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Alltäglichkeit des Daseins und In-der-Welt-sein sowie deren zeitliche Fundierung... close

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Alltäglichkeit des Daseins und In-der-Welt-sein sowie deren zeitliche Fundierung in Martin Heideggers „Sein und Zeit“

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Magister Artium Jan Roloff
Subject: Philosophy - Philosophy of the Present

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V83530
ISBN (E-book): 978-3-638-90959-4
ISBN (Book): 978-3-638-90966-2
File size: 163 KB

Abstract

Heidegger wendet sich in phänomenologischer Art der Frage zu, wie sich die Eigentümlichkeit menschlichen Lebens aufgrund bestimmter Einstellungen zeigen kann und kritisiert Ansätze der Vergegenständlichung in der Philosophiegeschichte. Mit seiner Descartes-Kritik zeigt Heidegger, dass uns in einem objektivierenden Denken das menschliche Leben, die Welt entgleitet, die objektive Einstellung entlebt das Erleben und entweltet die uns begegnende Welt. Die Hinwendung zum Alltäglichen hat einen polemischen Akzent, gerichtet gegen eine Philosophie, die immer noch glaubt, die Bestimmung des Menschen zu kennen. Hieran wird auch deutlich, dass Heideggers Projekt selbstbewusst im Sinne einer Korrektur der neuzeitlichen Philosophie die ontologische Seinsfrage neu fundieren möchte, wenn man seine unten genannte Zielvorstellung ins Auge nimmt. Hierbei sind die lebensweltlichen Vollzüge ins Zentrum seiner Analyse gerückt, auch die alltäglichen Stimmungen und Affekte als Vergegenwärtigung einer Lebenspraxis sollen vor die "Fundamentalanalyse des Daseins", den „Sinn von Dasein“, schließlich den „Sinn von Sein überhaupt“ geführt werden. Nach der Explikation der Seinsfrage nimmt Heidegger die Zeitlichkeit in den Blick; bei der Frage nach dem transzendentalen Horizont des Daseins sind wir uns der Vergänglichkeit unseres Lebens gewahr, wir erleben in jedem Augenblick das alltägliche Vorbei, welches uns vor den Tod führt. Zeitlichkeit ist die Erfahrung des gegenwärtigen, zukünftigen und schließlich tödlichen Vorbei. Hierzu eröffnet Heidegger, „daß die Zeitlichkeit die Bedingung der Möglichkeit des sorgenden In-der-Welt-seins des Daseins ist.“ Die Strukturen des menschlichen Lebens als Existenzialien in „Sein und Zeit“ werden Gegenstand dieser Untersuchung in Bezug auf ihre Zeitlichkeit hin sein. Im zweiten Teil von „Sein und Zeit“ sollen sich die Existenzialien als Modi von Zeitlichkeit reformulieren lassen. Heideggers Ziel einer Interpretation der Zeit als des möglichen Horizontes eines jeden Seinsverständnisses überhaupt soll anhand des vierten Kapitels des zweiten Abschnitts von „Sein und Zeit“ dargestellt werden.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität zu Berlin, Institut für Philosophie
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
Hauptseminar „Heidegger. Sein und Zeit“
WS 2003/2004

Alltäglichkeit des Daseins und In-der-Welt-sein sowie deren
zeitliche Fundierung in Martin Heideggers „Sein und Zeit“

von

Jan Roloff

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Hermeneutik und Alltäglichkeit... 3

2. Einzelanalysen und Auslegung: Alltäglichkeit des Daseins und In-der-Welt-sein... 5

2.1. Das Wer und Wie des Daseins: Befindlichkeit, Verstehen, Rede, Verfallen... 6

a) Befindlichkeit... 6
b) Verstehen... 7
c) Rede... 9
d) Verfallen... 10

3. Zeitlichkeit der Erschlossenheit... 11

3.1. Ekstasen der Zeitlichkeit zur Fundierung der Einheit der Sorgestruktur... 12

a) Zeitlichkeit des Verstehens... 12
b) Zeitlichkeit der Befindlichkeit... 13
c) Zeitlichkeit des Verfallens... 15
d) Zeitlichkeit der Rede... 17

4. Schluss: Einige Anmerkungen zum „zeitliche[n] Problem der Transzendenz der Welt“ und zum „zeitliche[n] Sinn der Alltäglichkeit des Daseins“... 18

Literaturverzeichnis... 20


 

1. Einleitung: Hermeneutik und Alltäglichkeit

Das Fragment gebliebene Buch „Sein und Zeit“ von Martin Heidegger ist 1927 erschienen und hat eine besondere Rezeptionsgeschichte innerhalb der Philosophie des 20. Jahrhunderts erfahren. Auch über den Kanon philosophischer Gegenwartsdiskussion hinaus nimmt dieses Hauptwerk Martin Heideggers eine Ausnahmestellung innerhalb internationaler wissenschaftlicher Diskurse ein. „Ein neuer Zugang zur Konstitution der Welt und ein neues Verständnis von Zeit, Geschichte und Verstehen deutete sich an – auf dem Hintergrund einer tief ansetzenden Kritik traditioneller Ontologie, Metaphysik und Erkenntnistheorie“1 Heidegger wendet sich in phänomenologischer Art der Frage zu, wie sich die Eigentümlichkeit menschlichen Lebens aufgrund bestimmter Einstellungen zeigen kann und kritisiert Ansätze der Vergegenständlichung in der Philosophiegeschichte. Mit seiner Descartes-Kritik zeigt Heidegger, dass uns in einem objektivierenden Denken das menschliche Leben, die Welt entgleitet, „die objektive Einstellung entlebt das Erleben und entweltet die uns begegnende Welt. (...) Die Hinwendung zum Alltäglichen hat einen polemischen Akzent, gerichtet gegen eine Philosophie, die immer noch glaubt, die Bestimmung des Menschen zu kennen.“2 Hieran wird auch deutlich, dass Heideggers Projekt selbstbewusst im Sinne einer Korrektur der neuzeitlichen Philosophie die ontologische Seinsfrage neu fundieren möchte, wenn man seine unten genannte Zielvorstellung ins Auge nimmt. Hierbei sind die lebensweltlichen Vollzüge ins Zentrum seiner Analyse gerückt, auch die alltäglichen Stimmungen und Affekte als Vergegenwärtigung einer Lebenspraxis sollen vor die „Fundamentalanalyse des Daseins“, den „Sinn von Dasein“, schließlich den „Sinn von Sein überhaupt“ geführt werden.
Heideggers Schüler schon trugen seine Gedanken weiter und ihre Werke sind im Verhältnis zur Philosophie ihres Lehrers zu sehen. Der bekanntesten international wirksamen Rezeption seines Werkes ist aber sicherlich der Existenzialismus zuzurechnen. Die Existenzphilosophie, die Theorien Sartres, aber auch die Merleau-Pontys sind ohne Heideggers „Sein und Zeit“ nur schwer zu denken. Hannah Arendt, Hans-Georg Gadamer, Hans Jonas und Herbert Marcuse sind nur einige der Philosophen, die eng mit Heideggers Werk in Verbindung zu bringen sind. Ebenfalls große Bedeutung in der Wirkungsgeschichte kommt der Hermeneutik zu; die wirkungsgeschichtliche, rezeptionsästhetische Methode der Literaturwissenschaft ist von Heidegger ebenfalls stark beeinflusst. Heidegger bezeichnet die Hermeneutik als „Auslegung des Seins des Daseins (38) (...). Phänomenologie des Daseins ist Hermeneutik in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, wonach es das Geschäft der Auslegung bezeichnet“ (37).3
Das Dasein ist dasjenige Sein, dem es in seinem Sein um sein Sein geht.4 Dieser paraphrasierte Satz Heideggers weist auf das existenzielle Seinsverständnis des Menschen hin: „Nur weil der Mensch als Mensch schon durch sein Sein ein Verständnis von seinem Sein hat, so daß es ihm um dieses Sein geht, dass er es verstehen und mißverstehen kann, nur deshalb ist er imstande, auch das noch eigens aufzuklären, was die Existenzialität der Existenz selbst ausmacht.“5
Nach der Explikation der Seinsfrage nimmt Heidegger die Zeitlichkeit in den Blick; bei der Frage nach dem transzendentalen Horizont des Daseins6 sind wir uns der Vergänglichkeit unseres Lebens gewahr, wir erleben in jedem Augenblick das alltägliche Vorbei, welches uns vor den Tod führt. „Zeitlichkeit ist die Erfahrung des gegenwärtigen, zukünftigen und schließlich tödlichen Vorbei.“7 Hierzu eröffnet Heidegger, „daß die Zeitlichkeit die Bedingung der Möglichkeit des sorgenden In-der-Welt-seins des Daseins ist.“8 Die Strukturen des menschlichen Lebens als Existenzialien in „Sein und Zeit“ werden Gegenstand dieser Untersuchung in Bezug auf ihre Zeitlichkeit hin sein. Im zweiten Teil von „Sein und Zeit“ sollen sich die Existenzialien als Modi von Zeitlichkeit reformulieren lassen. Heideggers Ziel einer Interpretation der Zeit als des möglichen Horizontes eines jeden Seinsverständnisses überhaupt9 soll anhand des vierten Kapitels des zweiten Abschnitts von „Sein und Zeit“ dargestellt werden.
Heideggers „existenziale Analytik“ ist jedoch auch schwer kritisiert worden, zumal sein letztes Ziel der Erschließung des „Sinns von Sein überhaupt“ als gescheitert betrachtet werden kann, zumindest wenn man den veröffentlichten Teil von „Sein und Zeit“ zu Grunde legt. Auf diese vielfältig angeführten kritischen Beurteilungen des Werkes, insbesondere des Zeitbegriffs soll hier allerdings nur am Rande eingegangen werden. Heideggers Destruktion des Seinsverständnisses, des ursprünglichen Verhältnisses des Menschen zur Welt als ein bewusstseinstheoretisches (theoria) hin zu einem handlungstheoretischen, besorgenden Umgang mit der Welt soll mit der Erfassung und Auslegung alltäglicher Lebensvollzüge beginnen; der erste Teil dieser Arbeit befasst sich nun zunächst mit einigen Einzelanalysen der §§ 25 – 38, um diese freigelegten existenziellen Strukturen dann im zweiten Teil jeweils auf die sie fundierende, ermöglichende Zeitlichkeit hin erneut zu analysieren. Die zu beantwortende Frage, die Heidegger aufwirft, um ihr nachzugehen lautet: „wer ist es, der in der Alltäglichkeit des Daseins ist?“ (114) Er bereitet der Antwort dieser programmatischen Frage den Weg, indem er alle Seinsstrukturen des Daseins, mithin auch das Phänomen, das auf diese Wer-Frage antwortet als Weisen des Seins ausmacht und ihre ontologische Charakteristik als eine existenziale bestimmt.10

2. Einzelanalysen und Auslegung: Alltäglichkeit des Daseins und In-der-Welt-sein

[...]


1 Rentsch, Thomas (Hrsg.): Klassiker Auslegen, Band 25: Sein und Zeit. S. VII (im Folgenden zitiert als Rentsch)

2 Safranski, Rüdiger: Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit. S. 177 (im Folgenden zitiert als Safranski)

3 Heidegger, Martin: Sein und Zeit (im Folgenden zitiert als SuZ, Seitenzahlen in () im Text)

4 Vgl. SuZ S. 325 (§ 65)

5 Volkmann-Schluck, Karl-Heinz: Die Philosophie Martin Heideggers: eine Einführung in sein Denken. S. 35 (im Foldenden zitiert als Volkmann-Schluck)

6 Vgl. die Kapitelüberschriften des 5. Kapitels des ersten Teils von Sein und Zeit

7 Safranski. S.182

8 Rentsch. S.199

9 Vgl. die Kapitelüberschrift des 1. Teils sowie S. 235 (§ 45)

10 Vgl. SuZ, S. 114


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