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Das Nibelungenlied uns seine Rezeption - vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Termpaper, 2007, 21 Pages
Author: Friederike Günzel
Subject: German Studies - Literature of History, Eras

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V88099
ISBN (E-book): 978-3-638-02364-1

File size: 96 KB


Excerpt (computer-generated)

Thema der Hausarbeit

Das Nibelungenlied und seine Rezeption ­

Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart





Vorlesung:

Von Helden bei Hofe:

Das Nibelungenlied, seine Geschichte und seine Folgen

Universität Siegen

WS 2006/07

Friederike Günzel

3. Semester Master LCM


1.VORWORT

3

2. DAS NIBELUNGENLIED

3

3. DIE ENTDECKUNG DES NIBELUNGENLIEDES

4

4. EIN NATIONALEPOS BAHNT SICH SEINEN WEG (1810-1871)

7

5. RICHARD WAGNER UND DER RING DES NIBELUNGEN 10

6. DAS NIBELUNGENLIED WÄHREND DER REICHSGRÜNDUNG 1871 11

7. DAS NIBELUNGENLIED VOM ERSTEN WELTKRIEG BIS ZUR WEIMARER

REPUBLIK 12

8. DIE VERFILMUNG DES STOFFES DURCH FRITZ LANG 14

9. DAS NIBELUNGENLIED IM DRITTEN REICH ­ GÖRINGS STALINGRADREDE

15

10. DAS NIBELUNGENLIED IN DER HEUTIGEN ZEIT 16

11. SCHLUSSWORT 18

12. LITERATURVERZEICHNIS 20

2


1.Vorwort

Diese Arbeit setzt sich mit der Rezeptionsgeschichte des Nibelungenliedes auseinander.

Die Darstellung folgt dabei chronologisch dem Geschichtsverlauf: Vom 18. Jahrhundert

bis in unsere Gegenwart. Zunächst werden die Entstehungsgeschichte sowie der Inhalt

des mittelalterlichen Nibelungenstoffes wiedergegeben. Anschließend wird seine

Wiederentdeckung im Jahre 1755 erläutert. Der dritte Gliederungspunkt umfasst den

Verlauf des Nibelungenliedes bis hin zum Nationalepos der Deutschen.

Richard Wagners Operntetralogie

Der Ring des Nibelungen

ist ein weiterer wichtiger

Punkt in der Rezeptionsgeschichte, ebenso Fritz Langs Film über die Nibelungen

während der Weimarer Republik, weshalb sie hier erwähnt sind.

Das Nibelungenlied und seine Rezeptionsgeschichte werden unter dem Einfluss

geschichtlicher Ereignisse betrachtet. Angefangen von den Kriegen gegen Frankreich

bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wird dargelegt, wie es für politische Zwecke mit

dem Ziel der Manipulation instrumentalisiert wurde.

Der letzte Punkt soll einen Eindruck vom Umgang des Nibelungenstoffes in unserer

Zeit geben.

2. Das Nibelungenlied

Das mittelhochdeutsche Heldenepos entstand um 1200 im Donauraum zwischen Passau

und Wien. Der Autor blieb bis heute unbekannt. Das Nibelungenlied umfasst mehr als

2000 Strophen, die wiederum in 39 Aventiuren gegliedert sind. Das Epos ergibt zwei

aufeinander aufbauende Teile.

Der erste Teil des Nibelungenliedes erzählt die Geschichte von dem Drachentöter

Siegfried, der an den burgundischen Hof kommt, um dort die Königstochter Kriemhild

zu ehelichen. Währenddessen heiratet König Gunther die schöne und starke Brünhild,

nachdem er sie in einem Wettkampf besiegt hat. Anschließend wird von dem

heimtückischen Mord an Siegfried durch Hagen berichtet.

Der zweite Teil erzählt von Kriemhilds Rachplänen: Mit Hilfe des Hunnenkönigs Etzel

(Attila) beabsichtigt sie, den Tod ihres Mannes Siegfrieds zu rächen. Dies alles führt

schließlich zum Untergang des Burgundenreiches.

3


Im Mittelalter, so sind sich Forscher einig, erlangte das Nibelungenlied einen hohen

Stellenwert und war gern gelesen. Dies lässt sich heute anhand der Handschriftenanzahl

dokumentieren: Je beliebter ein Werk war, umso mehr Handschriften sind davon heute

noch erhalten. 35 Handschriften sind vom Nibelungenlied überliefert, wobei die Anzahl

der Schriften von Jahrhundert zu Jahrhundert stieg. Die drei ältesten Handschriften, die

Hohenems-Münchener, die Sankt Gallener und die Donaueschinger, sind bis ins 13.

Jahrhundert zurück datiert.

In der Neuzeit hingegen ließ die Popularität nach und der Nibelungenstoff ist aus dem

kulturellen Leben fast verschwunden.

Einige Stationen, die dem Nibelungenlied zu Popularität verhalfen, bis es letztlich völlig

in Vergessenheit geriet, sind den Historikern bekannt. Im 16. Jahrhundert beispielsweise

bediente sich der Schweizer Kartograph und Geschichtsschreiber Wolfgang Lazius

einer Nibelungenahndschrift, die verloren gegangen ist. In zwei seiner Werke

Kommentar zur römischen Republik

und einem Werk über die Völkerwanderung (1557)

zitiert er einige Strophen aus dem Gedicht. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das

letzte Mal das Nibelungenlied von Hand abgeschrieben und ab hier weicht der Inhalt

vom eigentlichen Nibelungenstoff ab. Dies machte sich bemerkbar in dem Aufkommen

des volkstümlichen Liedes vom

Hürnen Seyfried.

Wie der Titel impliziert, geht es um

den Kampf Siegfrieds mit dem Drachen, wobei sich das Lied nur noch auf einige

Elemente des Nibelungenliedes bezieht. Die Handlung beruhte vielmehr auf der Edda,

einer altisländischen Literatur, als auf dem Nibelungenstoff. Nachfolgende

Publikationen konzentrierten sich auf die Erzählung des Drachentöters Siegfried, was

dazu führte, dass bis zum 18. Jahrhundert das eigentliche Nibelungenlied in

Vergessenheit geriet.

3. Die Entdeckung des Nibelungenliedes

Erst im Jahre 1755 macht der Arzt Jakob Hermann Obereit auf das Nibelungenlied

erneut aufmerksam. In der Bibliothek von Hohenems entdeckt er die Schriften und teilt

diesen Fund sogleich dem Züricher Gelehrten Johann Jakob Bodmer mit, der in diesem

Werk den ,,deutschen Ilias" zu erkennen glaubt. Das von dem griechischen Dichter

Homer verfasste Werk zeigte seiner Meinung nach Parallelen, da beide Werke

4


kriegerische Elemente ­ Bodmer verweist hier auf den Siebenjährigen Krieg (1756-

1763) ­ und somit Identifikation mit ihrem Volke aufwiesen. Susanne Frembs äußert

hierzu: ,,Somit legt er (Bodmer) den Grundstein für die Verwertung des

Nibelungenliedes als politisches Identifikationsmuster, indem er jenes Epos, in welchem

die Griechen ihre historische Legitimation und Identifikation als Volk fanden und

finden, als Vergleichsmaßstab heranzieht."1

Bald steht fest: ,,Der Gedanke, das ,Nibelungenlied′ sei die deutsche ,Ilias′, sein

Dichter der deutsche Homer, wurde bald zum Topos."2

Da Bodmer der Meinung ist, der zweite Teil des Nibelungenliedes sei der

glaubwürdigere, wobei der erste unglaubwürdige Abenteuer widerspiegle, veröffentlicht

er ausschließlich den zweiten Teil unter dem Titel

Chrimhildens Rache.

Eine Ausgabe

des gesamten Textes erscheint erst durch einen Freund Bodmers, C. H. Myller, 1782.

Jedoch findet das Nibelungenlied keinen rechten Anklang. Friedrich der Große schreibt

an Myller:

,,Hochgelahrter, lieber Getreuer!

Ihr urtheilt viel zu vorteilhafft von denen Gedichten aus dem 12., 13. und 14. Seculo,

deren Druck Ihr befördert habet, und zur Bereicherung der Teutschen Sprache so

brauchbar haltet. Meiner Einsicht nach sind solche nicht einen Schuss Pulver werth;

und verdienten nicht aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zu werden. In meiner

Bücher-Sammlung wenigstens würde Ich dergleichen elendes Zeug nicht dulten;

sondern herausschmeißen. Das Mir davon eingesandte Exemplar mag dahero sein

Schicksal in der dortigen großen Bibliothek abwarten. Viele Nachfrage verspricht aber

solchem nicht,

Euer sonst gnädiger König Frch."3

Im kulturellen Leben hingegen stößt das Nibelungenlied auf großes Interesse. Der

Künstler Johann Heinrich Füssli (1741-1825) verehrt Bodmer und dessen Ansichten

über das Nibelungenlied. Bemerkenswert an Füsslis Bildern, die leider nur noch

fragmentarisch in Zeichnungen enthalten sind, ist die Darstellungsweise der Figuren des

Nibelungenliedes. Patriotische Züge sowie die Thematik von Sieg und Untergang sind

bei Füssli nicht zu finden. Vielmehr widmet der sich den inneren Gefühlen der Personen

und kehrt diese nach außen. Fritz R. Glunk bemerkt hierzu: ,,Was er vor uns stellt, sind

die dunklen Seiten, die seelischen Brüche und Abgründe des Nibelungenliedes."4 Wohl

1 Frembs, Susanne: Nibelungenleid und Nationalgedanke nach Neunzehnhundert. Über den Umgang der

Deutschen mit ihrem ′Nationalepos′. ibidem-Verlag. Stuttgart, 2001.S. 15.

2 Heinzle, Joachim in Uns ist in alten mären S. 163.

3 Glunk, Fritz R.: Meisterwerke kurz und bündig Das Nibelungenlied. Piper Verlag. München, 2002, S. 12

4 Glunk, S. 61.

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