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Aggression und Gewalt in der Gerontopsychiatrie

Subtitle: Umdenken im Umgang mit verwirrten alten Menschen

Termpaper, 2005, 29 Pages
Author: Andrè Heß
Subject: Nursing Science

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 29
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V88463
ISBN (E-book): 978-3-638-02833-2

File size: 175 KB
Notes :
Die Hausarbeit wurde im Rahmen einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum staatlich anerkannten Fachpfleger in der Gerontopsychiatrie angefertigt (Abschlußarbeit).


Abstract

Die Pflege von psychiatrisch auffälligen alten Menschen birgt ein erhöhtes Gewaltpotential in sich. Zum einem sind hiervon die psychisch erkrankten alten Menschen betroffen, weil sie aufgrund auftretender Verhaltensstörungen immer wieder auf Unverständnis ihrer Mitmenschen stoßen. Zum anderem sind die in der Pflege Tätigen betroffen, die mit gutgemeinten pflegerischen bzw. therapeutischen Angeboten krankheitsbedingt auftretende Beeinträchtigungen ausgleichen wollen. Dieses Motiv, helfen zu wollen, wird aber häufig von schwer an Demenz Erkrankten verkannt, die dann aggressiv und ablehnend reagieren. Es entsteht eine Art Teufelskreis, da Pflegekräfte in solchen Situationen oft hilflos und überfordert sind. Nicht selten wird dann autoritär durchgegriffen. In meiner bisherigen Berufspraxis auf einer geschlossenen gerontopsychiatrischen Abteilung habe ich immer öfter den Eindruck gewonnen, dass auftretende Aggressionen bei den Erkrankten stark mit dem Umfeld zu tun haben, in dem sie leben. Mit der Ausarbeitung der Hausarbeit wollte ich die Chance nutzen, meinen gewonnenen Eindruck zu hinterfragen und ggf. Wege aufzeigen, die ein Umdenken im Umgang mit verwirrten alten Menschen ermöglichen. Die Brisanz des Themas „Aggression / Gewalt in der Gerontopsychiatrie“ wird deutlich, wenn man sich die Zahlen der an Demenz erkrankten Menschen in der Bundesrepublik Deutschland ansieht. „Derzeit geht man von 800.000 mittelschwer und schwer erkrankten Demenzkranken aus, in 5-7 Jahren wird sich die Zahl auf 1,2 Millionen erhöhen. Die jährliche Rate der Neuerkrankungen liegt bei den über 65jährigen derzeit bei 200.000“ (Hamborg, 2000, S. 35).


Excerpt (computer-generated)

Hausarbeit

Aggression und Gewalt

in der Gerontopsychiatrie

Umdenken im Umgang mit verwirrten alten Menschen

Weiterbildung zum staatlich anerkannten Fachpfleger in der

Gerontopsychiatrie

André Heß

Hamburg, den 06.03.2005


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Begriffserklärungen 5

2.1 Der Begriff ,,gerontopsychiatrische Pflege" 5

2.2 Die Begriffe ,,Aggression" und ,,Gewalt" 6

3. Formen von Aggression und Gewalt in der Pflege 8

4. Aggressionstheorie 9

4.1 Frustrations-Aggressions-Hypothese 9

5. Historik 10

5.1 Historische Entwicklung im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen.. 10

5.2 Heutiges Meinungsbild über psychisch Kranke in unserer Gesellschaft

und deren mögliche Ursache 12

6. Der Pflegealltag auf einer gerontopsychiatrischen Abteilung 13

6.1 Der alltägliche Umgang mit verwirrten alten Menschen 13

6.2 Frustrationen im Pflegealltag 15

6.3 Mögliche Auslöser für Frustrationen im Heimleben psychisch erkrankter

alter

Menschen 15

6.4 Das Selbstbestimmungsrecht verwirrter Bewohner 18

6.5 Mögliche Auslöser für Frustrationen im Berufsalltag der Pflegenden 19

7. Frustrationsprophylaxe im Pflegealltag 20

7.1 Professionalität der Pflegenden 21

7.2 Milieutherapie 22

7.3 In eigener Sache 25

8. Schlusswort 26

Literaturverzeichnis 28

2


1.

Einleitung

Diese Hausarbeit wurde im Rahmen einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum

staatlich anerkannten Fachpfleger in der Gerontopsychiatrie angefertigt.

Mit der Hausarbeit ,,Aggression und Gewalt in der Gerontopsychiatrie" - Untertitel

,,Umdenken im Umgang mit verwirrten alten Menschen" möchte ich einen Beitrag zur

Gewaltprävention leisten. Die Hausarbeit soll helfen, bestimmte Verhaltensweisen der

Erkrankten besser zu verstehen, um darauf als Pflegepersonal gelassener und mit

Toleranz reagieren zu können.

Die Pflege von psychiatrisch auffälligen alten Menschen birgt ein erhöhtes

Gewaltpotential in sich. Zum einem sind hiervon die psychisch erkrankten alten

Menschen betroffen, weil sie aufgrund auftretender Verhaltensstörungen immer wieder

auf Unverständnis ihrer Mitmenschen stoßen. Zum anderem sind die in der Pflege

Tätigen betroffen, die mit gutgemeinten pflegerischen bzw. therapeutischen Angeboten

krankheitsbedingt auftretende Beeinträchtigungen ausgleichen wollen. Dieses Motiv,

helfen zu wollen, wird aber häufig von schwer an Demenz Erkrankten verkannt, die

dann aggressiv und ablehnend reagieren. Es entsteht eine Art Teufelskreis, da

Pflegekräfte in solchen Situationen oft hilflos und überfordert sind. Nicht selten wird

dann autoritär durchgegriffen.

In meiner bisherigen Berufspraxis auf einer geschlossenen gerontopsychiatrischen

Abteilung habe ich immer öfter den Eindruck gewonnen, dass auftretende Aggressionen

bei den Erkrankten stark mit dem Umfeld zu tun haben, in dem sie leben. Mit der

Ausarbeitung der Hausarbeit wollte ich die Chance nutzen, meinen gewonnenen

Eindruck zu hinterfragen und ggf. Wege aufzeigen, die ein Umdenken im Umgang mit

verwirrten alten Menschen ermöglichen.

Die Brisanz des Themas ,,Aggression / Gewalt in der Gerontopsychiatrie" wird deutlich,

wenn man sich die Zahlen der an Demenz erkrankten Menschen in der Bundesrepublik

Deutschland ansieht. ,,Derzeit geht man von 800.000 mittelschwer und schwer

erkrankten Demenzkranken aus, in 5-7 Jahren wird sich die Zahl auf 1,2 Millionen

erhöhen. Die jährliche Rate der Neuerkrankungen liegt bei den über 65jährigen derzeit

bei 200.000" (Hamborg, 2000, S. 35).

Die Hausarbeit soll im theoretischen Teil grundlegende Dinge zum Thema erklären, um

den Einstieg in den praxisbezogenen Teil zu ermöglichen. Hier soll die Frage geklärt

3


werden, was sich hinter den Begriffen Aggression und Gewalt verbirgt und warum eine

Trennung dieser Begrifflichkeiten durchaus sinnvoll ist. Weiterhin möchte ich hier auf

eine mögliche Einteilung der Formen von Aggression und Gewalt eingehen. Dies hat

den Hintergrund, dass die LeserInnen sich ins Bewusstsein rufen, was alles darunter zu

verstehen ist, um eine gewisse Sensibilität für das Thema zu entwickeln. Außerdem

möchte ich im theoretischen Teil auf eine Aggressionstheorie eingehen, die mögliche

Ursachen für die Entstehung von Aggressionen benennt.

Schwerpunkt im praxisbezogenen Teil ist es, Probleme, die sich im Pflegealltag des

Personals und im Heimleben psychisch erkrankter alter Menschen ergeben, sowie deren

Ursachen und mögliche Problemlösungsstrategien aufzuzeigen.

4


2.

Begriffserklärungen

Zunächst muss einmal geklärt werden, was überhaupt Gegenstand der Betrachtung ist.

Deshalb möchte ich als Erstes die Begrifflichkeiten des Themas der Hausarbeit

,,Aggression / Gewalt in der Gerontopsychiatrie" erläutern. Damit soll zum einen die

Frage beantwortet werden, was gerontopsychiatrische Pflege ist und womit sie sich

beschäftigt, zum anderen soll erklärt werden, wann man den Begriff Gewalt und wann

besser den Begriff Aggression gebrauchen sollte. Diese Erklärung soll helfen, die

Begriffe richtig einzusetzen.

2.1

Der Begriff ,,gerontopsychiatrische Pflege"

,,Mit dem Begriff ,,gerontopsychiatrische Pflege" wird seit den 70er-Jahren eine

spezielle Fachrichtung der geriatrischen Pflege ab dem 60. Lebensjahr verstanden. Sie

umfasst alle pflegerischen Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation sowie die

Therapie bei alten Menschen mit psychischen Störungen.

Geronto-

psych-

ia- trische

Pflege

Greis Seelen Heil Kunde Begleitung

Es handelt sich um die Pflege von geistes- und gemütskranken alten Menschen."

(Höwler, 2000, S. 21).

Zu den am häufigsten vorkommenden Krankheitsbildern in der Gerontopsychiatrie

gehört die Demenz. Um als Pflegekraft Verhaltensweisen an Demenz erkrankter

Menschen verstehen und zuordnen zu können, möchte ich im Folgenden klären, um was

es sich dabei handelt und welche Einschränkungen die Betroffenen haben können.

,,Demenz ist ein Symptom vieler Krankheiten, bei denen es im Verlauf des Lebens zu

einem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeiten kommt. Dieser Verlust ist so stark,

dass es zu Beeinträchtigungen im täglichen Leben (zum Beispiel bei der Versorgung

des Haushalts oder im Kontakt zu Mitmenschen) kommt" (Borutta, 2000, S. 197, zitiert

nach Krämer, 1996)

5


,,Krankheitszeichen einer Demenz sind Verknüpfungen verschiedenartiger Störungen.

Hierzu zählen insbesondere:

Gedächtnisstörungen, Störungen des Denkens und des Urteilsvermögens,

Orientierungsstörungen, Benennungsstörungen (Anomie), Sprachstörungen (Aphasie),

Störungen des Erkennens (Agnosie), Störungen bei Bewegung und Handlung (Apraxie),

Lese-, Schreib- und Rechenstörungen (Alexie, Agraphie, Akalkulie),

Antriebs- und Aufmerksamkeitsstörungen, Persönlichkeitsstörungen."

(Borutta, 2000, S. 197, zitiert nach Krämer, 1996)

2.2

Die Begriffe ,,Aggression" und ,,Gewalt"

Immer wieder haben Wissenschaftler Aggression und Gewalt unterschiedlich bewertet

und gewichtet, so dass die Begriffe eine immer weitere Ausdehnung erfahren haben.

Dies wird besonders deutlich in den zahlreichen Erklärungsversuchen der einschlägigen

Literatur. Je nach Wissensdisziplin (Psychologie, Soziologie, Rechtswissenschaft usw.)

haben Wissenschaftler hier ein Sammelsurium von unterschiedlichen Gewaltbegriffen

geschaffen.

Um bei den theoretischen Grundlagen meiner Hausarbeit Verwirrung zu vermeiden,

möchte ich mich deshalb nur mit einem Erklärungsversuch, der im Zusammenhang mit

der Pflege steht, auseinandersetzen.

So unterscheidet Ruthemann (1993, S. 14 f.) die Aggression von der Gewalt wie folgt:

,,Es wird immer dann von

Gewalt

gesprochen, wenn eine Person zum Opfer wird, d.h.

vorübergehend oder dauernd daran gehindert wird, ihrem Wunsch oder ihren

Bedürfnissen entsprechend zu leben. Gewalt heißt also, dass ein ausgesprochenes oder

unausgesprochenes Bedürfnis des Opfers missachtet wird. Dieses Vereiteln einer

Lebensmöglichkeit kann durch eine Person verursacht sein (personale Gewalt) oder von

institutionellen oder gesellschaftlichen Strukturen ausgehen (strukturelle Gewalt). Bei

der personalen Gewalt erscheint darüber hinaus die Unterscheidung wichtig zwischen

aktiver Gewaltanwendung im Sinne der Misshandlung, und passiver Gewaltanwendung

im Sinne der Vernachlässigung. Gewalt sollte immer aus Sicht des Opfers definiert

werden."

,,

Aggressives Verhalten

liegt nur dann vor, wenn die Absicht der Schädigung bei

einem Täter vorhanden ist. Wenn also eine Person absichtlich etwas macht oder

unterlässt, um eine psychische oder physische Beeinträchtigung einer anderen Person

6



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Author: Nicole Neubert
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