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Scholary Paper (Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Walter Wolf
Subject: Politics - International Politics - Region: Middle- and South America
Details
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg (Internationale Beziehungen)
Tags: Plan, Colombia, US-Anti-Drogenpolitik, Kolumbien, Politik, Länder
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 22 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-88975-9
File size: 297 KB
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Abstract
Seit Jahrzehnten tobt in Kolumbien ein gewaltsamer Bürgerkrieg, der sich vor allem aus dem Drogengeschäft speist. Die Drogenproblematik hat nicht nur nationale, sondern auch internationale Dimensionen angenommen. So sind die USA – als größter Drogenabsatzmarkt der Welt – unweigerlich von dem Drogenhandel betroffen. Bereits in der Zeit des Kalten Krieges erblüht das Geschäft mit dem Kokaanbau, vor allem in Peru und Bolivien, und Lateinamerika wird zum weltweit größten Kokaproduzenten. Ende der 90er Jahre verlagert sich die Kokaproduktion allerdings auf Kolumbien. Die USA starten dort verschiedene Hilfsprojekte, um die Entwicklung des Drogengeschäfts zu unterbinden. Zum größten Projekt erweist sich der im Jahre 2000 ausformulierte „Plan Colombia“, der von den USA, bis zum heutigen Zeitpunkt mit 4,7 Milliarden US$, gefördert wird. Dabei fließt der größte Teil der US-Hilfe an das kolumbianische Militär. Die USA starten eine massive Anti-Drogenpolitik und versuchen mit der Umsetzung des Plan Colombia den Drogenhandel zu stoppen. Ist allerdings die Anti-Drogenpolitik der USA in Kolumbien effizient und inwieweit ist der Plan Colombia erfolgsversprechend? Diese Frage soll im Folgenden beantwortet werden. Dazu ist es zunächst notwendig festzustellen, unter welchen geschichtlichen Rahmenbedingungen sich das Drogengeschäft und der Drogenkrieg in Kolumbien abspielten. Der umfangreichste Teil der Arbeit besteht im Anschluss darin, die bedeutendsten Operationen des Plan Colombia zu erläutern und sie auf ihre Effizienz zu überprüfen. Da dieser relativ umfangreich ist, ist es nicht möglich, alle Aspekte im Rahmen dieser Arbeit detailliert zu behandeln. Im Anschluss darauf werden verschiedene Konzepte der Konfliktlösung aufgezeigt, die dann in der Frage münden, warum die Vereinigten Staaten ein so elementares Interesse an Kolumbien haben?
Excerpt (computer-generated)
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Internationale Beziehungen
Seminar: Die internationale Politik der lateinamerikanischen Länder
Sommersemester 2007, Abgabedatum: 30.09.2007
„Plan Colombia“ - US-Anti-Drogenpolitik in Kolumbien
von
Walter Wolf
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung... 1
2. Drogengeschäft und Drogenkrieg in Kolumbien... 1
3. Plan Colombia – die fehlgeschlagene Anti-Drogenpolitik?... 5
4. Möglichkeiten zur Einschränkung der Konfliktsituation... 11
5. US-Interessen in Kolumbien... 13
6. Ergebnis... 15
7. Literaturverzeichnis... 17
1. Einleitung
Seit Jahrzehnten tobt in Kolumbien ein gewaltsamer Bürgerkrieg, der sich vor allem aus dem Drogengeschäft speist. Die Drogenproblematik hat nicht nur nationale, sondern auch internationale Dimensionen angenommen. So sind die USA – als größter Drogenabsatzmarkt der Welt – unweigerlich von dem Drogenhandel betroffen. Bereits in der Zeit des Kalten Krieges erblüht das Geschäft mit dem Kokaanbau, vor allem in Peru und Bolivien, und Lateinamerika wird zum weltweit größten Kokaproduzenten. Ende der 90er Jahre verlagert sich die Kokaproduktion allerdings auf Kolumbien. Die USA starten dort verschiedene Hilfsprojekte, um die Entwicklung des Drogengeschäfts zu unterbinden. Zum größten Projekt erweist sich der im Jahre 2000 ausformulierte „Plan Colombia“, der von den USA, bis zum heutigen Zeitpunkt mit 4,7 Milliarden US$, gefördert wird. Dabei fließt der größte Teil der US-Hilfe an das kolumbianische Militär. Die USA starten eine massive Anti-Drogenpolitik und versuchen mit der Umsetzung des Plan Colombia den Drogenhandel zu stoppen. Ist allerdings die Anti-Drogenpolitik der USA in Kolumbien effizient und inwieweit ist der Plan Colombia erfolgsversprechend? Diese Frage soll im Folgenden beantwortet werden. Dazu ist es zunächst notwendig festzustellen, unter welchen geschichtlichen Rahmenbedingungen sich das Drogengeschäft und der Drogenkrieg in Kolumbien abspielten. Der umfangreichste Teil der Arbeit besteht im Anschluss darin, die bedeutendsten Operationen des Plan Colombia zu erläutern und sie auf ihre Effizienz zu überprüfen. Da dieser relativ umfangreich ist, ist es nicht möglich, alle Aspekte im Rahmen dieser Arbeit detailliert zu behandeln. Im Anschluss darauf werden verschiedene Konzepte der Konfliktlösung aufgezeigt, die dann in der Frage münden, warum die Vereinigten Staaten ein so elementares Interesse an Kolumbien haben?
2. Drogengeschäft und Drogenkrieg in Kolumbien
Bereits in den 60er Jahren war Kolumbien zusammen mit Mexiko zum Versorger der illegalen Märkte Nordamerikas mit Marihuana avanciert1. Als der Drogenhandel in den 70er Jahren in den USA einen regelrechten Boom erlebte, war nicht mehr Marihuana, sondern Kokain führend in der Marktversorgung der USA mit Drogen. Diese Entwicklung bot kolumbianischen Kleinkriminellen besonders gute Vorraussetzungen, denn sie kannten sich bereits auf dem nordamerikanischen Drogenmarkt aus und konnten gleichzeitig vorteilhafte Verbindungen zu den Anbaugebieten von Koka in Peru und Bolivien herstellen. Durch seine Infrastruktur und die notwendigen Finanztransaktionen etablierte sich Kolumbien als Weiterverarbeitungsland von Pasta Básica2 zu Kokain-HLC. So wurden ca. 70% der weltweit produzierten Kokapaste vor Ort verarbeitet und über die Grenzen fast konkurrenzlos nach USA oder Europa organisiert. Gefördert wurde diese Entwicklung von Bossen des Drogenhandels, die ihre Strategien aus einer langen Erfahrung des Wirtschaftens ableiten konnten – Schmuggel, Steuerhinterziehung, Korruption, Marihuanaexport, gewaltsame Konfliktlösung und mangelnder Legitimität staatlicher Institutionen3.
Mitte der 90er Jahre stellte Kolumbien nur 10% der gesamten weltweit produzierten Kokapaste selbst her, Peru und Bolivien dagegen die restlichen 90%. Heute allerdings ist Kolumbien sowohl das Land mit dem größten Kokaanbau als auch der größten Kokaproduktion. Diese Tendenz hat sich vor dem Hintergrund der Anti-Drogen- Unterstützung, die Lateinamerika in den letzten zwei Jahrzehnten erhalten hat, entwickelt. Die US-Administration hat sich zur Aufgabe gestellt – in ihrem „war against drugs“ – die Drogenbekämpfung zu intensivieren und Kokaanbauflächen, vor allem in Peru und Bolivien, auszurotten. Der im Jahr 1986 von den USA verabschiedete Zertifikationsprozess leitete eine Phase der Besprühung von Drogenanbauflächen mit Herbiziden an und führte auf den ersten Blick zum Erfolg: Der Drogenanbau in Peru und Bolivien konnte eingedämmt werden4. Für Kolumbien hatte diese Vorgehensweise allerdings erschreckende Konsequenzen. Der sogenannte „Ballon-Effekt“ verdeutlicht diese Tatsache:
[Tabelle in der Downloaddatei vorhanden] Angaben in Tausend5
[...]
1 Mittermayer 1998: 10
2 Die Pasta basica de cocaina (kurz PBC, Paco) ist eine Billig-Droge, die aus Nebenprodukten der Kokainproduktion hergestellt wird
3 Dietz et al., in: Aktionsprogramm Drogen und Entwicklung – Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, 2001: 11
4 Dies hat ebenfalls mit gewaltsamer Erradikation in Bolivien zu tun, mit Unfruchtbarkeit und Aufgabe von Kulturen, u.a. wegen Preisverfall, interner Gewalt und Migrationsbewegungen in Peru und erfolgter Umstrukturierung des Drogengeschäfts
5 Quelle: Office of National Drug Control Policy, National Drug Control Strategy: 2001 Annual Report, S.97; Department of State, Bureau für International Narcotics and Law Enforcement Affairs, Country Programs, Colombia, 2000; gefunden in: Rissler 2005: 16
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