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1968, die Studentenbewegung und der Wandel der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland

Scholary Paper (Seminar), 2007, 17 Pages
Author: Janina Kraus
Subject: Politics - Miscellaneous

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 17
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V77829
ISBN (E-book): 978-3-638-83015-7

File size: 92 KB

Abstract

Die Bezeichnung „1968er Jahre“ bringt eine gewisse Bedeutungsschwere mit sich, man ist fasziniert von der Ereignisdynamik dieses Jahres und streitet sich aber darüber, ob die Demokratie in Deutschland trotz oder wegen der 68er gestärkt wurde. Synonyme für diese Zeit gibt es ebenfalls genug, „Stunde Null“ oder „Zweite Geburt“ der Bundesrepublik verdeutlichen, dass es damals große Veränderungen gegeben hat und mit ihnen einen wichtigen Wandel in der Politischen Kultur. In der folgenden Arbeit soll untersucht werden, woran man den Wandel in der Politischen Kultur in der Bundesrepublik der 60er Jahre feststellen kann und welche Auslöser es dafür gegeben hat. Unter anderem soll dabei auch hinterfragt werden, welche Rolle die Studentenbewegung bei diesen Prozessen gespielt hat.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden, Institut für Politikwissenschaft
Seminar: Politische Kultur in Deutschland und den USA
Wintersemester 2006/07

1968, die Studentenbewegung und der Wandel
der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland

von

Janina Kraus

 


Inhaltverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Die Politische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 4

3. Die 1968er – Ein Überblick  6

3.1. Ereignisse in Deutschland  6
3.2. Prozesse 7

4. 1968 in der DDR  10

5. Der Einfluss der 1968er auf den Wandel der politischen Kultur  11

5.1. Rezeption der Ereignisse und Differenzierung  13

6. Fazit 15

7. Literatur 16


 

 

1. Einleitung

Die Bezeichnung „1968er Jahre“ bringt eine gewisse Bedeutungsschwere mit sich, man ist fasziniert von der Ereignisdynamik dieses Jahres und streitet sich aber darüber, ob die Demokratie in Deutschland trotz oder wegen der 68er gestärkt wurde. Synonyme für diese Zeit gibt es ebenfalls genug, „Stunde Null“ oder „Zweite Geburt“ der Bundesrepublik verdeutlichen, dass es damals große Veränderungen gegeben hat und mit ihnen einen wichtigen Wandel in der Politischen Kultur.
In der folgenden Arbeit soll untersucht werden, woran man den Wandel in der Politischen Kultur in der Bundesrepublik der 60er Jahre feststellen kann und welche Auslöser es dafür gegeben hat. Unter anderem soll dabei auch hinterfragt werden, welche Rolle die Studentenbewegung bei diesen Prozessen gespielt hat.
Bislang gibt es zum Thema der 1968er in Deutschland keine abgeschlossene Forschung oder Geschichtsschreibung, die bislang veröffentlichten Arbeiten sind häufig geprägt von persönlichen Erinnerungen der Akteure ohne eine fundierte Quellenarbeit. Vermutlich auch aufgrund der mangelhaften Quellenlage ist die Zeit der 60er Jahre im Gegensatz zur Phase der Gründung der BRD und der DDR also kaum ausreichend bearbeitet worden. Die meisten tatsächlich wissenschaftlichen Arbeiten haben sich bislang auf einen bestimmten Aspekt der Bewegung konzentriert oder bei der Beschäftigung mit einem Thema rund um politische Partizipation in Deutschland das Thema 68er gestreift, so beispielsweise in den Sammelbänden Politische Kultur und deutsche Frage von Werner Weidenfeld1 oder Dieter Ruchts Protest in der Bundesrepublik2. Wolfgang Rudzio3 und Oskar Niedermayer4 haben in ihren Bänden zum politischen System der Bundesrepublik viele vor allem statistische Fakten zum Thema Wandel der Politischen Kultur zusammengestellt. Vermutlich wird es im kommenden Jahr 2008 anlässlich der 40. Wiederkehr der Ereignisse neue Veröffentlichungen geben.
Im Folgenden soll nun zunächst die Politische Kultur in der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit verdeutlicht werden sowie einige Prozesse aufgezeigt werden, die bereits einen Wandel ankündigten. Im dritten Kapitel wird dann ein Überblick über die Ereignisse des Jahres 1968 gegeben, sowohl weltweit als auch speziell für die Bundesrepublik. Anschließend werden verschiedene Prozesse vorgestellt, die dabei parallel abliefen und sich stark auf die Protestbewegung ausgewirkt haben. Um die späteren Abweichungen in der Entwicklung der Politischen Kultur in Ostdeutschland nachvollziehen zu können, sollte man sich auch ein Bild davon machen, welchen Einfluss die Bewegung in der DDR hatte. Dieser Themenkomplex sowie der ganze Komplex der damaligen gegenseitigen Beeinflussung bieten unglaublich viele Ansatzpunkte, um darüber eine eigenständige Arbeit zu verfassen. Für die Erfassung des Gesamtthemas wird es im vierten Kapitel zumindest eine verdichtete Beschreibung der damaligen Ereignisse und Besonderheiten geben. Im fünften und letzten Kapitel soll zunächst der Wandel in der Politischen Kultur konkret aufgezeigt werden. Dann werden die heutigen in der Öffentlichkeit vorherrschenden Vorstellungen durch eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Ursachen und Wirkungen hinterfragt und korrigiert.

2. Die Politische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945

Um bestimmen zu können, welchen Einfluss die 1968er Jahre auf den Wandel in der politischen Kultur der Bundesrepublik hatten, sollte man sich zunächst die Ausgangslage klar machen. Wolfgang Rudzio hat dafür verschiedene Entwicklungsphasen bestimmt, die Zeit von 1945 bis 1966 kann man demnach unter dem Titel „Nachwirkungen früherer Verhältnisse“5 zusammenfassen. In dieser Zeit wurden demokratische Verhältnisse in der Politik wiederhergestellt und gefestigt. In der kollektiven Erinnerung erscheint diese Phase zumeist als eine Zeit des Übergangs, geprägt von Unbeweglichkeit und einem Mangel an vorwärts weisenden Ideen.6 Dieses Bild von einem biederen Nachkriegsdeutschland mag auch so geformt sein als Konsequenz aus dem Stellenwert, der der Studentenbewegung von 1968 heute zugeschrieben wird, daher ist es wichtig, sich zunächst die konkreten Ergebnisse von Umfragen in der Bevölkerung anzusehen.
In verschiedenen Studien hat man bereits damals versucht herauszufinden, inwieweit der Prozess der Demokratisierung auch in der Bevölkerung stattfand. Dabei wurde festgestellt, dass die Zustimmung zu Parteienpluralität und Machtstreuung stieg, allerdings bekundete nur ein Drittel der Befragten politisches Interesse. Nur eine Minderheit nahm aktiv am politischen Geschehen teil, die politischen Parteien insgesamt hatten nur etwa eine Million Mitglieder, außerdem zeigte sich eine gewisse Distanz der Bevölkerung zur Klasse der Politiker: 1955 wollten 70 Prozent der Befragten ihren Sohn nicht gern als Politiker sehen. Des Weiteren wurden Gegenstände des nationalen Stolzes untersucht. Während 1959 jeweils nur 6 und 7 Prozent der Befragten Stolz auf die Sozialgesetzgebung und das politische System bekundeten, waren immerhin 36 Prozent stolz auf Volkseigenschaften. Ein Indiz für das Misstrauen der deutschen Bevölkerung gegenüber der Demokratie war die Resignation angesichts der Frage danach, was die Befragten sich selbst und ihrer Macht als Volk zutrauten: Nur 38 Prozent waren der Meinung, man könne ein als ungerecht empfundenes Gesetz des Bundes abwehren.7

[...]


1 Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Politische Kultur und deutsche Frage. Materialien zum Staats- und Nationalbewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland; Köln 1989.

2 Rucht, Dieter (Hrsg.): Protest in der Bundesrepublik. Strukturen und Entwicklungen; Frankfurt a. M. 2001.

3 Rudzio, Wolfgang: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland; Opladen 2003.

4 Niedermayer, Oskar: Bürger und Politik. Politische Orientierungen und Verhaltensweisen der Deutschen; Wiesbaden 2005.

5 Rudzio, S. 543.

6 Rudolph, Hermann: Eine Zeit vergessener Anfänge: Die sechziger Jahre; in: Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Politische Kultur und deutsche Frage. Materialien zum Staats- und Nationalbewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland; Köln 1989; S. 59.

7 Rudzio, S. 554; Turek, Jürgen: Demokratie und Staatsbewusstsein: Entwicklung der Politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland; in: Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Politische Kultur und deutsche Frage. Materialien zum Staats- und Nationalbewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland; Köln 1989; S. 243.


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