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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 27 Pages
Author: Konstanze Wolgast
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Institution/College: Technical University of Braunschweig (Seminar für deutsche Sprache und Literatur)
Tags: Leseförderung, Offenen, Unterricht, Hauptseminar, Leseförderung
Year: 2006
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 43 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-81502-4
File size: 190 KB
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Abstract
Warum sich ein Kind zum Leser entwickelt und ein anderes nicht, lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten. Auch lassen sich keine exakten Entwicklungsprognosen abgeben, ab wann ein Leseinteresse in Kindern erwacht und wie es sich im Laufe des Lebens verändert. Wenn also das Leseinteresse in den Kindern nicht „von allein“ erwacht, wenn auch die Anregungen aus Elternhaus und „peer group“ nicht stark genug sind, bleibt bei vielen potentiellen Lesern nur der Einfluss von Schule und Unterricht, um ihnen den Weg zum Buch zu eröffnen, ihnen Kompetenzen zum Umgang mit Literatur und Text zu vermitteln und in ihnen die Lust zu wecken, weiter – auch über die Erfordernisse oder Anforderungen des Deutsch- oder Fremdsprachenunterrichts hinaus - zu lesen. Dieser Herausforderung muss sich heutiger Unterricht verstärkt stellen und dabei auch didaktisch und methodisch neue Wege beschreiten, um das Lesen bei den Schülern nicht für alle Zeit mit einem rein leistungs- und ergebniszentrierten Unterrichtsgeschehen zu verknüpfen, Der Transfer vom Leseerlebnis in die außerschulische Wirklichkeit, die Integration der Leselust in den Alltag von Schülern ist sicher die größte Hürde für gelingende Leseerziehung. Dabei kann man durch die Erkenntnisse der Forschung im Bereich der Leseförderung heute genauer bestimmen, welche didaktischen Methoden und Modelle Erfolg versprechend sind, wenn man Kinder zu Lesern erziehen möchte. Nicht zuletzt sind dies oft Methoden, wie sie aus der Reformbewegung hervorgegangen sind, die das Modell des so genannten „Offenen Unterrichts“ entwickelte. Dort wurden viele Instrumente entwickelt, die heute aus einer konsequenten und vor allem lustvollen Leseerziehung, diesem „Bildungsprozess“ zum Buch und zum Lesen hin, nicht mehr wegzudenken sind. Die Arbeit stellt die Konzepte des Offenen Unterrichts und der Leseförderung vor und verbindet sie exemplarisch in Beispielen aus der schulischen Wirklichkeit.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Seminar für deutsche Sprache und Literatur
Hauptseminar: Leseförderung
Wintersemester 2006/2007
Leseförderung im Offenen Unterricht
von
Konstanze Wolgast
Inhaltsverzeichnis
0. Vorbemerkung 3
1. Von der Lesesozialisation zur Leseförderung 5
2. Theorie und Praxis des Offenen Unterrichts 10
3. Leseförderung im Offenen Unterricht 16
4. Zusammenfassung 23
5. Literaturverzeichnis 25
a) Monographien 25
b) Zeitschriften/ Zeitungen 27
Online-Ressourcen 27
0. Vorbemerkung
Manchmal wirkt die Entwicklung eines Kindes zum Leser wie Zauberei – und manchmal fängt alles mit einem Zauberschüler an. Da fangen eben jene Kinder, die sich bisher beharrlich weigerten, das von gut meinenden Verwandten zum Geburtstag geschenkte Buch auch nur anzurühren, plötzlich an, viele Seiten dicke Bücher zu lesen, interessieren sich für englische Internate und seltsame Spiele wie Quidditch, und das alles nur wegen eines Zauberlehrlings namens Harry Potter. Diese Art von vermeintlicher Zauberei, die in Wirklichkeit nur ein Beleg von der Wirkungsmacht der „peer-group“1 bei der Lesesozialisation ist, wirkt leider nicht immer. Warum sich ein Kind zum Leser entwickelt und ein anderes nicht, lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten. Auch lassen sich keine exakten Entwicklungsprognosen abgeben, ab wann ein Leseinteresse in Kindern erwacht und wie es sich im Laufe des Lebens verändert. Wenn also das Leseinteresse in den Kindern nicht „von allein“ erwacht, wenn auch die Anregungen aus Elternhaus und „peer-group“ nicht stark genug sind, bleibt bei vielen potentiellen Lesern nur der Einfluss von Schule und Unterricht, um ihnen den Weg zum Buch zu eröffnen, ihnen Kompetenzen zum Umgang mit Literatur und Text zu vermitteln und in ihnen die Lust zu wecken, weiter – auch über die Erfordernisse oder Anforderungen des Deutsch- oder Fremdsprachenunterrichts hinaus - zu lesen. Dieser Herausforderung muss sich heutiger Unterricht verstärkt stellen und dabei auch didaktisch und methodisch neue Wege beschreiten, um das Lesen bei den Schülern nicht für alle Zeit mit einem rein leistungs- und ergebniszentrierten Unterrichtsgeschehen zu verknüpfen, Der Transfer vom Leseerlebnis in die außerschulische Wirklichkeit, die Integration der Leselust in den Alltag von Schülern ist sicher die größte Hürde für gelingende Leseerziehung.
Dabei kann man durch die Erkenntnisse der Forschung im Bereich der Leseförderung heute genauer bestimmen, welche didaktischen Methoden und Modelle Erfolg versprechend sind, wenn man Kinder zu Lesern erziehen möchte. Nicht zuletzt sind dies oft Methoden, wie sie aus der Reformbewegung hervorgegangen sind, die das Modell des so genannten „Offenen Unterrichts“ entwickelte. In der Ganzheitlichkeit des Konzepts und in seiner Schülerzentrierung wurden für den Offenen Unterricht viele Instrumente entwickelt, die heute aus einer konsequenten und vor allem lustvollen Leseerziehung, diesem „Bildungsprozess“2 zum Buch und zum Lesen hin, nicht mehr wegzudenken sind. Dabei steht nicht nur der Weg zum Buch und zum literarischen Lesen im Vordergrund dieser Leseförderung. Implizit sind dem Begriff eine ganze Reihe von Maßnahmen, die von einer „Schreibförderung“ - hin zu einem freien und geübten Umgang mit Schrift und Schriftlichkeit -, bis zur „literarischen Sozialisation“, d.h. der Möglichkeit der Teilhabe am literarischen Leben von der Benutzung von Bibliotheken bis hin zum Theaterbesuch, und auch zur „Lesekompetenz“, d.h. der Fähigkeit, neben der Umsetzung vom Schrifttext zur Sprache auch den Inhalt des Textes zu verstehen und ihn für die eigene Lebenssituation oder das eigene Informationsbedürfnis gewinnbringend einzusetzen, reichen. Alle diese Teilbereiche lassen sich als Zielsetzungen unter dem Oberbegriff der Leseförderung subsumieren.
1. Von der Lesesozialisation zur Leseförderung
Die Leseförderung ist ein relativ junger Forschungsgegenstand der Fachdidaktik. Zwar gab es bereits seit der Erfindung des Buchdrucks unter den ersten Fibelautoren eine Debatte darüber, wie dem Kind das Lesen im Sinne eines Dechiffrierens von Schrift in Inhalt beigebracht werden könne. Doch diese, wenn man so will fachdidaktischen, Ausführungen zu den Leselernmethoden betrachten in ihren Untersuchungen Lesen lediglich nur als technischen Prozess. In der Leseförderung dagegen, wie sie sich als Forschungsgegenstand erst ab den 1970er Jahren entwickelte, steht nicht allein die Frage im Mittelpunkt, wie ein Kind das Lesen als funktionale Kompetenz erlernt, sondern die Frage, wie ein Kind zum Leser wird, d.h. zu einem Menschen, der auch den Inhalt von Texten versteht und umsetzen kann, der Freude am Lesen empfindet und vielleicht im Erwachsenleben häufiger als andere aus eigenem Antrieb zum Buch greift. Vor allem aber geht es darum, theoretisch zu klären, wie man Kinder auf diesem Weg zum Leser fördern und sie zum Lesen verlocken kann, und welche Methoden in der praktischen Umsetzung dieses Vorhabens geeignet sind. Es geht also um den Erwerb und die Förderung von Lesekompetenz im weitesten Sinne, die alle Bereiche des Umgangs mit Schrift und Literatur umfasst.
Einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, warum Kinder zu Lesern werden und auch in ihrem späteren Leben Leser bleiben, liefert die Lesesozialisationsforschung, die untersucht, welche Faktoren für die Entwicklung zukünftiger Leser förderlich sind bzw. welche Hindernisse diesem individuellen Werdegang zum Leser im Wege stehen. Dieser Aspekt ist insbesondere in den Blickpunkt geraten, seit das Lesen verstärkt der Konkurrenz audiovisueller Medien ausgesetzt ist, durch die das verstehende Lesen nicht mehr der einzige Zugang zu Informationen und zur Teilnahme an der Gesellschaft ist:
„In einer ganz aufs Visuelle angelegten Gesellschaft, wo es möglich ist,
Unterhaltung wie Wissenswertes sehr eindrucksvoll visuell zu übermitteln,
drohen Schreib- wie Lesekunst in Vergessenheit zu geraten, ja
wieder Sache einer kleinen Elite zu werden.“3
[...]
1 Vgl. Bettina Hurrelmann: Informelle Sozialisationsinstanz peer-group. In: Norbert Groeben und Bettina Hurrelmann (Hg.): Lesesozialisation in der Mediengesellschaft. Weinheim: Juventa 2004, S. 250-279
2 Susanne Gölitzer: Lesesozialisation. In: Günter Lange/ Swantje Weinhold: Grundlagen der Deutschdidaktik. Hohengehren: Schneider Verlag 2005, S. 202
3 Klaus Füller: Lesen in Geschichte und Gegenwart. Hohengehren: Schneider Verlag 1997, S. 19
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