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Stadtlandschaften – Bildanalyse und Vergleich ausgewählter Fotografien von Lee Friedlander, Garry Winogrand, Thomas Struth und Jeff Wall

Scholary Paper (Seminar), 2007, 41 Pages
Author: Katharina Mauck
Subject: Art - Photography / Film

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 41
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 22  Entries
Language: German
Archive No.: V83879
ISBN (E-book): 978-3-638-02010-7

File size: 2222 KB

Abstract

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Bilderanalyse und dem Bildervergleich fotografischer Positionen in dem Sujet der Stadtlandschaft. Es sollen dabei die Gestaltungsmittel und ihre Wirkung untersucht werden. Dazu werden zuerst vier Fotografien von verschiedenen Fotografen aus unterschiedlichen Entstehungszeiten vorgestellt: Kansas City, Missouri von Lee Friedlander; Los Angeles, California von Garry Winogrand; 6th Avenue 50th Street New York (Midtown) von Thomas Struth und The Stumblin Block von Jeff Wall. Im Vordergrund steht dabei die Bildanalyse. Auf den daraus hervorgegangenen Erkenntnissen soll dann die Interpretation aufbauen. Die eigenen Ansätze werden mit Hilfe der Forschungsliteratur vertieft. Am Ende der Arbeit werden jeweils zwei Fotos miteinander verglichen. Dieser Vergleich soll helfen, die Bildaussage zu verdeutlichen.


Excerpt (computer-generated)

Universität der Künste Berlin

Fakultät Bildende Kunst

Institut für Kunstwissenschaften und Ästhetik

Sommersemester 2007

Seminar:

Bildanalyse: Fotografie

Katharina Mauck

Seminararbeit

Stadtlandschaften ­

Bildanalyse und Vergleich ausgewählter Fotografien

von Lee Friedlander, Garry Winogrand, Thomas

Struth und Jeff Wall


2

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

I. Einleitung 3

I.1. Die Stadtlandschaft (M. Harten) 3

II. Bildanalyse 7

II.1. Einleitende Bemerkungen zur Vorgehensweise 7

II.2. Lee Friedlander,

Kansas City, Missouri,

1965 (K. Mauck) 7

II.3. Garry Winogrand,

Los Angeles, California,

1969 (K. Mauck) 13

II.4. Thomas Struth, 6th Avenue at 50th Street New York (Midtown),

1978 (M. Harten) 19

II.4. Jeff Wall,

The Stumbling Block

, 1991 (M. Harten) 26

III. Bildervergleich 33

III.1. Winogrand ­ Wall (M. Harten) 33

III.2. Friedlander ­ Struth (K. Mauck) 35

V. Fazit (K. Mauck) 37

Internetquellen 39


3

I. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Bilderanalyse und dem Bildervergleich

fotografischer Positionen in dem Sujet der Stadtlandschaft. Es sollen dabei die

Gestaltungsmittel und ihre Wirkung untersucht werden. Dazu werden zuerst vier

Fotografien von verschiedenen Fotografen aus unterschiedlichen Entstehungszeiten

vorgestellt:

Kansas City, Missouri

von Lee Friedlander;

Los Angeles, California

von

Garry Winogrand;

6th Avenue 50th Street New York (Midtown)

von Thomas Struth und

The Stumblin Block

von Jeff Wall. Im Vordergrund steht dabei die Bildanalyse. Auf den

daraus hervorgegangenen Erkenntnissen soll dann die Interpretation aufbauen. Die

eigenen Ansätze werden mit Hilfe der Forschungsliteratur vertieft. Am Ende der Arbeit

werden jeweils zwei Fotos miteinander verglichen. Dieser Vergleich soll helfen, die

Bildaussage zu verdeutlichen.

I.1. Die Stadtlandschaft (M. Harten)

Das Sujet der ,,Stadtlandschaft" entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die

Bevölkerung in den Städten wuchs, so dass das Leben in der Stadt für die Menschen eine

immer größere Bedeutung bekommt. Damit entwickelten sich auch das

Selbstverständnis und die Identifikation der Städter mit ihrem Lebensraum. Diese

gesellschaftlichen Entwicklungen finden sich auch in der Kunst dieser Zeit wieder.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die in Italien begründete Vedutenmalerei. In

diesen Bildwerken spiegelt sich der Stolz der Bürger auf ihre Stadt wieder. Ein weiterer

Grund für die Entwicklung dieses Sujets sind wohl auch die vielen Reisenden, die aus

ganz Europa nach Italien kommen, um deren Kunstschätze zu bewundern. Bei ihren

Besuchen, vor allem von Venedig, wollen sie eine Ansicht der Stadt als Erinnerung mit

nach Hause nehmen1. Über atmosphärisch gestaltete Ansichten repräsentativer Gebäude

und Plätze schaffen Künstler wie Canaletto und Guardi ein beeindruckendes Bild ihrer

1 Gombrich, E.H.: Die Geschichte der Kunst. Berlin 2004. S. 444.


4

Heimatstadt.

Vedute

kommt aus dem Italienischen (

Veduta

) und bedeutet so viel wie das

Geschehene, das was man sieht2. Sie wird vornehmlich als Gemälde, Zeichnung oder

Stich angefertigt.3

Im Unterschied zur Landschaftsmalerei ist bei einer Vedute die Widererkennbarkeit der

abgebildeten Szenerie von großer Wichtigkeit. Es werden einzeln stehende Gebäude,

wie Burgen oder Schlösser und Stadtansichten thematisiert. Dabei kann zum einen eine

Gesamtansicht der Stadt (Panorama) oder ein Ausschnitt (charakteristische Gebäude,

Plätze, Straßenzüge) als Vorlage dienen.

Die Vedutenmaler machen es sich zur Aufgabe, den Raum in seiner dimensionalen und

atmosphärischen Qualität anschaulich zu machen. Die Vedute soll ein möglichst

lebendiges Abbild der sichtbaren Wirklichkeit sein. Zentral ist in diesem

Zusammenhang die Komposition: über die Linear- und Zentralperspektive, sowie die

Raum- und Farbperspektive wird die Räumlichkeit des Bildes organisiert. Der Bildraum

wird zumeist schichtweise in verschiedene Bildgründe aufgestaffelt (Entlehnung der

Landschaftsmalerei). Um ein möglichst detailgenaues Abbild der Realität zu erschaffen,

nutzen die Künstler häufig die Bilder einer Camera Obscura4 als Vorlage.

Im Verlauf der Geschichte der Vedutenmalerei senkt sich der Augpunkt auf die normale

Blickhöhe herab. Dadurch entsteht eine größere Unmittelbarkeit zwischen dem

Betrachter und dem Bild, er fühlt sich als Passant in die Szenerie mit eingebunden5.

2 Lexikon der Kunst. Vedute. Stadtler, Wolf (Hrsg.). Bd. 12. Erlangen 1994. S.107-111.

3 Jahn, Johannes: Vedute. In: Wörterbuch der Kunst. Stuttgart 1966. S.717.

4 Camera Obscura, Urform des fotografischen Aufnahmegeräts. Weiteres: Lexikon der Kunst. Bd. 3. S. 77.

5 In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass es verschiedene Darstellungsformen von

Veduten gibt (z.B.

Veduta ideata, Veduta realistica

). Zu einer näheren Begriffsbestimmung, siehe:

Lexikon der Kunst. Bd. 12. S. 109.


6

Viele Künstler orientierten sich bei ihren Stadtansichten an Canaletto wie zum Beispiel

Belotto oder Guardi. Doch bringen die

Künstler ihre eigene Handschrift mit hinein.

So zeigt Guardi eher subjektive Raumkon-

struktionen, so dass die Atmosphäre

stimmungsvoller erscheint. Über die

Jahrhunderte entwickeln sich die

Abbildungen der Stadtlandschaft stets weiter.

So verändert sich der Blick des Künstlers

von der rein objektiven, der Realität

abbildenden Sicht, zu einer eher subjektiv

orientierten Sichtweise. Claude Monet zeigt

Bilder einer Stadt, die keinen repräsentativen

Charakter mehr für die Stadt

Abb.2. Claude Monet,

Boulevard des Capucines

, 1873/74

haben. Er zeigt keine prominenten Blicke

auf die ,,Sehenswürdigkeiten" der Stadt, sondern er untersucht vielmehr die Wirkung des

Lichts und der Farbe an den topographischen Objekten. So werden die Stadtansichten zu

einem Abbild einer Untersuchung von Ort und Licht.

Bei dem Gemälde

Boulevard des Capucines

nimmt Monet den Blick eines

Fotografenfreundes ein6. Den Blick aus dessen Atelier auf den Boulevard des

Capucines. Man sieht hier nicht mehr den klassischen Bildaufbau nach der

vereinheitlichenden Zentralperspektive, sondern den Blick von einem individuellen

Standpunkt aus. Es stehen nicht die Gebäude der Stadt im Vordergrund, sondern das

Treiben der Menschen auf der Straße. Monet ist um keine detailgenaue Abbildung

bemüht, sondern um die Abbildung einer subjektiven Erfahrung (des Lichts).

Dieser kleine Einblick in die Entwicklung der Stadtlandschaft soll in das Thema der

Hausarbeit einleiten und zwei malerische Positionen vorstellen, die sich mit dem Thema

,Stadt′ beschäftigt haben. Ich halte diesen Ausflug in die Malerei für wichtig, damit

deutlich wird, an was für eine Tradition Fotografen mit ihren Stadtansichten anknüpfen

oder zu ihr Bezüge herstellen könnten.

6 Ob Monet auch Fotografien als Vorlage für seine Straßen-, bzw. Stadtansichten benutzte, ist nicht

erwiesen.


7

II. Bildanalyse

II.1. Einleitende Bemerkungen zur Vorgehensweise

Die Autorinnen haben sich dazu entschlossen, bei der Analyse der Fotografien

folgendermaßen vorzugehen: zunächst wird eine Bildbeschreibung vorgenommen, rein

nachdem, was man sieht. Dies soll bezwecken, möglichst unvoreingenommen eine Art

,,Bestandsaufnahme" der Eindrücke zu erstellen, um zu einer eigenständigen Auffassung

der Fotografie zu kommen. Im Folgenden wird der Versuch angestellt, das Gesehene in

seiner Wirkung zu beschreiben. Daraus wird eine Interpretation entwickelt, die sich auf

die zuvor gewonnenen Erkenntnisse stützt. Erst im nächsten Schritt wird die

Forschungsliteratur zu einer tieferen Deutung hinzugezogen. Diese Art der Gliederung

zielt darauf ab, sich zunächst nur auf das konzentriere, was man sieht und um sich

unbeeinflusst von Forschungsansätzen eine Meinung zu bilden. Über diese

Vorgehensweise möchten die Autorinnen untersuchen, was das Bild allein dem

Betrachter zu vermitteln vermag, um dies dann anschließend wissenschaftlich zu

untermauern.

II.2. Lee Friedlander, Kansas City, Missouri, 1965 (K. Mauck)

Die Schwarz-Weiß-Fotografie von Lee Friedlander stammt aus dem Jahre 1965 und

zeigt eine Straßenansicht der Stadt Kansas City, die im US-Bundesstaat Missouri

gelegen ist. Dem Betrachter eröffnet sich der Blick auf eine menschenleere

Straßenansicht. Sowohl die linke als auch die rechte Bildseite wird von Häuserfronten

eingerahmt. Es handelt sich um 2-3 geschossige Bauten, die wohl teils als Wohn-, teils

als Gewerbehäuser genutzt werden.


8

Abb.3:

Lee Friedlander,

Kansas City, Missouri, 1965

Das Bild wird durch einen Strommasten, der vertikal aus einem kleinen Rasenstück

hervorragt, fast mittig halbiert. Vom Betrachter aus gesehen steht zur Linken des Masten

ein Straßenschild, auf dem ,,NO PARKING DAY OR NIGHT ­ TOW IN ZONE" zu

lesen ist. Dieses Schild ist einige Meter weiter ein zweites Mal zu erkennen. Weitere

Vertikalen dominieren den Bildraum: die linke Straßenseite wird ebenfalls von

Strommasten gesäumt, die Häuserwände auf beiden Straßenseiten rahmen die Szenerie,

und der Blick des Betrachters wird von einer Art Turm, auf dem ein überlebensgroßes

Schaf montiert ist, am Ende der Straße begrenzt. Nur wenige Horizontalen wie die

Geschäftsschilder, die Stromleitungen, die über die Straße führen oder die Kanten der

Steine, mit denen der Fußweg ausgelegt ist, sind zu erkennen.

Der Bildraum, der sich grob in Vorder-, Mittel- und Hintergrund einteilen lässt, öffnet

sich perspektivisch.

Der Blick des Betrachters wird durch das Straßenschild und den Strommasten, die aus

dem Rasenstück hervorragen, im Bildvordergrund gestoppt. Dadurch wirkt das Bild

einerseits flächig, da der Blick des Betrachters nicht ,,ungebremst" in die Tiefe

schweifen kann, andererseits lädt die Sicht auf das Himmelstück dazu ein. Diese

Tatsache wird durch die Tiefenschärfe verstärkt; es entsteht keine Hierarchisierung der

Bildebenen. Das hell gestrichene Haus auf der rechten Bildseite lässt sich ebenfalls dem

Vordergrund zuordnen.



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