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Hauptseminararbeit, 2006, 15 Seiten
Autor: Bachelor of Arts Sophie Loschert
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Universität Konstanz (Fachbereich Literaturwissenschaft)
Tags: Brünhild, Macht, Machtverlust, Nibelungenlied
Jahr: 2006
Seiten: 15
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-01579-0
ISBN (Buch): 978-3-638-91813-8
Dateigröße: 135 KB
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Zusammenfassung / Abstract
1. Einleitung Macht ist im Mittelalter scheinbar nur Männern vorbehalten, denn Frauen werden systematisch von politischer Macht ausgeschlossen und auf den privaten Raum beschränkt. Zudem wird Macht auch zwangsläufig mit Gewalt in Verbindung gebracht. Dies zeigt sich schon auf semantischer Ebene. Das mhd. Wort „gewalt“ kann unter anderem mit „Macht“ übersetzt werden. Physische Stärke ist „integrativer Bestandteil von Männlichkeit“ . Frauen hingegen haben der höfischen Norm zu entsprechen, d.h. „gehorsam, treu und ‚keusch’ (kiusche) zu sein, ihren Mann als Herrn anzuerkennen und seinen Befehlen Folge zu leisten.“ Die Frau besitzt keine Macht und kann lediglich „manipulativ“ aus dem privaten in den öffentlichen Raum wirken. Ihre Macht leitet sich zudem von der gesellschaftlichen Stellung ihres Mannes ab. Ein ganz anderes Bild wird vermeintlich im Nibelungenlied gezeichnet. Elisabeth Lienert spricht von einer „scheinbaren Inversion“ . Macht und Gewalt sind nicht nur Männern vorbehalten, auch Frauen verwenden physische Kraft und scheinen somit in Besitz von Macht zu sein. Des Weiteren verfügen sowohl Brünhild als auch Kriemhild über einen beträchtlichen Besitz und sind schon von daher „mächtig“. Im Folgenden soll die Brünhildfigur näher betrachtet werden. Sie befindet sich zwischen Macht und Machtverlust. Anhand der Analyse soll gezeigt werden, dass das weibliche Ideal der frouwe, die dem Mann untertan ist und die ihre eigene Macht aufgibt, auch hier durchscheint und inwiefern die Darstellung einer „mächtigen Frau“ nur als Angst- und Wunschprojektion einer männlichen Autorschaft zu werten ist. Brünhild vollzieht einen Wandel von der eigenständigen Königin, die in ihrem Reich herrscht, zur unterlegenen Ehefrau. Dieser Wandel wird in der Forschungsliteratur verschieden gedeutet: als Kampf zwischen den Geschlechtern und als Wandel von der charismatischen Herrschaft zur traditionellen. Bedeutend ist hier auch der Antagonismus von minnechlîches wîp und tiuveles wîp, der in der Brünhildfigur angelegt ist. In einem ersten Schritt wird Brünhilds Macht auf Isenstein und die erste Machtverminderung durch den Sieg Gunthers, den er ja nur mit Hilfe Siegfrieds erringt, betrachtet. In einem weiteren Schritt wird Brünhilds Aufbegehren und ihr endgültiger Machtverlust, durch die „Vergewaltigung“ durch Siegfried und Gunther, nachgezeichnet.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Konstanz, Fachbereich Literaturwissenschaften
Sommersemester 2006, 4. Semester
Seminar: Das Nibelungenlied
Brünhild zwischen Macht und Machtverlust
von
Sophie Loschert
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG... 3
2. MACHT UND MACHTMINDERUNG... 4
3. AUFBEGEHREN UND ENDGÜLTIGER MACHTVERLUST... 7
4. ZUSAMMENFASSUNG... 11
5. LITERATURVERZEICHNIS... 13
1. Einleitung
Macht ist im Mittelalter scheinbar nur Männern vorbehalten, denn Frauen werden systematisch von politischer Macht ausgeschlossen und auf den privaten Raum beschränkt.1 Zudem wird Macht auch zwangsläufig mit Gewalt in Verbindung gebracht.2 Dies zeigt sich schon auf semantischer Ebene. Das mhd. Wort „gewalt“ kann unter anderem mit „Macht“ übersetzt werden. Physische Stärke ist „integrativer Bestandteil von Männlichkeit“3. Frauen hingegen haben der höfischen Norm zu entsprechen, d.h. „gehorsam, treu und ‚keusch’ (kiusche) zu sein, ihren Mann als Herrn anzuerkennen und seinen Befehlen Folge zu leisten.“4 Die Frau besitzt keine Macht und kann lediglich „manipulativ“ aus dem privaten in den öffentlichen Raum wirken.5 Ihre Macht leitet sich zudem von der gesellschaftlichen Stellung ihres Mannes ab.
Ein ganz anderes Bild wird vermeintlich im Nibelungenlied gezeichnet. Elisabeth Lienert spricht von einer „scheinbaren Inversion“6. Macht und Gewalt sind nicht nur Männern vorbehalten, auch Frauen verwenden physische Kraft und scheinen somit in Besitz von Macht zu sein. Des Weiteren verfügen sowohl Brünhild als auch Kriemhild über einen beträchtlichen Besitz und sind schon von daher „mächtig“.7
Im Folgenden soll die Brünhildfigur näher betrachtet werden. Sie befindet sich zwischen Macht und Machtverlust. Anhand der Analyse soll gezeigt werden, dass das weibliche Ideal der frouwe, die dem Mann untertan ist und die ihre eigene Macht aufgibt, auch hier durchscheint und inwiefern die Darstellung einer „mächtigen Frau“ nur als Angst- und Wunschprojektion einer männlichen Autorschaft zu werten ist.
Brünhild vollzieht einen Wandel von der eigenständigen Königin, die in ihrem Reich herrscht, zur unterlegenen Ehefrau. Dieser Wandel wird in der Forschungsliteratur verschieden gedeutet: als Kampf zwischen den Geschlechtern und als Wandel von der charismatischen Herrschaft zur traditionellen. Bedeutend ist hier auch der Antagonismus von minnechlîches wîp und tiuveles wîp, der in der Brünhildfigur angelegt ist. In einem ersten Schritt wird Brünhilds Macht auf Isenstein und die erste Machtverminderung durch den Sieg Gunthers, den er ja nur mit Hilfe Siegfrieds erringt, betrachtet. In einem weiteren Schritt wird Brünhilds Aufbegehren und ihr endgültiger Machtverlust, durch die „Vergewaltigung“8 durch Siegfried und Gunther, nachgezeichnet.
2. Macht und Machtminderung
Brünhilds Ruf einer „Amazone“ eilt ihr voraus.9 Amazonen entstammen der griechischen Mythologie. Jerold Frakes fasst die „Amazon legend“ folgendermaßen zusammen: Amazon „women are warriors; they rule and rule well; they act for their own desire and will; they refuse any sexual relationship that subordinates them (marriage); they fight to preserve their independence; they make sexual use of men according to their desire”10
Amazonen besitzen aber nicht nur physische Stärke und damit eine “typisch” männliche Eigenschaft, sondern sind auch besonders schön. „The Amazon possesses the most outstanding (…) characteristics of both genders.“11 Da sie jedoch dadurch als “quintessentialy Other” konstruiert sind, werden sie marginalisiert.12
Auch Brünhild wird schon durch ihren Aufenthaltsort, Isenstein13, marginalisiert und als „außerhalb der höfischen Gesellschaft stehend“14 gekennzeichnet. So konstatiert Otfrid Ehrismann „über sê liegt oftmals der epische Ort junger Königinnen, und das spezifische Raumprogramm des Erzählertyps der gefährlichen Brautwerbung trennt die Machtbereiche‚ durch eine allermeist als Meer erscheinende Schwellenwelt’“15. Auch Brünhild besitzt, wie die Amazonen, beides, Schönheit und Stärke. Ez was ein küneginne gezessen über sê, ir gelîche enheine man wesse nider mê. Diu was unmâzen scoene, vil michel was ir kraft. (326,1ff) Doch wird vor der Brautfahrt Gunthers besonders vor ihrer Stärke gewarnt und darauf hingewiesen, dass sie von dieser durchaus Nutzen mache.
[...]
1 Jerold C. Frakes, Brides and Doom. Gender, Property, and Power in Medieval German Women’s Epic, Philadelphia 1994, S. 52.
2 Elisabeth, Lienert, Geschlecht und Gewalt im ‚Nibelungenlied’, in: ZfdA 132 (2003), S.3-23, S. 4. Durch die Gewalttat wird Macht konstituiert und ausgeübt.
3 Ebd., S. 4.
4 Bernd Thum (Hg.), Gegenwart als kulturelles Erbe. Ein Beitrag der Germanistik zur Kultur wissenschaft deutschsprachiger Länder, München 1985. S. 96.
5 Frakes (wie Anm.1), s. 97. somit ist weibliche Macht negativ konnotiert
6 Lienert (wie Anm.2), S. 5.
7 Auf den Zusammenhang von Macht und Besitz hat Frakes hingewiesen denn, „ since power cannot be used as a verb, it ‘inevitably takes on properties of a substance (…)’. Thus any definition must indicate the conditions of possession and use.” 7 Frakes (wie Anm. 1), S. 96.
8 Monika Schausten konstatiert: „Die Schilderung dieser Szene läßt es durchaus zu, von einer Vergewaltigung Brünhilds zu sprechen“. In: Monika Schausten, Der Körper des Helden und das „Leben“ der Königin: Geschlechter- und Machtkonstellationen im „Nibelungenlied, in: ZfdPh 118 (1999), S. 27-49, S. 42. Auch Jerold C. Frakes spricht von Vergewaltigung und weist darauf hin, dass „Mary Fleet may have been the first scholar to have used the word rape to identify and name these actions.” In: Frakes (wie Anm. 1), S. 110. Auch Fritz Peter Knapp weist darauf hin, dass hier “aus rein männlicher Perspektive (…) ‚von der verbrecherischen und intriganten Zerstörung der Frau, ihrer politischen und menschlichen Würde’“ erzählt wird. In: Fritz Peter Knapp, Eine unsanfte Brautnacht oder wie lustig waren die Nibelungen in alter und neuer Zeit?, in: Klaus Zatloukal, Die Rezeption des Nibelungenliedes, Wien 1995, S. 109-126, S. 112.
9 Frakes weist darauf hin, dass „the term Amazon occurs relatively frequently in the scholarly literature on the Nibelungenlied as a designation of Brünhild.“ Frakes (wie Anm.1), S. 146.
10 Ebd., S. 145.
11 Ebd., S. 142.
12 „Such double features in a single person cause the erasure of gender boundaries and thus here too Amazons inhabit the margin, partaking of both sides. Ebd., S. 142.
13 „Der Ort wird (…) Isenstein (382,3; zu mhd. îsen „Eisen“ und stein „Fels“), das auf Island (zu mhd. îs „Eis“ genannt.“ In: Otfrid Ehrismann, Nibelungenlied. Epoche – Werk – Wirkung, (Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte), München 2002, S. 79.
14 Katharina Freche, Von zweier vrouwen bâgen wart vil manic helt verlorn. Untersuchungen zur Geschlechterkonstruktion in der mittelalterlichen Nibelungendichtung, Trier 1999, S. 121.
15 Ehrismann (wie Anm. 13), S. 78.
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