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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 26 Pages
Author: Verena Blümel
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Eure, Suppe, Magersucht, Romanen, Jugendliche
Year: 2006
Pages: 26
Grade: 1,25
Bibliography: ~ 4 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-02861-5
File size: 120 KB
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Abstract
Dass man sich als Heranwachsender mit dem eigenen Körper und seiner Wirkung nach außen befasst ist überhaupt nicht krankhaft oder problematisch. Ganz im Gegenteil: Das Experimentieren mit dem eigenen Körper und dem Aussehen, gelegentliches Diäthalten und Unzufriedenheit mit der Figur sind wohl gerade in der Pubertät völlig „normal“. Auch Vorbilder zu haben wie Models oder Schauspielerinnen, gehört dazu. Wenn jedoch die Gedanken ans Essen und Nicht-Essen, die Beschäftigung mit der Figur und dem Gewicht den Alltag bestimmen und andere Lebensbereiche wie Schule und Freundschaften zunehmend in den Hintergrund drängen, dann kann Essen zum Problem werden...Auch die Buchbranche reagiert auf diesen „Trend“. So erscheinen seit Ende der 90er, nachdem das Thema „Essstörungen“ bereits in den 80ern zu den sogenannten „heißen Themen“ gehörte, neben jugendgerechten Sachbüchern, wieder verstärkt „Magersuchtromane“ im Pool der problemorientierten Jugendbücher auf. Wie aber wird dieses rätselhafte Phänomen der selbstzerstörerischen Essensverweigerung literarisch verarbeitet? Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die literarische Umsetzung dieser Thematik anhand folgender Werke zu untersuchen: „Dann bin ich eben weg“ von Christine Fehér, „Essen? Nein, danke!“ von Maureen Stewart und „Mondfee“ von Kjersti Scheen. Dabei interessiert vor allem ihre Realitätsnähe und welcher Schwerpunkt jeweils von den Autorinnen gesetzt wird. Es soll und kann hier nicht der potentiell therapeutische Wert der Romane beurteilt werden. Bearbeitet werden die Bücher "Dann bin ich eben weg" von Christine Féher, "Essen? Nein, danke!" von Maureen Stewart und "Mondfee" von Kjersti Scheen.
Excerpt (computer-generated)
,,Ich esse Eure Suppe nicht" oder:
Magersucht in Romanen für Jugendliche
eine Hausarbeit für das Hauptseminar
,,Problemorientierte Jugendliteratur"
Wintersemester 2005/2006
eingereicht von:
Verena Blümel
am: 1. November 2006
Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Aufbau der Hausarbeit 5
3. ,,Dann bin ich eben weg. Geschichte einer Magersucht" von Christine Fehér 5
3.1. Paratextuelle Ebene 5
3.1.1. Das Cover 5
3.1.2. Der Klappentext und die gestalterischen Elemente 6
3.2. Formale Ebene 6
3.2.1. Aufbau des Romans 6
3.2.2. Erzählstruktur 7
3.3. Inhaltsebene 7
3.3.1. Figuren 7
3.3.2. Darstellung der Sucht 8
3.4. Bewertung 11
4. ,,Essen? Nein, danke!" von Maureen Stewart 12
4.1. Paratextuelle Ebene 12
4.1.1. Das Cover 12
4.1.2. Klappentext und gestalterische Elemente 12
4.2. Formale Ebene 13
4.2.1. Aufbau des Romans 13
4.2.2. Erzählstruktur 13
4.3. Inhaltsebene 14
4.3.1. Figuren 14
4.3.2. Darstellung der Sucht 15
4.4. Bewertung 16
5. ,,Mondfee" von Kjersti Scheen 17
5.1. Paratextuelle Ebene 17
5.1.1. Das Cover 17
5.1.2. Der Klappentext und die gestalterischen Elemente 17
5.2. Die formale Struktur des Romans 18
5.2.1. Aufbau 18
5.2.2. Erzählstruktur 19
5.3. Inhaltsebene 19
5.3.1. Figuren 19
2
5.3.2. Darstellung der Sucht 19
5.4. Bewertung 22
6. Resümee 23
7. Literaturverzeichnis 25
3
1. Einleitung
Dass man sich als Heranwachsender mit dem eigenen Körper und seiner Wirkung nach außen
befasst ist überhaupt nicht krankhaft oder problematisch. Ganz im Gegenteil: Das
Experimentieren mit dem eigenen Körper und dem Aussehen, gelegentliches Diäthalten und
Unzufriedenheit mit der Figur sind wohl gerade in der Pubertät völlig ,,normal". Auch
Vorbilder zu haben wie Models oder Schauspielerinnen, gehört dazu.
Wenn jedoch die Gedanken ans Essen und Nicht-Essen, die Beschäftigung mit der Figur und
dem Gewicht den Alltag bestimmen und andere Lebensbereiche wie Schule und
Freundschaften zunehmend in den Hintergrund drängen, dann kann Essen zum Problem
werden.
Laut aktuellen Statistiken gibt es in Deutschland derzeit etwa 150.000 bis 200.000 Mädchen
und junge Frauen, die unter Anorexia nervosa1, genannt Magersucht, leiden.
Als Resonanz auf die drastische Zunahme von Magersucht bei Mädchen und jungen Frauen in
den letzten Jahren, gibt es immer mehr Fernsehsendungen und Zeitschriften, die das Thema
aufgreifen: ob in Reportagen, Tests oder Erfahrungsberichten.
Auch die Buchbranche reagiert auf diesen ,,Trend". So erscheinen seit Ende der 90er,
nachdem das Thema ,,Essstörungen" bereits in den 80ern zu den sogenannten ,,heißen
Themen" gehörte, neben jugendgerechten Sachbüchern, wieder verstärkt
,,Magersuchtromane" im Pool der problemorientierten Jugendbücher auf.
Wie aber wird dieses rätselhafte Phänomen der selbstzerstörerischen Essensverweigerung
literarisch verarbeitet? Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die literarische Umsetzung dieser
Thematik anhand folgender Werke zu untersuchen: ,,Dann bin ich eben weg" von Christine
Fehér, ,,Essen? Nein, danke!" von Maureen Stewart und ,,Mondfee" von Kjersti Scheen.
Dabei interessiert vor allem ihre Realitätsnähe und welcher Schwerpunkt jeweils von den
Autorinnen gesetzt wird. Es soll und kann hier nicht der potentiell therapeutische Wert der
Romane beurteilt werden.
1 Anorexia nervosa bedeutet so viel wie ,,nervlich bedingtes fehlendes Verlangen". Der Begriff wurde gegen
Ende des 19. Jahrhunderts vom französischen Internisten und Psychiater Ernest-Charles Lasègue und dem
englischen Nervenarzt William W. Gull geprägt. Diese Umschreibung ist allerdings irreführend, denn das
Verlangen, der körperliche und seelische Hungern der Magersüchtigen, ist, wie die neueren Forschungen
belegen, gerade besonders groß. (s.Vandereycken: S. 13f.)
4
2. Aufbau der Hausarbeit
Die Jugendbücher werden auf den folgenden Seiten nacheinander analysiert. Dazu werde ich
zunächst sowohl auf die jeweiligen paratextuellen Elemente wie auf den formalen Aufbau und
die Figurengestaltung eingehen.
Am wichtigsten bleibt jedoch die Beantwortung der Frage, wie sich die einzelnen Romane
diesem vielschichtigen Problem ,,Magersucht" annähern und wie sie die Sucht darstellen, das
heißt ob die Krankheit samt ihren Ursachen, Symptomen und Verlauf realistisch dargestellt
ist. Nicht zuletzt soll dadurch festgestellt werden, wo der inhaltliche Schwerpunkt der
Erzählungen liegt, genauer, ob die Erzählungen die Magersucht tatsächlich zum Thema
erheben.
Das Resümee fasst noch einmal alle Ergebnisse zusammen und wird erörtern, was dieses
Thema literarisch so interessant zu machen scheint, wenn man bedenkt, dass sich die meisten
Magersucht-Romane für Jugendliche in ihrer Basisnarration stark ähneln, ältere Titel wie
,,Meine schöne Schwester" von Brigitte Blobel und ,,Jeden Tag ein Stück weniger von mir"
aber immer noch fester Bestandteil der Verlagsprogramme sind.
3. ,,Dann bin ich eben weg. Geschichte einer Magersucht" von Christine
Fehér2
3.1. Paratextuelle Ebene
3.1.1. Das Cover
Das Cover des Romans, erstmals 2002 als Hardcover im Sauerländerverlag erschienen, und
hier in der ersten Auflage der Taschenbuchausgabe des cbt- Verlags aus dem Jahr 2005
vorliegend, zeigt den gesenkten Kopf eines jungen Mädchens. Ihr Blick ist traurig, ja trotzig,
dem Haupttitel entsprechend. Dieser lässt noch keinen Schluss auf das Thema des Buches zu.
So könnte es sich etwa auch um eine Ausreißergeschichte oder einen Suizidroman handeln.
Erst der in roten Lettern prangende Untertitel ,,Geschichte einer Magersucht" gibt einen ersten
Hinweis auf den zugrundeliegenden Stoff des Romans.3
2 Christine Fehér wurde 1965 in Berlin geboren. 1984 absolvierte sie eine Ausbildung zur evangelischen
Religionslehrerin am Pädagogisch-Theologischen Institut in Berlin und unterrichtete dieses Fach an Berliner
Schulen. Ihr erstes Buch ,,Komm mit zum Ballett" erschien 2001.
3 Nebenbei bemerkt scheint ein solcher Untertitel gängige Verlagspraxis bei diesem Thema, bzw. bei
,,problemorientierter" Jugendliteratur überhaupt zu sein. Vergleiche hierzu die Titel ,,Völlig schwerelos. Miriam
ist magersüchtig." Von Marlies Arnold (Fischer Taschenbuchverlag, 2001) oder ,,Luft zum Frühstück. Ein
Mädchen hat Magersucht." Von Jana Frey (Loewe Verlag, 2005).
5
3.1.2. Der Klappentext und die gestalterischen Elemente
Der Klappentext lenkt den potentiellen Leser deutlich auf den im Roman thematisierten Stoff
,,Magersucht" hin:
,,Sina ist alles andere als dick. Aber in die coole Jeans von Melli passt sie nicht rein. Als sie
eines Tages die Butter aus dem üppig belegten Käsebrot ihrer Mutter hervorquellen sieht,
überkommt sie der Totalekel. So dick und frustriert will sie niemals werden!
Sina beginnt eine Diät. In die Jeans passt sie bald doch aufhören kann Sina nicht mehr mit
dem Kalorienzählen. Als die anderen merken, was mit ihr los ist, ist sie schon viel zu dünn..."
Auch die Gestaltung der Kapitel ist ganz auf das ,,Thema" ausgerichtet. Die Kapitel sind nicht
durchnummeriert, aber zu erkennen durch die Auflistung der jeweiligen Tagesration und des
Gewichts der Protagonistin. Eindrücklich wird so vor Augen geführt, wie wenig die
Protagonistin Sina isst und wie schnell sie an Gewicht verliert.
Auf den letzten Seiten des Buches findet der Leser in einem Anhang Internet- und
Kontaktadressen von Beratungszentren für Essstörungen in Deutschland.
Auf der ersten Seite wird zudem Frau Dr. Gesine Mörtl für die fachliche Beratung gedankt,
was der folgenden ,,Geschichte einer Magersucht" eine gewisse Authentizität verleiht, auch
wenn natürlich nicht klar ist, ob es sich bei ,,Frau Mörtl" um eine reale oder fiktive Person
handelt.
3.2. Formale Ebene
3.2.1. Aufbau des Romans
Der Roman besteht aus hundertsiebenundachtzig Seiten, verteilt auf achtzehn Kapitel.
Anhand der fünfzehnjährigen Protagonistin wird exemplarisch ein möglicher
Krankheitsverlauf geschildert. Dabei liegt in einem ersten Teil des Romans der Schwerpunkt
darauf zu zeigen, was ein junges Mädchen zu einer Diät veranlassen und was aus dem
Wunsch Abzunehmen werden kann.
In einem zweiten Teil schildert Fehér, was Sina alles tut, um abzunehmen und wie sie sich
mehr und mehr in ihren Wunsch hineinsteigert, an Gewicht zu verlieren. An diesem Punkt
macht die Erzählung mehrere Zeitsprünge. So wird zusammenfassend dargestellt, wie viel
Sina über mehrere Wochen an Gewicht verliert und welche Symptome der Krankheit sowohl
physische als auch psychische- sich im Verlauf zeigen.
Der letzte größere Teil der Erzählung spielt in den verschiedenen Einrichtungen, in denen
Sina nach ihrem Zusammenbruch therapiert wird. Schwerpunkt der Darstellung liegt daher im
Besonderen auf Sinas Heilungsprozess und ihren Rückschlägen. Das Romanende ist zwar
offen gehalten, gibt aber einen positiven Ausblick.
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