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Künstliche Menschen in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" und Mary Shelleys "Frankenstein - oder der neue Prometheus"

Scholary Paper (Seminar), 2007, 16 Pages
Author: Julia Flüs
Subject: German Studies - Comparative Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 16
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V81117
ISBN (E-book): 978-3-638-85801-4
ISBN (Book): 978-3-638-85558-7
File size: 155 KB

Abstract

Als Aufmacher seiner „Nachtstücke“ hat ETA Hoffmann 1817 seine Erzählung „Der Sandmann“ publiziert, die sich „bis auf den heutigen Tage als eine der rätselhaftesten wie faszinierendsten Geschichten zum Thema künstliche Menschen behaupten“ konnte. Die Dichte an Metaphern und Motivkreisen und deren Mehrdeutigkeit hat eine riesige Masse an häufig gegenseitig ausschließender Interpretationen entstehen lassen. Bei aller Mehrdeutigkeit vollzieht der Text jedoch im Kontext der damaligen Zeit eine tadellose Auseinandersetzung mit dem Thema künstlicher Menschen und treibt „eine bereits im 18. Jahrhundert stark ausgeprägte und für das frühe 19. Jahrhundert ebenfalls zeittypische Faszination für künstliche Menschen noch auf die Spitze“ Denn nach damaliger Auffassung waren Automatenmenschen, wie die Olimpia im Sandmann, durchaus mit dem Menschen zu verwechseln. Nur ein Jahr später, im Jahre 1818 erschien die erste, 1831 dann die heute geläufige Fassung von Mary Wollstonecraft Shelleys „Frankenstein oder der neue Prometheus“. Mit ihrem Werk eröffnet Shelley, wie man bereits dem „oder der neue Prometheus“ im Titel ent-nehmen kann, ähnlich wie Hoffmann vielschichtige Perspektiven aus dem Motiv des künstlichen Menschen. Viel mehr geht Shelley aber auf den Kontext der Naturwissenschaft und deren Kenntnisse und Diskussionen zur damaligen Zeit ein.


Excerpt (computer-generated)

Künstliche Menschen in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"
und Mary Shelleys "Frankenstein - oder der neue Prometheus"

von

Julia Flüs

 


Inhalt

1. Einleitung Seite 2

2. ETA Hoffmann „Der Sandmann“ Seite 2

2.1 Die Augenmetaphorik in ETA Hoffmanns „Der Sandmann“ Seite 3
2.2 Künstliche Menschen in ETA Hoffmanns „Der Sandmann“ Seite 6

3. Mary Wollstonecraft Shelley: „Frankenstein-oder der neue Prometheus“ Seite 9

3.1 Viktor Frankenstein Seite 10
3.2 Frankensteins Kreatur Seite 12

4. Schlussgedanken Seite 14

5. Bibliografie Seite 15


 

 

1. Einleitung

Unter dem Stichwort Alterität wird, vereinfacht gesagt, die Wahrnehmung des Anderen und Fremden, in diesem Falle in der Literatur, verstanden. Betrachtet man die lateinischen Wurzeln des Wortes Alterität, so kann man es unter Bezugnahme auf „alter“ als „der/das andere von Zweien“ oder unter Bezugnahme von „alius“ als den Anderen von „potentiell mehreren unterschiedlichen anderen“ verstehen. Aber egal ob man Alterität lieber mit der einen oder anderen Übersetzungsmöglichkeit verwendet, bei beiden wäre ich eigentlich schon mitten in meinem Thema. Denn diese Arbeit soll von künstlichen Menschen in der Literatur, genauer gesagt von künstlichen Menschen in ETA Hoffmanns „Der Sandmann“ und in Mary Shelleys „Frankenstein- oder der neue Prometheus“, handeln. Und sind von Menschenhand hergestellte „Menschen“ nicht genau dieses Andere von Zweien? Denn in meinen beiden literarischen Beispielen haben beide „Wesen“ auf unterschiedlicher Art eine immense Ähnlichkeit zum Menschen (Olimpia physisch und Frankensteins Monster psychisch), unterscheiden sich aber andererseits auch stark von ihren Schöpfern.
Als Aufmacher seiner „Nachtstücke“ hat ETA Hoffmann 1817 seine Erzählung „Der Sandmann“ publiziert, die sich „bis auf den heutigen Tage als eine der rätselhaftesten wie faszinierendsten Geschichten zum Thema künstliche Menschen behaupten“ konnte.1 Die Dichte an Metaphern und Motivkreisen und deren Mehrdeutigkeit hat eine riesige Masse an häufig gegenseitig ausschließender Interpretationen entstehen lassen. Bei aller Mehrdeutigkeit vollzieht der Text jedoch im Kontext der damaligen Zeit eine tadellose Auseinandersetzung mit dem Thema künstlicher Menschen und treibt „eine bereits im 18. Jahrhundert stark ausgeprägte und für das frühe 19. Jahrhundert ebenfalls zeittypische Faszination für künstliche Menschen noch auf die Spitze“2 Denn nach damaliger Auffassung waren Automatenmenschen, wie die Olimpia im Sandmann, durchaus mit dem Menschen zu verwechseln. Nur ein Jahr später, im Jahre 1818 erschien die erste, 1831 dann die heute geläufige Fassung von Mary Wollstonecraft Shelleys „Frankenstein oder der neue Prometheus“. Mit ihrem Werk eröffnet Shelley, wie man bereits dem „oder der neue Prometheus“ im Titel entnehmen kann, ähnlich wie Hoffmann vielschichtige Perspektiven aus dem Motiv des künstlichen Menschen. Viel mehr geht Shelley aber auf den Kontext der Naturwissenschaft und deren Kenntnisse und Diskussionen zur damaligen Zeit ein.

2. ETA Hoffmann „Der Sandmann“

ETA Hoffmann erzeugt durch seinen Gebrauch von Metaphern verschiedenster Motivkreise vielfältige Motivschichtungen und deren Verknüpfungen. Als zentral betrachte ich in diesem Zusammenhang die beiden Motive „Auge“ und „künstliche Menschen“, die bereits zu Anfang der Geschichte in Zusammenhang gebracht werden, als Nathanel sich in der Stube des Vaters versteckt um seine Neugierde um den Sandmann zu stillen. Denn als Coppelius, den er für sich zweifelsohne als Sandmann identifiziert, zusammen mit seinem Vater den vermeintlichen Wandschrank öffnet, kommen „allerlei seltsame Geräte“3 zum Vorschein. „Mir war es als würden Menschengesichter ringsumher sichtbar, aber ohne Augen- scheußliche, tiefe schwarze Höhlen statt ihrer“4, es scheint also, als würden Coppelius und Nathanales Vater an menschenähnlichen Maschinen arbeiten, ob sich dies aber in der Realität abspielt oder ob Nathanel sich das einbildet kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, da Nathanel von „Mir war es als würden“ spricht. Die beiden Motive „Augen“ und „künstliche Menschen“ werden hier also zum ersten Mal miteinander in Verbindung gebracht und ebnen damit den Verlauf der Geschichte.

2.1 Die Augenmetaphorik in ETA Hoffmanns „Der Sandmann“

Schon beim ersten lesen ist mir ins „Auge“ gesprungen, dass genau diesem ein zentrales Motiv in ETA Hoffmanns Sandmann zukommt. Ganze 62-mal fällt der Begriff, mal als „Kinderauge“5, mal als „Oke“6 oder ganz einfach als „Auge“7. Dazu kommen noch etliche Verwendungen des Begriffs „Blick“8.
Bereits sehr früh wird das Motiv „Auge“ in die Geschichte eingeführt. In einem Brief an seinen Freund Lothar erzählt er diesem von seiner „zerissenen Stimmung“9, die er auf seine Begegnung mit dem Wetterglashändler Coppula zurückführt, der ihn an schreckliche Geschehnisse in seiner Kindheit erinnert. Von der Amme seiner Schwester erfuhr er als kleiner Junge wer, oder was, der Sandmann ist, wegen dem er regelmäßig von seiner Mutter zu Bett geschickt wird:

„Das ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen und wirft ihnen Händevoll Sand in die Augen, dass sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für deine Kinderchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein Augen auf.“10

[...]


1 Tabbert, Thomas T.: Die erleuchtete Maschine – Künstliche Menschen in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“. Artislife Press, Hamburg, S. 9 (im weiteren Verlauf mit „Tabbert Sandmann“ abgekürzt)

2 Tabbert Sandmann, S.12

3 E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann. Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1991, S. 9. (im weiteren Verlauf mit „Hoffmann“ abgekürzt)

4 Hoffmann, S. 1

5 z.B. Hoffmann, S. 8.

6 z.B. Hoffmann, S. 27.

7 z.B. Hoffmann, S. 5.

8 z.B. Hoffmann, S. 19.

9 Hoffmann, S.3.

10 Hoffmann, S. 5.


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