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Termpaper, 2006, 16 Pages
Author: Julia Flüs
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Figur, Kriemhild, Nibelungenlied
Year: 2006
Pages: 16
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-85802-1
ISBN (Book): 978-3-638-85559-4
File size: 100 KB
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Abstract
Das Nibelungenlied ist das wahrscheinlich bedeutendste mittelalterliche Werk der deutschen Heldendichtung. Entstanden ist es zwischen 1180 und 1210, in der Blütezeit der mittelhochdeutschen Literatur. Das 39 Aventuiren umfassende Werk lässt sich in zwei Abschnitte einteilen: Aventuire 1-19 führen die Personen ein, beschreiben wie Siegfried nach Worms kam, die Brautwerbungen um Kriemhild von Siegfried und Brunhild von Gunther, den Streit der beiden Königinnen und Siegfrieds Tod. Der zweite Teil handelt von Kriemhilds zweiter Ehe mit Etzel und Kriemhilds Rache an die Burgunden. Eine herausragende Stellung nimmt die Figur der Kriemhild ein. Eine herausragende Stellung aber nicht nur in der Erzählung selbst, die sich in ihrer Gesamtheit fast ausschließlich um die schöne Burgundenprinzessin handelt. Herausragend auch in der mittelalterlichen Literatur überhaupt. Walter Haug beispielsweise bezeichnet sie als „die erste Gestalt in der mittelalterlichen Literatur, die ihre persönliche Erfahrung als ihr Schicksal annimmt und ihr Leben individuell entwirft.“2 Und um diese herausragende Persönlichkeit soll meine Arbeit handeln. Ich möchte darstellen, wie Kriemhild von einer tugendhaften Frau zur blutrünstigen Rächerin wird. Geschieht dies allmählich oder plötzlich? Diese Frage be- schäftigt die Forschung seit langem. So unterscheidet de Boor grundsätzlich zwischen der Kriemhild des ersten und zweiten Teils: „Dem Dichter ist Kriemhild jeweils die Gestalt, die sie aus den Vorraussetzungen des Stoffes und seines Ethos sein musste; sie ist hier wie dort exemplarisch. Aber sie ist es, der Dichter fragt nicht danach, wie sie es wurde.“ Heusler setzt dem entgegen: „Das große ist ihm gelungen (dem Dichter) und ist sein eigenstes Werk, dass er uns den Umschwung glaubhaft macht von der glück- und Liebesstrahlenden Gattin zur unerbittlichen Rächerin.“ 2 Haug Walter: Strukturen als Schlüssel zur Welt. Kleine Schriften zur Erzählliteratur des Mittelalters. Tübingen. Max Niemeyer Verlag. 1998, S. 334. 3 Vgl. Wahl Armstrong, Marianne: Rolle und Charakter. Studien zur Menschendarstellung im Nibelungenlied. Göppingen. Kümmerle Verlag. 1979, S. 244.
Excerpt (computer-generated)
Die Figur der Kriemhild im Nibelungenlied
von
Julia Flüs
Inhalt
1. Einleitung S. 2
2. Die Figur Kriemhild im Nibelungenlied S. 3
2.1 Kriemhild als höfische Dame S. 3
2.2 Der Falkentraum S. 4
2.3 Der Königinnenstreit: Ursache und Folgen S. 5
2.4 Siegfrieds Ermordung S. 9
2.5 Der Hortraub S. 10
2.6 Kriemhilds Rache S. 11
3. Resümee S. 15
4. Bibliografie S. 17
1. Einleitung
„Uns ist in alten maeren wunders vil geseit
von helden lobebaeren, von grôzer arebeit,
von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ir nu wunder hoeren sagen.“1
Mit diesen Versen beginnt das Nibelungenlied, das wahrscheinlich bedeutendste mittelalterliche Werk der deutschen Heldendichtung. Entstanden ist es zwischen 1180 und 1210, in der Blütezeit der mittelhochdeutschen Literatur. Das 39 Aventuiren umfassende Werk lässt sich in zwei Abschnitte einteilen: Aventuire 1-19 führen die Personen ein, beschreiben wie Siegfried nach Worms kam, die Brautwerbungen um Kriemhild von Siegfried und Brunhild von Gunther, den Streit der beiden Königinnen und Siegfrieds Tod. Der zweite Teil handelt von Kriemhilds zweiter Ehe mit Etzel und Kriemhilds Rache an die Burgunden. Eine herausragende Stellung nimmt die Figur der Kriemhild ein. Eine herausragende Stellung aber nicht nur in der Erzählung selbst, die sich in ihrer Gesamtheit fast ausschließlich um die schöne Burgundenprinzessin handelt. Herausragend auch in der mittelalterlichen Literatur überhaupt. Walter Haug beispielsweise bezeichnet sie als „die erste Gestalt in der mittelalterlichen Literatur, die ihre persönliche Erfahrung als ihr Schicksal annimmt und ihr Leben individuell entwirft.“2 Und um diese herausragende Persönlichkeit soll meine Arbeit handeln. Ich möchte darstellen, wie Kriemhild von einer tugendhaften Frau zur blutrünstigen Rächerin wird. Geschieht dies allmählich oder plötzlich? Diese Frage be- schäftigt die Forschung seit langem. So unterscheidet de Boor grundsätzlich zwischen der Kriemhild des ersten und zweiten Teils: „Dem Dichter ist Kriemhild jeweils die Gestalt, die sie aus den Vorraussetzungen des Stoffes und seines Ethos sein musste; sie ist hier wie dort exemplarisch. Aber sie ist es, der Dichter fragt nicht danach, wie sie es wurde.“ Heusler setzt dem entgegen: „Das große ist ihm gelungen (dem Dichter) und ist sein eigenstes Werk, dass er uns den Umschwung glaubhaft macht von der glück- und Liebesstrahlenden Gattin zur unerbittlichen Rächerin.“3
2. Die Figur Kriemhild im Nibelungenlied
2.1 Kriemhild als höfische Dame
„Ez wuochs in Búrgónden ein vil édel magedîn,
daz in allen landen niht schoeners mohte sîn,
Kriemhilt geheizen: si wart ein scoene wîp.
dar umbe muosen degene vil verlíesén den lîp“ 4
Kriemhild ist die erste Person, die im Nibelungenlied eingeführt wird. Vor allem ihre Schönheit, aber auch ihre adelige Abstammung wird hier betont. Doch nicht nur rein äußerlich ist sie eine Schönheit. Auch ihre inneren Werte, ihre tugende, werden betont.5 Allerdings wird bereits hier eine düstere Vorausdeutung gemacht: „dar umbe muosen degene vil verlíesén den lîp“, viele Krieger werden wegen ihr das Leben verlieren. Doch neben dieser Vorahnung ist der Kriemhild- Figur laut Schulze auch durch die Bezeichnung „vil edel“ mit einem problematischen Aspekt verbunden. Dieses Adjektiv ist eines von etwa zehn Epitheta, die eine Person nicht individuell charakterisieren, sondern sie, unabhängig vom Erzählzusammenhang, als Angehörige der höfisch-ritterlichen Gesellschaft ausweist. Das würde auch erklären, dass sie sogar noch nach ihrem unehrenhaften Tod durch Zerstückelung als „edele wîp“ bezeichnet wird.6 Doch nun zurück zu ihrer edlen Abstammung. Kriemhild wächst als Edelfräulein am Wormser Hof auf und steht unter der Vormundschaft ihrer drei Brüder Gunther, Gernot und Giselher. Ihr Vater und ursprünglicher König Dankrat ist bereits gestorben und auch ihre Mutter Ute steht vom Rang her unter ihren Söhnen. Der Wormser Hof besitzt große Macht, es wird von „vil hôhen werdekeit“ gesprochen. Mit dieser Einführung durch die erste Aventiure entwirft der Dichter einen Lebensraum, in dem höfische Werte gelten und Kriemhild als höfische Dame eingebettet wird. Außerdem wird zu erkennen gegeben, dass Kriemhild eine zentrale Stellung zugedacht wird. Allein die Tatsache, dass die „gegen das Zeremoniell verstoßene Reihenfolge in der Nennung der Personen absichtlich erfolge“, da der Dichter „durchaus mit den höfischen Gesellschaftsregeln vertraut“7 war und in allen anderen höfischen Zeremonialszenen besonderen Wert auf Einhaltung der Etikette wert lag, macht ihre Sonderstellung deutlich.
2.2 Der Falkentraum8
[...]
1 Bartsch, Karl u. de Boor, Helmut: Das Nibelungenlied. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse. Stuttgart. Philipp Reclam jun. GmbH & Co..2002, S. 6, 1 (im weiteren Verlauf mit „Bartsch“ abgekürzt)
2 Haug Walter: Strukturen als Schlüssel zur Welt. Kleine Schriften zur Erzählliteratur des Mittelalters. Tübingen. Max Niemeyer Verlag. 1998, S. 334.
3 Vgl. Wahl Armstrong, Marianne: Rolle und Charakter. Studien zur Menschendarstellung im Nibelungenlied. Göppingen. Kümmerle Verlag. 1979, S. 244. (im weiteren Verlauf mit „Wahl Armstrong“ abgekürzt)
4 Bartsch, S. 6, 2
5 Vgl. Schulze, Ursula: Das Nibelungenlied. Stuttgart. Philipp Reclam jun. GmbH & Co..1997, S.143. (im weiteren Verlauf mit „Schulze“ abgekürzt)
6 Bartsch, S.750, 2377.
7 Wahl Armstrong, S. 249.
8 Vgl. Wahl Armstrong, S. 251f
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