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Die Bedeutung des à part – Sprechens für die Informationsvergabe in Les chemins de fer von Eugène Labiche

Scholary Paper (Seminar), 1997, 20 Pages
Author: Lars Hellwinkel
Subject: Romance Languages - French Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1997
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V82474
ISBN (E-book): 978-3-638-87481-6

File size: 98 KB

Abstract

Die Arbeit analysiert die Bedeutung des à part-Sprechens in der Informationsvergabe des Vaudeville-Theaterstückes "Les chemins de fer" von Eugène Labiche. Die Analyse zeigt, dass sich das à part-Sprechen durch das ganze Stück zieht und der Zuschauer mit Hilfe der Informationsvergabe à part durch die Handlung geführt wird und seine Aufmerksamkeit vollständig auf das Bühnengeschehen gelenkt wird. Die à part-Sequenzen in „Les chemins de fer“ führen stets zu einem Informationsvorsprung des Zuschauers und sind somit auch ein Hilfsmittel der Komik indem die Bühnenillusion durchbrochen wird. Aufgrund seines Informationsvorsprungs ist der Zuschauer immer auf den Fortlauf der Handlung gespannt, weiß er doch stets mehr als die beteiligten Figuren auf der Bühne. Diese, durch das à part-Sprechen erzeugte, Diskrepanz der Zuschauer- und Figureninformiertheit führt zur Spannung im Stück, sie zieht sich durch das ganze Stück und verleiht diesem auch die Struktur.


Excerpt (computer-generated)

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Romanisches Seminar

Die Bedeutung des à part – Sprechens für die
Informationsvergabe in Les chemins de fer von Eugène Labiche

Hausarbeit 

zum Proseminar
Einführung in die Literaturwissenschaft II
›› Le théâtre du vaudeville ‹‹
SS 1997

vorgelegt

von

Lars Hellwinkel

3. Semester
Studienfächer: Französisch/Geschichte
Studienziel: Staatsexamen

 

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung  1

1. Inhalt von „Les chemins de fer“  3

2. Strukturelle Bedingungen der Informationsvergabe  6
2.1 Das innere und äußere Kommunikationssystem  6
2.2 Relation zwischen Zuschauer- und Figureninformiertheit  7
2.3 Das à part–Sprechen als Element der Informationsvergabe  7

3. Hermeneutische Analyse  8

Zusammenfassung  17

Literaturverzeichnis  18
Primärliteratur  18
Sekundärliteratur  18

 

 

Einleitung 

Das Theater des 19. Jahrhunderts ist geprägt von dem Kampf zwischen der Romantik und der Klassik. In der Lyrik wird die Romantik vom Realismus abgelöst. Die hier behandelte Theaterform, das Boulevardtheater, ist eines der Stiefkinder des französischen Theaters. Seine Entstehungszeit, die Mitte des 19. Jahrhunderts, war geprägt von der Entpolitisierung der kulturellen Szene Frankreichs unter Napoleon III. Schau- spiele mit offener Kritik an der zeitgenössischen Gesellschaft waren verpönt und sogar verboten. Das Boulevardtheater jedoch war eine Erschaffung zur Belustigung und zur Ablenkung damit das Bürgertum nach dem Staatsstreich Napoleons III. 1851 „den Verrat an den Zielen der parlamentarischen Demokratie verdrängen konnte“.1 Die kritische Presse wurde durch Napoleon III ausgeschaltet, kritische Schriftsteller wie Flaubert und Baudelaire wurden verurteilt.

Von den Kritikern wurde das Boulevardtheater aufgrund seiner einfachen Gliederung, oft nur ein Akt, und wegen seines trivialen Inhalts abgelehnt. Beim Publikum waren diese Stücke jedoch sehr beliebt, konnte es sich doch oft in den einfachen und aktuellen Theater- stücken wieder erkennen. Diese Einfachheit trug mit zum Erfolg der Stücke und dem Entstehen der vielen Theater am Boulevard du Temple bei, der letztendlich dieser Art Theater den Namen gab.2

Eugène Labiche (1815-1888) hat als Schriftsteller 175 Werke verfasst und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Boulevardtheaters. Er hat jedoch von diesen Stücken nur einen sehr geringen Teil selber geschrieben.3 Die meisten seiner Werke entstanden in Zusammenarbeit mit anderen Schriftstellern.4 Diese Zusammenarbeit ist auch ein Zeugnis für die enorme Nachfrage nach seinen Werken, die von Labiche allein gar nicht hätte bewältigt werden können. Aus dem Autor Labiche wurde ein wahrer Komödienfabrikant. Der größte Teil seines Werkes waren Einakter, er hat nur sehr wenige Stücke über mehrere Akte geschrieben, dabei nur neun Vierakter und vier Fünfakter. Das hier behandelte Stück „Les chemins de fer“ wurde von Labiche in Zusammenarbeit mit Alfred Delacour und Adolphe Choler geschrieben und am 25. November 1867 im Palais Royal in Paris uraufgeführt. Es ist einer der wenigen Fünfakter in Labiches Gesamtwerk.

Labiche blieb in seinen Werken immer am Puls der Zeit, neben den politischen Verhältnissen („Histoire politique et dramatique de la ville de Rueil“ (1836)) nimmt er auch die technischen Erneuerungen in seinen Werken auf. So dient die 1837 in Frank- reich eingeführte Eisenbahn als durchgehendes Hintergrundmotiv in Labiches „Les chemins de fer“, was ja bereits durch den Titel angekündigt wird. Der Gebrauch der Eisenbahn als durchgängiges Hintergrundmotiv ist nicht sehr verwunderlich, denn Labiche war selbst ein Bewunderer der Eisenbahn und benutze regelmäßig die 1843 eröffnete Eisenbahnlinie Paris-Orléans, um zu seinem 1853 gekauften Schloß nach Souvigny zu fahren. In der damaligen Zeit dauerte diese Strecke, die eine Länge von etwa 150 Kilometern hatte, mit der Eisenbahn etwa dreieinhalb Stunden. Während seiner Reisen hatte Labiche somit viel Zeit, das Leben in und um die Eisenbahn näher zu studieren. Er hatte die Eisenbahn bereits in seinen Werken „Le voyage du Monsieur Perrichon“ und „Un pied dans le crime“ als Hintergrundmotiv aufgenommen.5 Für das gleichnamige Stück „Les chemins de fer“ bildet die Eisenbahn den Rahmen über fünf Akte. 1885 unternimmt Labiche sogar eine Eisenbahnreise quer durch Frankreich, indem er mit einem der modernen Schlafwagen von Paris bis nach Cannes an die Côte d’Azur reist.

Labiches Modernität wird aber auch in anderen Stücken ersichtlich, so erwähnt er beispielsweise den 1837 erfundenen Telegraphen von Morse in seinem Stück „La station Champbaudet“ oder die 1857 eingeführten Gaslaternen zu Beginn des zweiten Aktes von „Les chemins de fer“.6 Auch die eindrucksvollen Weltausstellungen lässt er nicht aus, so erfährt beispielsweise der Zuschauer, dass die Figur Tapiou aus „Les chemins de fer“ vorher als Kellner bei einer der Weltausstellungen gearbeitet hat.7

[....]


1 Zitat nach Biermann, Karlheinrich: Vom Ende der Grossen Revolution zur Kommune: Romantik und Realismus, in: Grimm, Jürgen (Hrsg.): Französische Literaturgeschiche, Stuttgart (Metzler) 1991,S. 261.

2 Corvin, Michel: Le théâtre du boulevard , Paris 1989, S. 7.

3 Nur vier der 175 Werke sind allein mit Labiche unterschrieben; nach Autrusseau, Jacqueline: Labiche et son théâtre – Essai, Paris (L’Arche) 1971, S. 11.

4 Vergleiche die Liste der Mitschriftsteller Labiches in: Gidel, Henri: Le vaudeville, Paris 1986, S. 66-71.

5 Vgl: Le voyage du Monsieur Perrichon in: Robichez, Jacques: Eugène Labiche – Théâtre, Band I, Paris (Laffont) 1991, S. 655-715 (hier besonders 1. Akt) und Un pied dans le crime in ders., Band II, S. 425- 486 (hier besonders S. 445).

6 vgl. La station Champbaudet, in: Robichez, Jacques, (1991) Band II, S. 4-59 und Les chemins de fer, in ders., S. 543.

7 vgl. Les chemins de fer, in: Robichez, Jacques, (1991) Band II, S. 522.


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