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Untertitel: Ein Architektur–Diskurs
Fachbuch, 2008, 77 Seiten
Autor: Dipl. Werner Nehls
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Details
Jahr: 2008
Seiten: 77
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-90964-8
ISBN (Buch): 978-3-638-91140-5
Dateigröße: 5235 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Seit Bestehen der Postmoderne gibt es auch in der Architekturdebatte eine zähe Auseinandersetzung um die Etikettierungsfrage: „Zweite Moderne“ oder „Postmoderne“? a) Modernisten wollen durch eine ständig erneuerte, „modifizierte“, „revidierte“, „erweiterte“, „geläuterte“ Moderne das Etikett „ Moderne“ / „Spätmoderne“ erhalten, Postmodernisten keine eigenständige Epoche zugestehen. Die Fehlentwicklungen der Moderne werden merkwürdig verdrängt. b) Postmodernisten meinen, dass über die ökologischen Defizite hinaus fundamentale ideologische, gesellschaftspolitische und gestalterische Positionen ihrer Vorgänger nicht mehr haltbar sind und sie deshalb eine eigene Epoche beanspruchen können. Sie vermochten jedoch ihren „Widerspruch“ (noch?) nicht konkret zu formulieren, weisen deshalb ein „theoretical lag“ auf. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um den altbekannten Streit linker oder rechter Auffassungen . Altmoderne, Zweite Moderne,Hochmoderne, Transmoderne versus Postmoderne. Vorerst wird er als Hegemonie.Gerangel ausgetragen. Darüber vernachlässigt(e) man das kritische Hinterfragen von Ursachen und Inhalten und nicht selten ein gewisses Maß an Intelligenz. Die Bauhausenkel verspielten in der Nachkriegszeit das bei allen Mängeln einzigartige Erbe. Sie glaubten, das bloße „Kupfern“ der Bauhausformen, ihr Vermarkten und Abwehr von Laien- wie Fachkritik reiche aus. Nun rächt sich das lange blinde, unkritische Bejubeln und Verklären ebenso wie die „Duldungsstarre“ der Gegenseite.
Textauszug (computergeneriert)
Zweite Moderne oder Postmoderne?
Ein Architektur–Diskurs
von
Werner Nehls
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ...5
1 Probleme der Moderne / Postmoderne–Debatte ...8
1.1 Kontroverse Standpunkte ...8
1.1.1 Altmodernisten...8
1.1.2 Befürworter einer 2. Moderne ...9
1.1.3 Postmodernisten...10
1.1.4 Die Hegemoniefrage...11
1.2 Sprachliche und methodische Mängel ...11
1.2.1 Mangelnde Begriffsklarheit ...11
1.2.2 Ausblenden des „Ismus“ ...12
1.2.3 Missbrauch des Kausalnexus ...12
1.2.4 Vernachlässigung gesellschaftspolitischer Ziele ...13
1.2.5 Fehlen der kritischen Komponente ...14
1.2.6 Dürftige Architekturtheorie, verklärende Historie ...15
2 Moderne als Epoche...16
2.1 Abgrenzung historischer Epochen ...16
2.1.1 „Erneuerte“ Endlosmoderne?...16
2.1.2 Zweite und dritte Moderne ...16
2.1.3 Moderne−Bezeichnungen...17
2.1.4 Unterscheidung von „spät“ und „nach“ ...18
2.1.5 Bestimmung der Früh-, Hoch- und Spätmoderne ...18
3 Bauhaus und Marxismus ...21
3.1 Marxismus, Bolschewismus, Sozialismus...21
3.1.1 Wie weit links war das Bauhaus? ...21
3.1.2 Ein verheimlichtes Kapitel...22
3.2 Proletkult ...23
3.2.1 Bauhaus und Proletkult...23
3.2.2 Definition...24
3.2.3 Proletkultphasen ...26
3.3 Kollektive Architektur ...30
3.3.1 Beseitigung bürgerlicher Gebäudeformen ...30
3.3.2 Funktionalistische Bauschäden ...31
3.3.3 Kollektiver Städtebau...33
3.3.4 Stadtbrachen entstehen aus Gehirnbrachen ...37
3.4 Selbstkritik der Pioniere ...38
3.4.1 Ein weiteres verdrängtes Kapitel ...38
3.4.2 Gropius` „Widerruf“ des Bauhauses ...38
3.4.3 Mies` Zweifel...41
3.4.4 Umkehr von Hilberseimer ...41
3.4.5 Werkbund − „Verrat“ an der Moderne ...41
4 Postmoderne als Opposition...43
4.1 Fehlinterpretationen ...43
4.1.1 Wiederbelebung und Fortsetzung der Moderne? ...43
4.1.2 Verabschiedung der Postmoderne? ...43
4.1.3 Reaktionäre Modernisten...44
4.1.4 Reaktionäre Postmodernisten...44
4.2 Missverständnisse des Postmodernismus...45
4.2.1 Beispiele ...45
4.3 Der Faschismus−Vorwurf...48
4.4 Beispiele gegensätzlicher Meinungen ...49
4.4.1 Pro ...49
4.4.2 Contra ...50
4.5 Vollständige Sicht bisheriger Postmoderne ...52
4.5.1 Allgemeines ...52
4.5.2 Architektonische Zweige der Postmoderne ...52
4.6 Postmoderne Architektur in China ...56
5 Folgerungen ...64
5.1 Mittelfristige Korrekturen ...64
5.1.1 Verzicht auf die Nullpunkt−Illusion ...64
5.1.2 Begriffsklärungen...64
5.1.3 Reduktion des Funktionalismus / Rationalismus ...65
5.1.4 Architektur entmarxen und entleninisieren ...66
5.1.5 Rehabilitierung eliminierter Bereiche ...66
5.1.6 Übereinstimmung von Architektur und Gesellschaft ...66
5.2 Langfristige Ziele...68
5.2.1 Modifikation und Opposition ...68
5.2.2 Holistisches Bewusstsein...69
Nachwort ...71
Anmerkungen...73
Abbildungen ...74
Literatur ...75
Vorwort
Seit Bestehen der Postmoderne gibt es auch in der Architekturdebatte eine zähe Auseinandersetzung um die Etikettierungsfrage: „Zweite Moderne“ oder „Postmoderne“?
a) Modernisten wollen durch eine ständig erneuerte, „modifizierte“, „revidierte“, „erweiterte“, „geläuterte“ Moderne das Etikett „ Moderne“ / „Spätmoderne“ erhalten, Postmodernisten keine eigenständige Epoche zugestehen. Die Fehlentwicklungen der Moderne werden merkwürdig verdrängt.
b) Postmodernisten meinen, dass über die ökologischen Defizite hinaus fundamentale ideologische, gesellschaftspolitische und gestalterische Positionen ihrer Vorgänger nicht mehr haltbar sind und sie deshalb eine eigene Epoche beanspruchen können. Sie vermochten jedoch ihren „Widerspruch“ (noch?) nicht konkret zu formulieren, weisen deshalb ein „theoretical lag“ auf.
Vereinfacht gesagt, handelt es sich um den altbekannten Streit linker oder rechter Auffassungen . Altmoderne, Zweite Moderne, Hochmoderne, Transmoderne versus Postmoderne. Vorerst wird er als Hegemonie-Gerangel ausgetragen. Darüber vernachlässigt(e) man das kritische Hinterfragen von Ursachen und Inhalten und nicht selten ein gewisses Maß an Intelligenz.
Die Bauhausenkel verspielten in der Nachkriegszeit das bei allen Mängeln einzigartige Erbe. Sie glaubten, das bloße „Kupfern“ der Bauhausformen, ihr Vermarkten und Abwehr von Laien- wie Fachkritik reiche aus. Nun rächt sich das lange blinde, unkritische Bejubeln und Verklären ebenso wie die „Duldungsstarre“ der Gegenseite.
Das Erbe selbst wurde zu einer gigantischen asozialen, finanziellen und funktionellen Belastung. Mittlerweile wird quadratkilometerweise davon weggesprengt oder stürzt von selbst ein, dies nach manchmal nur 30 Jahren Standzeit. Prestigeträchtige Bauaufträge gehen an ausländische Büros, selbst im Ausland müssen bundesdeutsche Architekten anderes abliefern als die gewohnte „neue sachlichkeit“, Bauträger planen und bauen das Verkaufbare.
Mittlerweile reagiert die Architektenschaft und ihre Verbandsfunktionäre verstört und orientierungslos. Nicht Fragen der Baukultur bewirkten Nachdenklichkeit und sporadische Selbstkritik, sondern das dramatisch eingebrochene Geschäft, steigende Energiepreise und die Nachhaltigkeit postmoderner Architektur.
[...]
1 Probleme der Moderne / Postmoderne–Debatte
1.1 Kontroverse Standpunkte
Der Moderne / Postmoderne–Diskurs begann in den 60er Jahren in den USA und Frankreich, zunächst auf literarischem Gebiet. Anfangs der 1970er Jahre folgten Kunst und Architektur in mehreren Ländern, Italien, Österreich, Großbritannien, USA. Charles Jencks setzte mit seinem Bestseller >Die Sprache der postmodernen Architektur< 1978 ein Signal in Europa. Seither breitete sie sich ungeachtet modernistischer Ignoranz und propagandistischen Widerstands weltweit aus. Jencks: „Post-Modernismis now a worldwide movement in all the arts and disciplines”. (2007). ... Wie bei allen Paradigmenwechseln stehen die Fragen Ablösung oder / und Weiterführung mit oder ohne Modifikation im Raum, sie lösen widerstreitende Diskussionen aus. Bei deren Beurteilung sind drei Lager oder Einstellungen zu berücksichtigen:
1.1.1 Altmodernisten
Die Vertreter der „1. Moderne“ sind strikt gegen die Postmoderne, wollen den „status quo ante“ erhalten. Vor allem bekämpfen sie die Bezeichnung „Postmoderne“. Jan Lenssen nennt den Grund: „Der Begriff Postmoderne ist umstritten, da mit ihm die Epoche der Moderne abgelöst würde". (www. whv.shuttle.de, 2005). Zu ihnen gehören der Werkbund, die Mehrzahl bundesdeutscher Lehrstühle, Alt- und Postfunktionalisten.
Einige hatten die Postmoderne voreilig schon in den 80er Jahren verabschiedet (Prof. G. Kähler, K.–D. Weiß ). Sie sahen diese nur als Mode, „eine unbedeutende Fußnote in der Architekturgeschichte“ (Prof. J. Posener, 1979). In Polen kam noch im Jahr 2000 eine internationale Konferenz zu dem Schluss, „die Moderne ist eine Architektur jenseits von Moden und die Postmoderne nur eine Mode“, sie sei Disneyland– Architektur und keine Bewegung, weise keine wesentlichen Qualitäten für irgendwelche Dauerhaftigkeit auf, ihre Tage seien gezählt und sie würde vorübergehen wie Charleston und Krinoline. ... Nun, diese „gezählten Tage“ halten mittlerweile seit fast 40 Jahren an und nichts deutet auf ihr Ende.
Alles, was vom Bauen der Pioniere abweicht, ist für sie ein Rückfall in Eklektizismus, Irrationalität, Unsachlichkeit, Anti–Aufklärung, Faschismus, unsoziale Reaktion, „Gartenzwergkultur“. Sie fordern ein Zurück zur klassischen Moderne (A. Sokal,W. Durth, I. Flagge, Chr. Thalgott, B. Schmidt, K. Schmitz, R. Behrens, Werkbund u.a.). Diese Gruppe wird hier als „reaktionäre Modernisten“ bezeichnet.
Es ist kein Zufall, dass zu ihren Vertretern Alt–Marxisten gehören. (R. Kurz , D. Walsh, E. Bloch, u.a.). Sie „giften“ mit allem, was der >Diamat< und >Histomat< hergibt, gegen die Postmoderne. Stellvertretend für marxistische Positionen und Denkfehler soll diejenige von Frederic Jameson I stehen: In der Moderne und Postmoderne habe alles den gleichen Grad der Rationalisierung, deshalb seien Moderne und Post moderne nicht unterschiedlich und die Postmoderne lediglich eine „Vollendung der Moderne, ihre bloße Weiterführung, eine Hochmoderne“ und „die Postmoderne ist von Vorurteilen gegenüber der Moderne geprägt.“ (1984). Die Sprachregelung „Ressentiments“ besteht seit Gropius und Giedion und geht am Kern des Widerstands vorbei, mehr noch, sie unterstellt der Gegenseite nur niedere Instinkte, verschweigt den radikal anti-bourgeoisen Übergriff.
[...]
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