Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Absturz der Mitte - Reale Bedrohung oder panisches Horrorszenario? close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Absturz der Mitte - Reale Bedrohung oder panisches Horrorszenario?

Termpaper, 2007, 27 Pages
Author: Oliver Hollenstein
Subject: Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 27
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 42  Entries
Language: German
Archive No.: V84789
ISBN (E-book): 978-3-638-01125-9
ISBN (Book): 978-3-638-91589-2
File size: 737 KB

Abstract

Befeuert durch die mediale Debatte um die "neue Unterschicht" ist im Jahr 2007 auch die Mitte der Gesellschaft wieder zunehmend in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Diskuttiert wurde dabei vielerseits die These um einen möglichen Auflösung der Mittelschicht und daraus folgend eine Unterteilung der Gesellschaft in "oben" und "unten". Das Anliegen dieser Arbeit ist es, der Frage nach dem Absturz der Mittelschicht anhand der aktuellen Debatte nachzugehen. Ist der Abstieg panisches Horrorszenario oder reale Bedrohung? Die Arbeit geht problemorientiert vor: Nach einer Definition des Untersuchungsgegenstandes (Was ist eigentlich die «Mitte»?) soll kurz auf die empirischen Grundlagen der Debatte eingangen werden (pro und contra einer neuen Unsicherheit), bevor anhand sozioökonomischer Daten (Größe der Mittelschicht, Einkommen, Vermögen, Arbeitslosigkeit und Armutsrisiko) versucht wird zu klären, in wie weit die Mittelschicht in den Vergangenen zehn Jahren wirklich einer größeren «Bedrohung» ausgesetzt ist. Im Anschluss daran werde sollen die im wissenschaftlichen Diskurs vorgestellten Erklärungsmodelle für das zunehmende Unsicherheitsgefühl vorgestellt, bevor im Fazit die Ausgangsfrage wieder aufgegriffen wird.


Excerpt (computer-generated)





Friedrich-Schiller-Universität Jena

Institut für Soziologie

Absturz der Mitte ­

Reale Bedrohung oder panisches Horrorszenario?

Hausarbeit zum Proseminar:

«Unterschichten, Prekariat, Klassen? Arbeit und soziale Ungleichheit»

Sommersemester 2007

Abgabedatum: 21. September 2007

vorgelegt von:

Oliver Hollenstein, 81779

4. Fachsemester, Magister

HF Soziologie

NF Psychologie

NF Wirtschaftswissenschaften

Jena, den 19. September 2007


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Ein Problem rückt in den Fokus 3

2. Was ist eigentlich «die Mitte»? 5

3. Empirische Basis: Größere Unsicherheit? Studien pro und contra 7

4. Wachsende Bedrohung und realer Abstieg? Empirische Evidenzen 9

4.1 Größe der Mittelschicht 9

4.2 Einkommen 11

4.3 Vermögen 15

4.4 Arbeitslosigkeit 15

4.5 Armutsrisiko 16

4.6 Zusammenfassung 17

5. Warum fühlt sich die Mitte bedroht? Erklärungsansätze 18

6. Fazit: Absturz ­ Panisches Horrorszenario oder reale Bedrohung? 22

Literaturverzeichnis 24

2


1.

Einleitung: Ein Problem rückt in den Fokus

Als der SPD-Vorsitzende Kurt Beck im vergangenen Oktober fast beiläufig in einem

Interview mit der FAZ von einer «neuen Unterschicht» sprach, verhalf er damit der

deutschen Ungleichheitsforschung mit einem Mal vom Gelehrtenzimmer ins

Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Dabei brachte das mediale Dauerfeuer nicht nur dem Thema Unterschicht neue

Popularität. Während die Debatte um die Unterschicht nach einiger Zeit abflachte,

scheinen andere Themen weiter zu schwelen. Besonders die Mittelschicht rückt immer

wieder in den Fokus der Medien, wie diese Liste von Veröffentlichungen in

ausgewählten deutschen Medien ohne Anspruch auf Vollständigkeit zeigt:

Auf dem Weg in eine inhumane

(Süddeutsche Zeitung, 21./22.10.2006)

Gesellschaft

Mittelschicht: Angst vorm Abstieg

(Arte, 28.10.2006)

Wo bleibt die Mittelschicht?

(Welt am Sonntag, 29.10.2006)

Verängstigte Mittelschicht

(ARD Fakt, 04.12.2006)

Abgerutscht

(Süddeutsche Zeitung, 07.12.2006)

Die Angst der Mitte vor dem Abstieg

(Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung, 17.12.2006)

Ängstliche Mittelschicht

(Handelsblatt, 12. Dezember 2006)

Die Mittelschicht wird instabil

(Financial Times Deutschland, 28.12.2006)

Schlechte Zeiten für Besserverdiener

(Die Welt, 28.01.2007)

Die Angst der Mittelschicht

(Die Zeit,15.02.2007)

Klagen auf hohem Niveau

(Frankfurter Rundschau, 22.03.2007)

Stabile Mitte: Die Mittelschicht ist nicht

(Frankfurter Rundschau, 28.03.2007)

abgestiegen

Die Angst der Mittelschicht vor dem

(SWR2 Impuls, 10.04.2007)

Elend

Zwischen Erosion und Erneuerung. Die

(Deutschlandfunk, Sendung Studiozeit

gesellschaftliche Mitte in Deutschland

vom 10.04.2007)

Das Leiden der jungen Mitte

(Spiegel-Online, 03.06.2007)

Ohne Wohlstandsgarantie. Wie bedroht ist

(Deutschlandfunk, Sendung Lebenszeit

die Mittelschicht?

vom 13.07.2007)

Ich bin dann mal pleite ­ Auflösung der

(MDR Fernsehen, Sendung Artour

Mittelschicht1

vom 06.09.2007)

Angst vor Absturz ­ Kein Job ist sicher

(ARD Sendung «Menschen bei Maischberger»
vom 18.09.2007)

1 nach dem Titel eines neu erschienen Buches der Journalisten Marcel Feige und Britta Stobbe, Verlag

Schwarzkopf und Schwarzkopf, 2007

3


Auslöser der Aufregung sind verschiedene Studien, nach denen sich eine zunehmende

Unsicherheit in der Mitte der Gesellschaft breit macht: In dem durch Beck berühmt

gewordenen Foliensatz zur Studie «Gesellschaft im Reformprozess» der Friedrich-

Ebert-Stiftung gaben 61 Prozent der Befragten an, für sie gäbe es keine gesellschaftliche

Mitte mehr, sondern nur noch oben und unten.2 In anderen Umfragen zeichneten sich

Trends ab, wonach immer mehr Mittelschichtler Angst vor dem sozialen Abstieg

äußerten.3 Auf der anderen Seite argumentieren Kritiker, dass sich diese Absturzängste

nicht anhand von sozioökonomischen Indikatoren plausibilisieren lassen.4

Doch so neu wie die plötzlich erhöhte mediale Aufmerksamkeit einem Glauben machen

will, ist die Debatte nicht: Der Historiker Paul Nolte führt in einer im Frühjahr von der

Herbert-Quandt-Stiftung herausgegebenen Studie zur Situation der Mittelschicht auf,

dass sich das Problem «mit beeindruckender Konstanz durch die Geschichte der

Selbstverständigung von Gesellschaften des westlichen Kulturkreises zieht.»5 Denn die

Frage nach der Situation der Mitte sei auch immer eine Debatte über die Deutungsmacht

in der Gesellschaft.6

Das Anliegen dieser Arbeit ist es, der Frage nach dem Absturz der Mittelschicht anhand

der aktuellen Debatte nachzugehen. Ist der Abstieg panisches Horrorszenario oder reale

Bedrohung?

Dabei möchte ich problemorientiert vorgehen: Nach einer Definition des

Untersuchungsgegenstandes (Was ist eigentlich die «Mitte»?) werde ich kurz auf die

empirischen Grundlagen der Debatte eingehen (pro und contra einer neuen

Unsicherheit). Danach möchte ich anhand sozioökonomischer Daten (Größe der

Mittelschicht, Einkommen, Vermögen, Arbeitslosigkeit und Armutsrisiko) versuchen zu

klären, in wie weit die Mittelschicht in den vergangenen zehn Jahren wirklich einer

größeren «Bedrohung» ausgesetzt ist. Im Anschluss daran werde ich die im

wissenschaftlichen Diskurs vorgestellten Erklärungsmodelle für das zunehmende

Unsicherheitsgefühl vorstellen, bevor im Fazit die Ausgangsfrage wieder aufgegriffen

werden soll.

2 vgl. Müller-Hilmer 2006

3 vgl. Heitmeyer 2006

4 vgl. Wagner/Schupp/Groh-Samberg 2007; Hanke 2007 u.a.

5 Nolte/Hilpert 2007, S. 30

6 vgl. ebd. S. 18f

4


2.

Was ist eigentlich «die Mitte»?

Bevor wir näher auf die Ausgangsfrage nach einem möglichen Absturz der Mitte

eingehen, muss zuvor ein anderes Problem geklärt werden: Gesellschaftliche Mitte,

Mittelschicht ­ was ist das überhaupt?

In der wissenschaftlichen und publizistischen Debatte kann man oft den Eindruck

gewinnen, der Begriff «Mittelschicht» bezeichne einen klar definierten Gegenstand mit

eindeutigen Grenzen. In vielen Texten wird der Begriff verwendet, ohne expliziert

definiert zu werden.7

Was also ist die Mittelschicht? Der Blick in verschiedene Soziologie-Lexika bringt

keine Klarheit: Das Lexikon von Reinhold definiert die Mittelschicht als «Gruppe von

Personen, die in der vertikalen Struktur oder Schichtung einer Gesellschaft sowohl bei

Selbst- wie Fremdeinschätzung der Mitte zuzurechnen sind»8, das Wörterbuch von

Hillmann als «Teil einer Bevölkerung, dem nach seinem soz[ialen] Status, d.h. nach

soz[ial]-stat[istischen] Daten, nach Selbst- und Fremdeinschätzung ein mittlerer Bereich

in der vertikalen Struktur einer Ges[ellschaft] zuerkannt wird.»9 An diesen Definitionen

lässt sich erkennen, dass eine fundierte Debatte auf Basis eines solch schwammigen

Gebildes schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist.

Angesichts der hier diskutierten Absturzthese sollten wir uns außerdem vor Augen

halten, dass eine Wechselwirkung zwischen Klassifikation und Klassifizierten besteht.

Eine gesellschaftliche Schichtung ist immer eine wissenschaftliche Konstruktion und als

solche stets nur eine Annäherung, die versucht, mutmaßlich reale Unterschiede durch

verschiedene Operationalisierungen10 zu abstrahieren. Die Konstruktionen der

Wissenschaft wirken allerdings auf die so Klassifizierten zurück und schaffen damit ein

Klassenbewusstsein. In einer Definition einer gesellschaftlichen Schicht steckt

demzufolge immer ein großer Anteil politischer und ideologischer Implikationen, die

nicht unterschätzt werden sollten.

Als Definition für diese Arbeit werde ich weitestgehend dem Vorschlag von Nolte11

folgen. Nolte definiert die Mittelschicht anhand eines Idealtypus, der sechs Merkmale

aufweist, von denen ich fünf für die Definition dieser Arbeit verwenden möchte:

7 u.a. in Kadritzke 2007; Hank 2007; Flecker/Krenn 2004; Hanke 2006

8 Reinhold 2000, S. 440f

9 Hillmann 2000, S. 561f

10 zu verschiedenen Operationalisierungen vgl. Peuckert in Schäfers 2003, S. 297

11 Nolte 2007, S. 31f

5


1) Mittleres bis gehobenes Einkommen

Darunter versteht Nolte Personen, die zwischen 100 und 200 Prozent des

Durchschnittseinkommens verdienen. Nach Daten des sozioökonomischen

Panels (SOEP) sind dies 2005 Haushalte mit einem Netto-Nominal-

Einkommen zwischen 1416 und 2832 Euro im Monat.12

2) Höhere Bildungsqualifikation

Als höhere Bildungsqualifikation soll Abitur oder eine andere Form der

Hochschulzugangsberechtigung gelten. Nicht zwingend ist heute ein

Hochschulabschluss, auch wenn sich die Definition nach Noltes Ansicht

zukünftig dorthin bewegen wird.

3) Hohes Sozialkapital und Fähigkeit dieses zu sammeln und zu managen

Darunter versteht Nolte ein stabiles und auch in Konfliktsituationen

belastbares Netzwerk aus sozialen Beziehungen.

4) Selbstständige Lebensführung

Haushalte der Mittelschicht sollen in der Lage sein, langfristig ihr Leben

ohne Unterstützung Dritter (besonders des Staates) führen zu können.

5) Explizite oder implizite Ausrichtung an bestimmtem Wertehorizont

Darunter versteht Nolte die Ausrichtung am Wertekanon, der im weitesten

Sinne auf das Erbe der Bürgerlichkeit zurückzuführen ist. Dazu zählen u.a.

Werte wie Disziplin und Arbeitsethik oder Respekt und Toleranz.

Als sechstes Merkmal definiert Nolte den Dienstleistungsberuf, um der zunehmenden

Tertiarisierung der Wirtschaftsstruktur Rechnung zu tragen. Dieses Merkmal

übernehme ich nicht, weil ich es für eine Engführung des Begriffes halte. Die so

definierte Gruppe würde ich vielmehr als Untergruppe der Dienstleistungsmittelschicht

bezeichnen.

Im Rahmen dieser Arbeit werde ich verschiedentlich auf Grenzen stoßen, an denen

aufgrund unterschiedlicher Basisdaten diese Arbeitsdefinition modifiziert werden muss.

12 berechnet nach Datenreport 2006, S. 608

6



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erosion der Mittelschichten

Author: Thomas Schröder
Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification, 2002 Download as PDF-file for 6,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/84789/absturz-der-mitte-reale-bedrohung-oder-panisches-horrorszenario
please wait Please wait