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Eugène Delacroix: Szenen des "Massakers von Chios"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 35 Pages
Author: Annette Wälde
Subject: Art - Painting

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 35
Grade: 1-2
Bibliography: ~ 24  Entries
Language: German
Archive No.: V88143
ISBN (E-book): 978-3-638-01726-8

File size: 143 KB

Abstract

Im Salon des Jahres 1822 gab Eugène Delacroix als 24jähriger sein Debüt mit dem Aufsehen erregenden Gemälde „Dante und Vergil in der Hölle“. Bereits zwei Jahre später sollte er noch mehr Aufsehen und vor allem noch mehr Kritiker erregen: mit der Ausstellung des „Massakers von Chios“ im Pariser Salon des Jahres 1824. Die Reak-tionen auf die Umsetzung des Themas fielen unterschiedlichst aus; einige wenige Be-sucher des Salons schwelgten in Begeisterung – „the most beautiful picture in the ex-hibition, for it is the most expressive“– andere waren hin- und hergerissen: “His bad picture is superb in color and it is not without certain very fine facial expressions, but everything ought to aim at common sense.“ Die Mehrzahl der Kritiker machte das Gemälde allerdings vollends nieder, Jean Antoine Gros ließ sich gar zu dem Ausruf „C’est le massacre de la peinture!“ hinreißen. Sogleich stellt sich also die Frage, warum das Werk die Gemüter derartig spaltete, wa-rum sich die Reaktionen der vielen – durchaus ernstzunehmenden Kritiker – auf einer so großen Bandbreite bewegten. War die Umsetzung des Bildthemas durch Delacroix neu, revolutionär, war sie mißverstanden worden und unverstanden geblieben? Oder war sie etwas Altes, schon Überholtes? Auguste Chauvin jedenfalls prognostizierte dem Werk eine traurige Zukunft: „Posterity will never accept such works, and contem-poraries of good faith will tire of them.” Mit einer Analyse des Werkes sowie Untersuchungen zur formalen und inhaltlichen Erarbeitung des Bildthemas soll hier versucht werden, Traditionelles und Neues dieses Gemäldes herauszustellen und seine Position in der Kunstgeschichte zu lokalisieren – denn man darf erhebliche Zweifel nicht nur an der Einschätzung Chauvins hegen. Die Quellenlage zu Delacroix beziehungsweise dem „Massaker“ ist zufriedenstellend. Zunächst leistete André Joubin in den 1930er Jahren mit der Veröffentlichung des Ta-gebuches des Malers und der Zusammenstellung und Veröffentlichung seiner reichen Korrespondenz einen großen Beitrag zur Forschung. Gerade zum hier behandelten Gemälde findet sich sehr viel unverzichtbares Material; das „Massaker“ ist das im Journal – hier vorliegend in einem Druck von 1982 – und in der Korrespondenz am vollständigsten dokumentierte Werk des Künstlers überhaupt. Vom 15. September 1821 bis zum 19. August 1824, also bis sechs Tage vor der Eröffnung des Salons – ist das Wachsen der Bildidee,...


Excerpt (computer-generated)

Julius-Maximilians-Universität

Würzburg

Institut für Kunstgeschichte

SS

2005

Seminar: Eugène Delacroix

Hausarbeit

Eugène Delacroix:

Scènes des massacres de Scio


Inhaltsverzeichnis

1

Delacroix′ ,,Massaker von Chios" ­ das Massaker der Malerei? 3

2

Literaturbericht 3

3

Das Massaker auf der Insel Chios und der französische Philhellenismus 5

4

Daten, Provenienz und Zustand 7

5

Entstehungsort 8

6

Beschreibung 9

7

Idee und Entstehungsprozeß 12

8

Vorarbeiten 16

8.1 Kompositionsskizzen 16

8.2 Figuren- und Sachstudien 19

9

,,Scènes de massacres de Scio" ­ Tradition oder Revolution? 22

9.1 Formale und inhaltliche Komposition 22

9.2 Imagination und Bildrezeption 24

9.3 Farbe, Licht und Schatten 25

10

Einordnung in Delacroix′ Oeuvre 28

11

,,Scènes de massacres de Scio" ­ Historienmalerei? 29

12

Literaturverzeichnis 33

2


1

Delacroix′ ,,Massaker von Chios" ­ das Massaker der Malerei?

Im Salon des Jahres 1822 gab Eugène Delacroix als 24jähriger sein Debüt mit dem

Aufsehen erregenden Gemälde ,,Dante und Vergil in der Hölle".1 Bereits zwei Jahre

später sollte er noch mehr Aufsehen und vor allem noch mehr Kritiker erregen: mit der

Ausstellung des ,,Massakers von Chios" im Pariser Salon des Jahres 1824. Die Reak-

tionen auf die Umsetzung des Themas fielen unterschiedlichst aus; einige wenige Be-

sucher des Salons schwelgten in Begeisterung ­ ,,the most beautiful picture in the ex-

hibition, for it is the most expressive"­ andere waren hin- und hergerissen: "His bad

picture is superb in color and it is not without certain very fine facial expressions, but

everything ought to aim at common sense."2 Die Mehrzahl der Kritiker machte das

Gemälde allerdings vollends nieder, Jean Antoine Gros ließ sich gar zu dem Ausruf

,,C′est le massacre de la peinture!"3 hinreißen.

Sogleich stellt sich also die Frage, warum das Werk die Gemüter derartig spaltete, wa-

rum sich die Reaktionen der vielen ­ durchaus ernstzunehmenden Kritiker ­ auf einer

so großen Bandbreite bewegten. War die Umsetzung des Bildthemas durch Delacroix

neu, revolutionär, war sie mißverstanden worden und unverstanden geblieben? Oder

war sie etwas Altes, schon Überholtes? Auguste Chauvin jedenfalls prognostizierte

dem Werk eine traurige Zukunft: ,,Posterity will never accept such works, and contem-

poraries of good faith will tire of them."4

Mit einer Analyse des Werkes sowie Untersuchungen zur formalen und inhaltlichen

Erarbeitung des Bildthemas soll hier versucht werden, Traditionelles und Neues dieses

Gemäldes herauszustellen und seine Position in der Kunstgeschichte zu lokalisieren ­

denn man darf erhebliche Zweifel nicht nur an der Einschätzung Chauvins hegen.

2 Literaturbericht

Die Quellenlage zu Delacroix beziehungsweise dem ,,Massaker" ist zufriedenstellend.

Zunächst leistete André Joubin in den 1930er Jahren mit der Veröffentlichung des Ta-

gebuches des Malers und der Zusammenstellung und Veröffentlichung seiner reichen

Korrespondenz einen großen Beitrag zur Forschung. Gerade zum hier behandelten

Gemälde findet sich sehr viel unverzichtbares Material; das ,,Massaker" ist das im

Journal ­ hier vorliegend in einem Druck von 1982 ­ und in der Korrespondenz am

vollständigsten dokumentierte Werk des Künstlers überhaupt. Vom 15. September

1821 bis zum 19. August 1824, also bis sechs Tage vor der Eröffnung des Salons ­ ist

das Wachsen der Bildidee, sind die Entfaltung und Verwandlung der Bildgestalt an-

1 1822, Öl auf Leinwand, 189 x 246 cm. Paris, Musée du Louvre

2 Beide Zitate bei Trapp, 1971. S. 40

3 Sérullaz, 1963. S. 31

4 Trapp, 1971. S. 40

3


hand zahlreicher schriftlicher Äußerungen zu verfolgen. Darüber hinaus gibt es weitere

zeitgenössische Quellen zu Delacroix und seinem Werk, etwa Äußerungen von Kriti-

kern in Zeitschriften; solche konnten in dieser Arbeit jedoch mangels Einsichtnahme-

möglichkeit nur als Zitate der Sekundärliteratur entnommen werden.

Die wohl erste Monographie zu Delacroix′ ,,Massaker" veröffentlichte 1947 Paul-Henri

Michel. Reich bebildert mit sehr guten, zum Teil auch farbigen Detailaufnahmen des

Gemäldes sowie Skizzen gibt das dünne aber gehaltvolle Büchlein den Entste-

hungsprozeß des Werkes, wie er aus dem Journal und der Korrespondenz ersichtlich

ist, in deutscher Übersetzung wieder. Anschließend macht er kurze Ausführungen zur

Komposition des Bildes, um dann in einem längeren Abschnitt auf die Farbe und den

Farbauftrag einzugehen. Zwar untermauert Michel seine Aussagen mit einigen Dela-

croix′; aufgrund der frühen Veröffentlichung muß das Buch aber in vielerlei Hinsicht als

überholt gelten. Zu bemängeln ist auch der ­ wohl zeitbedingte ­ etwas kühne

Schreibstil, der den Autor des öfteren zu vagen Vermutungen verleitet. Das im Jahr

1963 von Maurice Sérullaz veröffentlichte Mémorial zur Ausstellung Eugène Delacroix

listet minutiös alle Einträge des Journals zum ,,Massaker" in französischer Sprache auf

und ist damit detaillierter und authentischer als die Zusammenfassung Michels.

Daneben ist die Bibliographie, die vor allem auch alle bekannten Quellen enthält, sehr

hilfreich. Unverzichtbar sind die detaillierten Angaben ­ wie Daten, Provenienz, Aus-

stellungen, Bibliographie ­ Sérullaz′ zu den einzelnen Vorzeichnungen zum ,,Massa-

ker"; leider ist die Liste der Vorarbeiten nicht komplett. Mit der Entstehungsgeschichte

der Skizzen setzt sich erstmals Günter Busch in einem Aufsatz von 1967 auseinander.

Als Eigentümer des sogenannten Bremer Skizzenbuchs Delacroix′ stellt Busch zum

Teil noch unbekannte beziehungsweise unbeachteten Skizzen aus dem Bremer Buch

vor; weiterhin präsentiert er detaillierte Beschreibungen dieser und der Vorarbeiten aus

dem Skizzenbuch des Louvre und unternimmt den Versuch einer Chronologie der

Zeichnungen. Trapp faßt 1971 im zweiten Kapitel seines Buches ,,The Attainment of

Delacroix" die bisherigen Erkenntnisse zum ,,Massaker" zusammen und erweitert sie

durch nützliche, umfangreiche Ausführungen zu den realen Hintergründen des Massa-

kers auf Chios, der Entstehung des Gemäldes und zu den Reaktionen auf Delacroix′

Werk. Hierbei stützt er sich auf zahlreiche ­ ins Englische übertragene ­ Originalaus-

sagen der Zeitgenossen Delacroix′. 1981 erscheint das mehrbändige Werk Lee John-

sons zu Delacroix. In seinem Katalog bringt Johnson das Werk Sérullaz′ auf den neu-

esten Stand der Forschung. Von besonderem Interesse sind dabei die umfangreiche

Bibliographie sowie die detaillierte Auflistung der Kopien nach dem ,,Massaker" Dela-

croix′. Jedoch kann auch Johnson hinsichtlich seiner Aufzählung der Vorarbeiten zum

,,Massaker" keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Anläßlich einer Konferenz

verfaßte 1984 Francis Haskell auf Chios selbst einen Aufsatz über ,,Chios, the Massac-

4


res, and Delacroix", in dem er die bis dahin bekannte Forschung knapp zusammenfaßt

und sehr informativ um historische, politische und soziologische Hintergründe sowie

weiterführende Vergleiche mit anderen Massakerdarstellungen erweitert. 1997 brachte

Rautmann eine weitere Monographie zu Delacroix auf den Markt, die für das ,,Massa-

ker" hauptsächlich neue, interessante Denkanstöße hinsichtlich seiner Vorbilder und

seiner Neuartigkeit gibt, sich jedoch gelegentlich in nicht nachvollziehbare Spekulatio-

nen um Delacroix′ Sexualleben verstrickt und diese zur Bildinterpretation heranzieht.

Im selben Jahr veröffentlichte das ,Pantheon′ einen Aufsatz Florian Britschs über das

,,Massaker." Britsch faßt darin die zum Teil erstaunlichen und wertvollen Erkenntnisse

seiner Magisterarbeit zusammen, in der er unter anderem über die Negation der Hand-

lung, die Psychologisierung der Malerei und die Autonomisierung der Bildmittel durch

Delacroix′ ,,Massaker" reflektierte. Jüngst erschien die Dissertation Ines Janet Engel-

manns über das Häßliche in der bildenden Kunst und Literatur vom Anfang des 19.

Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Auf knapp zehn Seiten legt sie

nachvollziehbar dar, warum das ,,Massaker" als ein Manifest des Häßlichen gesehen

werden kann und ordnet das Gemälde in die Kunstgeschichte ein, indem sie ihre Er-

gebnisse aus den Untersuchungen des Häßlichen im ,,Massaker" mit den Erwartungen

der delacroixschen Zeitgenossen an die schöne Kunst abgleicht.

Neben diesen wurden weitere Veröffentlichungen zu Delacroix, zum griechischen Frei-

heitskrieg und zur klassizistischen Historienmalerei für diese Arbeit herangezogen; sie

sind der Literaturliste zu entnehmen.

3

Das Massaker auf der Insel Chios und der französische Philhellenismus

Anfang5 des neunzehnten Jahrhunderts bereiteten die Hetärien, Geheimbünde des

griechischen Volkes, nach fast 450 Jahren unter osmanischer Herrschaft die Befreiung

des Landes von der türkischen Herrschaft vor. Nachdem im Februar 1821 der Aufstand

ausgebrochen war, verkündete am 13.01.1822 eine Nationalversammlung die Unab-

hängigkeit Griechenlands. Als die Türken trotz ägyptischer Unterstützung schließlich

von den Griechen und westeuropäischen Freischärlern geschlagen und aus dem Land

vertrieben worden waren, erklärten die Londoner Protokolle von 1829 und 1830 Grie-

chenland zum selbständigen Königreich.

Trotz des Sieges hatten sich zwei Ereignisse besonders tief in das Gedächtnis der

Griechen eingebrannt: die Eroberung Missolonghis durch die Türken, das bin dahin als

Hauptbollwerk der Griechen in Westgriechenland gegolten hatte und das Massaker

von Chios, welches im Jahr 1822 die Türken an griechischen Zivilisten verübt hatten.

In den Jahren, die dem griechischen Befreiungskampf vorangingen, war kaum ein

Fleck des ottomanischen Reiches mehr mit Glück gesegnet als die Insel Chios vor der

5 Die folgende Chronologie des Massakers von Chios basiert auf Brewer, 2001. S. 154-167

5


türkischen Küste. Durch abwechselnde, auf Zeiten noch vor den Kreuzzügen zurück-

gehende Besetzungen der Insel durch Florentiner, Genuesen und Venezianer stand

Chios auch im neunzehnten Jahrhundert noch unter starkem italienischem Einfluß. Die

Chianer waren durch Handel reich geworden und viele wohlhabende Familien der Insel

unterhielten Handelsunternehmen, die in die wichtigsten Städte zwischen Marseilles

und Odessa, Moskau und Alexandria expandierten. Ein Teil der Insel wurde der per-

sönlichen Apanage der Schwester des damaligen Sultans einverleibt, was unter ande-

rem zur Folge hatte, daß die türkische Präsenz auf der Insel immer sehr gering war

und die Steuern für alle Einwohner niedrig blieben. Diese Tatsachen, gepaart mit infra-

strukturellen Vorteilen machten Chios zu einem Miniaturwohlfahrtsstaat innerhalb des

türkischen Reiches.

Doch 1821 erreichte die Revolution auch diese Insel: Einer der griechischen Revoluti-

onsführer, Iakoumákis Tombázis, führte seine Flotte nach Chios, um sich Unterstüt-

zung6 von den Chianern zu holen. Diese lehnten eine Beteiligung an der Revolution

jedoch ab. Nach Tombázis′ Abreise nahmen allerdings die Türken als Unterpfand für

das Versprechen der Chianer vierzig Geiseln aus den angesehensten Familien der

Stadt. Bis zum März 1822 blieb die Situation auf Chios ruhig; dann setzten griechische

Truppen von Samos über und besetzten die Insel; die dort stationierten Türken zogen

sich in eine Zitadelle zurück, die Inselverwaltung wurde mit griechischen Revolutionä-

ren neu besetzt. Daraufhin zogen die Türken mit 15.000 Mann vom türkischen Festland

her gegen Chios. Nach einem kurzen Gefecht flohen die griechischen Besatzer und

überließen die Zivilisten ihrem Schicksal. In den folgenden zwei Monaten7 wurden von

100.000-120.000 auf der Insel lebenden Griechen 25.000 getötet und 45.000 in die

Sklaverei verschleppt.8 Etwa 15.000 konnten fliehen. Zweiundzwanzig Jahre nach dem

Massaker schrieb ein Historiker: "Mercy was out of the question, the victors butchering

indiscriminately all who came in their way; [...] the streets were strewed with the dead

bodies of old men, women, and children even the inmates of the hospital, the mad-

house, and the deaf and dumb institution, were inhumanly slaughtered."9 Diejenigen,

die vor dem Gemetzel in die Berge, in Klöster und Höhlen geflüchtet waren, ereilte dort

oft der Tod durch Verdursten, Verhungern oder die Waffen der ihnen auflauernden

Türken.

In Westeuropa, das die Ereignisse mit Schrecken und ­ zum Teil in Reminiszenz an

die eigene Geschichte ­ mit Hoffnung auf die Entstehung einer friedvollen griechischen

Nation mitverfolgte, entstand bald eine breite stark philhellenische Strömung: ,,The Tur-

6 Vgl. hierzu Cremer-Swoboda, 1974. S. 71

7 So Johnson, 1981. S. 86

8 Cremer-Swoboda, 1974. S. 92

6


kish rulers of Greece and its neighboring islands had few sympathizers in Western Eu-

rope, which had traditionally been hostile to their presence in that continent..."10 Für die

Europäer war es ein ,,ideal war, which had everything needed to make it popular: West

against East, Christians against Muslims, Greeks against Turks, Civilization against

Barbarism [...]"11 Darüber hinaus beobachtete vor allem Frankreich in Erinnerung an

seine unweit zurückliegende eigene Nationwerdung die Entstehung des neuen Grie-

chenland mit regem Interesse. Die ohnehin schon vorhandene Voreingenommenheit

gegenüber den türkischen Besatzern und ihren Verbündeten durch täglich neu veröf-

fentlichte ­ wahre und von der philhellenischen Phantasie erdachte ­ Schreckensmel-

dungen türkischer Grausamkeit12 fielen auf den fruchtbaren Boden der noch jungen

europäischen Romantik und der etwa ebenso jungen französischen Republik; eine

Welle des Mitgefühls, der Sympathie mit den griechischen Opfern und schließlich eine

innere Verbundenheit der westlichen Welt mit den griechischen Brüdern und Schwes-

tern waren die Folge; für Delacroix konnte so das Ideal des neuen Griechenland zum

Anknüpfungspunkt seiner Malerei werden.

4

Daten, Provenienz und Zustand

Das ,,Massaker von Chios", im Originaltitel des Begleitheftchens zur Salonausstellung

von 1824 ,,Scènes des massacres de Scio; familles grecques attendant la mort ou

l′esclavage, etc... Voir les relations diverses et les journeaux du tems", wurde erstmals

auf der Salonausstellung am 25. August 1824 unter der Inventarnummer 45013 dem

Publikum präsentiert. Trotz der großen Aufregung und Kritik, die das ,,Massaker" pro-

vozierte, brachte das Gemälde Delacroix eine Medaille zweiter Klasse des Salons ein.

Die Szenen entstanden in Öl auf einer 417 x 354 cm großen Leinwand im Hochformat;

das Werk ist in der linken unteren Ecke signiert mit ,,Eug. Delacroix".14 Nach der Aus-

stellung im Pariser Salon erwarb der französische Staat das Gemälde für die beachtli-

che Summe von sechstausend Francs15 und stellte es dem Louvre zur Ausstellung zur

Verfügung, wo es auch heute im Palais du Luxembourg unter der Inventarnummer

382316 zu sehen ist.17

Nach der Ausstellung von 1824 soll das Bild 1847 noch einmal von Delacroix selbst

überarbeitet worden sein ­ er gab an, die Farben seien gelblich geworden und bedau-

9 Brewer, 2001. S. 158

10 Trapp, 1971. 30

11 Haskell, 1984. S. 338

12 Trapp, 1971. 30

13 Athanassoglou-Kallmyer, 1989. S. 152

14 Johnson, 1981. S. 83

15 Trapp, 1971, S. 42: " was purchased by the government for the [Palais du]Luxembourg at the

very substantial price of six thousand francs."

16 Athanassoglou-Kallmyer, 1989. S. 253

17 Vgl. hierzu und zu weiteren Ausstellungen Johnson, 1981. S. 83

7



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