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Politische Kybernetik und ihr Beitrag zum Verständnis politischer Prozesse

Termpaper, 2005, 21 Pages
Author: Malte Wicking
Subject: Politics - International Politics - General

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V84877
ISBN (E-book): 978-3-638-01364-2

File size: 190 KB

Abstract

Es gibt verschiedene Definitionen von Politik, die an unterschiedlichen Stellen ansetzen und die stets aus der Zeit heraus zu verstehen sind, in der sie konstruiert wurden. Der kybernetische Ansatz von Karl W. Deutsch (1912 – 1992) unterscheidet sich von allen anderen Modellen in vielerlei Hinsicht. Es ist ein klar deskriptiver Ansatz, der vor allem helfen soll, politische Prozesse besser und genauer zu verstehen. Dahinter verbirgt sich das normative Ziel, bessere und rationalere Politik zu ermöglichen. Gleichwohl können seine Ansätze viele Impulse für ein besseres Verständnis politischer Prozesse liefern. Dazu werden zunächst drei historische Politikmodelle der politischen Kybernetik skizzenhaft gegenübergestellt (Kapitel 2). Anschließend werden einige Grundbegriffe der Kybernetik erklärt (Kapitel 3). Auf dieser Basis werden die kybernetischen Ansätze Karl W. Deutschs kritisch betrachtet. Dabei wird exemplarisch der Versuch unternommen, kybernetische Begriffe auf politische Systeme anzuwenden und auf die zuvor skizzierten historischen Modelle zu beziehen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Dortmund

Institut für Politikwissenschaft

Seminar: Einführung in die Politikwissenschaft

Politische Kybernetik

und ihr Beitrag zum Verständnis politischer Prozesse



Hausarbeit

Vorgelegt am 7. 7. 2005 von

Malte Wicking

Diplom-Journalistik, 4. Sem.


Inhalt

1.

Einleitung 3

2.

Modelle der Politik 4

2.1

Das kybernetische Modell 4

2.2

Das Verständigungsmodell 4

2.3

Das Machtmodell 4

2.4

Das Heilsmodell 5

2.5

Verschiedene Zugänge zum Verständnis politischer Prozesse 5

3.

Grundbegriffe der Kybernetik 7

3.1

Information 7

3.2

Selbstregulierende Netzwerke der Kommunikation 8

3.3

Rückkopplung 8

3.4

Lernprozesse: Erweiterung vs. Selbstabschließung 8

4.

Politik und Kybernetik 10

4.1

Selbststeuerung einer Gesellschaft 10

4.2

Leistungsfähigkeit von Rückkopplungen 12

4.3

Anwendung der Begriffe ,,load, lag, gain und lead" auf politische Parteien 13

4.4

Funktion eines politischen Systems und Funktionsstörungen 15

4.5

Wille und Macht 15

5.

Fazit 18

6.

Literaturliste 20

2


1. Einleitung

Es gibt verschiedene Definitionen von Politik, die an unterschiedlichen Stellen

ansetzen und die stets aus der Zeit heraus zu verstehen sind, in der sie konstruiert

wurden. In ihnen zeigen sich unterschiedliche philosophische Prämissen,

Hintergründe und Ziele: Aristoteles′ Modell des Politischen hat moralisch-

normative Züge, das von Machiavelli gleicht eher einer Gebrauchsanweisung zum

Machterhalt, aber auch einer ungeschminkten Beschreibung der Macht als

Triebkraft hinter politischem Handeln.1

Der kybernetische Ansatz von Karl W. Deutsch (1912 ­ 1992) unterscheidet sich

von diesen Modellen in vielerlei Hinsicht. Es ist ein klar deskriptiver Ansatz, der

vor allem helfen soll, politische Prozesse besser und genauer zu verstehen.

Dahinter verbirgt sich das normative Ziel, bessere und rationalere Politik zu

ermöglichen. Diese ist in Anbetracht der Lebenszeit Karl W. Deutschs wohl vor

allem zu begreifen als eine Politik, die einen Atomkrieg verhindert und das

Überleben der Menschheit sichert. Gleichwohl können seine Ansätze viele

Impulse für ein besseres Verständnis politischer Prozesse liefern.

Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit kann nicht auf alle Elemente der

kybernetischen Theorie eingegangen werden. Deutschs Vorschläge zur

Quantifizierung der von ihm entwickelten Kategorien beispielsweise konnten nicht

aufgenommen werden. In dieser Arbeit soll vielmehr der Frage nachgegangen

werden, wie nützlich die kybernetische Sicht auf das Politische ist. Wie kann das

kybernetische Modell bereits vorhandene Sichtweisen des Politischen ergänzen?

Dazu werden zunächst drei historische Politikmodelle der politischen Kybernetik

skizzenhaft gegenübergestellt (Kapitel 2). Anschließend werden einige

Grundbegriffe der Kybernetik erklärt (Kapitel 3). Auf dieser Basis werden die

kybernetischen Ansätze Karl W. Deutschs kritisch betrachtet. Dabei wird

exemplarisch der Versuch unternommen, kybernetische Begriffe auf politische

Systeme anzuwenden und auf die zuvor skizzierten historischen Modelle zu

beziehen.

1 Vgl. Meyer, Thomas: Was ist Politik?, Opladen 2003, S. 59

3


2. Modelle der Politik

In dem Buch ,,Was ist Politik"2 wird das kybernetische Modell als eines von vier

Modellen des Politischen vorgestellt. Die weiteren Modelle stammen von

Aristoteles, Augustinus und Machiavelli.

2.1

Das kybernetische Modell

Kybernetik ist die wissenschaftliche Betrachtung von Kommunikations- und

Steuerungsvorgängen in Systemen (zu den Begriffen der Kybernetik siehe Kapitel

3). Das System Gesellschaft, zu dem politische Prozesse gehören, wird begriffen

als ein sich selbst weiterentwickelndes, lernendes System. Nach Karl W. Deutsch

gewährleistet der freie Informationsfluss zwischen den einzelnen Mitgliedern der

Gesellschaft eine optimale Steuerung des gesamten Systems. Sowohl dieses im

Ganzen, wie auch seine Einzelteile, können so jederzeit auf der bestmöglichen

Erkenntnisgrundlage einen Anpassungsprozess vollziehen.3

2.2 Das

Verständigungsmodell

Das Modell von Aristoteles (384-322 v. Chr.) basiert auf einem

Verständigungsprozess unter Gleichen. Das gelang durch die Trennung der

politischen Ebene (Polis) von der privaten, dem Haushalt (Oikos). Im privaten

Haushalt herrscht ein Oberhaupt über die anderen: der Mann. In der Sphäre der

Polis ist der Mann aber ein Gleicher unter Gleichen. Diese Trennung und

Charakterisierung war bahnbrechend, denn von nun an musste jede Herrschaft

vor den Gleichen, die regiert wurden, gerechtfertigt werden.4

2.3 Das

Machtmodell

Niccolò Machiavelli (1469-1527) definiert in seinem Werk ,,Der Fürst" Politik als die

Gesamtheit der Techniken für die Errichtung und Aufrechterhaltung staatlicher

Macht um jeden Preis. Alle anderen Ziele und Werte sind diesem obersten Ziel

2Meyer, Thomas: Was ist Politik?, Opladen 2003, S. 51-65

3 Vgl. ebd., S. 65

4 Vgl. ebd., S. 52-53

4


untergeordnet. Jedes Mittel ist gerechtfertigt, wenn es der Machtsicherung dient.

Nur durch einen stabilen Machtfaktor kann in einer Welt, in der alle nach

egoistischen Zielen streben, eine Ordnung aufrechterhalten werden. Machiavelli

war der Erste, der Prinzipien politischen Handelns beschrieb, ohne ihnen

normative Ideen zugrunde zu legen.5

2.4 Das

Heilsmodell

Für Augustinus Aurelius (354-430) ist die Erlösung durch Gott das Endziel.

Diesem Ziel ist alles untergeordnet. Politik findet ihre Legitimation darin, der

Erlösung zu dienen. Das Heil kann allerdings von keinem Menschen auf Erden

beeinflusst werden. Außerdem wird das Heil nur durch Überwindung des Irdischen

erreicht. Die Politik dagegen ist etwas Irdisches.

Bei Augustinus geht es nicht um Partizipation oder Kommunikation. Es spielt des

weiteren keine Rolle, welche Mittel in der Politik eingesetzt werden. Politik ist nur

dann

relativ

gut, wenn sie einen Anteil zur Erreichung des Heils leistet. Das legt

nahe, dass sie am besten ist, wenn diejenigen Politik machen, die auf der Erde

gottgefällig handeln. Übrig bleibt immer ein innerer Widerspruch: Der weltliche

Charakter von politischem Handeln und sein überweltliches Ziel.6

2.5

Verschiedene Zugänge zum Verständnis politischer Prozesse

Die beschriebenen Modelle entstanden zu unterschiedlichen Zeiten, in denen

jeweils andere Paradigmen herrschten. Jeder der genannten Denker musste sich

im Kontext seiner Zeit fragen: Was kann und soll Politik leisten? Auf welcher

Grundlage kann man agieren?

Aristoteles verließ sich auf die traditionell überlieferte Sittlichkeit. Er versuchte, die

Demokratie zu stabilisieren, unter anderem durch die Mäßigung von Konflikten

durch den Diskurs unter Gleichen. Für Augustinus war das Christentum die

absolute Größe. Warum aber hatte das christliche Rom im Jahr 410 den Angriffen

der Westgoten nicht standgehalten? Augustinus musste also, um das Christentum

nicht zu relativieren, das Verhältnis von Politik und Religion neu bestimmen. Für

5 Vgl. Meyer, Thomas: Was ist Politik?, Opladen 2003, S. 57-59

6 Vgl. ebd., S. 59-63

5



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