor: Jens Schneider
Fach: Geowiss. / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 33
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 29  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V75926
ISBN (E-Book): 978-3-638-74014-2

Dateigröße: 1986 KB

Zusammenfassung / Abstract

Ein zentraler Aspekt in den politischen und wirtschaftlichen Debatten der vergangenen Jahre ist der weltweit diskutierte Begriff der Globalisierung und die Auswirkungen dieses Phäno-mens auf den Nationalstaat. Ein oft vorgetragenes Argument der Globalisierungsdebatte lautet dabei, dass die Möglichkeiten der Einflussnahme und Regulierungen der einzelnen Staaten auf die nationalen Volkswirtschaften mehr und mehr zurückgehen werden und sich das Ge-schehen zusehends auf eine internationale Ebene verlagern wird. Eine ähnliche Voraussage wird auch im Hinblick auf eine eigenständige nationale Technologie- und Innovationspolitik getätigt. Als Folge der Einschränkung von politischen Gestaltungsspielräumen und Freiheits-graden würden Maßnahmen, die die Technologie- und Innovationspolitik betreffen, aufgrund der offenen Grenzen und weltweiten Verknüpfungen wirkungslos und uneffizient. Die Haupt-aufgabe eines Nationalstaates wäre es somit nur noch, „[…]einen Beitrag zum Abbau von Barrieren zu leisten, die den internationalen Wissens- und Ressourcenaustausch behindern, und am eigenen Standort Rahmenbedingungen zu entwickeln, die für die eigene Konkurrenzfähigkeit und Attraktivität im internationalen Wettbewerb förder-lich sind.“ In die gleiche Richtung geht auch Saviotti, der schreibt, dass in Zeiten der Globalisierung die globale und supranationale Ebene eine größere Relevanz für den Innovationsprozess besitzen als dies die nationale Ebene tut. Die Verfasser der in dieser Arbeit im Vordergrund stehenden Konzepte der ‚Nationalen’ und ‚Regionalen’ Innovationssysteme schließen sich dieser These allerdings nicht an. Sie verwei-sen darauf, dass sich innerhalb von Nationalstaaten verschiedene Ebenen entwickelt haben – oder entwickeln können –, welche sich durch spezifische Systeme mit besonderen institutio-nellen Strukturen auszeichnen. Diese historisch gewachsenen und mit prägenden Eigenschaf-ten ausgestatteten Räume bleiben auch unter dem Einfluss der Globalisierung und einer damit verbundenen Internationalisierung der politischen und ökonomischen Prozesse erhalten.


Textauszug (computergeneriert)

,Nationales Innovationssystem’ und ‚Regionales Innovationssystem’
als Ansätze zur Charakterisierung raumspezifischer Innovativität:
Konzept und Anwendungen

von

Jens Schneider

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Grundlegende Begriffe bei der Arbeit mit Innovationssystemen 4

2.1 Der Begriff der Innovation 4
2.2 Die Bedeutung von Wissen 5
2.3 Systemtheorie als konzeptioneller Rahmen 6

2.3.1 Definition des Systembegriffs 6
2.3.2 Der systemische Denkansatz 7

3. Die Verknüpfung der Begriffe Innovation und System 8

4. Konzepte der nationalen Innovationssysteme 9

4.1 Die historische Entwicklung 10
4.2 Zentrale Arbeiten zum Konzept der Nationalen Innovationssysteme 11

4.2.1 Die US–amerikanischen Konzepte 12
4.2.2 Die aalborgsche Version 12
4.2.3 Die deutsche Auffassung eines Nationalen Innovationssystems 14

4.3 Spezifikas der Nationalen Innovationssysteme 15

5. Die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems 17

6. Schwachpunkte der Nationalen Innovationssysteme 18

7. Konzepte der regionalen Innovationssysteme 21

7.1 Der Klassifikationsansatz nach Cooke 25
7.2 Regionale Innovationssysteme im europäischen Vergleich 27

8. Kritikpunkte an den Ansätzen der Regionalen Innovationssysteme 29

9. Fazit 31

10. Literatur 32


 

 

1. Einleitung

Ein zentraler Aspekt in den politischen und wirtschaftlichen Debatten der vergangenen Jahre ist der weltweit diskutierte Begriff der Globalisierung und die Auswirkungen dieses Phänomens auf den Nationalstaat. Ein oft vorgetragenes Argument der Globalisierungsdebatte lautet dabei, dass die Möglichkeiten der Einflussnahme und Regulierungen der einzelnen Staaten auf die nationalen Volkswirtschaften mehr und mehr zurückgehen werden und sich das Geschehen zusehends auf eine internationale Ebene verlagern wird. Eine ähnliche Voraussage wird auch im Hinblick auf eine eigenständige nationale Technologie- und Innovationspolitik getätigt. Als Folge der Einschränkung von politischen Gestaltungsspielräumen und Freiheitsgraden würden Maßnahmen, die die Technologie- und Innovationspolitik betreffen, aufgrund der offenen Grenzen und weltweiten Verknüpfungen wirkungslos und uneffizient. Die Hauptaufgabe eines Nationalstaates wäre es somit nur noch,

„[…]einen Beitrag zum Abbau von Barrieren zu leisten, die den internationalen Wissens- und
Ressourcenaustausch behindern, und am eigenen Standort Rahmenbedingungen zu entwickeln,
die für die eigene Konkurrenzfähigkeit und Attraktivität im internationalen Wettbewerb förderlich
sind.“1

In die gleiche Richtung geht auch Saviotti, der schreibt, dass in Zeiten der Globalisierung die globale und supranationale Ebene eine größere Relevanz für den Innovationsprozess besitzen als dies die nationale Ebene tut.2
Die Verfasser der in dieser Arbeit im Vordergrund stehenden Konzepte der ‚Nationalen’ und ‚Regionalen’ Innovationssysteme schließen sich dieser These allerdings nicht an. Sie verweisen darauf, dass sich innerhalb von Nationalstaaten verschiedene Ebenen entwickelt haben – oder entwickeln können –, welche sich durch spezifische Systeme mit besonderen institutionellen Strukturen auszeichnen. Diese historisch gewachsenen und mit prägenden Eigenschaften ausgestatteten Räume bleiben auch unter dem Einfluss der Globalisierung und einer damit verbundenen Internationalisierung der politischen und ökonomischen Prozesse erhalten.3 Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, dem Leser eine Übersicht über die grundlegenden Begriffe und Zusammenhänge der Konzepte der so genannten ‚Nationalen’ und ‚Regionalen’ Innovationssysteme zu geben, welche die Beziehungen von Innovation und Raum darzustellen versuchen. Mit den Ansätzen der Innovationssystemforschung existiert ein Konzept, das Innovationsprozesse in einen räumlichen Systemzusammenhang stellt. Dieser räumliche Zusammenhang kann sich, wie sich in den späteren Kapiteln noch zeigen wird, auf verschiedene Gebietskategorien beziehungsweise Ebenen beziehen.4
Im nachfolgenden Kapitel werden zunächst grundlegende Begriffe des Themas erläutert, welche für das Verständnis der Innovationssysteme von elementarer Bedeutung sind. Danach werden jeweils exemplarisch verschiedene Konzepte und Anwendungen der nationalen und regionalen Innovationssysteme vorgestellt und es wird versucht anhand von ausgewählten Beispielen einen praxisnahen Bezug für den Leser aufzubauen.

2. Grundlegende Begriffe bei der Arbeit mit Innovationssystemen

In diesem Kapitel werden die im Mittelpunkt stehenden Termini der vorliegenden Arbeit kurz definiert, um somit eine Basis für eine verständliche Grundlage zu erzeugen. Bei den Konzepten der Innovationssysteme stehen primär räumliche Systemzusammenhänge im Vordergrund. Aus diesem Grund spielt die jeweilige räumliche Ausdehnung der im Fokus stehenden Systemebene eine entscheidende Rolle. Die in diesem Kapitel erörterten Begriffe sind jedoch zunächst unabhängig von der räumlichen Betrachtungsebene zu sehen und werden im späteren Verlauf der Arbeit immer wieder zur Erläuterung der verschiedenen Sichtweisen herangezogen. Es handelt sich im Folgenden um die Begriffe Innovationen, Wissen und System. Eine Begriffsbestimmung dieser Termini ist von Nöten, da sie durch ihre vielfache Anwendung in der Alltagssprache und in der Wissenschaft sehr heterogen verwendet und definiert werden.5

2.1 Der Begriff der Innovation

Bei einem Versuch der Definition von Innovationen kann bis auf Joseph Schumpeter zurückgegriffen werden. Der österreichische Ökonom machte bereits im Jahre 1952 in seiner Veröffentlichung Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung6 darauf aufmerksam, dass Volkswirtschaften für einen Wachstum darauf angewiesen sind, das ‚Alte’ durch etwas ‚Neues’ zu ersetzen. 7 Schumpeter verwandte zur damaligen Zeit zwar noch nicht den Begriff der Innovation, doch beschrieb er analog diesen Entwicklungsprozess als ‚Durchsetzung neuer Kombinationen’. Er unterschied dabei folgende fünf Fälle:

I. Schaffung eines neuen Gutes oder eines Gutes in neuer Qualität
II. Anwendung neuer Produktionsmethoden, die keineswegs auf einer wissenschaftlichen neuen Entdeckung zu beruhen brauchen
III. Erschließung eines neuen Absatzmarktes
IV. Nutzung neuer Bezugsquellen von Rohstoffen und Halbfabrikaten
V. Durchführung einer Neuorganisation, wie beispielsweise die Schaffung einer Monopolstellung oder das Durchbrechen eines Monopols.8

In den aktuellen Diskussionen über die verschiedenen Arten von Innovationen stehen primär die Produkt- und Prozessinnovationen im Mittelpunkt. Mit Produktinnovation wird dabei – analog zum oben genannten Punkt I – die Kommerzialisierung/Vermarktung eines technisch neuentwickelten oder veränderten Produktes bezeichnet. Eine bedeutende Änderung in der Produktionstechnik eines Produktes – siehe Punkt II – wird hingegen mit dem Terminus Prozessinnovation abgedeckt. Aufgrund der allgemeinen Bekanntheit der beiden Begriffe wird auf eine tiefer gehende Begriffsbildung an dieser Stelle verzichtet.
Neben diesen im Hauptaugenmerk liegenden technischen Innovationstypen gibt es des Weiteren noch soziale, institutionelle und organisatorische Innovationen, die einen gewissen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen beziehungsweise Unternehmen haben. Diese Arten von Innovationen können beispielsweise Veränderungen der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter eines Unternehmens oder neue gesellschaftliche Regulationsstrukturen zur Folge haben. Alle Innovationstypen haben dabei gemeinsam, dass sie durch ihre erwähnten Veränderungen und Neuerungen die wirtschaftliche Entwicklung auf den verschiedenen Ebenen positiv fördern sollen. Bei diesen Ebenen kann es sich um ein einzelnes Unternehmen, eine einzelne Region oder auch um eine gesamte Volkswirtschaft handeln9.

2.2 Die Bedeutung von Wissen

Ein weiterer grundlegender Aspekt bei der Arbeit mit Innovationen ist die Bedeutung des Faktors Wissen. Bei allen Prozessschritten innerhalb einer Ebene, sei es beispielsweise innerhalb eines Unternehmens oder einer gesamten Branche, ist Wissen ein zentraler Inputfaktor. Dieser wird zugleich bei jedem Produktionsschritt zudem durch Lernen – bewusst oder unbewusst – erweitert. Wissen, wie es in dieser Arbeit verstanden werden soll, umfasst die Gesamtheit von Fähigkeiten, Erfahrungen und Kenntnissen, die von Einzelnen oder einer Gruppe zur Lösung von Problemen eingesetzt wird. Diese Definition schließt auch das Wissen über die Probleme und Bedürfnisse seiner Kunden mit ein.10 Aigner und Hutschenreiter formulieren daher wie folgt:

„Der Wissensbestand kann als Variable aufgefasst werden, die sich infolge von Lernprozessen
durch formale Bildung, Training, Erfahrungen und der Anwendung neuer Technologien erweitert
bzw. durch Vergessen erodiert wird. Gerade in Hochlohnländern ist die durch Wissen erreichte
Verbesserung der der Qualität der Arbeit, des Managements und indirekt auch des Kapitals […]
unumgänglich.“11

[...]


1 Steg, Horst (2005): Transnationalisierung nationaler Innovationssysteme, S. 3.

2 vgl. Saviotti, Pier P. (2000): Networks, National Innovation Systems and Self-Organisations, S.20f.

3 vgl. Steg, Horst (2005): Transnationalisierung nationaler Innovationssysteme, S. 3.

4 vgl. Thomi, Walter u. R. Werner (2001): Regionale Innovationssysteme, S. 202.

5 vgl. Stille, Frank u. J. Bitzer (1998): Beschäftigungswirkungen von Innovationen: Analysen zu einem komplizierten Verhältnis, S. 17f.

6 Schumpeter, Joseph (1964): Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung – sechste Auflage, Berlin.

7 vgl. Dörschuk, Oliver (2003): Innovationssysteme und Wettbewerb – Das Beispiel Neuseeland, S. 29.

8 vgl. Schumpeter, Joseph (1964): Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, S.100.

9 vgl. Dörschuk, Oliver (2003): Innovationssysteme und Wettbewerb – Das Beispiel Neuseeland, S. 30.

10 vgl. Diez, Javier Revilla (2002): Betrieblicher Innovationserfolg und räumliche Nähe, S. 8.

11 zitiert nach: Dörschuk, Oliver (2003): Innovationssysteme und Wettbewerb – Das Beispiel Neuseeland, S. 32.


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