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Termpaper, 2007, 23 Pages
Author: Bettina Czellnik
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: University of Leipzig (Institut für Germanistik)
Tags: Bösewicht, Pommespanzer-, Schimpfwörter, Beschimpfen, Ausgewählte, Fragen, Etymologie, Wortgeschichte
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-82318-0
File size: 235 KB
Kommentar des Dozenten: Ein guter Überblick. Zusammenhänge von Kultur und (Schimpf-) Wortverwendung werden deutlich. Die Fallbeispiele sind illustrativ und gut gewählt.
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Abstract
Im Lauf der Jahrhunderte gewinnt das Schimpfen anscheinend immer mehr an Bedeutung. Die Entwicklung reicht über nur wenige Schimpfwörter, die zum Angriff auf die Ehre verwendet wurden, zu wesentlich vielfältigerem und kreativerem Schimpfwortschatz zum Kritisieren von Andersartigkeit. Schimpfwörter unterliegen wie alle lexikalischen Einheiten sprachlichem Wandel; ihre Bedeutungen können sich differenzieren oder erweitern. Da Sprache nicht primär zum Schimpfen gebraucht wird, entstehen neue Schimpfwörter meist durch Metaphorisierung und können Auskunft geben über Gewohnheiten, Normen und Werte einer Gesellschaft.
Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig
Philologische Fakultät Institut für Germanistik
Seminar: Ausgewählte Fragen der Etymologie und Wortgeschichte des Deutschen
Von Bösewicht bis Pommespanzer – Schimpfwörter und Beschimpfen früher und heute
Hausarbeit eingereicht von Bettina Czellnik am 04.07.07
1. Einführung in das Schimpfen ... 3
1.1 Warum schimpft der Mensch? ... 3
1.2 Das Schimpfwort- Definitionen ... 5
1.3 Schimpfen in anderen Sprachen ... 7
2. Strukturen und Kategorisierung ... 9
3. Schimpfen früher und heute ... 11
3.1 Schimpfen im mittelalterlichen Dorf ... 11
3.2 Unterschiede zum heutigen Schimpfverhalten ... 14
3.3 Bedeutungswandel einzelner Schimpfwörter ... 15
3.3.1 Dirne ... 15
3.3.2 blöd ... 16
3.3.3 Idiot ... 16
3.3.4 Marschall ... 16
3.3.5 Schelm ... 17
3.3.6 Schalk ... 17
3.4 Hund- ein uraltes Schimpfwort? ... 17
4. Moderne Schimpfwörter ... 19
5. Zusammenfassung ... 21
6. Literaturverzeichnis ... 22
1. Einführung in das Schimpfen
1.1 Warum schimpft der Mensch?
Jeder kennt alltägliche Situationen, in denen dem Menschen Schimpfwörter entgleiten: man haut sich mit dem Hammer auf den Daumen, man hat ein Knöllchen an der Windschutzscheibe, man wird von einem Betrunkenen im Vorbeigehen angerempelt, man verliert den Kampf um den einzigen freien Parkplatz vor dem Supermarkt, man fällt durch eine Prüfung. Dabei scheinen das Alter und die soziale Stellung keine Rolle zu spielen; alte Menschen schimpfen nicht weniger häufig als junge, Rechtsanwälte schimpfen ebenso wie Schuhverkäufer1. Was veranlasst den Menschen dazu, Schimpfwörter zu gebrauchen? Für Schuhmann (1990: 260) besteht die Vorraussetzung für den Gebrauch von Schimpfwörtern in einer „(grobe[n]) Verletzung einer das private oder gesellschaftliche Zusammenleben von Menschen betreffenden Erwartung(snorm)“. Der Betroffene fühlt sich in seinen persönlichen Bedürfnissen durch die Rücksichtslosigkeit oder Ungeschicklichkeit anderer verletzt. Dies setzt nach Amans Ansicht eine „Kette von Ursache und Wirkung“ (1986: 153) in Gang, bei der, ausgehend von der Frustration des in seiner Erwartungsnorm Verletzten, ein Erregungszustand oder Affekt entsteht. Der Erregungszustand löst sich in verbaler Aggression, dem Schimpfwort, so dass Aman das Schimpfen als „eine verbal-aggressive (sprachlich-feindselige) Handlung, die meist im Erregungszustand geschieht und durch irgendein Ärgernis verursacht wird“ (1986: 153) definiert. Als Erregungszustände gelten starke Gefühle wie Zorn, Neid, Eifersucht, Rachsucht und Hass, aber auch Ungeduld, Erschrecken oder Enttäuschtheit. Aman weist darauf hin, dass solche Erregungszustände im Stammhirn, welches die menschlichen Triebe und Instinkte steuert, zu lokalisieren sind, und dass dieses entwicklungsgeschichtlich älter ist als die Großhirnrinde, welche das Zivilisierte und Beherrschte steuert (vgl. Aman 1986: 155).
Somit kann der Mensch die Verwendung von Schimpfwörtern nur zum Teil bewusst kontrollieren, da in bestimmten Situationen sein (sprachliches) Handeln instinktiv gesteuert wird, für Aman der Grund, warum nicht die Schulbildung über das Schimpfverhalten entscheidet, sondern „das Verhältnis zwischen ‚Tiefenperson’ und ‚Kortikalperson’“ (Aman 1986: 155), also, ob der Mensch seinen Trieben freien Lauf lässt oder die Fähigkeit besitzt, sich zu beherrschen. In diesem Sinne bezeichnet ein Schimpfwort keinen Gegenstand der Außenwelt, sondern drückt die „Befindlichkeiten und Betroffenheiten der Innenwelt des Sprechers“ (Braun 1997: 30) aus und dient als Ventil zum Abreagieren der beschriebenen Erregungszustände; Schuhmann (1990: 262) spricht sogar von „Lustgewinn“ durch das Lösen der inneren Spannung.
[...]
1 Allerdings weist Braun (1997: 32) darauf hin, dass Schimpfwörter historisch gesehen vermehrt von sozial schwächeren Schichten gebraucht wurden und als „Ventile der sozialen Unzufriedenheit” ange-sehen werden können, da sprachliche Mittel als einfachste und oft einzige Handlungsmöglichkeit ge-genüber der Obrigkeit dienten. Seiner Meinung nach gelte dies auch noch am Ende des zwanzigsten Jahrhundert. Jedoch vertritt Opelt (1965: 11) den Standpunkt, dass in „allen Schichten und Stilen der Sprache“ geschimpft wird, „vom niedersten Jargon bis zur hochstilisierten Affektrede des Epos oder der Tragödie.“ Als Beispiele nennt sie das Schillersche Ha, du Rasender! und das umgangssprach-liche Du Idiot!.
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