Subtitle: Konkurrenz der Geschlechter
Termpaper, 2007, 31 Pages
Author: Carolyn Scheerschmidt
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Details
Tags: Frauen, Beruf
Year: 2007
Pages: 31
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 35 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-00945-4
File size: 204 KB
inhaltlich Anteile der Psychologie
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Abstract
Einleitung Schon Marx und Engels erkannten den speziellen Unterschied zwischen Mann und Frau. Sie beschrieben ihn als eine Art Klassenunterschied, welchen sie folgendermaßen begründeten: „the first division of labour is the procreation of children by man and woman” (Engels/Marx 1846). Von der Differenzierung des Arbeitsbereiches folgern sie auf die Unterschiede der Geschlechter, welche in Produktion und Reproduktion, beginnend bei der Geburt eines Kindes, getrennt werden. Ungleichheit zwischen Mann und Frau stellt sich besonders im Status her (vgl. Alvesson/Billing 1994, S.27). Der Arbeit des traditionellen „Brotverdieners“ kam seit jeher höhere Wertschätzung zu als der Haus- und Erziehungsarbeit der Frau. Der daraus entsprungene Statusunterschied repräsentiert eine Dominanz der Männer über die Frauen, welche solange bestehen bliebe, bis nicht auch die Frau in den produktiven Arbeitsbereich des männlichen Geschlechts einbezogen werden würde, so erkannte Engels (vgl. Alvesson/Billing 1994, S.27). Bis heute blieb die Vorstellung von den Geschlechterstereotypen bestehen. Dennoch hat die Frau den Einstieg in die Erwerbstätigkeit geschafft, welcher ihre Arbeitsleistungen im Vergleich zur Vergangenheit aufwertete. Trotzdem ist implizit die allgemeine Meinung bestehen geblieben, Frauen seien nicht für die Berufswelt „gemacht“, welche zuvor in alleiniger Männerhand lag. Zu einseitig erscheint mir die Begründung, die Ursache für die Geschlechterdifferenz läge in der sexuellen Reproduktion. Zahlreiche Hindernisse begegnen dem weiblichen Geschlecht im Berufsalltag regelmäßig. Es sind keine Einzelfälle mehr, in denen die Leistungsfähigkeit von Frauen am Arbeitsplatz deutlich zum Vorschein kam. Doch welche Fähigkeiten sind es, die sie noch immer von den Befähigungen des männlichen Geschlechts unterscheiden? Im Fokus dieser Arbeit sollen nun verschiedene Erklärungsmodelle für die Geschlechterdifferenz stehen. Die dargestellten Theorien entstammen hierbei aus den Fachbereichen der Evolutionsbiologie, Psychologie und Soziologie. Ethnomethodologische Vorstellung des „doing gender“ trägt anschließend der Klärung der Frage bei, warum in der Sphäre des Berufes diese Unterschiede augenfällig werden. Zu denken sei dabei an die nicht verhältnisgemäße Berufsverteilung unter den Geschlechtern. Welche Blockaden und Barrieren ergeben sich für Männer und Frauen? Sind geschlechtsspezifische Karrierewege zu verzeichnen? Welche Rolle spielt Erfolg im Zusammenhang mit den bekannten geschlechtsstereotypischen Fähigkeiten? Kann eine angemessene Genderdarstellung die eigenen Berufschancen erhöhen? All die genannten Fragen werden in den folgenden Abschnitten ihre Antworten erhalten. Innerhalb des Fazits werde ich die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfassend darstellen und weitere Überlegungsansätze hinsichtlich der Geschlechterdarstellung im Beruf diskutieren.
Excerpt (computer-generated)
Friedrich-Schiller-Universität, Institut für organisatorische Soziologie
Proseminar: Geschlecht und Organisation
Sommersemester 2007, 4. Semester
Frauen im Beruf - Konkurrenz der Geschlechter
von
Carolyn Scheerschmidt
Inhaltsverzeichnis
Einleitung... 3
1. Geschlechterkonstruktion aus soziologischen Blickwinkel – Das doing und undoing gender als Modell der Geschlechtsdarstellung... 5
2. Weitere erklärende Modelle im Feld der Sozialisationstheorie... 8
2.1 Psychoanalytische Sozialisationstheorie... 9
2.2 Soziologische Sozialisationstheorie... 10
3. Stereotypisierung der Geschlechter anhand evolutionsbiologischer Forschungsergebnisse und psychologischer Befunde... 12
4. Geschlecht als Karrieredeterminante... 16
4.1 „Doing gender while doing the job“... 17
4.1.1 Männer in Frauenberufen und Blockaden bei der Etablierung weiblicher Fähigkeiten in der sogenannten Männerdomäne... 18
4.1.2 Weitere Grenzen, moderne Managementkonzepte und erneute Hindernisse... 20
Fazit als Abschlussdiskussion – Ist Erfolg eine Frage des Geschlechts?... 23
Internetquellen... 28
Anhang... 29
Zusammenfassende Darstellung des Bildungsstandes und –entwicklung im Hinblick auf das Geschlecht... 29
Einleitung
Schon Marx und Engels erkannten den speziellen Unterschied zwischen Mann und Frau. Sie beschrieben ihn als eine Art Klassenunterschied, welchen sie folgendermaßen begründeten: „the first division of labour is the procreation of children by man and woman” (Engels/Marx 1846). Von der Differenzierung des Arbeitsbereiches folgern sie auf die Unterschiede der Geschlechter, welche in Produktion und Reproduktion, beginnend bei der Geburt eines Kindes, getrennt werden. Ungleichheit zwischen Mann und Frau stellt sich besonders im Status her (vgl. Alvesson/Billing 1994, S.27). Der Arbeit des traditionellen „Brotverdieners“ kam seit jeher höhere Wertschätzung zu als der Haus- und Erziehungsarbeit der Frau. Der daraus entsprungene Statusunterschied repräsentiert eine Dominanz der Männer über die Frauen, welche solange bestehen bliebe, bis nicht auch die Frau in den produktiven Arbeitsbereich des männlichen Geschlechts einbezogen werden würde, so erkannte Engels (vgl. Alvesson/Billing 1994, S.27). Bis heute blieb die Vorstellung von den Geschlechterstereotypen bestehen. Dennoch hat die Frau den Einstieg in die Erwerbstätigkeit geschafft, welcher ihre Arbeitsleistungen im Vergleich zur Vergangenheit aufwertete. Trotzdem ist implizit die allgemeine Meinung bestehen geblieben, Frauen seien nicht für die Berufswelt „gemacht“, welche zuvor in alleiniger Männerhand lag. Zu einseitig erscheint mir die Begründung, die Ursache für die Geschlechterdifferenz läge in der sexuellen Reproduktion. Zahlreiche Hindernisse begegnen dem weiblichen Geschlecht im Berufsalltag regelmäßig.
Es sind keine Einzelfälle mehr, in denen die Leistungsfähigkeit von Frauen am Arbeitsplatz deutlich zum Vorschein kam. Doch welche Fähigkeiten sind es, die sie noch immer von den Befähigungen des männlichen Geschlechts unterscheiden? Im Fokus dieser Arbeit sollen nun verschiedene Erklärungsmodelle für die Geschlechterdifferenz stehen. Die dargestellten Theorien entstammen hierbei aus den Fachbereichen der Evolutionsbiologie, Psychologie und Soziologie. Ethnomethodologische Vorstellung des „doing gender“ trägt anschließend der Klärung der Frage bei, warum in der Sphäre des Berufes diese Unterschiede augenfällig werden. Zu denken sei dabei an die nicht verhältnisgemäße Berufsverteilung unter den Geschlechtern. Welche Blockaden und Barrieren ergeben sich für Männer und Frauen? Sind geschlechtsspezifische Karrierewege zu verzeichnen? Welche Rolle spielt Erfolg im Zusammenhang mit den bekannten geschlechtsstereotypischen Fähigkeiten? Kann eine angemessene Genderdarstellung die eigenen Berufschancen erhöhen? All die genannten Fragen werden in den folgenden Abschnitten ihre Antworten erhalten. Innerhalb des Fazits werde ich die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfassend darstellen und weitere Überlegungsansätze hinsichtlich der Geschlechterdarstellung im Beruf diskutieren.
1. Geschlechterkonstruktion aus soziologischen Blickwinkel – Das doing und undoing gender als Modell der Geschlechtsdarstellung
Die Geschlechter- und Frauenforschung etablierte die These, dass die deutsche Begrifflichkeit von Geschlecht zwei Bedeutungsebenen besitzt. Zum einen umfasst sie das biologische Geschlecht sex, welches die physikalischen primären und sekundären Merkmale von Mann und Frau meint, zum anderen das soziale Geschlecht gender, welches ableitend von den biologischen Eigenschaften geschlechtsspezifische Verhaltensmuster und Handlungsweisen beschreibt. Die soziale Konstruiertheit von Geschlecht macht das Hauptthema der Gender Studies aus. Mehrere Theorien zu Geschlechtszugehörigkeit und Geschlechtsdifferenzen basieren dabei auf dem Konzept des doing gender, das größtenteils unter dem Vorgehen der Ethnomethodologie geprägt wurde. Geschlechtszugehörigkeit beschreibt dabei die Merkmale von Individuen, die unabhängig von biologischen Unterschieden, lediglich auf kulturell erworbene Verhaltensweisen zurückführen. Klassische Vertreter dieser Methode, wie Goffman und Garfinkel, aber auch moderne Soziologen, wie Hirschauer und Kotthoff, die mit neuen Forschungen abzugrenzen sind, teilen gemeinsam diese Annahme.
Schon vor dem Tag seiner Geburt wird man einem von zwei Geschlechtern zugeordnet. Nach der Geschlechtszuschreibung anhand der körperlichen Gegebenheiten folgt der Identifikationsprozess über Rollenzuschreibungen, sozialisierende Prozesse und kulturelle Stereotypen. Solche identifikatorischen Entwicklungsgänge leiten Mädchen und Jungen scheinbar ganz automatisch zu ihrer Entscheidung, sich einem Geschlecht zugehörig zu fühlen und sich diesem und den damit verbundenen gesellschaftlichen Verhaltensmustern, die ihm auferlegt werden, entsprechend zu verhalten. Goffman beschreibt diesen „als einen fortlaufenden Prozess, eine interaktive Praxis der Darstellung und Attribution, die ein Alltagswissen von den Strukturen sozialer Wirklichkeit reproduziert“ (Hirschauer 2002, S.670). Innerhalb des sogenannten „gender display‘s“ von Goffman visualisiert das Individuum sein Geschlecht dauerhaft wie in einer Theateraufführung: „Gender as a socially scripted dramatization of the culture’s idealization of feminine and masculine natures, played for an audience that is well schooled in the presentational idiom” (West/Zimmerman 1995). Um ein Geschlecht eindeutig darzustellen, bedarf es vieler Verhaltensmöglichkeiten. Eine klare Hierarchie über eindeutige Geschlechtsmerkmale existiert nicht. Sie unterscheiden sich individuell, müssen dabei von den Betrachtern aus der sozialen Wirklichkeit ständig als geschlechtsgemäß legitimiert werden. Solche Geschlechtsindizien werden schon in Mimik, Gestik, Haltung, im Sprechakt, aber auch im Erscheinungsbild, anhand des Bartwuchses, der Brüste, Schultern, Haaren, sowie bei der Darstellung „materieller Artefakte“ (Hirschauer 2002, S.684), wie geschlechtstypische Kleidung, Schmuck, Schminke ersichtlich. Dabei können sich die Geschlechtsindizien überlappen und damit in ihrer Wirkkraft entweder gegenseitig unterstützen oder widerlegen. Hirschauer legt sein Augenmerk auf ein praktisches Wissen des sich darstellenden Individuums. Dieses distanziert sich vom Alltagswissen und wird während jeder situativen Darstellung in körperliche Routinen hineingeschrieben (vgl. Hirschauer 2002, S.673). Die „embodied practice“ drückt hierbei eine Geschlechtsdarstellung aus, die den Körper mit dem Sozialen verbindet. Der Leib wird auf diese Weise zu einem der Geschlechter geformt. Übernommene Verhaltenscodes aus dieser Sozialität werden dargestellt, wodurch es gleichzeitig zu einer Darstellung der sozialen Wirklichkeit kommt. Dieses Modell veranschaulicht die Art, wie sich Gesellschaft auf, in und durch den Körper des Individuums schreibt. Der so entwickelte „Habitus ist ein gesellschaftlicher Körper“ geworden (ebd., S.673). Der Leib des sozialisierten Menschen gehört ihm somit nicht mehr allein, sondern „mit Haut und Haaren […] der Gesellschaft“ (ebd., S. 673). Der Körper fungiert als ein Darstellungsmedium, so Hirschauer, wodurch sich die kulturelle Differenzierung vieler Verhaltensmöglichkeiten in zwei Geschlechtsklassen aufspalten lässt. Trägheitsmomente wirken gleichzeitig, „die es dem Akteur erschweren, auf ein anderes Darstellungsrepertoire zurückzugreifen“ (ebd., S. 673).
Die jeweilige Zugehörigkeit kann daher nur symbolisch gewechselt oder verloren werden. Dies passiert in den Momenten, wenn Individuen die bestehende Kontingenz der Geschlechtszugehörigkeit nicht ernstnehmen und sich nicht mehr dementsprechend verhalten. Hirschauer spricht an dieser Stelle eine Schwachstelle der ethnomethodologischen Forschungsarbeit an, welche sich erst auf empirischer Ebene feststellen lässt. Bis dato wurde der Bezug der Geschlechtskonstruktion auf das „doing gender“ selbst versäumt. An dieser Stelle räumt Hirschauer eine Diskontinuität der Geschlechtskonstruktion ein. Die Herstellung von Geschlecht besteht seiner Meinung nach eher aus Episoden, in denen Geschlecht in sozialen Situationen auftaucht und verschwindet. Gleichzeitig verwirft er die ethnomethodologischen Gedanken des permanent fortlaufenden Konstruktionsprozesses (vgl. Hirschauer 2002, S.677).
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