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Der Third-Person Effect

Subtitle: Begünstigende Faktoren und Beispiele

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 25 Pages
Author: Christian Ritter
Subject: Communications: Theories, Models, Terms and Definitions

Details

Event: Die Wahrnehmung der öffentlichen Meinung
Institution/College: University of Bamberg (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft / Journalistik)
Tags: Third-Person, Effect, Wahrnehmung, Meinung
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 25
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V82519
ISBN (E-book): 978-3-638-89817-1

File size: 112 KB

Abstract

Bereits 1949/1950 machte Davison eine Beobachtung, die Grundlage des Third-Person Effects ist (nähere Ausführungen in Punkt 2). Er hielt seine Hypothese anfangs zwar für interessant, aber unwichtig im Kontext großer Kommunikationstheorien. Der erste von ihm verfasste Artikel über den Third-Person Effect wurde erst 1983 publiziert. Dass es sich mit der Bedeutung(slosigkeit) anders verhält, als von Davison zunächst angenommen, beweisen unzählige Studien, die seit 1983 basierend auf seiner Hypothese durchgeführt wurden und zu einem Großteil den Third-Person Effect oder, wie von Perloff genannt und von Davison später übernommen, die Third-Person Perception, verifizieren. Dabei wurden mit der Zeit Voraussetzungen, unter denen ein Auftreten wahrscheinlicher ist als sonst, Rahmenbedingungen wie Quelle, Situation, Inhalt, Fragenanordnung, demografische Details der Befragten et cetera erarbeitet, die heute einen umfassenden und präzisen Blick auf die Erscheinungsformen des Third-Person Effects zulassen. Eben dies, die einzelnen Studien, die „abgesteckten Grenzen“ innerhalb derer der Effekt auftritt und Erklärungsansätze, wie es zu diesen Grenzen kommt, ist das Hauptthema dieser Arbeit. In Punkt 6 werden alle Rahmenbedingungen, die den Third-Person Effect fördern, ausführlich erörtert.


Excerpt (computer-generated)

Otto-Friedrich-Universität Bamberg
HS: Die Wahrnehmung der öffentlichen Meinung
Sommersemester 2007, 5. Fachsemester

Der Third-Person Effect
Begünstigende Faktoren und Beispiele

von

Christian Ritter

 


Gliederung

1. Einleitung... 3

2. Aufstellen der Theorie... 5

3. Verwandtheit mit anderen Kommunikationsmodellen... 6

4. First-Person Effect, Reverse Third-Person Effect... 8

5. Second-Person Effect... 9

6. Bedingungen... 10

6.1. Inhalt der Botschaft... 10
6.2. Parteilichkeit der Botschaft... 12
6.3. Vertrauenswürdigkeit der Quelle... 12
6.4. Soziale Erwünschtheit der Botschaft... 13
6.5. Demografische Faktoren... 14
6.6. Selbstüberhöhung... 14
6.7. Involviertheit... 15
6.8. Soziale Distanz... 16

7. Belegung der aufgestellten Thesen anhand von Umfragewerten... 19

Differenz... 22

8. Schluss... 23

Literatur... 24


 

1. Einleitung

Wenn die menschliche Kommunikation – Sprache, Gestik und Mimik – aus irgendeinem Grund eingestellt werden würde, würden sich die Menschen auf das Niveau von Tieren zurückentwickeln. Nach ein paar Generationen, würden diese Tiere – ehemalige Menschen – gezwungenermaßen aufhören, zu existieren. Sie müssten sich anderen Tieren ergeben, die zumindest eine marginale Form der Kommunikation und der Organisation beibehalten haben.1
Diese apokalyptische Vision zeichnet W. Phillips Davison, der Begründer des Third-Person Effects, und unterstreicht damit die Bedeutung der menschlichen Kommunikation. Diese zu erforschen, die Grundlagen und Regeln des Sich-verständlich-machens, des Interagierens der Menschen, der Beeinflussung des Handelns und der Meinungen durch zu bestimmende Parameter, hat er sich, haben sich Soziologen, Sozialwissenschaftler und Kommunikationswissenschaftler in aller Welt zur Aufgabe gemacht. Dabei werden nicht nur „althergebrachte“ Modelle der Kommunikation, etwa die Face-to-Face- oder die Gruppenkommunikation, untersucht, sondern auch und gerade die in Verbindung mit der technischen Verbreitung einer Botschaft stehende Massenkommunikation, die Beeinflussung der Rezipienten und ihrer Meinung, also der „öffentlichen Meinung“.
In Anführungsstrichen steht dieser Begriff, da er nicht einfach zu fassen und zu präzisieren ist. Schon die Frage „Was ist Öffentlichkeit“ wäre eine eigene Hausarbeit wert. Hier sei nur am Rande die Einteilung nach Neidhard erwähnt: Kommunikation „au trottoir“; öffentliche Veranstaltungen; massenmedial vermittelte Öffentlichkeit.2 Geht es um das Zustandekommen einer Individualmeinung zu einem bestimmten Thema, ist ein Zusammenspiel der drei Bestandteile erforderlich. Um die „öffentliche Meinung“ aus der Fülle der Individualmeinungen zu lesen, werden Meinungsforschungsinstitute bemüht. Nach Elisabeth Noelle-Neumann besitzt auch jeder Mensch ein quasi-statistisches Wahrnehmungsorgan („Das Organ, das den Menschen befähigt, sozusagen als sein eigener Demoskop, das Auf und Ab der öffentlichen Meinung zu verfolgen [...]“3) durch das er/sie die öffentliche Meinung quasi „fühlen“ kann – was auch zu inneren Konflikten und schließlich zur totalen Zurückhaltung in Diskussionen führen kann, wie es in der Theorie der Schweigespirale hinlänglich beschrieben ist: „Der Schweigespirale liegt die Annahme zugrunde, dass die „öffentliche Meinung“ nicht zuletzt unter dem Eindruck individueller Wahrnehmung der Meinung der Öffentlichkeit besteht.“4
Zurück zum konkreten Fall, zu Davison und zum Third-Person Effect. Dieser ist, im Gegensatz beispielsweise zur eben erwähnten Schweigespirale, keine Kommunikationstheorie, sondern nach wie vor nur eine Hypothese, jedoch eine vielfach verifizierte. Die Öffentlichkeit spielt auch hier eine Rolle, nur ist nicht von „der Öffentlichkeit“ die Rede, sondern – was nichts anderes zu bedeuten hat – von „den anderen“, den dritten Personen, den third persons. Der Effekt bezieht sich eindeutig auf massenmediale Verbreitung bzw. einfache Verbreitung (Handzettel etc.) von Botschaften und die anschließende Einschätzung der Beeinflussung der Dritten und des selbst. Bereits 1949/1950 machte Davison eine Beobachtung, die Grundlage des Third-Person Effects ist (nähere Ausführungen in Punkt 2).5 Er hielt seine Hypothese anfangs zwar für interessant, aber unwichtig im Kontext großer Kommunikationstheorien. Der erste von ihm verfasste Artikel über den Third-Person Effect wurde erst 1983 publiziert.6 Dass es sich mit der Bedeutung(slosigkeit) anders verhält, als von Davison zunächst angenommen, beweisen unzählige Studien, die seit 1983 basierend auf seiner Hypothese durchgeführt wurden und zu einem Großteil den Third-Person Effect oder, wie von Perloff genannt und von Davison später übernommen, die Third-Person Perception, verifizieren. Dabei wurden mit der Zeit Voraussetzungen, unter denen ein Auftreten wahrscheinlicher ist als sonst, Rahmenbedingungen wie Quelle, Situation, Inhalt, Fragenanordnung, demografische Details der Befragten et cetera erarbeitet, die heute einen umfassenden und präzisen Blick auf die Erscheinungsformen des Third-Person Effects zulassen. Eben dies, die einzelnen Studien, die „abgesteckten Grenzen“ innerhalb derer der Effekt auftritt und Erklärungsansätze, wie es zu diesen Grenzen kommt, ist das Hauptthema dieser Arbeit. In Punkt 6 werden alle Rahmenbedingungen, die den Third-Person Effect fördern, ausführlich erörtert.
Zu Beginn seiner Forschung hatte Davison keine Anhaltspunkte, welche Umstände nötig sind, damit „sein Effekt“ auftreten kann, 1996 stellte er jedoch fest:

„I […] had to recognize that my original evaluation of the phenomen had been quite wrong: the third-person effect was not a manifestation of a single psychological tendency, but was a complex reaction that varied with the type of communication, the characteristics of the individual, and the situation. It can be predicted to a certain extend by demographic characteristics, such as age and education.”7

2. Aufstellen der Theorie

[...]


1 Vgl. Davison, W. Phillips: The Third-Person Effect revisited. In: International Journal for Public Opinion Research, 8, 1996, S. 113- 119, S. 116.

2 Neidhard, Friedhelm: Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. In: ders. (Hg.): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. Sonderheft 34/1994 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Opladen 1994, S. 7-41, S. 11.

3 Lübbe, Weyma: Sind wir alle Demoskopen? Über „quasi-statistische“ und statistische Meinungsklimaeinschätzung in Elisabeth Noelle-Neumanns Theorie der öffentlichen Meinung. In: Zeitschrift für Soziologie, 2, 1991, S. 104-112, S. 104.

4 Marcinkowski, Frank: Warum täuscht sich die Öffentlichkeit über ihre eigene Meinung? Kommunikative und soziokulturelle Ursachen der Fehleinschätzung politischer Mehrheiten. In: Publizistik, September 2006, S. 313- 332, S. 316.

5 Davison, W. Phillips: The Third-Person Effect in Communication. In: Public Opinion Quarterly, 47, 1983, S. 1- 15, S. 1.

6 Vgl. Davison 1996, S. 114.

7 Davison 1996, S. 114.


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