Die Seminararbeit besteht aus 2 Teilen: Im ersten Teil werden zunächst Grundaspekte der allgemeinen Ethik (Doppelte Grundfrage der Ethik, Handlungslehre, Freiheits- u. Naturkausalität, Aktgrund - Motivgrund, Willkür - Regel) sowie die allgemeine Ethik im engeren Sinne (Motivklassifizierung, Autonomie - Heteronomie, Kategorischer Imperativ, Recht und Sittlichkeit) beleuchtet. Hierbei werden die im Seminar vermittelten Inhalte szs. "nacherdacht". Im zweiten Teil erfolgt eine dialektische Betrachtung der „Wunsch-Sektio“ (Kaiserschnitt auf Wunsch), welche aufbauend auf ethischen Grundfragen sowohl rechtlich wie sittlich - unter Berücksichtigung des Anthopologisches Bezuges (Technik als Teil menschlicher Natur?) - diskutiert wird und mit einem Bezug zur Sozialarbeit schließt.
Berufsakademie Heidenheim, Fachrichtung Kinder- und Jugendhilfe
Lehrveranstaltung: Ethik, am 27.07.2004
Wunsch Sectio - Kaiserschnitt auf Wunsch
Eine ethische Betrachtung
von
Martina Sedlatschek-Dußling
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Grundaspekte einer allgemeinen Ethik 4
2.1 Die doppelte Grundfrage der Ethik 4
2.2 Handlungslehre - zwischen Freiheitskausalität und Naturkausalität 4
2.3 Aktgrund und Motivgrund 5
2.4 Vereinbarkeit von Aktgrund und Motivgrund 6
2.5 Willkür und Regel 7
3 Allgemeine Ethik im engeren Sinne 8
3.1 Motivklassifizierung 8
3.2 Das Gewissen als Instanz der praktischen Vernunft 9
3.3 Autonomie und Heteronomie 10
3.4 Der kategorische Imperativ 11
3.5 Handlungen gemäß oder aus einer Regel 13
3.6 Recht und Sittlichkeit 13
3.7 Das Berufethos der Sozialarbeit 14
4 Überleitung zu einem besonderen Thema der angewandten Ethik 16
4.1 Der Wunschkaiserschnitt und seine Motive 17
4.2 Argumente gegen eine Wunschsectio 18
5 Die Wuschsectio aus rechtlicher Perspektive 20
6 Die Wunschsectio aus sittlicher Perspektive 22
6.1 Der Wunsch als ernsthaftes Motiv für eine Handlung? 22
6.2 Entscheidungsfreiheit: Zwischen Autonomie und praktischer Vernunft 23
6.3 Anthropologischer Bezug: Technik als Teil der menschlichen Natur? 25
6.4 Die Wunschsectio aus dem Blickwinkel des kategorischen Imperativ 27
6.5 Zusammenfassung und persönliches Fazit 28
7 Schlusswort mit Bezug zur Sozialarbeit 30
8 Literaturverzeichnis 32
1 Einleitung
Im täglichen Leben sind wir ständig vor Entscheidungen gestellt, bei denen richtiges Handeln gefragt ist. Doch was bedeutet es, richtig oder falsch, gut oder böse zu handeln? Welchen Bewertungsmaßstab setzen wir an, wenn wir Taten als moralisch, unmoralisch, sittlich oder unsittlich definieren? Welche Instanz bewegt uns dazu, mitunter vorschnell moralische Urteile über andere Menschen zu fällen? Gerade in der Arbeit mit meinem Nächsten ist es wichtig, sich innerhalb des Balanceaktes zwischen Beruf und Berufung sozialer Arbeit, der Tatsache bewusst zu werden, dass moralische Urteile häufig nur das Verhältnis eigener Bedürfnisse und Interessen und jener unserer Klienten darstellt1. Dabei ist es unumgänglich, dessen Autonomie in gleichem Maße wie meine eigene zu achten, um ihm dabei zu helfen, seine Menschenrechte zu verwirklichen. Während ich im ersten Teil meiner Arbeit die Grundlinien einer allgemeinen Ethik zusammenfassend darstelle, beschäftige ich mich im zweiten Teil mit einem Thema der angewandten Ethik. Hier gehe ich der Frage, inwieweit es eine sog. Wunschsectio (Kaiserschnitt auf Wunsch) rechtlich und ethisch vertretbar scheint. Abschließend möchte ich die gewonnenen Erkenntnisse auf die sozialpädagogische Praxis übertragen.
2 Grundaspekte einer allgemeinen Ethik
2.1 Die doppelte Grundfrage der Ethik
Moral und Ethik werden im umgangsprachlichen Gebrauch oft gleichbedeutend verwendet. Obgleich sie zwar eng miteinander verbunden sind, definieren sie doch unterschiedliche Schwerpunkte: Die Moral weist die praktische Seite sittlichen Handelns aus und gibt Antwort auf die Frage, was moralisch (sittlich) gut oder böse (unsittlich, unmoralisch) ist; sie leitet das Individuum in seinem alltäglichen Handeln. Die Ethik vertritt den wissenschaftlichen Part, indem sie jenes moralische Alltagshandeln theoretisch bewertet und damit die Frage beantwortet, was überhaupt ethisch ist. Während sich also die Moral, als gelebte Moral, im tagtäglichen Handeln des Menschen wiederspiegelt und von ihm praktisch angewendet wird, befasst sich die Ethik, als sog. Lehre von der Moral, mit deren theoretischen Grundlagen. Als beschreibende Disziplin reflektiert sie die Moral und entwickelt daraus Bewertungskriterien für dieselbe. Jegliches Handeln bedarf notwendigerweise immer einer gewissen Freiheit. In der Ethik geht es letztendlich um das Verhältnis dieser Freiheit des handelnden Individuums (als Subjekt einer Handlung) mit einem Gesetz (Sittengesetz), nach dem sich diese und das, daraus resultierende moralische oder unmoralische Handeln, zu richten hat. Es muss also ein Gesetz gefunden werden, das die Freiheit in gleichem Maße reglementiert wie ermöglicht.
2.2 Handlungslehre - zwischen Freiheitskausalität und Naturkausalität
Da sich Moral immer auf bestimmte Handlungen von Menschen und deren Gesinnung bezieht, ist die Handlungslehre eine grundlegende Voraussetzung für die Ethik. Bevor man eine Handlung beurteilen kann, muss erst geklärt werden, was deren Bestimmung ist: Eine Handlung an sich, gibt es nicht - weshalb sie für sich eigentlich nicht moralisch bewertbar ist. Erst durch den Menschen, der die Handlung mittels seines Willens auf ein Ziel hin richtet, wird sie zu dem - was sie werden soll: gut oder böse. Ich denke autonom - entsprechend meiner Gesinnung und meinem Handlungsziel - jeder Handlung einen moralischen Wert zu: Ich bestimme mich zum Handeln (mit einer bestimmten Absicht). Dabei tritt das Ich, als bestimmendes Subjekt der Handlung, gleich zweimal in Erscheinung: Zum Ersten als aktives Ich (ich bestimme) und zum anderen, als passiv bestimmt werdendes Ich (mich)2. Der Akt des Wollens (wie will ich Handeln) liegt nur an mir!
In einer Handlung bin ich also deshalb, weil Ich mich in diesen Zustand gebracht habe - mich willentlich dazu bestimmt habe. So wird eine Handlung erst durch die Gesinnung des, die Handlung bestimmenden oder ausführenden Ichs, bewertbar und je nach Blickwinkel des Betrachters (nach dessen moralischer Einstellung) als sittlich oder unsittlich beurteilt. Da eine Handlung stets durch den Menschen als deren Subjekt bestimmt wird, kann sie niemals Ursache in sich selbst sein und ist deshalb immer auf das Streben dieses individuellen Freiheits- und Vernunftwesens, zurückzuführen. Menschliches Streben kann allerdings zwei Ursachen haben: Freiwilligkeit oder Triebhaftigkeit. Von einer freien Handlung kann man nur dann sprechen, wenn sie durch den freien Willen des Ichs bestimmt wurde und ihre Ursache einzig darin begründet ist. Damit unterscheidet sie sich klar von einem Ereignis, dessen Ursprung - außerhalb eines strebenden Ichs - in einem naturkausalen Ursache- und Wirkungszusammenhang, begründet werden kann.
2.3 Aktgrund und Motivgrund
Handlungen sind immer Akte (m)eines Subjektes (Ich bin Subjekt meiner Handlung). Damit wird mein aktives, produzierendes (transzendentales) Ich zum Aktgrund bzw. Subjektgrund der Handlung selbst. Ich bin folglich, in meiner Funktion als frei willentliches Wesen, Ursache dafür, dass es überhaupt zu einer - wie auch immer von mir bestimmten - Handlung kommt.
Ist mein Ich in seiner Funktion als Wille aber auch wirklich frei - oder lasse ich mich in meinem Wollen durch Triebe bestimmen? Betrachte ich mich als animal rationale, so steht mein sinnenhafter Teil im ständigen Konflikt zwischen Aktiv (Ich bestimme) und Passiv (ich werde bestimmt). Ob es wirklich mein freier Wille ist der mich zu einer Handlung bewegt - oder ein triebbedingtes Streben außerhalb meiner selbst - hängt letztendlich davon ab, inwieweit es mir gelingt, mein Ich über mein triebgesteuertes Es (vgl. Freud) herrschen zu lassen.
Schließlich habe ich sogar die Freiheit mich vom Trieb bestimmen zu lassen, wobei ich dies allerdings aufgrund meiner freien Entscheidung - also aktiv - zulasse oder nicht, indem ich sage: „Ich bestimme mich dazu, bestimmt zu werden“ oder eben „Ich bestimme mich dazu, nicht bestimmt zu werden!“3 Letztendlich bestehen alle Handlungen aus einer Abwägung von Trieb gegen Freiheit - ich sollte aber meine Triebe steuern wollen und mich nicht permanent treiben lassen. Während der Mensch als Aktgrund dafür sorgt, dass es überhaupt zu einer bestimmten Handlung kommt und damit als deren Bestimmungsgrund fungiert, bedarf er auch einer gewissen Antriebskraft, die wiederum Ursache dafür ist, dass er seine Handlung überhaupt in eine konkrete Richtung lenkt. Ein solcher Grund, der menschliches Verhalten aktiviert und auf ein bestimmtes Ziel hin steuert, wird als Motiv (Motivgrund) bezeichnet. Das Motiv (oder: der Bestimmungsgrund) einer Handlung, sorgt für die inhaltliche Zielsetzung derselben. Eine Handlung wird damit zur Antwort nach der Frage eines Motivs.
2.4 Vereinbarkeit von Aktgrund und Motivgrund
[...]
1 vgl. Anzenbacher, Arno: Einführung in die Ethik. Düsseldorf, 3. Auflage 2003; S. 14
2 Gerten Michael: Skript zum Seminar „Ethik“ von April- Juni 2004 an der BA Heidenheim
3 Gerten Michael: Skript zum Seminar „Ethik“ von April-Juni 2004 an der BA Heidenheim
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Martina Sedlatschek-Dussling's Text Wunsch Sectio - Kaiserschnitt auf Wunsch ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
01.07.2008 07:53:23
Martina Sedlatschek-Dussling hat den Text Wunsch Sectio - Kaiserschnitt auf Wunsch veröffentlicht
23.07.2007 14:14:23
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23.07.2007 14:14:23
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