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Erich Kästner in der Inneren Emigration - Bewertungen während und nach der Diktatur

Scholary Paper (Seminar), 2002, 24 Pages
Author: Anke Hetzel
Subject: Communications: Journalism, Journalism Professions

Details

Event: Proseminar: Einführung in die Exilpublizistik: Exil und Innere Emigration
Institution/College: Free University of Berlin (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Tags: Kästner, 3. Reich, Innere Emigration, Exil
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 24
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V8085
ISBN (E-book): 978-3-638-15162-7

File size: 232 KB


Excerpt (computer-generated)

Erich Kästner in der Inneren Emigration
- Bewertungen während und nach der Diktatur

von Anke Hetzel

Inhalt

1 Einleitung

2 Grundlagen der Diskussion

2.1 Erich Kästner: Eckdaten der Biographie
2.2 Die Kulturpolitik der Nationalsozialisten
2.3 Begriffsklärung: Innere Emigration

3 Die Entscheidung für den passiven Widerstand

3.1 Missfallen erregendes Schaffen vor 1933
3.2 Gründe für die Entscheidung

4 Kästners Leben und Werk von 1933 bis 1945

4.1 Die Bücherverbrennung

4.2 Berufsverbände und Schreibverbot
4.2.1 Gleichschaltung
4.2.2 Berufsverbot

4.3 Kästners Arbeit im ‚Dritten Reich′
4.3.1 Charakterisierung
4.3.2 Eigene Einschätzung

4.4 Zur geplanten Verarbeitung in einem Roman

5 Vergleich der Sekundärliteratur

6 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Beschäftigung mit Erich Kästner erscheint zunächst wenig sinnvoll. Jeder kennt Kästner, den beliebten Kinderbuchautor, den Lyriker, den Moralisten. Sein Roman Fabian - Geschichte eines Moralisten gilt als Musterbeispiel der Literatur der Weimarer Republik, die Epigramme hielten Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch, denn sie sind witzig und lehrreich gleichermaßen. Wo also ansetzen bei diesem Bild ohne Widersprüche?
Der Ansatzpunkt für Kritik an Kästner ist der 30. Januar 1933, der Tag der Machtübernahme Hitlers. Wiederholt muss sich Kästner im Nachhinein die Frage gefallen lassen, warum er nicht, wie die meisten seiner Kollegen und Freunde, emigriert sei. Die Antworten scheinen zunächst plausibel. Bei der Auseinandersetzung mit ihnen und ihrer Bewertung in der Sekundärliteratur wird jedoch schnell deutlich, dass sowohl Erich Kästners Beweggründe, in Deutschland zu bleiben, als auch seine in der Zeit von 1933 bis 1945 entstandenen Werke kontrovers diskutiert werden.
Das Thema polarisiert, eine objektive Bewertung des Sachverhaltes lässt sich nur schwer finden. Eher lassen sich die Meinungen zwei Gruppen zuordnen: zur ersten, die Kästner für mutig und selbstlos halten, wie Marcel Reich-Ranicki, der ihn als "Deutschlands Exilschriftsteller honoris causis" bezeichnete, und zur zweiten, die in Kästners Verbleiben im nationalsozialistischen Deutschland lediglich eine "Mischung aus stolzem Trotz, gepaart mit einer [...] gefährlichen Abenteuerlust [...] sowie einer seltsamen Unbeweglichkeit" sieht.
In dieser Arbeit werde ich die Informationen über Erich Kästners Leben und Werk im ‚Dritten Reich′ zusammentragen. Dabei sollen auch zeitliche und gesellschaftliche Aspekte eine Rolle spielen. Ziel ist eine Konfrontation der Befürworter und Gegner seines Schaffens von 1933 bis 1945, verbunden mit der Hoffnung, zu einer eigenen Einschätzung mit weniger Pathos zu gelangen.

2 Grundlagen der Diskussion

2.1 Erich Kästner: Eckdaten der Biographie

Erich Kästner wurde am 23. Januar 1899 in Dresden als Sohn von Ida und Emil Kästner geboren. Zur Mutter hatte er zeit seines Lebens eine besonders innige Beziehung, während die Frage, ob Emil Kästner tatsächlich sein leiblicher Vater war, nicht geklärt werden kann. SCHNEYDER und GÖRTZ/SARKOWICZ halten es für möglich, dass der Leibarzt der Familie, Dr. Zimmermann, der leibliche Vater war, HANUSCHEK dagegen kommt "zu dem Schluss, dass es dafür keinerlei stichhaltige Beweise gebe." Komplett ausschließen kann man diese Möglichkeit aber offenbar nicht.
Nach dem Studium arbeitete Kästner bei der "Neuen Leipziger Zeitung", bevor er 1927 nach Berlin ging, wo er als Theaterkritiker und freier Mitarbeiter bei u.a. "Weltbühne" und "Montag Morgen" tätig war. Seine Bücher fielen, wie die vieler anderer, 1933 der Bücherverbrennung zum Opfer, sie durften in Deutschland nicht mehr veröffentlicht werden. Er veröffentlichte seine Bücher zunächst in der Schweiz und verfasste mit Sondergenehmigung des Propagandaministeriums 1942 das Drehbuch des "Münchhausen"-Films, bevor ihm 1943 endgültiges Schreibverbot erteilt wurde. Nach dem Krieg wurde Erich Kästner Feuilletonchef der ‚Neuen Zeitung" sowie Herausgeber der Jugendzeitschrift ‚Pinguin′. 1951 folgte die Ernennung zum Präsidenten des westlichen PEN-Zentrums. Er gewann mehrere Literaturpreise, bis er sich 1966 fast vollständig aus dem Literaturbetrieb zurückzog. Kästner starb am 29.07.1974 in München.

2.2 Die Kulturpolitik der Nationalsozialisten

Die Nationalsozialisten tolerierten und förderten nach ihrer Machtübernahme nur noch die ihrer Ideologie förderliche Literatur. Dabei wurden Kriegs- und Heldendarstellungen, sowie Historien- und Heimatromane bevorzugt. Die 1933 gegründete Reichsschrifttumskammer sollte für eine Neuordnung des literarischen Schaffens sorgen, nur wer Mitglied war, hatte ein Recht auf Berufsausübung.

[...]


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