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Organtransplantation und Hirntod - eine ethische Auseinandersetzung

Studienarbeit, 2007, 29 Seiten
Autor: Timo Vollmer
Fach: Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Details

Kategorie: Studienarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 29
Note: 2,2
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V83627
ISBN (E-Book): 978-3-638-02008-4
ISBN (Buch): 978-3-638-92102-2
Dateigröße: 520 KB
Anmerkungen :
In dieser Arbeit wird beides eingehend vorgestellt, die Organtransplantation sowie der Hirntod, schließlich werden auch unterschiedliche Standpunkte der Hirntoddiskussion vorgestellt und in einem letzten Punkt auch noch die Brücke zur Moral geschlagen. Im Schlussteil wird alles zusammengeführt und diskutiert.


Zusammenfassung / Abstract

1.1. Hinführung zum Thema Immer wieder wird der Vorwurf laut, die Einführung des so gennannten Hirntodkriteriums sei aus zweckdienlichen Gründen im Sinne der Transplantationsmedizin entwickelt worden. Dies schürt natürlich die menschliche Urangst, als noch Lebender vorschnell für tot erklärt zu werden. Im Gegensatz zum Herztod ist der Hirntod nicht generell in der Bevölkerung als Tod des Menschen akzeptiert. Immer ausgereiftere technische Möglichkeiten haben es schwierig gemacht zu definieren, wo die Grenze zwischen Leben und Tod verläuft. Der Herztod wurde lange Zeit als Tod des Menschen angesehen, nun gibt es Möglichkeiten diesen Tod zu überleben. Da stellt sich doch unweigerlich die Frage, ob man den Hirntod auch irgendwann überleben kann? Ist es legitim das Leben eines hirntoten Menschen im Interesse eines anderen zu einem Zeitpunkt für beendet zu erklären, der zwar wissenschaftlich und rational begründbar ist, zu dem die Lebensvorgänge aber noch nicht abgeschlossen sind, auch wenn sie lediglich mithilfe verschiedenster Apparate künstlich aufrechterhalten werden. Sollte es darüber hinaus nicht jedem Einzelnen gestattet sein, selbst zu definieren, was der Tod ist? Die größte Angst besteht darin, dass in der Situation eines Hirntodes, vorrangig die Diagnostik im Hinblick auf eine Eignung des Patienten als Organspender vorangebracht wird und eventuell Chancen auf Heilung verloren gehen. Die vielen Kontroversen rund um die Organtransplantation und den Hirntod machen deutlich, dass dieses Thema sehr stark in der Öffentlichkeit steht und von dieser beeinflusst wird. 1.2. Ziel der Arbeit In dieser Arbeit soll die angesprochene, kontrovers geführte Diskussion um die Organtransplantation und den damit zusammenhängenden Hirntod aufgegriffen werden. Zunächst soll in beide Themenbereiche eingeführt werden, einerseits in die Organtransplantation und andererseits in das Hirntodkonzept. Dies ist wichtig, um Grundlagen für das bessere Verständnis herauszuarbeiten. Darüber hinaus sollen anschließend, ausgehend von unterschiedlichen Standpunkten, verschiedene Perspektiven und Ansichten der aktuellen Diskussion dargestellt werden. Ziel der Arbeit soll es schließlich sein, vor dem Hintergrund der gewonnenen Informationen das Für und Wieder einer Anerkennung des Hirntodes und damit zusammenhängend, eine gerechtfertigte Organentnahme zu diskutieren.


Textauszug (computergeneriert)

Organtransplantation und Hirntod

- eine ethische Auseinandersetzung -

S t u d i e n a r b e i t

in

Philosophie (Ethik)

von

Timo Vollmer


Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung 3

1.1

HinführungzumThema 4

1.2

ZielderArbeit 5

2

OrgantransplantationundHirntod 5

2.1

Einführung 5

2.2

Organtransplantation .. 5

2.2.1

Begriffsklärung 5

2.2.2

RechtlicheVoraussetzungeneinerOrganentnahme 7

2.2.3

AktuelleSituationundEntwicklung 9

2.3

DerHirntod 10

2.3.1

GeschichtlicheEntwicklung 10

2.3.2

Hirntod­DefinitionundDiagnose 11

2.4

DarstellungunterschiedlicherStandpunkte 13

2.4.1

MedizinischeSicht 14

2.4.2

DieHaltungderKirchen 14

2.4.3

AnthropologischeAspekte 15

2.5

HirntodundMoral 16

3

Zusammenfassung,DiskussionundAusblick 19

3.1

Zusammenfassung 19

3.2

Diskussion 21

3.3

Ausblick 22

4

Literaurverzeichnis 24

5

Abbildungsverzeichnis 27

6

Anhang 28

2


1 Einleitung

Vorab möchte ich einer Stimme zur Hirntoddiagnostik Raum geben:

,,Wie jede andere, so hat auch die Definition des sogenannten Hirntodes eine positive und

eine negative Funktion. Eine Definition des Todes - als dem natürlichen Gegensatz zum Le-

ben - schafft zu diesem eine Grenze. Damit definiert sie auch mit, was Leben ist und was

vom Leben ausgrenzbar ist. Gerade darum aber geht es bei der Hirntod-Kontroverse.

Freilich reicht das allein schon längst nicht mehr aus. Wenn ein Mensch als tot angesehen

werden soll, kann man es nicht mehr hauptsächlich darauf abstellen, daß sein Körper nicht

mehr lebt. Allzu offensichtlich sind dessen Lebenszeichen, als daß dies auf Dauer glaubhaft

sein könnte.

Nein, man muß es auf den Menschen abstellen. Auf den lebendigen Menschen, der dann -

d. h. im Falle des Hirntodes - angeblich kein lebendiger Mensch mehr sein soll. Das heißt,

lebendig mag er noch sein, aber eben nicht mehr als Mensch. Denn Menschsein ist schließ-

lich das entscheidende. Und das soll nicht mehr vorliegen. So einfach, so logisch. Bisher hat

sich der Mensch noch nie angemaßt, per Gesetz über die Frage: ,,Was ist der Mensch?" zu

entscheiden. Mit welchem Recht aber maßt sich heute der Mensch an, auf diese Weise fest-

zulegen, was Leben, was Mensch ist, und daraus die Konsequenzen zu ziehen, wie sie die

Transplantationsmedizin für sich nutzt.

Worum es geht, ist die Ausgrenzung von lebendigen Menschen, damit man sie nicht mehr

als solche anzusehen braucht. Man will die sogenannten Hirntoten, die ja alle Zeichen des

Lebens wie Herzschlag, Kreislauf, Atmung, diverse Ausscheidungen, gewisse Bewegungen -

die als Reflexe gedeutet werden -, Puls- und Blutdruckanstieg haben, nicht mehr als leben-

dige Menschen ansehen. Wenn man das aber schon nicht kann, will man sie wenigstens

nicht mehr als Menschen ansehen müssen.

Das Menschsein, so argumentiert man, sei an die Denkfähigkeit des Gehirns [...] geknüpft,

sowie an eine beim ,,Hirntoten" mit ,,Sicherheit" nicht mehr angenommene Wahrnehmungs-

und Empfindungsfähigkeit. [...]

Man kann festhalten: Nicht wissenschaftlich begründet wird bei der sogenannten Hirntodde-

finition vorgegangen. Selbst die wichtigste Annahme, daß das Faktum ,,hirnelektrische Stille"

im EEG mit einem irreversiblen Ausfall der Hirnfunktion identisch sei, ist eine den wissen-

schaftlichen Arbeiten (vgl. Bushart und Rittmeyer in: Praxis der Intensivbehandlung, 1981)

widersprechende neue und rein - wie es scheint - utilitaristische These. Man kann auch sa-

3


gen: Sie ist schlicht falsch! Statt wissenschaftlicher Erkenntnis wird also eine Definition ge-

setzt, um Sachverhalte handhabbar zu machen. Schon einmal ging von Deutschland eine

Ideologie aus, die Menschen als lebensunwert bezeichnete und Personen wie Rohstoffe

industriell verwertete. Noch einmal sollte gerade uns Deutschen das nicht passieren. Bei der

heutigen Organtransplantation werden Interessen durchgesetzt, deren Vorteile nur durch

aktive Tötung lebendiger Menschen, und das sind die sog. Hirntoten, erkauft sind.

Gerade als Christen müssen wir darauf achten, daß die moralische Integrität des Lebens, die

in unserer heutigen Zeit ohnehin stets bedroht ist, von der medizinischen Seite her nicht wei-

ter ausgehöhlt wird"1.

1.1 Hinführung zum Thema

Immer wieder wird der Vorwurf laut, die Einführung des so gennannten Hirntodkriteriums sei

aus zweckdienlichen Gründen im Sinne der Transplantationsmedizin entwickelt worden. Dies

schürt natürlich die menschliche Urangst, als noch Lebender vorschnell für tot erklärt zu

werden. Im Gegensatz zum Herztod ist der Hirntod nicht generell in der Bevölkerung als Tod

des Menschen akzeptiert. Immer ausgereiftere technische Möglichkeiten haben es schwierig

gemacht zu definieren, wo die Grenze zwischen Leben und Tod verläuft. Der Herztod wurde

lange Zeit als Tod des Menschen angesehen, nun gibt es Möglichkeiten diesen Tod zu über-

leben. Da stellt sich doch unweigerlich die Frage, ob man den Hirntod auch irgendwann ü-

berleben kann?

Ist es legitim das Leben eines hirntoten Menschen im Interesse eines anderen zu einem

Zeitpunkt für beendet zu erklären, der zwar wissenschaftlich und rational begründbar ist, zu

dem die Lebensvorgänge aber noch nicht abgeschlossen sind, auch wenn sie lediglich mit-

hilfe verschiedenster Apparate künstlich aufrechterhalten werden.

Sollte es darüber hinaus nicht jedem Einzelnen gestattet sein, selbst zu definieren, was der

Tod ist? Die größte Angst besteht darin, dass in der Situation eines Hirntodes, vorrangig die

Diagnostik im Hinblick auf eine Eignung des Patienten als Organspender vorangebracht wird

und eventuell Chancen auf Heilung verloren gehen.

Die vielen Kontroversen rund um die Organtransplantation und den Hirntod machen deutlich,

dass dieses Thema sehr stark in der Öffentlichkeit steht und von dieser beeinflusst wird.

1 NAGEL, M.-M. 1996, (Auslassungen durch den Verfasser).

4


1.2 Ziel der Arbeit

In dieser Arbeit soll die angesprochene, kontrovers geführte Diskussion um die Organtrans-

plantation und den damit zusammenhängenden Hirntod aufgegriffen werden. Zunächst soll

in beide Themenbereiche eingeführt werden, einerseits in die Organtransplantation und an-

dererseits in das Hirntodkonzept. Dies ist wichtig, um Grundlagen für das bessere Verständ-

nis herauszuarbeiten. Darüber hinaus sollen anschließend, ausgehend von unterschiedli-

chen Standpunkten, verschiedene Perspektiven und Ansichten der aktuellen Diskussion dar-

gestellt werden.

Ziel der Arbeit soll es schließlich sein, vor dem Hintergrund der gewonnenen Informationen

das Für und Wieder einer Anerkennung des Hirntodes und damit zusammenhängend, eine

gerechtfertigte Organentnahme zu diskutieren.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit möchte ich dem Leser dieser Arbeit entgegenkommen

und werde nur die männlichen Wortformen verwenden. Ich bitte dies aus gleichstellungsper-

spektivischer Sicht zu vernachlässigen, da es mir wie bereits erwähnt lediglich um eine bes-

sere Lesbarkeit geht.

2 Organtransplantation und Hirntod

2.1 Einführung

In diesem Teil der Arbeit werden verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit der Organ-

transplantation und dem Hirntod genauer betrachtet. Es wird in den ersten beiden Punkten

eine Grundlage für ein besseres Verständnis der Begrifflichkeiten erarbeitet, bevor in einem

dritten Punkt schließlich unterschiedliche Standpunkte der aktuellen Diskussion thematisiert

werden.

Zunächst wird aber die Organtransplantation als ein Teilgebiet der Medizin vorgestellt. Es

wird hier vor allem der Bereich der Organtransplantation vom Toten im Mittelpunkt stehen,

da die Arbeit auf genau diesen Bereich der Organentnahme beim Toten abzielt. In einem

zweiten Punkt wird eine Brücke geschlagen, zu dem damit eng verbundenen Hirntod.

2.2 Organtransplantation

2.2.1 Begriffsklärung

Die Transplantation von Organen oder Körperteilen zum Ersatz verloren gegangener Funkti-

onen ist seit Jahrhunderten ein Traum der Menschen. Bereits seit dem Mittelalter wurden

5


Versuche unternommen, verschiedene Organe und Körperteile von einem Menschen auf

einen anderen zu übertragen. Die eigentliche Geschichte der klinischen Organtransplantati-

on beginnt mit der ersten erfolgreichen Nierentransplantation zwischen eineiigen Zwillingen

in Jahr 1954, wofür der Chirurg Joseph E. Murray später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet

wurde2. So wurden auf dem Gebiet der Organ- und Gewebetransplantation als ein Teilgebiet

der Medizin, in den letzten 20 Jahren Fortschritte und Erfolge erzielt, wie auf kaum einem

anderen Fachgebiet. In diesem doch sehr kurzen Zeitraum vollzog sich eine Wende, weg

von experimentellen Verfahren, hin zu etablierten, routinemäßig in spezialisierten Zentren

ablaufenden Therapien.

Unter Transplantation versteht man allgemein die Übertragung von Organen, Geweben oder

Zellen innerhalb eines Individuums oder zwischen verschiedenen Individuen zum Ersatz ver-

lorener Organ-, Gewebs- oder Zellfunktionen.

Der Erfolg der Verpflanzung hängt dabei von dem Wechselspiel zwischen Spenderzellen und

Empfängerorganismus ab. Durch das Einsetzen von Fremdgewebe werden Reaktionen des

Abwehrsystems (Immunsystem) hervorgerufen, welche in einer Abstoßungsreaktion das im-

plantierte Gewebe schädigen können. Je verschiedener Spender und Wirt genetisch ausei-

nanderfallen, desto ausgeprägter fällt die Antwort des Abwehrsystems aus3.

Man unterscheidet heute vier unterschiedliche Transplantationsarten:

a) Bei der Autotransplantation (= autologe Organ-/Gewebetransplantation) werden körper-

eigenes Gewebe, bzw. körpereigene Organe innerhalb desselben Organismus an einen

anderen Ort verpflanzt

.

b) Werden Organe, bzw. Gewebeteile zwischen genetisch identischen Personen (z.B. einei-

igen Zwillingen) verpflanzt, spricht die Transplantationsmedizin von einer sogenannten I-

sotransplantation (= isogene Transplantation).

c) Eine sogenannte Allotransplantation (= allogene Transplantation) nimmt die Chirurgie

vor, wenn Organe bzw. Gewebeteile zwischen genetisch nicht identischen Spender-

Empfänger-Paaren transplantiert werden.

d) Für die Organ- bzw. Gewebeübertragung innerhalb unterschiedlicher Spezies-Systeme

wie z.B. vom Tier auf den Menschen gilt der Begriff der Xenotransplantation (= xenogene

Transplantation)4.

Der überwiegende Teil der heute durchgeführten Transplantationen erfolgt mit Organen, die

zuvor einem toten Spender entnommen wurden. Voraussetzung dafür ist, dass zwischen der

2 Vgl. BREYER, Dr. F., et al. 2006, 13.

3 Vgl. LÖW-FRIEDRICH, I. /SCHOEPPE, W. 1996, 3.

4 LAND, W. (Hrsg.) 1996, 4.

6



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