Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1997, 11 Pages
Author: Meike Ostermann
Subject: Sociology - Culture, Technology, Peoples / Nations
Details
Tags: Kibbuz, Kibbuzleben, Israel
Year: 1997
Pages: 11
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15010-1
File size: 153 KB
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Excerpt (computer-generated)
Kibbuzleben in Israel
von Meike Ostermann
Inhalt
1 Definition und allgemeine Beschreibung von Kibbuzleben 4
2 Ideologie der Kibbuzbewegung 5
3 Innere Ordnung und Selbstverwaltung 7
4 Bevölkerungsentwicklung in den Kibbuzim 8
5 Altersaufbau der Kibbuzbevölkerung 8
6 Soziale Spannungen 9
7 Besonderheiten der gesellschaftlichen Ordnung 9
8 Literaturverzeichnis 11
1 Definition und allgemeine Beschreibung von Kibbuzleben
"Ein geglücktes Experiment" - so nannte der Philosoph Martin Buber die wohl bekannteste Institution in Israel - den Kibbuz. Seit Gründung des ersten Kibbuz am Jordanufer im Jahr 1909 sind über das Land verstreut etwa 260 dieser in der Welt einzigartigen Kommunen entstanden. Obwohl nur ca. 3% der Bevölkerung darin leben, ist die gesellschaftliche Rolle der Kibbuzim bedeutend größer als ihre Zahl vermuten läßt.
Die Kibbuzim unterscheiden sich radikal von ähnlichen Einrichtungen in anderen Ländern. Sie wurden nicht als Ergänzung oder Alternative, sondern als Grundform des gesellschaftlichen Lebens gegründet.
Ein Kibbuz ist ein größeres Kollektiv in Israel mit einer überwiegend auf Landwirtschaft, aber auch auf Industrie basierender Wirtschaft. Seine prinzipiellen Merkmale sind das Gemeinschaftseigentum, von dem der Privatbesitz einiger persönlicher Sachen, Kleidung und Wohnungseinrichtung ausgenommen sind und die gemeinschaftliche Organisation von Produktion und Konsum.
Die Bedürfnisse der Mitglieder werden von den Gemeinschaftseinrichtungen auf der Basis der Gleichheit aller nach dem Bedürfnisgrundsatz befriedigt. Die Einkommen aller Erwerbstätigen werden in eine Gemeinschaftskasse gezahlt, aus der alle Kibbuzmitglieder einen jährlichen Betrag als Taschengeld erhalten, den jeder selbst verwaltet. Die Kommune Kibbuz wird als unabhängiger Wirtschaftsbetrieb und als selbständiger Haushalt betrieben.
Charakteristisch für das tägliche Leben im Kibbuz sind die Hauptmahlzeiten, die in den meisten Fällen im Gemeinschaftsspeisesaal eingenommen werden und die Betreuung der Kinder, die in separaten Kinderhäusern wohnen. Dort werden sie von Kinderpflegerinnen betreut, die aus der Gemeinschaft stammen. Im Gegensatz zu den Anfängen der Kibbuzbewegung, in der die Eltern intensiv mit dem Aufbau des Landes und der Urbarmachung des Bodens beschäftigt waren, verbringen die Kinder heute täglich einige Stunden mit den Eltern. Sie schlafen, essen und lernen aber getrennt von ihnen mit ihren Altersgenossen. In einigen Kibbuzim hat sich allerdings in den letzten Jahren durchgesetzt, daß die Kinder bei ihren Eltern wohnen und nur stundenweise in den Kindereinrichtungen betreut werden.
Ein Kibbuz wird in radikaldemokratischer Organisation durch Generalver- sammlung, das Exekutivorgan Sekretariat und verschiedenen Ausschüssen als Beratungsorgane geleitet. Die Mitgliedschaft ist freiwillig und jedes Mitglied kann relativ problemlos aus der Gemeinschaft austreten. Rechtlich gesehen ist ein Kibbuz eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die nach dem Genossenschaftsgesetz als solche anerkannt wird.
2 Ideologie der Kibbuzbewegung
Die Kibbuzbewegung hatte einen wesentlichen Anteil am Wiederaufbau einer starken jüdischen Gemeinschaft in Palästina, der Erschließung des Landes und der Schaffung der Voraussetzungen für die Bildung des Staates Israel.
Ideologisch geprägt wurde die Bewegung durch den Zionismus, der als jüdischer Nationalismus charakterisiert werden kann, und den Sozialismus, der nicht eindeutig ausgeprägt ist. Sie stehen historisch in einer engen Wechselbeziehung, was durch die Situation der Juden in Europa der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begründet ist. Die unterdrückte Stellung der Juden in Osteuropa ließ in den Jahrzehnten des Freiheitskampfes zahlreicher Völker den Wunsch eines jüdischen Nationalstaates stärker werden und verband sich mit der religiösen Sehnsucht der Juden, in das verheißende Land zurückzukehren. Juden wurden in Handels- und freie Berufe abgedrängt und die physische Arbeit sollte als Mittel der Persönlichkeit die Gewinnung eines neuen Selbstverständnisses ermöglichen. Außerdem sollte die Bearbeitung des Bodens und die Schaffung eines neuen Bauernstandes dem jüdischen Volk ein Anspruchsrecht auf die alte Heimat geben und es im Land verwurzeln.
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