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Analyse von Kindertheaterstücken der Gegenwart am Beispiel eines Kasperspiels

Termpaper, 2006, 29 Pages
Author: Verena Wilms
Subject: German - Grammar, Style, Working Technique

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 29
Grade: gut
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V84829
ISBN (E-book): 978-3-638-01266-9
ISBN (Book): 978-3-638-91670-7
File size: 266 KB
Notes :
Kommentar der Dozentin: auf überzeugende Weise sprachliche Merkmale durch konsequente Strukturanalyse ausgewählter sprachwissenschaftlicher Kriterien herausgearbeitet; gute Lesbarkeit durch klar gegliederten Aufbau, farblich gestaltete Darstellung der Untersuchungsergebnisse und adäquate Formulierungsweise


Abstract

Im Wintersemester 2005/ 06 habe ich das Hauptseminar „Analyse von Kinder- und Jugend-theaterstücken der Gegenwart aus sprachwissenschaftlicher und sprachdidaktischer Sicht“ besucht. Dort habe ich Aspekte kennen gelernt, die ich zur Analyse von Theaterszenen nutzen kann. Außerdem wurden die unterschiedlichen Wirkungsweisen von geschriebener und gesprochener Sprache anhand von einzelnen Szenen analysiert. Die Teilnehmer/innen sammelten Ideen, wie Theater und Schule zusammenarbeiten könnten. Durch Gastvorträge von Theaterpädagogen wurden verschiedene Konzepte anschaulich dargestellt. Zu guter Letzt wurden Kinder- und Jugendtheater hinsichtlich der Lehrpläne des Faches Deutsch betrachtet. Um einen Leistungsnachweis im Bereich Sprachwissenschaft zu erwerben, habe ich anhand gelernter sprachwissenschaftlicher Kriterien eine Analyse am Beispiel eines Kasperspiels durchgeführt. Ich habe mich für das Puppentheater entschieden, da mich diese Form des Theaters seit meiner Kindheit fasziniert. Heute noch schaue ich mir gerne Marionetten- bzw. Handpuppentheater an. Meine Arbeit beginne ich mit der allgemeinen Begriffserklärung des Theaters. Danach erläutere ich konkret den Begriff „Puppentheater“, seine Geschichte und die gegenwärtige Situation. Danach führe ich exemplarisch eine syntaktische Analyse an dem ausgewählten Kasperstück durch. Ich untersuche Sprechakte, Redewendungen, die Text- und Soziolinguistik nach unterschiedlichen im Seminar thematisierten Gesichtspunkten. Zuletzt werde ich den Begriff „Frame“ anhand von Textbeispielen erläutern. Ich schließe meine Arbeit mit einer Zusammenfassung ab. Im Anhang habe ich das „Vierte Bild. Im Wald“ aus dem Kasperspiel von Monika Spickhoff (Der Kasperl kommt aus Butzlabee. Kasperlspiele für die Grundschule. Donauwörth 1992. Ludwig Auer GmbH) eingefügt. So hat der Leser die Möglichkeit meine Gedankengänge zu verfolgen, speziell das analysierte vierte Bild „Im Wald“.


Excerpt (computer-generated)

Analyse von Kinder- und Jugendtheaterstücken der Gegenwart

Sprachwissenschaften

Wintersemester 2005/ 06

An

A alyses evo

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B ispiel e ines sKasperspiels

Verena Wilms


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Schreibbegründung und Hinführung zum Thema

1

2. Begriffserklärung ,,Theater"

2

2.1. Das Puppentheater

2

2.2. Geschichte des Puppentheaters in Europa

2

2.3. Puppentheater in der Gegenwart

3

3. Mein Schwerpunkt: Kasperstück

4

4. Syntaktische Gestaltung der Szene

6

4.1. Kasper

6

4.2. Vogel

8

4.3. Krokodil

9

4.4. Al gemeines zur syntaktischen Gestaltung

10

5. Analyse der Sprechakte der Szene ,,Im Wald"

11

5.1. Repräsentativa

11

5.2. Direktiva

12

5.3. Kommissiva

13

5.4. Expressiva

13

5.5. Deklarativa

13

6. Redewendungen

14

7. Textlinguistik

15

7.1. Kohäsion

15

7.2. Kohärenz

15

7.3. Intertextualität

15

8. Soziolinguistik

17

8.1. Jugendsprache im Kaspertextausschnitt

17

8.2. Dialekt im Kaspertextausschnitt

18

9. Frames

20

10. Zusammenfassung

21

11. Literaturverzeichnis

22

12. Anhang-Kasperspiel (Viertes Bild)

24


Schreibbegründung und Hinführung zum Thema

1

1. Schreibbegründung und Hinführung zum Thema

Im Wintersemester 2005/ 06 habe ich das Hauptseminar ,,Analyse von Kinder- und Jugend-

theaterstücken der Gegenwart aus sprachwissenschaftlicher und sprachdidaktischer Sicht"

besucht. Dort habe ich Aspekte kennen gelernt, die ich zur Analyse von Theaterszenen

nutzen kann. Außerdem wurden die unterschiedlichen Wirkungsweisen von geschriebener

und gesprochener Sprache anhand von einzelnen Szenen analysiert.

Die Teilnehmer/innen sammelten Ideen, wie Theater und Schule zusammenarbeiten

könnten. Durch Gastvorträge von Theaterpädagogen wurden verschiedene Konzepte

anschaulich dargestel t. Zu guter Letzt wurden Kinder- und Jugendtheater hinsichtlich der

Lehrpläne des Faches Deutsch betrachtet.

Um einen Leistungsnachweis im Bereich Sprachwissenschaft zu erwerben, habe ich anhand

gelernter sprachwissenschaftlicher Kriterien eine Analyse am Beispiel eines Kasperspiels

durchgeführt.

Ich habe mich für das Puppentheater entschieden, da mich diese Form des Theaters seit

meiner Kindheit fasziniert. Heute noch schaue ich mir gerne Marionetten- bzw.

Handpuppentheater an.

Meine Arbeit beginne ich mit der al gemeinen Begriffserklärung des Theaters. Danach

erläutere ich konkret den Begriff ,,Puppentheater", seine Geschichte und die gegenwärtige

Situation.

Danach führe ich exemplarisch eine syntaktische Analyse an dem ausgewählten

Kasperstück durch. Ich untersuche Sprechakte, Redewendungen, die Text- und

Soziolinguistik nach unterschiedlichen im Seminar thematisierten Gesichtspunkten.

Zuletzt werde ich den Begriff ,,Frame" anhand von Textbeispielen erläutern. Ich schließe

meine Arbeit mit einer Zusammenfassung ab.

Im Anhang habe ich das ,,Vierte Bild. Im Wald" aus dem Kasperspiel von Monika Spickhoff

(Der Kasperl kommt aus Butzlabee. Kasperlspiele für die Grundschule. Donauwörth 1992.

Ludwig Auer GmbH) eingefügt. So hat der Leser die Möglichkeit meine Gedankengänge zu

verfolgen, speziel das analysierte vierte Bild ,,Im Wald".


Begriffserklärung ,,Theater"

2

2. Begriffserklärung ,,Theater"

Die Gesamtheit der darstel enden Künste, die auf einem szenischen Ablauf basieren,

bezeichnet man als ,,Theater". Vorgetragen werden die einzelnen Szenen mit Hilfe von

Puppen beim Puppentheater, Kaspertheater etc. oder mittels Schauspielern, Tänzern oder

Sängern bei Opern, Operetten, beim Bal ett und Musical etc. (vgl. Encarta Enzyklopädie

Professional 2004, Microsoft).

Zum Umfeld der konkreten Aufführung gehört ein notwendiger technischer, organisatorischer

bzw. dramaturgischer Apparat, wozu auch das Theatergebäude mit dem Bühnenhaus und

dem Zuschauerhaus gehören.

Dieser Theaterapparat dient der künstlerischen Umsetzung von Inszenierungen (vgl. Encarta

2004).

2.1.

Das Puppentheater

Beim Puppentheater handelt es sich um eine Spielhandlung mit Puppen, die häufig auf einer

eigens hierfür entwickelten (Miniatur-) Bühne aufgeführt wird. Das Puppentheater ist ein

Zweig der dramatischen Kunst (Purschke, Hans R.: Über das Puppenspiel und seine

Geschichte. Frankfurt/ M. 1983. Puppen und Masken, S.19).

Durch den Einsatz von Musik oder der Kombination mit Schauspielern konnte es immer

mehr differenziert und verfeinert werden. Im asiatischen Puppentheater wird die eigentliche

Handlung zusätzlich von einem Sprecher kommentiert (vgl. Encarta 2004). Neben seinem

Unterhaltungswert besitzt das Puppenspiel häufig auch pädagogische Funktionen.

Bei den für das Puppentheater verwendeten Puppentypen unterscheidet man bewegliche

und starre Figuren. Außerdem gibt es plastische und zweidimensionale Puppen. Letztere

werden z.B. beim Schattenspiel oder im Papiertheater verwendet (vgl. Encarta 2004). Die

einfachsten plastischen Puppentypen sind die so genannte Handpuppen, Stab- und

Stockpuppen.

Die Gliedmaßen der Marionetten können über Drähte bzw. Fäden von oben gesteuert

werden.

2.2.

Geschichte des Puppentheaters in Europa

Erste Zeugnisse für europäisches Puppenspiel liefern Randil ustrationen zum Alexanderlied

aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Für das 15. Jahrhundert sind mittelhochdeutsche Puppenspiele nachweisbar, und im

Dreißigjährigen Krieg nutzten Wanderbühnen Puppen, da sie an Schauspielermangel litten

(vgl. Encarta 2004).


Begriffserklärung ,,Theater"

3

Im 16. Jahrhundert begannen Künstler aus verschiedenen Ländern, Handpuppen mit

individuell-nationalem Charakter zu entwickeln, z.B. Punch and Judy (England), Petruschka

(Russland) und Hanswurst bzw. Kasper (Deutschland).

Damals entstanden auch die ersten fest instal ierten Puppenbühnen.

Das erste deutsche Puppentheater war das Kölner Hänneschen-Theater von 1802, das bis

heute besteht.

Im 18. Jahrhundert nutzten vor al em englische Dramatiker das Medium des Puppenspiels

für satirische Zwecke.

Im 19. Jahrhundert entstanden in Deutschland romantische Kaspertheaterbühnen. Dadurch

sol ten Kinder als Zuschauer angesprochen werden. Dichter und Theatertheoretiker loben

das

Puppentheater

als

besondere

Theaterform.

Neben

den

traditionel en

Puppenspielerfamilien gibt es auch eine ,,intel ektuel e" Form des Puppentheaters (vgl.

Lensch: Puppentheater. Ein kurzer historischer Überblick. In: http://www.puppenspiel-

online.de/).

Im 20. Jahrhundert schufen Künstler wie Paul Klee, Natalija Gontscharowa, Sophie Taeuber-

Arp, Alexander Calder und Mitglieder des Bauhauses bedeutende Puppen- und

Bühnenentwürfe (vgl. Encarta 2004). Sie sahen eine Verbindung zwischen Theater und

bildender Kunst im Puppenspiel (vgl. Lensch).

1921 gründete Max Jacob die Hohnsteiner Puppenspiele, die seit 1945 in Hamburg und

Essen ansässig sind.

2.3.

Puppentheater in der Gegenwart

Nach dem 2. Weltkrieg entstanden zahlreiche Puppentheater, die durch das Fernsehen einer

breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden. Darunter fäl t die von Walter Oehmichen

gegründete Augsburger Puppenkiste, die Fernsehschöpfungen des amerikanischen

Puppenspielers Jim Henson (Sesamstraße und Muppetshow) und die Rappelkiste (vgl.

Encarta 2004).

Außerdem erschienen erstmalig experimentel e Figurenformen, die eine neue Bezeichnung

für diese Theaterform verlangten, um sich vom traditionel en Puppentheater abzugrenzen.

Seither wird der Begriff ,,Figurentheater" als übergreifender Begriff benutzt. Er umfasst neben

den traditionel en Theaterformen mit Puppen auch Mischformen (Menschen- und

Puppentheater) und speziel e Theaterformen wie Schwarzes Theater oder Theater mit

Schwarzlicht (vgl. Lensch).

Heute gibt es in Deutschland etwa 350 professionel e Puppenbühnen (vgl. Encarta 2004).


Mein Schwerpunkt: Kasperlstück

4

3. Mein Schwerpunkt: Kasperstück

Kasper ist ein Serienheld, den das Puppentheater hervorgebracht hat. Nach ihm ist das

Kaspertheater benannt worden. Dieser Name wird seit dem 19. Jahrhundert al gemein

verwendet (vgl. Til , Wolfgang: Puppentheater. München 1986. Universitätsdruckerei und

Verlag Dr. C. Wolf und Sohn KG, S.13).

Kaspers Äußeres, seine Umgangsformen und seine Sprache sind standardisiert und auf die

Erzeugung von Komik angelegt (vgl. Til 1986, 13). Er hat ein markantes Gesicht mit einer

langen Nase. Er trägt immer ein Kostüm, zu dem eine lange rote Zipfelmütze mit einem

Glöckchen gehört. Seine Kleider haben Wiedererkennungswert, was Stabilität in heutigen

unruhigen Zeiten verleihen sol (vgl. Weissenberg-Seebohm, Taudin-Chabot, Mees-Henny:

Wir spielen Kasperle-Theater. Stuttgart 1982. Freies Geistesleben GmbH, S.8ff.). Kasper ist

eine einfältige Figur, die fortwährend Fehler macht (vgl. Spickhoff, Monika: Der Kasperl

kommt aus Butzlabee. Kasperlspiele für die Grundschule. Donauwörth 1992. Ludwig Auer

GmbH, S. 7). Sie unterscheidet sich von den anderen Figuren im derben Tonfal . Kasper wird

im möglichst authentischen bairischen1 Dialekt gesprochen, wogegen die anderen Figuren

möglichst fein erscheinen sol en und hochdeutsch gesprochen werden (vgl. Til 1986, 16).

Kasper verliert nie die Hoffnung. Das Publikum wird stets mit einbezogen, damit er Gefahren

erkennt und seine Abenteuer positiv ausgehen (vgl. Spickhoff 1992, 7).

Kasper hat eine Erziehungsfunktion. Das Publikum sieht ihn in vertrauten Situationen, und er

zeigt ihnen menschliche Untugenden. Auf spielerische Art wird dem Zuschauer ,,der Spiegel

vorgehalten" (vgl. Weissenberg-Seebohm u.a. 1982, 21).

Heute wird Kasper auch als ,,Verkehrskasper" bei der Polizei eingesetzt, um den Kindern

richtiges Verhalten auf der Straße beizubringen (vgl. Til 1986, 18).

Ich habe die Szene ,,Viertes Bild: Im Wald" aus dem Kasperspiel ,,Das Goldkettchen"2

analysiert. Es geht darum, dass ein Krokodil Gretels goldene Kette geklaut hat. Sie ist ein

Erbstück ihrer Großmutter. Kasper und der Wachtmeister suchen gleichermaßen nach dem

Schmuck, um Gretel den Hof zu machen.

Im vierten Bild ist Kasper in den Wald gegangen, um die Halskette vom Krokodil

zurückzuholen. Während er auf das Tier wartet, bekommt er Hilfe von einem Vogel. Der

überreicht ihm eine Pfeife, mit der er das Krokodil anlocken kann und verrät ihm einen

1 In der Sprachwissenschaft wird das Wort mit ′i′ statt ′ye′ geschrieben, um es vom politischen Begriff des

,,Bayerischen" zu unterscheiden. Zu Bayern gehört außer den bairisch sprechenden Altbayern auch Franken und

Bayerisch-Schwaben, deren Dialekte nicht bairisch sind. Der Buchstabe ,,y" im Wort ,,Bayern" wurde im 19.

Jahrhundert durch König Ludwig I. für das gewachsene Staatsgebilde eingeführt (vgl. http://de.wikipedia.

org/wiki/Bairische_Sprache#Adjektive_2).

2 Im Anhang befindet sich das vollständige Kasperspiel mit der Szene ,,Viertes Bild: Im Wald".



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