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Alexander S. Neill und seine Schule Summerhill

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 28 Pages
Author: Minou Lüngen
Subject: Pedagogy - Reform Pedagogics

Details

Event: Erziehungs- und Bildungskonzepte der Reformpädagogik
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Institut für Pädagogik)
Tags: Alexander, Neill, Schule, Summerhill, Erziehungs-, Bildungskonzepte, Reformpädagogik
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V86679
ISBN (E-book): 978-3-638-02704-5

File size: 188 KB

Abstract

Die vorliegende Hausarbeit „Alexander S. Neill und seine Schule Summerhill“ entstand im Rahmen des Seminars „Erziehungs- und Bildungskonzepte der Reformpädagogik“. Zunächst findet eine zeitliche Einordnung des Themas statt. Die Entstehung der Reformpädagogik wird beschrieben und die dadurch entstandene neue Sicht der Kindheit, die neue Anforderungen an den Erzieher und die Schule mit sich brachte. Zusätzlich wird die Internationalität der Reformpädagogik unter besonderer Berücksichtigung Englands, wo die Schule heute zu finden ist, beschrieben. Anschließend geht die Arbeit ausführlich auf den Begründer Summerhills Alexander S. Neill und die Entstehung der Summerhill-Schule ein. Es wird verdeutlicht, in wie fern Neills Lebenserfahrungen die wesentlichen Grundsätze seiner Pädagogik beeinflusst haben. Daran anschließend werden die Grundsätze und Ziele der Schule verdeutlicht. Das Kapitel Summerhill heute zeigt die Struktur der Schule und ihre besonderen Merkmale. Besondere Beachtung haben dabei das Freiwilligkeitsprinzip und die Selbstverwaltung. Danach wird auf eine Schulinspektion, wie sie in Großbritannien üblich sind, aus dem Jahr 1999 eingegangen. Durch die Darstellung einzelner Paragraphen aus dem Bericht der Schulinspektion werden positive und negative Aspekte Summerhills aufgegriffen. Resultat des Berichtes war eine Gerichtsverhandlung, in der es um eine drohende Schließung der Schule ging. Abschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen Summerhills kritisch dargestellt. Die Reformpädagogik entstand zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. Es handelte sich hierbei um keine einheitliche Bewegung, sondern ging vielmehr um „disparate, teilweise widersprüchliche Reforminitiativen einer ‚neuen Erziehung’, die sich nach der Jahrhundertwende unabhängig voneinander entwickelten, öffentliche Resonanz gewannen und zwei Jahrzehnte später am Ende der Weimarer Republik, im wissenschaftlichen Diskurs als ‚Reformpädagogik’ zusammengefasst wurden. Ziel dieser „neuen Pädagogik“ war eine Reform von Erziehung, Schule und Unterricht in Europa und den USA. Bei aller Heterogenität der Reformlinien gab es drei Hauptthemen, die sich in den Vordergrund pädagogischen Interesses schoben: die Entwicklung, die Natur und die Individualität des Kindes. „In den Schulen, so die übereinstimmende Klage, verkümmere die Individualität des Kindes, weil seine ‚Natur’ und deren ‚Entwicklung’ systematisch missachtet werde.


Excerpt (computer-generated)

Ruhr-Universität Bochum

Institut Für Pädagogik

PS: Erziehungs- und Bildungskonzepte der Reformpädagogik

SoSe 2007








Alexander S. Neill und seine Schule Summerhill


















Minou Lüngen


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 3

2 Der historische Hintergrund Summerhills 4

2.1 Die Entstehung der Reformpädagogik 4

2.2 Die neue Sicht der Kindheit 4

2.3 Neue Anforderungen an die Schule und den Erzieher 5

2.4 Die Internationalität der Reformpädagogik unter besonderer Berücksichtigung

Englands 7

3 Alexander S. Neill: Lebenslauf und Lebenswerk 9

3.1 Kindheit und Jugend 9

3.2 Berufliche Laufbahn und Studium 9

3.3 Homer Lane und Neills Rückkehr in den Schuldienst 11

3.4 New Era und die Verwirklichung der Schulidee 12

3.5 Neill und Wilhelm Reich 13

3.6 Neill und Summerhill ab 1940 13

3.7 Zusammenfassung 14

4 Grundsätze und Ziele von Summerhill 16

5 Summerhill heute 17

5.1 Fakten 17

5.2 Der Unterricht: Das Freiwilligkeitsprinzip 18

5.3 Selbstbestimmung und Selbstverwaltung 19

6 Schulinspektion im März 1999 21

7 Möglichkeiten und Grenzen der Schule 23

Literaturverzeichnis 26

2


1

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit ,,Alexander S. Neill und seine Schule Summerhill" entstand im

Rahmen des Seminars ,,Erziehungs- und Bildungskonzepte der Reformpädagogik".

Zunächst findet eine zeitliche Einordnung des Themas statt. Die Entstehung der

Reformpädagogik wird beschrieben und die dadurch entstandene neue Sicht der Kindheit, die

neue Anforderungen an den Erzieher und die Schule mit sich brachte. Zusätzlich wird die

Internationalität der Reformpädagogik unter besonderer Berücksichtigung Englands, wo die

Schule heute zu finden ist, beschrieben.

Anschließend geht die Arbeit ausführlich auf den Begründer Summerhills Alexander S. Neill

und die Entstehung der Summerhill-Schule ein. Es wird verdeutlicht, in wie fern Neills

Lebenserfahrungen die wesentlichen Grundsätze seiner Pädagogik beeinflusst haben.

Daran anschließend werden die Grundsätze und Ziele der Schule verdeutlicht.

Das Kapitel Summerhill heute zeigt die Struktur der Schule und ihre besonderen Merkmale.

Besondere Beachtung haben dabei das Freiwilligkeitsprinzip und die Selbstverwaltung.

Danach wird auf eine Schulinspektion, wie sie in Großbritannien üblich sind, aus dem Jahr

1999 eingegangen. Durch die Darstellung einzelner Paragraphen aus dem Bericht der

Schulinspektion werden positive und negative Aspekte Summerhills aufgegriffen. Resultat

des Berichtes war eine Gerichtsverhandlung, in der es um eine drohende Schließung der

Schule ging.

Abschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen Summerhills kritisch dargestellt.

3


2

Der historische Hintergrund Summerhills

2.1 Die Entstehung der Reformpädagogik

Die Reformpädagogik entstand zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. Es handelte sich

hierbei um keine einheitliche Bewegung, sondern ging vielmehr um ,,disparate, teilweise

widersprüchliche Reforminitiativen einer ,neuen Erziehung′, die sich nach der

Jahrhundertwende unabhängig voneinander entwickelten, öffentliche Resonanz gewannen

und zwei Jahrzehnte später am Ende der Weimarer Republik, im wissenschaftlichen Diskurs

als ,Reformpädagogik′ zusammengefasst wurden.1 Ziel dieser ,,neuen Pädagogik" war eine

Reform von Erziehung, Schule und Unterricht in Europa und den USA. Bei aller

Heterogenität der Reformlinien gab es drei Hauptthemen, die sich in den Vordergrund

pädagogischen Interesses schoben: die Entwicklung, die Natur und die Individualität des

Kindes. ,,In den Schulen, so die übereinstimmende Klage, verkümmere die Individualität des

Kindes, weil seine ,Natur′ und deren ,Entwicklung′ systematisch missachtet werde."2 Diese

Schulkritik war jedoch nur ein Teil einer kritischen Auseinandersetzung mit der

vorherrschenden kulturellen Lebenssituation der Gesellschaft, die durch enorme soziale und

gesellschaftliche Prozesse, wie die Industrialisierung und damit einhergehend

Bevölkerungswachstum, Technisierung Arbeiterbewegung und Verstädterung geprägt war.

Die Kulturkritik beinhaltete den Glauben, ,,durch Erziehung eine bessere Zeit mit besseren

Menschen herbeiführen zu können"3 in einer Zeit, die durch einen ,,Verlust echter

schöpferischer Individualität"4 gekennzeichnet war. ,,Kunst und Philosophie seien kraftlos

geworden, seien durch seelenlose Wissenschaft, die immer mehr, aber immer sinnloseres

Wissen produziere, abgelöst worden."5

2.2 Die neue Sicht der Kindheit

In jeder Gesellschaft haben Kinder und Jugendliche eine bestimmte Stellung. Charakteristisch

für die pädagogische Reformbewegung war eine so genannte ,,Bewegung vom Kinde aus".

In früheren Zeiten war der Abstand zwischen Kind und Erwachsenem enorm, da das

psychologische Einfühlungsvermögen in das Kind gering war. Allein die Vorbereitung auf

1 Vgl. Baumgart, Franzjörg (Hrsg.): Erziehungs- und Bildungstheorien. Erläuterungen ­ Texte ­

Arbeitsaufgaben. Bad Heilbrunn 22001, S.121

2 Ebd., S. 122

3 Scheibe, Wolfgang: Die reformpädagogische Bewegung 1900-1932. Eine einführende Darstellung. Weinheim

(1969) 101994, S.5

4 Baumgart, a.a.O, S.123

5 Ebd.

4


die Erwachsenenwelt schien Sinn zu machen. Das Kind wurde nicht als Kind sondern als

kleiner Erwachsener gesehen.6

Mit der Reformpädagogik entstand eine neue Sicht der Kindheit. Das Kind trat in den

Mittelpunkt erzieherischen Denkens und Handelns. Das Kind wurde nicht mehr am Maßstab

des Erwachsenen gemessen. Man kam zu folgender Erkenntnis: ,,Erziehung, die nicht vom

Ideal des Kindes ausgeht, wäre Zerfall, der Verlust der besten Kräfte des Menschen. [...] Die

unschuldige Natur des Kindes leidet unter der Erziehungspraxis, wenn sich die

verantwortlichen Erwachsenen nicht auf die Eigenart des Kindlichen einstellen."7 Das Kind

ist in seiner psychischen Struktur und seiner physischen Wachstumsstufe anders als der

Erwachsene. Es hat seine eigene Welt, in der es sieht und Fragen stellt, seine eigenen Werte

und Erwartungen an eben diese Welt. Jedes Kind ist individuell und hat das Recht, genau wie

jeder Erwachsene, als Individuum gesehen zu werden. Die Reformpädagogik sieht das Kind

als etwas Unbefangenes und Unschuldiges. Darüber hinaus geht sie davon aus, dass das Kind

,,im Grunde seines Wesens gut sei"8

Durch das neue Verständnis von Kindheit, beginnt ,,das Jahrhundert des Kindes" mit einer

,,Pädagogik vom Kinde aus".9

2.3 Neue Anforderungen an die Schule und den Erzieher

Mit der neuen Sicht des Kindes wurden an Schule, Erziehung und Bildung neue

Anforderungen gestellt. Der Erzieher soll die Eigenarten des Kindes ernst nehmen, seine

Individualität erkennen und sich entsprechend der Entwicklungsstufe, in der sich das Kind

befindet, verhalten. ,,Es galt, neue Wege zu gehen und die seelischen Vorgänge im Kind so

darzustellen, dass die Erkenntnisse der Praxis nützten."10 Die Reformpädagogik richtet sich

gegen ein ständiges Einwirken des Erziehers auf das Kind und spricht sich für ein Begleiten

und Beobachten aus. ,,Eine spezifisch pädagogische Einstellung soll sich mit Wissen und

Beobachten verbinden, um in der jeweils besonderen erzieherischen Situation entsprechend

pädagogisch richtig zu handeln."11 Erzieher und Erziehung im Allgemeinen sollen lediglich

eine schützende und unterstützende Funktion bei der Entwicklung des Kindes haben.12

6 Vgl. Scheibe, a.a.O., S.57f.

7 Oelkers, Jürgen: Reformpädagogik. Eine kritische Dogmengeschichte. Weinheim/München (1989) 31996,

S.101

8 Vgl. Scheibe,a.a.O., S.59

9 Vgl. Skiera, Dr. Ehrenhard: Reformpädagogik in Geschichte und Gegenwart. Eine kritische Einführung.

München 2003, S.89-96

10 Scheibe, a.a.O., S.63

11 Scheibe, a.a.O., S.63

12 Vgl. Otto: Von der Entwicklung unserer Kinder. In: Baumgart , a.a.O., S.141-143

5


Die Reformpädagogik geht von einem Determinismus aus, d.h., dass das spätere Sein schon

im Kinde vorbestimmt ist, ,,so wie im Samenkorn und in der jungen Pflanze das Ganze der

späteren Gestalt enthalten ist."13 Oftmals wird der Erzieher im übertragenen Sinne mit einem

Gärtner verglichen. Aufgrund dieser Annahme gilt der Grundsatz, das Wachstum des Kindes

nicht zu stören, zu manipulieren oder zu unterbinden, sondern es zuzulassen. Aufgabe des

Pädagogen ist es, Raum für eine störungsfreie Selbstentfaltung zu schaffen. Als wichtiger Ort

dafür gilt die Schule als öffentliche pädagogische Einrichtung.

Um die neuen Vorstellungen der Reformpädagogik zu realisieren, setzte man sich mit der

,,alten", bestehenden Schule auseinander. Es kam zu vernichtenden Urteilen: ,,Die Schule

wurde angeklagt, dass sie beste Kräfte der Jugend zerstöre. [...] Das Schülerdasein wurde als

physisches und psychisches Leiden hingestellt[...]."14 Der entscheidende Vorwurf der

Reformer richtete sich gegen den Zwangscharakter der Schule. Stattdessen wurde eine Schule

der Selbsttätigkeit gefordert, in der die Schüler eine freie Atmosphäre genießen, einander

respektieren und ihre individuellen Persönlichkeiten ohne Zwang ganzheitlich entwickeln

können. Es sollte ein Lern- und Entwicklungsraum gestaltet werden, der dem Wesen des

Kindes und seinen Bedürfnissen entgegenkommt.15 Als Ausgangspunkt dieser neuen Schule

musste demnach das Lernen und die Lebenserfahrung des Kindes genommen werden. Die

,,alte" Schule, so klagten die Reformpädagogen, hätte nichts mit der Gegenwart und dem

Leben der Kinder zu tun.

Zudem wurde das Übermaß an zu bewältigendem Lehrstoff, der Zwang des Lehrplans und die

starre Abgrenzung der Fächer bemängelt. Das Lernen der Schüler war durch die verfestigte

Haltung des Lehrers passiv. Kritisiert wurden ,,Die autokratische Schulzucht, die Versteifung

auf Machtautorität, die Scheidewand, der Gegensatz zwischen Lehrer und Schüler, [...] ein

schroffer Unterrichtston, ständiges Ermahnen, Nörgeln, Tadeln, [...] das ständige

Zensurschreiben, die Versetzungsprüfungen."16

Die ,,neue" Schule sollte sich in ihren Inhalten, Verfahrensweisen und in ihrer

organisatorischen Gestalt ändern und freier werden:

Den Schülern sollte die Möglichkeit gegeben werden, anhand eigener Erfahrungen aktiv zu

lernen, künstlerisch tätig zu sein und selbst Verantwortung zu übernehmen.

13 Scheibe, a.a.O., S. 64

14 Ebd., S. 68

15 Vgl. Skiera, a.a.O., S. 29

16 Scheibe, a.a.O., S.74

6



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