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Scholary Paper (Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Dipl.-Theol. Christoph Körner
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Tags: Höfischer, Humanismus, Beispiel, Königshofes, Matthias, Corvinus
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 23 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-01256-0
File size: 205 KB
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Abstract
Ungarn als ein zweites Italien!? Vor dem Hintergrund dieses bedeutsamen Motivs für die Verbreitung und Förderung des Humanismus unter König Matthias Corvinus (1443-1490) stellt die Arbeit beispielhaft einige Personen vor, die die humanistische Gesinnung im Ungarn der Matthias-Zeit erkennen lassen. Zudem werden charakteristische Erscheinungsformen der humanistischen Bewegung herausgearbeit, die nicht zuletzt am Hof des Corvinen anzutreffen sind (z. B. Bibliotheksaufbau, Entstehung einer "nationalen" Geschichtsschreibung, Symposien u. a.).
Excerpt (computer-generated)
JOHANN WOLFGANG GOETHE-UNIVERSITÄT
FRANKFURT AM MAIN
Historisches Seminar
Höfischer Humanismus am Beispiel des ungarischen
Königshofes von Matthias Corvinus
Proseminar:
Einführung in das Studium der neueren Geschichte
Seminarteilnehmer: Christoph Körner
Abgabedatum:
21. März 2007
1
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 3
1
Matthias Corvinus: Biographischer Hintergrund 3
2
Humanismus am Hof des Königs Matthias Corvinus 4
2.1
Personen 5
2.1.1
Johannes Vitéz de Zredna (um 1400-1472) 5
2.1.2
Janus Pannonius (1434-1472) 7
2.1.3
Die Familie der Boskowicz von Cernahora 8
2.1.4
Galeotto
Marzio (1427-1497) 8
2.1.5
Antonio Bonfini (1427-1503?) 9
2.2
Formen 10
2.2.1
Antiquarisches Interesse 10
2.2.2
Aufbau einer Bibliothek 11
2.2.3
,,Nationalchronistik" und dichterisches Herrscherlob 12
2.2.4
,,Gastmähler" 12
2.2.5
Universitätsgründung 14
2.2.6
Bautätigkeit 15
2.2.7
Spätgotik und Repräsentation im Stil ,,all′antica" 15
3 Ungarn als ein zweites Italien? 16
Quellen- und Literaturverzeichnis 18
2
Einleitung
,,Pannonien zu einem zweiten Italien zu machen"1 das kann sicher als ein
wesentliches motivierendes Moment nicht nur für König Matthias Corvinus, sondern
überhaupt für die Protagonisten des Humanismus am ungarischen Königshof
angesehen werden. Diesen höfischen Humanismus ausschnittsweise darzustellen,
ist Ziel der vorliegenden Arbeit. Zunächst wird kurz der biographische Hintergrund
zur zentralen Figur des Matthias Corvinus geschildert. Danach folgt das
Hauptkapitel, in dessen ersten Teil einige ausgewählte Personen vorgestellt werden,
die den humanistischen Geist im Umfeld des Königs Matthias geprägt haben.
Sodann werden in einem zweiten Teil überblicksartig charakteristische Formen des
Humanismus am Corvinischen Hof herausgearbeitet, zum Beispiel der Aufbau einer
Bibliothek, das Entstehen ,,nationaler" Geschichtsschreibung oder die Veranstaltung
von Symposien. Den Abschluß bildet eine knappe, auf augenfällige Punkte
reflektierende Zusammenfassung.
1
Matthias Corvinus: Biographischer Hintergrund
Der spätere ungarische Regent Matthias Corvinus wurde am 23. Februar 1443 im
siebenbürgischen Klausenburg, heute in Rumänien gelegen, geboren.2 Innerhalb
einer Generation hatte sich die Familie den Aufstieg in den höheren Adel erkämpft.
Matthias′ Vater Johann Hunyadi (János der Ältere, 1409-1456) amtierte zwischen
1446 und 1456 bereits als Reichsverweser für den Habsburger Ladislaus V.
Posthumus (1440-1457), der seit 1440 König von Ungarn war. 1458, im gleichen
Jahr, in dem Georg von Podiebrad (1420-1471) böhmischer König wurde, wählten
ungarische Adlige den noch nicht ganz 16-jährigen Matthias zum König. Die Regie-
rungszeit des Corvinen war auf der einen Seite vom ständigen Konflikt mit den
Habsburgern, speziell mit Kaiser Friedrich III. (1415-1493), bestimmt, den Matthias′
innenpolitische Feinde 1459 als Gegenkönig proklamiert hatten und in dessen Besitz
1 Antonius de Bonfinis, Rerum Ungaricarum decades, in IV tomis (Bibliotheca Scriptorum Medii
Recentisque Aevorum, Saeculum XV: 10-13), ed. József Fógel/Béla Iványi/László Juhász, Lipsiae
1936-1941, IV, 7, 87: ,,Pannoniam alteram Italiam reddere [...]." (zitiert nach: Klára Pajorin,
L′educazione umanistica e Mattia Corvino, in: Tibor Klaniczay/József Jankovics (Hrsg.), Matthias
Corvinus and the Humanism in Central Europe (Studia Humanitatis. Publications of the Centre for
Renaissance Research, Vol. 10), Budapest 1994, 185-192, hier 189, Anmerkung 17).
2 Zu Matthias′ Vita vgl. Karl Nehring, Matthias: 1. M. I. Corvinus (M. Hunyadi), in: Norbert Angermann
u. a. (Hrsg.), Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München/Zürich 1993, 402f.
3
sich die Stephanskrone befand. Auf der anderen Seite hielt die Bedrohung durch die
Osmanen an, wobei trotz päpstlicher Unterstützung alle Versuche, einen groß
angelegten Kreuzzug zu organisieren, scheiterten. Nach der Eroberung Mährens,
Schlesiens sowie der beiden Lausitzen ließ sich Matthias 1469 gegen Georg von
Podiebrad auch zum König von Böhmen wählen. Ein von ungarischen Größen 1471
angezettelter Komplott scheiterte zwar, doch stützte sich Matthias Corvinus als
Herrscher seitdem vorwiegend auf den katholisch gebliebenen Adel in Böhmen und
Mähren.3 1476 heiratete er in zweiter Ehe Beatrix von Aragon (1457-1508), die
Tochter König Ferdinands von Neapel (1423-1494) und Nichte Alfreds von Aragon,
mit der zusammen einige Humanisten aus Italien an den ungarischen Hof kamen. Im
Jahr 1485 erreichte Matthias nach längerer Belagerung die Einnahme Wiens, wo er
dann in der Folgezeit residierte und schließlich am 6. April 1490 starb. Das von ihm
geschaffene Großreich fiel kurz nach seinem Tod wieder auseinander.4 Seinem
(unehelichen) Sohn Johann Corvinus (1473-1504) gelang es nicht einmal, Matthias′
Nachfolge als König von Ungarn anzutreten.
2
Humanismus am Hof des Königs Matthias Corvinus
Der Königshof des Matthias Corvinus gilt als ,,Zentrum und Kristallisationspunkt des
kulturellen und künstlerischen Lebens"5 der ungarischen Renaissance.6 Die
Bezeichnung ,,Hof" läßt sich in diesem Zusammenhang allerdings weder bloß auf
einen mobilen Personenverband noch auf eine einzige konkrete Örtlichkeit
anwenden. Zum einen existierte an mehreren Orten im Land eine Hofhaltung,
nämlich in Buda (Ofen) und Visegrád, beides gleichberechtigte Residenzen, sowie
ab 1485 teils auch in Wien. Zum anderen war der Hof vor allem als flexibles
personelles und politisches Netzwerk mit Verbindungen in das ganze Land und über
3 Vgl. Ágnes Ritoók-Szalay, Der Humanismus in Ungarn zur Zeit von Matthias Corvinus, in: Winfried
Eberhard/Alfred A. Strnad (Hrsg.), Humanismus und Renaissance in Ostmitteleuropa vor der
Reformation (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, Bd. 28),
Köln/Weimar/Wien 1996, 157-171, hier 167.
4 Vgl. Rainer A. Müller, Humanismus und Universität im östlichen Mitteleuropa, in: Winfried
Eberhard/Alfred A. Strnad (Hrsg.), Humanismus und Renaissance in Ostmitteleuropa vor der
Reformation (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, Bd. 28),
Köln/Weimar/Wien 1996, 245-272, hier 270, Anmerkung 61.
5 Isabella Ackerl, König Mathias Corvinus. Ein Ungar, der in Wien regierte, Wien 1985, 91.
6 Vgl. zur Thematik insgesamt das Kapitel ,,Der Mäzen", in: Jörg K. Hoensch, Matthias Corvinus.
Diplomat, Feldherr und Mäzen, Graz/Wien/Köln 1998, 237-250.
4
dessen Grenzen hinaus strukturiert.7 Daraus ergaben sich wechselnde
Zugehörigkeiten von Personen, die sich auf Phasen der Anwesenheit vor Ort
beschränken oder die auch dann weiter bestehen konnten, wenn keine unmittelbare
örtliche Präsenz mehr gegeben war. Dieses Gefüge spiegelt sich entsprechend in
den Ausprägungen des höfischen Humanismus der Matthias-Zeit wider.
2.1
Personen
Nicht gering war die Zahl der gelehrten Humanisten und der humanistisch Gebildeten
in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Ungarn des Matthias Corvinus. Er
selbst reihte sich in die Schar derer ein, die der humanistischen Bewegung
aufgeschlossen gegenüberstanden, eine entsprechende Bildung genossen hatten
und den Humanismus förderten. Auf die eine oder andere, oft ganz verschiedene
Weise standen die im Folgenden angeführten Humanisten in Beziehung zu seinem
Hof.8
2.1.1 Johannes Vitéz de Zredna (um 1400-1472)
János Vitéz der Ältere gehörte zu den frühesten ungarischen Humanisten.9 Um 1400
in Zredna im Komitat Körös geboren, befand er sich schon vor der Zeit des Matthias
Corvinus im Dienst der ungarischen Herrscher und war viele Jahre unter den
Königen Sigismund und Wladislaus Jagiello sowie unter dem Reichsverweser János
Hunyadi tätig.10 Nach seiner Aufnahme in den geistlichen Stand und einem
zwischenzeitlichen Studium in Wien (um 1434), arbeitete er zunächst als Notar seit
7 Hinsichtlich der Zusammensetzung und Organisation des ungarischen Hofes unter Matthias′
Regierung vgl. András Kubinyi, Matthias Corvinus. Die Regierung eines Königreichs in
Ostmitteleuropa 1458-1490 (Studien zur Geschichte Ungarns, Bd. 2), Herne 1999, 12-19 sowie 30f.
8 Die hier in Auswahl präsentierten Personen, je zwei ungarischer bzw. italienischer Herkunft sowie
Vertreter einer mährischen Adelsfamilie, haben alle über einen längeren Zeitraum kontinuierlich
intensiveren Kontakt mit dem königlichen Hof gepflegt. Daneben könnten gewiß auch noch andere
Repräsentanten des Humanismus an Matthias′ Hof genannt werden, etwa János Filipecz (um 1431-
1509), 1476-1492 Bischof von Wardein (Várad), 1484 zugleich Administrator des Bistums Olmütz, als
Diplomat in des Königs Diensten tätig und ab 1486 außerdem Kanzler, oder der italienische Humanist
Filippo Buonaccorsi (alias Callimachus Experiens, 1437-1496), von dem mehrere Buda-Aufenthalte,
davon wenigstens einer als Gesandter des polnischen Königs Kazimierz IV. Jagielloczyk (1427-
1492), bekannt sind. Vgl. unter anderem Hoensch, Matthias Corvinus, 323, sowie Ackerl, König
Mathias, 92.
9 Vgl. Ackerl, König Mathias, 93.
10 Vgl. Ritoók-Szalay, Humanismus in Ungarn, 159.
5
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