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Schülermediationstraining - ein pädagogisches Konzept

Termpaper, 2006, 56 Pages
Author: Heike Milles
Subject: Pedagogy - General

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 56
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 40  Entries
Language: German
Archive No.: V80080
ISBN (E-book): 978-3-638-82883-3

File size: 552 KB

Abstract

Gewalt als Phänomen an Schulen gab es schon immer, allerdings hat sich deren Qualität und Quantität innerhalb des letzen Jahrzehnts enorm gewandelt. Das Aggressionsniveau ist gestiegen und die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung gesunken. Diebstahl, Erpressung, Körperverletzungen und Bedrohungen können nicht mehr als lausbubenhaftes oder jugendtümliches Verhalten abgetan werden, zumal keine Beschränkung mehr auf das Alter oder Geschlecht der Täter festzustellen ist. Lehrer sind im Umgang mit der steigenden Gewalt zunehmend überfordert und geraten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, was nicht zuletzt durch den Hilferuf der Rütli-Lehrerschaft plakativ wurde. Gewalthandlungen treten, wie oben angedeutet, nicht mehr nur zwischen Schülern auf, sondern auch Lehrer werden attackiert und deren Autorität untergraben, gleichzeitig erweisen sich die herkömmlichen schulischen Konfliktbearbeitungsstrategien zur Eindäm-mung von Aggressionen als wenig effektiv. Konflikte gehören demnach zum Alltag der Schüler/innen und Lehrer/innen und drohen zu-nehmend zu eskalieren. Nicht zuletzt lässt sich das darauf zurückführen, dass am „Standort Schule“ verschiedene gesamtgesellschaftliche Konflikte kumulieren und deutlich werden. Zum einen treffen viele Persönlichkeiten aufeinander, so dass Meinungsdifferenzen, gerade auch aufgrund der nationalen Vielfalt, unumgänglich sind. Zum anderen geht ein steigender Leistungsdruck heute mehr denn je mit mangelnden Zukunftsperspektiven einher und stellt hohe Anforderungen an die Bewältigungsmechanismen der Schüler/innen. Maßnahmen zur Vermeidung und Reduzierung von Gewalt müssen gerade von der Institution Schule als zentrale Sozialisationsinstanz im Leben von Kindern und Jugendlichen entgegen-halten werden. Insbesondere Hauptschulen sind aufgefordert der Gefahr vorzubeugen, ihrer Verantwortung für das Aufwachsen von jungen Menschen aufgrund eines Überhandnehmens von aggressiven Ausschreitungen nicht mehr gerecht werden zu können. Gesellschaftliche Wandlungsprozesse erhöhen den Handlungsdruck weiter. Eine zunehmende Verlagerung der Erziehung vom privaten in den öffentlichen Raum konfrontiert die Schulen immer stärker mit einem Erziehungsauftrag, der den Aufbau von sozialen Kompetenzen einschließt.


Excerpt (computer-generated)

Georg-Simom-Ohm-Fachhochschule Nürnberg

Schülermediationstraining - Ein pädagogisches Konzept-

Leistungsnachweis für das Fach Pädagogik

Fachbereich Sozialwesen

vorgelegt von Heike Milles Sommersemester 2006
 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Vorbemerkung ... 4

2 Ausgangssituation ... 5

3 Adressaten und allgemeine Ziele ... 7

4 Theoretische Grundlagen ... 9
4.1 Pädagogische Gestaltung der Lernprozesse ... 9
4.2 Inhaltliche Einbettung der Lernprozesse ... 13
4.2.1 Theorie der Mediation ... 13
4.2.1.1 Begriffsannäherung ... 13
4.2.1.2 Grundsätze der Mediation ... 14
4.2.1.3 Ablauf des Mediationsgesprächs ... 15
4.2.2 Konflikttheorie ... 17
4.2.2.1 Konfliktverständnis ... 18
4.2.2.2 Konfliktverlauf ... 18

5 Die konkrete Arbeit ... 20
5.1 Einheit 1: Erstes Treffen ... 20
5.2 Einheit 2: Outdoor Team Training ... 21
5.3 Einheit 3: Konflikte ... 21
5.3.1 Zeitumfang ... 22
5.3.2 Methoden ... 23
5.3.2.1 Übung 1: Erfahrungsberichte vom Outdoor Team Training ... 23
5.3.2.2 Übung 2: Assoziationen zum Begriff „Konflikt“ ... 23
5.3.2.3 Übung 3: Verständnis vom Begriff „Konflikt“ ... 24
5.3.2.4 Übung 4: Typologie von Konflikten Jugendlicher ... 25
5.3.2.5 Übung 5: Eisberg Modell ... 26
5.3.2.6 Übung 6: Erfahrungen mit Eisbergen ... 28
5.3.2.7 Übung 7: Frantic ... 29
5.3.2.8 Übung 8: Konflikteskalation ... 30
5.3.2.9 Übung 9: Fragebogen zu Konfliktverhalten ... 33
5.3.2.10 Übung 10: 10 Grundmuster der Konfliktlösung ... 34
5.3.2.11 Übung 11 : Handlungsleitlinien für konstruktives Konfliktverhalten ... 35
5.3.2.12 Übung 12: Positive Funktionen von Konflikten ... 36
5.4 Einheit 4: Einführung in die Mediation ... 37
5.5 Einheit 5: Mediationsgespräch - Einleitung ... 38
5.6 Einheit 6: Mediationsgespräch - Subjektive Sichtweisen ... 38
5.6.1 Zeitumfang ... 39
5.6.2 Methoden ... 39
5.6.2.1 Übung 1: Demonstration von aktivem Zuhören ... 39
5.6.2.2 Übung 2: Erproben von Paraphrasieren ... 41
5.6.2.3 Übung 3: Gefängnisausbruch/Tierschutzaktion ... 42
5.6.2.4 Übung 4: Erproben von aktivem Zuhören (Paraphrasieren) ... 43
5.6.2.5 Übung 5: Demonstration von Du-Botschaften ... 44
5.6.2.6 Übung 6: Ich-Botschaften als die bessere Alternative ... 45
5.6.2.7 Übung 7: Erproben von Ich-Botschaften ... 46
5.7 Einheit 7: Mediationsgespräch – Konflikterhellung ... 47
5.8 Einheit 8: Mediationsgespräch - Problemlösung ... 47
5.9 Einheit 9: Mediationsgespräch - Vereinbarung und Abschluss ... 47
5.10 Einheit 10: Schwierigkeiten und Grenzen der Peer Mediation ... 48
5.11 Einheit 11: Praktische Durchführung der Peer Mediation ... 48
5.12 Einheit 12: Praktische Prüfung ... 48
5.13 Einheit 13: Verleihung der Zertifikate und Abschluss ... 48

6 Personelle und sachliche Ausstattung ... 49

7 Qualitätsmanagement ... 50

8 Literaturverzeichnis ... 52
8.1 Druckquellen ... 52
8.2 Internetquellen ... 55

 

 

1 Vorbemerkung

Die Rütli-Hauptschule in Berlin Neukölln sorgte Ende März für „gewaltige“ Schlagzeilen. Gewaltausübende Kommunikation und Konfliktbewältigung stehen Medienberichten zu Folge in der Rütli-Schule als Formen der Interaktion zwischen Schülern auf der Tagesordnung und auch Lehrern gegenüber werden Aggressionen ausagiert. Das Lehrerpersonal verfügt dort nicht mehr über die notwendige Autorität als regulierende Kraft in Konflikten einzugreifen. Im Rahmen des Quartiersmanagement Reuterkiez wurden insgesamt 16 Projekte zur Verbesserung der Situation an den insgesamt sechs Schulen im Reuterkiez unter dem Motto „Auf dem Weg zur Kiezschule“ schon im vergangenen Jahr entwickelt und vor dem Hintergrund der aktuellen Krise jetzt auch beschlossen. Auch der umfassende Einsatz von Schulsozialar-beitern wurde Ende März diesen Jahres als adäquate Reaktion auf die Problematik an den Berliner Hauptschulen genehmigt.1 Anträge seitens der Lehrerschaft auf sozialpädagogische Unterstützung im Zeitraum vor der publik gewordenen Gewalteskalationen an der Rütli-Schule sind vom Senat abgelehnt worden.

Die Gewaltproblematik an der Rütli-Schule ist vermutlich kein Einzelfall, sondern zeichnet die Situation vieler anderer Schulen im Bundesgebiet gut ab. Eine aktive Gestaltung von Schulen als Lern- und Lebensraum unter Einbindung sozialpädagogischer Angebote bereits im Vorfeld von Krisen scheint allerdings auf wenig Interesse der politisch Verantwortlichen zu stoßen. Handlungsbedarf wird oft erst erkannt, wenn Konflikte offenkundig werden und es für niederschwellige erzieherische Maßnahmen schon zu spät ist. Stattdessen sollte rechtzeitig mit Präventionskonzepten verschiedener Arten auf aktuelle und potentielle Schwierigkeiten an Schulen geantwortet werden.
Das Aufgreifen der Konfliktthematik ist dabei nicht nur angesichts des offensichtlich zunehmenden Gewaltpotentials im Kontext Schule, sondern auch aufgrund der Normalität von Konflikten im zwischenmenschlichen Zusammenleben von besonderer Notwendigkeit. Insofern stellt die Fähigkeit zum adäquaten bzw. konstruktiven Umgang mit Konflikten eine der zentralen Schlüsselkompetenzen zur gelingenden Alltagsbewältigung dar und muss deshalb verstärkt zum Gegenstand von Lernprozessen gemacht werden.

[...]


1 Vgl. HÖHER (09.04.2006). Rettungsversuche für die Rütli-Schule. http://www.wams.de/data/2006/04/09/871699.html, aufgerufen am 13.04.2006.


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