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Von der Theaterlandschaft zur Kinolandschaft

Subtitle: Berlins erste Schritte in der Filmgeschichte

Termpaper, 2007, 19 Pages
Author: Johannes-Paul Lesinski
Subject: Theater Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V82183
ISBN (E-book): 978-3-638-87793-0
ISBN (Book): 978-3-638-87809-8
File size: 142 KB

Abstract

Eine Welt ohne Filme ist heute kaum noch vorstellbar. Viel zu sehr haben wir uns schon an dieses Medium gewöhnt und kein Radiobericht vermag es, uns mehr anzusprechen, als ein Video-Mitschnitt aus der Katastrophenregion. Filme sind in unserer Gesellschaft das Unterhaltungsmedium Nummer eins, eine kommerzielle Ware, die keinen direkten Nutzen oder eine Funktion besitzt. Schon von Anbeginn der Filmgeschichte verstand es dieses neue Medium, Gewinn zu erwirtschaften, auch wenn in den Anfangsjahren die Aufnahme- und Ausgabegeräte bedeutender und lukrativer waren als die Filme selbst.# Der “Wunsch, Bewegungen zu fixieren, zu repräsentieren und Wege zu ihrer Aufzeichnung und Aufbewahrung zu finden”#, war endlich in Erfüllung gegangen. Auf der ganzen Welt steuerten Wissenschaftler zum Ausklang des 19. Jahrhunderts dieses Ziel an und 1895 war es dann soweit. Am 1. November führten Max und Emil Skladanowsky erstmals ihr Bioscop öffentlich vor - eine Weltpremiere - und wo? Im Berliner Wintergarten. Doch diesem glanzvollen Start folgte keine erfolgreiche Fortsetzung, “denn bis zum Jahre 1910 besaß Deutschland so gut wie keine eigene Filmindustrie”#. Produktionen nebst Firmen aus Frankreich, Italien, Dänemark und den USA bestimmten den Deutschen Filmmarkt noch bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges (nur ca. 12% der Filme stammten aus deutschen Produktionsstätten). Dennoch eroberte das neue Medium in diesen knapp zwanzig Jahren nicht nur die Reichshauptstadt wie im Fluge, sondern auch dessen, bisher hauptsächlich vom Theater unterhaltene, Einwohner. Wie der Siegeszug des Kinos in diesen Jahren von statten ging, soll nun Thema dieser Hausarbeit sein.Sicherlich ist es unmöglich, in diesem Rahmen eine ausführliche Beschreibung zu liefern, trotzdem sollen einige Aspekte dieser Entwicklung aufgeführt werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob das Kino in diesen Jahren eine Ablösung, Erweiterung oder lediglich neue Unterhaltungsform im Schatten des Theaters darstellte. Ausgehen möchte ich von den Schauplätzen, an denen die ersten Filme gezeigt und produziert wurden. Des weiteren soll aufgezeigt werden, welche enge Verbindung zum Theater der frühe Film noch aufwies, sowohl in Anbetracht der Akteure, als auch der Ästhetik des Mediums an sich, ohne jedoch vollkommen auf Unterschiede zu verzichten. Abschließend gilt mein Augenmerk dem Publikum, welches entscheidend zur Etablierung der bewegten Bilder beigetragen hat.


Excerpt (computer-generated)

Von der Theaterlandschaft zur Kinolandschaft
Berlins erste Schritte in der Filmgeschichte

von

Johannes-Paul Lesinski

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung... 2

2. Die Schauplätze der Schaulust... 3


2.1 Kino im Theater... 3
2.2 Von Ladenkinos über Glashäuser zu Kinopalästen... 5

3. Von Bühnenkönigen und Leinwandhelden... 7

4. Kino: Neues Theater oder neue Kunst?... 10

5. Genießer und Gegner: Die Massen und das Medium... 13

6. Fazit... 15

7. Literaturverzeichnis... 17


 

1. Einleitung

Eine Welt ohne Filme ist heute kaum noch vorstellbar. Viel zu sehr haben wir uns schon an dieses Medium gewöhnt und kein Radiobericht vermag es, uns mehr anzusprechen, als ein Video-Mitschnitt aus der Katastrophenregion. Filme sind in unserer Gesellschaft das Unterhaltungsmedium Nummer eins, eine kommerzielle Ware, die keinen direkten Nutzen oder eine Funktion besitzt. Schon von Anbeginn der Filmgeschichte verstand es dieses neue Medium, Gewinn zu erwirtschaften, auch wenn in den Anfangsjahren die Aufnahme- und Ausgabegeräte bedeutender und lukrativer waren als die Filme selbst.1 Der “Wunsch, Bewegungen zu fixieren, zu repräsentieren und Wege zu ihrer Aufzeichnung und Aufbewahrung zu finden”2, war endlich in Erfüllung gegangen. Auf der ganzen Welt steuerten Wissenschaftler zum Ausklang des 19. Jahrhunderts dieses Ziel an und 1895 war es dann soweit.
Am 1. November führten Max und Emil Skladanowsky erstmals ihr Bioscop öffentlich vor - eine Weltpremiere - und wo? Im Berliner Wintergarten. Doch diesem glanzvollen Start folgte keine erfolgreiche Fortsetzung, “denn bis zum Jahre 1910 besaß Deutschland so gut wie keine eigene Filmindustrie”3. Produktionen nebst Firmen aus Frankreich, Italien, Dänemark und den USA bestimmten den Deutschen Filmmarkt noch bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges (nur ca. 12% der Filme stammten aus deutschen Produktionsstätten)4. Dennoch eroberte das neue Medium in diesen knapp zwanzig Jahren nicht nur die Reichshauptstadt wie im Fluge, sondern auch dessen, bisher hauptsächlich vom Theater unterhaltene, Einwohner. Wie der Siegeszug des Kinos in diesen Jahren von statten ging, soll nun Thema dieser Hausarbeit sein.
Sicherlich ist es unmöglich, in diesem Rahmen eine ausführliche Beschreibung zu liefern, trotzdem sollen einige Aspekte dieser Entwicklung aufgeführt werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob das Kino in diesen Jahren eine Ablösung, Erweiterung oder lediglich neue Unterhaltungsform im Schatten des Theaters darstellte. Ausgehen möchte ich von den Schauplätzen, an denen die ersten Filme gezeigt und produziert wurden. Des weiteren soll aufgezeigt werden, welche enge Verbindung zum Theater der frühe Film noch aufwies, sowohl in Anbetracht der Akteure, als auch der Ästhetik des Mediums an sich, ohne jedoch vollkommen auf Unterschiede zu verzichten. Abschließend gilt mein Augenmerk dem Publikum, welches entscheidend zur Etablierung der bewegten Bilder beigetragen hat.

2. Die Schauplätze der Schaulust

2.1 Kino im Theater

Die frühe deutsche Filmgeschichte wird zumeist in drei Epochen eingeteilt, deren Datierungen sich zwar von Autor zu Autor leicht unterscheiden, jedoch klar an den Veränderungen des neuen Mediums und vor allem dessen Ausstrahlungsorten orientiert sind. Thomas Elsaesser ordnet sie wie folgt ein: 1895-1903, die Zeit der Wanderkinos, in denen die Technik das Wunder war, 1903-1907/09, dieser Abschnitt ist durch die Entstehung von ortsfesten Kinos und Kurzfilmproduktionen gekennzeichnet und die dritte Phase von 1907- 1917 bezeichnet den Übergang vom Kurz- zum abendfüllenden Langfilm und die Herausbildung von Kinopalästen.5
An Kinopaläste dachte Max Skladanowsky gewiss noch nicht, als er im Mai 1895 begann, kurze Filme für eine Präsentation seines Bioscops aufzunehmen. “Im großen Garten der Gastwirtschaft […] wurde sozusagen das erste Freilicht-Atelier eröffnet […] Ein großer weißer Vorhang wurde aufgestellt, vor dem bekannte Varieté-Kräfte ihre charakteristischen Künste ausführten”6, welche Skladanowsky mit seiner Bioscop- Kamera aufzeichnete.
Allerdings drehte er nicht nur in Biergärten, sondern auch in den Gärten des Friedrich Wilhelmstädtischen Theaters, des Stadttheaters Moabit (ein paar Jahre später beides Kinos) und vor dem Zirkus Busch, was jedoch weniger mit einem abwechslungsreichen Hintergrund für die einzelnen Nummern zu tun hatte, sondern eher damit, den Akteuren den Weg zu einem separaten Produktionsort zu ersparen.7 Der Wintergarten, eines der führenden Berliner Varietés, war seit seiner Gründung 1886 immer bestrebt, “Zug-Nummern” in seinem 2200 Personen fassenden Saal im Central-Hotel zu präsentieren.8

[...]


1 Siehe Elsaesser 2002a, Kap IV, 3 (gezählt vom Anfang des Kapitels).

2 Elsaesser 2002a, Kap I, 15 (gezählt vom Anfang des Kapitels).

3 Kracauer 1958, 10.

4 Siehe Jacobsen 2004, 22.

5 Siehe Elsaesser 2002a, Kap V, 5f (gezählt vom Anfang des Kapitels).

6 Skladanowsky in Hanisch 1991,21 f.

7 Hanisch 1991, 22.

8 Siehe Hanisch 1991, 14.


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