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„A very strange sort of woman“

Subtitle: Die zeitgenössische Repräsentation und Propaganda von Königin Elisabeths I. von England

Scholary Paper (Seminar), 2006, 35 Pages
Author: Bojana Ruf
Subject: History - Modern Times, Absolutism, Industrialization

Details

Event: Seminar HerrscherInnenbilder
Institution/College: University of Basel (Historisches Seminar)
Tags: Seminar, HerrscherInnenbilder
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 35
Grade: 5.5 (Schweiz)
Bibliography: ~ 26  Entries
Language: German
Archive No.: V80589
ISBN (E-book): 978-3-638-87887-6

File size: 962 KB
Notes :
Sehr gute Seminararbeit Bildquellen im Anhang


Abstract

Königin Elisabeth I. regierte England und Irland 45 Jahre lang. Sie ist die Hauptfigur der vorliegenden Arbeit, die sich aber nicht als Biographie versteht, sondern vielmehr die zeitgenössische Inszenierung der Königin, also wie Elisabeth I. sich darstellte oder sich von anderen darstellen ließ, beleuchtet. Alleine die Tatsache, dass Elisabeth I. ebenfalls unter den Namen der jungfräulichen Königin bekannt ist und war, deutet darauf hin, dass die Repräsentation ihrer Person sowie ihres königlichen Status außerordentlich kraftvoll und effizient gewesen sein muss.


Excerpt (computer-generated)

Universität Basel, Historisches Seminar
Seminar: HerscherInnenbilder in der Neuzeit
SS 2006, Sissach, den 6. November 2006

„A very strange sort of woman“
Die zeitgenössische Repräsentation und Propaganda von Königin Elisabeths I. von England

von

Bojana Ruf

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 4

2. Propaganda – ein Begriff im Wandel der Zeit... 6

3. Selbstdarstellung in Kindheit und Jugend... 8

3.1 Die frühen Briefe an den Vater und Stiefmutter Katherine Parr... 8
3.2 Ein Geschenk an Bruder Edward... 11
3.3 Der Tide Letter an Halbschwester Mary... 13

4. Der Mythos der Virgin Queen... 15

4.1 Die Reden... 15
4.2 Die Gemälde... 17
4.3 Musik und Literatur... 19
4.4 Von der Repräsentation zur Propaganda... 21

5. „The Heart and Stomach of a King“... 24

6. Schlusswort... 27

7. Bibliographie... 29

8. Anhang... 31

 


Frauen müssen ihr eigenes Weibliches leben,
sowie das von den Männern auf sie projizierte.
Sie sind also Weib hoch zwei.
Das ist doch wohl zu viel.1


 

1. Einleitung

Königin Elisabeth I. regierte England und Irland 45 Jahre lang. Sie ist die Hauptfigur der vorliegenden Arbeit, die sich aber nicht als Biographie versteht, sondern vielmehr die zeitgenössische Inszenierung der Königin, also wie Elisabeth I. sich darstellte oder sich von anderen darstellen ließ, beleuchtet. Alleine die Tatsache, dass Elisabeth I. ebenfalls unter den Namen der jungfräulichen Königin bekannt ist und war, deutet darauf hin, dass die Repräsentation ihrer Person sowie ihres königlichen Status außerordentlich kraftvoll und effizient gewesen sein muss. Die Inszenierung einer Berühmtheit bringt der moderne Leser zwangsläufig mit zeitgenössischen Medien wie dem Fernsehen, der Fotographie oder dem Internet in Verbindung; mit Mitteln also, welche es im Elisabethanischen Zeitalter noch nicht gab. Dennoch ist die "Imagepflege" kein Phänomen unserer Zeit, sondern wurde von Herrschern seit der Antike in vielerlei Formen praktiziert. Einzig die Diskurse und Medien änderten sich im Laufe der Zeit. So sind zum Beispiel die Gemälde in den Uffizien von Florenz, die für den Betrachter vor 500 Jahren klare Botschaften kommunizierten für den Museumsgänger von heute zwar eindrucksvolle, aber dennoch nichtsaussagende Kunstwerke. Der Triumphbogen in Paris gehört zwar zu jedem Stadtrundgang dazu, doch wenige wissen um die Bedeutung der als Reliefs eingemeißelten Geschichten. In gleicher Weise beeindrucken die Gemälde von Elisabeth I. zwar durch die Tatsache, dass hier eine Regentin in einer von männlichen Herrschern dominierten Zeit porträtiert wurde; dennoch erkennen viele Betrachter wenig von den Absichten, die hinter den Porträts der Elisabeth I. steckten. Das Gemälde war jedoch nur eines der verschiedenen Medien, welches eine Monarchin damals zur Verfügung gehabt hatte. Thomson unterscheidet in seiner Studie der Propagandamedien zwischen den bildenden Künsten, der Literatur und der Musik2; Medien, welche von Elisabeth I. gekonnt eingesetzt wurden, um sich zu inszenieren; denn dass sie ihre Repräsentation mit Schauspielerei verglich, beweist eines ihrer wohl berühmtesten Zitate: „Wir Fürsten (...) stehen auf der Bühne und werden von der ganzen Welt beobachtet.“3 Die Konstrukte und Bilder, welche von Elisabeth I. und ihren Künstlern geschaffen wurden, um sie zu repräsentieren, sollen in der vorliegenden Arbeit durchleuchtet und der Grund ihrer Existenz diskutiert werden.

Als Grundlage für diese Untersuchung sollen zum einen jene Briefe und Geschenke dienen, welche, mit Ausnahme des Porträts, Elisabeth zwischen ihrem elften und zwanzigsten Altersjahr selbst anfertigte und über Charakterzüge und frühe Repräsentationstaktiken der Prinzessin Auskunft geben. Einen wertvollen Beitrag zur Untersuchung von Elisabeths frühen Briefen lieferten Haighs und Starkeys differenzierte Ausführungen zu Elisabeths Kindheit. Zum andern sollen Quellen untersucht werden, welche nach der Thronbesteigung Elisabeths I. zu Repräsentationszwecken der Königin geschaffen wurden. Ein Schwerpunkt liegt dabei bei Gemälden der Elisabeth I., die von, Hilliard, Metsys dem Jüngeren, aber auch von anonymen Malern in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gemalt wurden. Kings Ausführungen über die Ikonografie dieser Gemälde lieferten dazu wichtige Hinweise. Die Darstellungen von Elisabeth I. in Literatur und Musik werden sowohl anhand Edmunds Spensers The fairy Queen, als auch Weelkes Madrigal As Vesta was from Latmos Hill descending untersucht. Ein Propagandamittel, welches Elisabeth I. häufig und geschickt benutzte, waren ihre Reden. Diese Arbeit beschränkt sich auf die Untersuchung von vier Reden: Zwei Reden, welche die junge Elisabeth I. 1559 und 1566 vor dem Parlament hielt, sowie der berühmten Rede zu Tilbury von 1588 und einer Rede an der Universität Oxford von 1592. Die Selbstdarstellung Elisabeths I. in ihren Jugendjahren durch diese Briefe und Geschenke zeugen von ihrer Diplomatie und politischem Verständnis. Fryes Ansatz, der besagt, „dass der für uns zugängliche Teil ihres frühen Lebens, der ihre Fähigkeit als sich entwickelndes politisches Wesen demonstriert, ihre Geschenke sind“4 soll als theoretische Grundlage für diese Arbeit dienen. Den Fragen, ob Elisabeths I. wichtigste Strategien der Repräsentation ihren Ursprung in ihrer Kindheit hatten und inwieweit Elisabeth I. diese selbst beeinflussen konnte, soll im Folgenden nachgegangen werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem heutigen Verständnis von Propaganda geht der Arbeit voran und soll den Leser in die Auseinandersetzung mit Elisabeths I. Inszenierungspolitik einführen. In der anschließenden Untersuchung sollen die frühen Zeugnisse der Prinzessin Elisabeth I. mit späteren Propagandamedien der Königin Elisabeth I. verglichen werden. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei zwei häufigen Propagandatechniken von Elisabeth I. geschenkt werden: Dem Mythos der Jungfräulichkeit, welcher von Doren hinreichend dokumentiert wurde und dem Bild des androgynen Souveräns, welches von Weir untersucht wurde.

2. Propaganda-ein Begriff im Wandel der Zeit

Allgemein bedeutet Propaganda „(lat.) die systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher oder ähnlicher Ideen und Meinungen mit massiven (publizistischen) Mitteln mit dem Ziel, das allgemeine politische Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen.“.5 Zu den bekanntesten Beispielen systematischer Propaganda lassen sich die Regimes des Nationalsozialismus und des Kommunismus zählen, welche das moderne Verständnis von Propaganda nachhaltig geprägt haben: Unter Propaganda werden all jene Täuschungen und Manipulationen verstanden, welche der Masse mit Gewalt aufgezwungen werden. Dabei wird außer Acht gelassen, dass Propaganda sowohl in religiösen, als auch sozialen und ökologischen Gebieten angewandt wird und mehrere tausend Jahre zurückreicht.

Zwar wird der Begriff der Propaganda erst im 16. Jahrhundert durch die päpstliche Bulle Congregatio de propaganda fide eingeführt6, in welcher der Papst Möglichkeiten erläutert, wie Häretiker zur Kirche zurück geführt werden könnten. Allerdings kann die vor tausenden von Jahren begonnene Verbreitung des Buddhismus7 genauso auf geschickte Propaganda zurückgeführt werden wie die heldenhaften Selbstdarstellungen eines Julius Caesar oder eines Alexander des Grossen. Qualter vertritt die Meinung, dass der Ursprung des Wortes, welcher mit den zum Teil unmenschlichen Missionierungsmaßnahmen der katholischen Kirche in Verbindung gebracht werden kann, für seine negative Behaftung in den protestantischen Ländern des Nordens verantwortlich ist.8 In heutigen Worten könnte Propaganda als Werbestrategie, welche die Interessen einer einzelnen Führungspersönlichkeit oder einer führenden Institution vertritt, umschrieben werden; oder in Thomsons Worten als „use of communication skills of all kinds to achieve attitudinal or behavioural changes among one group of people by another.“9 Damals wie heute war die Konstruktion eines vorteilhaften Herrscherbildes - was man darunter versteht, ist von Epoche zu Epoche verschieden - von großer Wichtigkeit. Die Untertanen müssen von der Legitimation und Präsenz des Herrschenden immer wieder überzeugt werden. Nach Max Weber ist diese Abhängigkeit von gegenseitiger Natur: Herrscher und Beherrschte sind auf das Wohlwollen des anderen angewiesen. „Ein bestimmtes Minimum an Gehorchenwollen, also: Interesse (äußerem oder innerem) am Gehorchen gehört zu jedem echten Herrschaftsverhältnis“.10 Die Propaganda ist demzufolge ein notwendiges Instrument, um das Interesse am Gehorchen aufrecht zu erhalten und bildet gleichzeitig das Verbindungsstück zwischen Herrscher und Beherrschten. Zudem dient Propaganda dazu, die Legitimierung der Herrschaft zu stärken. Weber unterscheidet zwischen dem Typus der legalen Herrschaft, bei welchem Herrschaft gesetzlich begründet ist, jenem der traditionellen Herrschaft, bei welchem die Herrschaft durch den Glauben an Traditionen begründet ist und schließlich jenem der charismatischen Herrschaft, welche sich durch Qualifikation und Fähigkeit des Regierenden allein legitimiert.11 Die Legitimierung der Herrschaft Königin Elisabeths I. ist nicht klar einem Typus zuzuordnen, sondern entspricht eher einem Mischtypus der Weberschen Herrschaftssoziologie. Zwar hatte Elisabeth I. als Tochter Heinrichs VIII. einen rechtmäßigen Anspruch auf den englischen Thron, dennoch wurde diese legitime Herrschaft von vielen Seiten wegen ihres Geschlechts und ihrer Religion angezweifelt. In den vielfältigen Repräsentationen Elisabeths I. werden deshalb nicht nur ihre Herkunft sondern auch ihre Qualität als Herrscherin hervorgehoben. Die Darstellung des charismatischen Herrschaftstypus erwies sich demzufolge als notwendig in Anbetracht der anfechtbaren legalen Legitimation. Die Stärkung ihrer Stellung war bei Elisabeth I. von großer Wichtigkeit, da ihr Ansehen vor allem zu Beginn ihrer Herrschaft äußerst verletzlich war. Die junge Königin hatte nicht nur die katholischen Mächte Spaniens, Frankreichs und Schottlands gegen sich, sondern musste sich ebenfalls gegen die Katholiken in ihrem eigenen Land durchsetzen. Zusätzlich hatte sie ihren Status als unverheiratete Frau zu legitimieren.12 Insgesamt verlangten die Umstände nach einer möglichst vielfältigen Propaganda. Da Elisabeths I. Fähigkeit, sich zu repräsentieren, schon in ihrer Kindheit geschult und gefördert wurde, soll im folgenden Abschnitt auf diese wegweisende Epoche im Leben der Prinzessin eingegangen werden.

3. Selbstdarstellung in Kindheit und Jugend

[...]


1 Aus: Dankesrede der Meret Oppenheim anlässlich der Verleihung des Kunstpreises der Stadt Basel, 1975 http://www.meret-oppenheim.de/kunstpreis.htm 3.9.2006

2 Vergl. Thomson, 13-14

3 Zitiert in: Burke, 397

4 Zitiert in: Schulte, 50

5 Duden Fremdwörterbuch 7

6 Merten, 145

7
Vergl. Thomson, 89

8 Zitiert in: Jowett und O′Donnell, 54

9 Ebd., 5

10 Weber, 122

11 Vergl. Weber, 124

12 Siehe dazu: Klein, 10


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