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Scholary Paper (Seminar), 2005, 39 Pages
Author: Judith Strerath
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Pendeltürkinder, Kinder, Jugendliche, Borderline-Störung
Year: 2005
Pages: 39
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-85807-6
File size: 201 KB
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Abstract
Auf der Suche nach einem Fachthema für meine Hausarbeit bot mir Prof. Trost an, ich solle mir in der Bibliothek das von ihm erst kürzlich gelesene Buch von Ronald Hofmann „Bindungsgestörte Kinder und Jugendliche mit einer Borderline-Störung – Ein Praxisbuch für Therapie, Betreuung und Beratung“ ausleihen und als Grundlage für mein Fachthema nehmen. Nach der Lektüre dieses Buches wurde mir schnell klar, dass es sich bei dem Oberthema „Bindung“ um einen hochinteressanten, aber auch vielschichtigen und umfangreichen Komplex handelte. Zudem konnte ich durch mein Praxissemester an einer Sonderschule für Lernbehinderte aus den im Buch dargestellten Fallbeschreibungen und Sachverhalten direkt Parallelen zu den beobachteten und erfahrenen Begegnungen mit einem Teil der Schüler (und auch ihrer Familienherkunft) ziehen. Hinzu kam, dass ich dieses Thema als hochaktuell erfuhr, da es ein Thema unserer Zeit ist. So las ich in einem Zeitungsartikel folgendes Zitat: „Bindungsunfähige und extrem flexible Menschen sind in der heutigen Arbeitswelt gefragt. Von daher sei es nicht verwunderlich, dass auch die Kinder kaum noch feste Bindungen aufbauen können. Bedrohlich sei diese Entwicklung auch, weil sie den menschlichen Strukturen zuwiderlaufe. Erwachsene und vor allem Kinder suchen nach Geborgenheit, Sicherheit und Akzeptanz.“ So war mein Interesse geweckt und ich ging gerne daran, mich im Rahmen meiner Facharbeit mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Bei der Recherche nach weiterer Literatur stieß ich auf eine Vielzahl von Autoren, die sich in Aufsätzen und Büchern mit dem Thema „Bindung“ befasst hatten. Jedoch setzten sie alle andere Schwerpunkte in ihrer Arbeit. So filterte ich nach und nach die für die Soziale Arbeit relevanten Themen heraus, die sich gegen Ende der Recherche in drei Themenkomplexe unterteilen ließen. Der erste Komplex befasste sich mit dem bindungstheoretischen Hintergrund, der mir als Basis für die weiteren Ausführungen diente. Im zweiten Block fasste ich die Literatur zusammen, die sich mit Bindungsstörungen allgemein und später exemplarisch mit der Borderline-Störung beschäftigte. Der letzte Komplex fasste den für die Soziale Arbeit so wichtigen Bezug zur Anwendung des bindungstheoretischen Hintergrundes auf die Jugendhilfe zusammen. In diesem letzten Komplex begründete sich auch der Titel dieser Facharbeit „Pendeltürkinder“, der die Kinder und Jugendlichen beschreibt, die bindungsgelöst zwischen Elternhaus, Jugendhilfe, Psychiatrie und Strafsystem „pendeln“. Diese drei großen Themenkomplexe liegen dieser Arbeit als Struktur zugrunde.
Excerpt (computer-generated)
Katholische Fachhochschule, Nordrhein-Westfalen
Interdisziplinäres Projektseminar zum Feldprojekt
Wintersemester 2005/2006
"Pendeltürkinder" - Kinder und Jugendliche mit einer Borderline-Störung
von
Judith Frings
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1. Die Bindungstheorie 5
1.1 Definition von Bindung 5
1.2 Das Bindungs- und Explorationssystem und das Konzept der „sicheren Basis“ 6
1.3 Das Konzept der elterlichen Feinfühligkeit 7
1.4 Die inneren Arbeitsmodelle 8
1.5 Die vier Entwicklungsphasen der Bindung 9
1.6 Die vier Bindungstypen nach Ainsworth 9
1.7 Entwicklungsaufgaben, Bindungs- & Identitätsentwicklungen im Kindes- und Jugendalter 11
1.8 Die „Theory of Mind“ 13
2. Bindungsstörungen 14
2.1 Theorie der Bindungsstörungen: 14
2.2 Diagnostik und Klassifikation der Bindungsstörungen 14
2.2.1 Klassifikation nach DSM-IV 15
2.2.2 Klassifikation nach ICD-10 15
2.2.3 Klassifikation nach K.H. Brisch 15
2.3 Risiko- und Schutzfaktoren 18
2.4 Die Borderline-Störung als Erläuterung einer Bindungsstörung 19
2.4.1 Symptome der Borderline-Störung im Kindes- und Jugendalter 20
2.4.2 Zur Lebenssituation von Borderline-Kindern und Jugendlichen 21
2.4.3 Therapeutische Ansätze zur Borderline-Störung 22
2.4.4 Die Borderline-Störung in Beziehung zur Bindungstheorie 23
3. Der Umgang mit Bindungsstörungen in der Jugendhilfe 24
3.1 Grundlegende Botschaften der Bindung an die Jugendhilfe 24
3.2 Die Heimerziehung 25
3.2.1 Übertragung von Erkenntnissen der Psychotherapie auf die Heimerziehung 27
3.2.2 Das Bezugserziehersystem 28
3.2.3 Konzeption für borderline-gestörte Kinder und Jugendliche 29
3.3 Prävention von Bindungsstörungen 33
Ergebnis 35
Literaturverzeichnis 36
Internet-Quellen (Stand 05. Juni 2005): 37
Abkürzungsverzeichnis: 37
Anhang: 38
Einleitung
„Ich suchte Schutz vor dieser Welt in einem Himmelshafen
doch Steine vor der Einfahrt versperrten meinem Kinderkahn den Weg
da half kein Schreien und Strampeln
als ich versank schaute der Vater weg – und die Mutter löste Kreuzworträtsel…“
aus: „Mein Name ist Borderline“ von Gerhard Mell (1996)1
Auf der Suche nach einem Fachthema für meine Hausarbeit bot mir Prof. Trost an, ich solle mir in der Bibliothek das von ihm erst kürzlich gelesene Buch von Ronald Hofmann „Bindungsgestörte Kinder und Jugendliche mit einer Borderline-Störung – Ein Praxisbuch für Therapie, Betreuung und Beratung“ ausleihen und als Grundlage für mein Fachthema nehmen. Nach der Lektüre dieses Buches wurde mir schnell klar, dass es sich bei dem Oberthema „Bindung“ um einen hochinteressanten, aber auch vielschichtigen und umfangreichen Komplex handelte. Zudem konnte ich durch mein Praxissemester an einer Sonderschule für Lernbehinderte aus den im Buch dargestellten Fallbeschreibungen und Sachverhalten direkt Parallelen zu den beobachteten und erfahrenen Begegnungen mit einem Teil der Schüler (und auch ihrer Familienherkunft) ziehen.
Hinzu kam, dass ich dieses Thema als hochaktuell erfuhr, da es ein Thema unserer Zeit ist. So las ich in einem Zeitungsartikel folgendes Zitat: „Bindungsunfähige und extrem flexible Menschen sind in der heutigen Arbeitswelt gefragt. Von daher sei es nicht verwunderlich, dass auch die Kinder kaum noch feste Bindungen aufbauen können. Bedrohlich sei diese Entwicklung auch, weil sie den menschlichen Strukturen zuwiderlaufe. Erwachsene und vor allem Kinder suchen nach Geborgenheit, Sicherheit und Akzeptanz.“ So war mein Interesse geweckt und ich ging gerne daran, mich im Rahmen meiner Facharbeit mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Bei der Recherche nach weiterer Literatur stieß ich auf eine Vielzahl von Autoren, die sich in Aufsätzen und Büchern mit dem Thema „Bindung“ befasst hatten. Jedoch setzten sie alle andere Schwerpunkte in ihrer Arbeit. So filterte ich nach und nach die für die Soziale Arbeit relevanten Themen heraus, die sich gegen Ende der Recherche in drei Themenkomplexe unterteilen ließen. Der erste Komplex befasste sich mit dem bindungstheoretischen Hintergrund, der mir als Basis für die weiteren Ausführungen diente. Im zweiten Block fasste ich die Literatur zusammen, die sich mit Bindungsstörungen allgemein und später exemplarisch mit der Borderline-Störung beschäftigte. Der letzte Komplex fasste den für die Soziale Arbeit so wichtigen Bezug zur Anwendung des bindungstheoretischen Hintergrundes auf die Jugendhilfe zusammen. In diesem letzten Komplex begründete sich auch der Titel dieser Facharbeit „Pendeltürkinder“, der die Kinder und Jugendlichen beschreibt, die bindungsgelöst zwischen Elternhaus, Jugendhilfe, Psychiatrie und Strafsystem „pendeln“. Diese drei großen Themenkomplexe liegen dieser Arbeit als Struktur zugrunde.
1. Die Bindungstheorie
Die theoretischen Überlegungen bezüglich der Bedeutung von Trennung und Bindung sind nicht erst von Bowlby in seiner Bindungstheorie neu formuliert worden. So verfügen die meisten psychotherapeutischen Schulen bereits über eigene konzeptionelle Modelle der Bedeutung von Trennung und Bindung. Hier sind zum Beispiel verschiedene psychodynamische, lerntheoretische und systemische Modelle zu nennen, ebenso wie interpersonelle Psychotherapien. In einzelnen Theorien finden sich Parallelen zur Bindungstheorie Bowlbys oder diese beziehen sich sogar explizit auf ihn, zu anderen Theorien gibt es aber grundsätzliche Unterschiede.2 Wegen der grundlegenden Bedeutung der Bindungstheorien von John Bowlby und Mary Ainsworth möchte ich mich im folgenden ersten Teil meiner Arbeit ausschließlich der Bindungstheorie Bowlbys und Ainsworths widmen und lediglich in den letzten zwei Unterpunkten die entwicklungspsychologischen Modelle von Havighurst und Fonagy aufgreifen.
1.1 Definition von Bindung:
„Bei der Bindung handelt es sich um eine lang andauernde, gefühlsbetonte Beziehung zu einem bestimmten Menschen, der so genannten Bindungsperson, von der wir Schutz und Unterstützung erwarten.“3 Bowlby postuliert daraus ein ethologisches Bindungsverhaltenssystem, in welchem die verschiedenen Bindungsverhaltensweisen organisiert sind. In ihren Annahmen befasst sich die Bindungstheorie mit den grundlegenden frühen Einflüssen auf die emotionale Entwicklung des Kindes und versucht die Entscheidungen und Veränderungen von starken gefühlsmäßigen Bindungen zwischen Individuen im gesamten menschlichen Lebenslauf zu erklären.4 So betrachtet Bowlby „Mutter und Säugling als Teilnehmer in einem sich wechselseitig bedingenden und selbstregulierenden System.“5 Er beschreibt, dass die Funktionen dieser für den Menschen typischen Bindungsverhaltensweisen darin bestehen, dass die Eltern in Situationen der Gefahr in die Nähe des Kindes gehen, um es wirksam schützen zu können. Die Signale, die ein Kind dabei an seine Bindungsperson sendet, sind sowohl abhängig von der Situation, die als bedrohlich wahrgenommen wird, als auch von der erlebten Antwortbereitschaft seiner Bindungsperson. Das Ziel ist in beiden Fällen identisch: Die Bindungsperson soll zur Verfügung stehen.6 Bereits im Jahre 1958 legte Bowlby fünf Grundannahmen seiner Bindungstheorie in seinem Aufsatz „The nature of the child´s tie to his mother“ dar, die folgendermaßen lauten:
1. „Bei der Bindung handelt es sich um ein wesentliches Merkmal der Eltern-Kind- Beziehung.
2. Die Bindungsbeziehung ist zu unterscheiden von Abhängigkeit.
3. Bindung ist biologisch fundiert.
4. Die Erfahrungen des Kindes mit seinen Bindungspersonen finden ihren Niederschlag in psychischen Repräsentationen.
5. Bestimmte Repräsentationen von frühen Bindungserfahrungen weisen einen Zusammenhang auf mit späterer psychopathologischer Auffälligkeit.“7
1.2 Das Bindungs- und Explorationssystem und das Konzept der „sicheren Basis“
Die Bindungstheorie geht davon aus, dass der Mensch zur Sicherung seiner Existenz innerhalb der Evolution mehrere Verhaltenssysteme ausgebildet hat. Primär ist hier das Bindungssystem zu nennen, das nach Bowlby dem Kind bei Gefahr, Kummer oder Gefühlen von Verlassenheit die Zuwendung, den Trost und den Schutz seiner Bezugsperson sichern soll.8 Dieses Bindungssystem wird aktiviert, sobald im 7.-8. Lebensmonat durch die Lokomotion des Kindes ein weiteres System, das Explorations- bzw. Erkundungssystem, entsteht.9 Wird das Kind im Laufe seines Erkundens der Umwelt verunsichert, etwa durch zu große Entfernung von der Bindungsperson oder durch fremde Reize, so sorgt die Aktivierung des Bindungssystems und das damit verbundene Verhalten des Kindes für Nähe und Schutz durch die Bindungsperson. Aus diesem Sachverhalt entwickelte Mary Ainsworth das Konzept der „sicheren Basis“, die ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit bietet und von der aus das Kind, nachdem die Erregung des Bindungssystems abgeklungen ist, motiviert ist, erneut die Welt zu erkunden.10 Umgekehrt ergibt sich, dass eine Neigung zur Exploration der Umgebung dann gehemmt wird, wenn das Bindungsverhaltenssystem aktiviert ist, was dazu führt, dass das Kind Nähe und Körperkontakt zur Bindungsperson sucht. Zu einer maximalen Aktivierung des Bindungssystems kommt es, wenn das Kind sowohl eine Gefahr von Seiten der Außenwelt als auch eine Nichtverfügbarkeit seiner Bindungsperson erkennen muss.11
1.3 Das Konzept der elterlichen Feinfühligkeit
[...]
1 Hofmann, Bindungsgestörte Kinder und Jugendliche mit einer Borderline-Störung 5 (Vorwort).
2 Vgl. Brisch, Bindungsstörungen 61-73.
3 Schleiffer, Der heimliche Wunsch nach Nähe 31.
4 Vgl. Brisch, Bindungsstörungen 35.
5 Ebd. 35.
6 Vgl. Schleiffer, Der heimliche Wunsch nach Nähe 31.
7 Ebd.30.
8 Vgl. Spangler/Zimmermann, Die Bindungstheorie 320/321.
9 Vgl. Hofmann, Bindungsgestörte Kinder und Jugendliche mit einer Borderline-Störung 194.
10 Vgl. Spangler/Zimmermann, Die Bindungstheorie 109.
11 Vgl. Schleiffer, Der heimliche Wunsch nach Nähe 35.
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