Termpaper, 2007, 21 Pages
Author: Anna-Maria Kudla
Subject: Medicine
Details
Institution/College: University of Leipzig
Tags: Angst, Einführung, Grundlagen, Psychotherapie
Year: 2007
Pages: 21
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 4 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03469-2
File size: 205 KB
Die vorliegende Hausarbeit ist im WS 2007/2008 im Zusammenhang mit dem Wahlfach "Einführung in die Grundlagen der Psychotherapie" entstanden.
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Abstract
Jedem von uns ist das Phänomen der Angst ein vertrautes Gefühl. Es wäre unnormal und sehr verwunderlich, würde jemand behaupten, er hätte noch niemals in seinem Leben Angst gehabt, denn normalerweise übermannt uns diese Emotion in ganz alltäglichen Situationen. Im Straßenverkehr beispielsweise, wenn ein fremdes Auto das eigene waghalsig schneidet und man nur noch im letzten Moment in der Lage ist zu bremsen. Nach einem netten Abend bei Freunden, wenn man sich spät abends allein im Dunkeln auf den Nachhauseweg begibt, dabei ein unwohles Gefühl in der Magengegend verspürt und dadurch wie automatisch einen Schritt schneller wird. Allein schon bei der Vorstellung eine öffentliche Rede halten zu müssen, reagieren die meisten Menschen naturgemäß mit einem Kloß im Hals, Herzklopfen und Lampenfieber. Dabei ist Angst ein lebenswichtiges und notwendiges Gefühl, welches durchaus einen sinnvol¬len Zweck erfüllt. Sie entspricht sozusagen einem Alarmsystem in brenzligen oder bedrohlichen Situationen. Alle Sinne reagieren sodann mit erhöhter Wachsamkeit, auch die Konzentration und Zielstrebigkeit werden natürlicherweise optimiert. Der eigene Körper wird innerhalb von Sekunden zu Höchstleistungen mobilisiert, was dazu beiträgt, im Sinne der eigenen Sicherheit blitzartig kämpfen oder flüchten zu können. In Situationen, in denen das Alarmsystem aktiviert wird, reagieren gesunde Menschen verlässlich und instinktiv den eigenen Kräften und Fähigkeiten entsprechend. Man bekommt oftmals erst im Nachhinein, nachdem die gefährliche Situation überstanden ist, weiche Knie und der Gedanke kommt auf, mit einem Schrecken davongekommen zu sein. Das normale, gesunde Gefühl der Angst ist jedoch nicht nur stets negativ belastet, sondern birgt unter Umständen auch positive Aspekte. So bietet beispielsweise eine vorherrschende Befürchtung in einer wichtigen Prüfung versagen zu können, den Anreiz in Zukunft konzentrierter und ehrgeiziger zu sein, mit dem Ziel bessere Leistungen zu erbringen. Es ist wichtig, der meist negativ belasteten Emotion durchaus auch positive Seiten zu zusprechen, denn schließlich geht das Überwinden jeglicher Angstsituationen stets mit einem guten, wohltuenden Gefühl einher. Zudem wird auch das kribbelnde Gefühl der Spannungsangst von vielen Menschen gesucht und durchaus genossen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig Medizin
Wintersemester 07/08
Hausarbeit im Wahlfach:
Einführung in die Grundlagen der Psychotherapie
Angst
Geschrieben von: Anna-Maria Kudla
3. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
3
2. Angst als eine biologisch-evolutionäre Funktion
4
3. Die Schwierigkeit der richtigen Diagnose
4-6
3.1 Klassifizierungssyteme
6-7
4. Angsterkrankungen besitzen eine allgemeine Struktur
7-8
5. Wann und warum wird Angst zur Krankheit
8-11
6. Die Ebenen der Angst
11-14
7. Kommorbidität
15
8. Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen
15-16
9. Bewältigungsstrategien
16
9.1 Das Angsttagebuch
16-17
9.2 Die Konfrontation/Exposition
17-18
10. Fazit
18-19
11. Literaturverzeichnis
20
12. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
20
1. Einleitung
Jedem von uns ist das Phänomen der Angst ein vertrautes Gefühl. Es wäre unnormal und sehr
verwunderlich, würde jemand behaupten, er hätte noch niemals in seinem Leben Angst gehabt,
denn normalerweise übermannt uns diese Emotion in ganz alltäglichen Situationen.
Im Straßenverkehr beispielsweise, wenn ein fremdes Auto das eigene waghalsig schneidet
und man nur noch im letzten Moment in der Lage ist zu bremsen.
Nach einem netten Abend bei Freunden, wenn man sich spät abends allein im Dunkeln auf
den Nachhauseweg begibt, dabei ein unwohles Gefühl in der Magengegend verspürt und da-
durch wie automatisch einen Schritt schneller wird.
Allein schon bei der Vorstellung eine öffentliche Rede halten zu müssen, reagieren die meis-
ten Menschen naturgemäß mit einem Kloß im Hals, Herzklopfen und Lampenfieber.
Dabei ist Angst ein lebenswichtiges und notwendiges Gefühl, welches durchaus einen
sinnvollen Zweck erfüllt. Sie entspricht sozusagen einem Alarmsystem in brenzligen oder
bedrohlichen Situationen. Alle Sinne reagieren sodann mit erhöhter Wachsamkeit, auch die
Konzentration und Zielstrebigkeit werden natürlicherweise optimiert. Der eigene Körper wird
innerhalb von Sekunden zu Höchstleistungen mobilisiert, was dazu beiträgt, im Sinne der
eigenen Sicherheit blitzartig kämpfen oder flüchten zu können. In Situationen, in denen das
Alarmsystem aktiviert wird, reagieren gesunde Menschen verlässlich und instinktiv den eige-
nen Kräften und Fähigkeiten entsprechend.
Man bekommt oftmals erst im Nachhinein, nachdem die gefährliche Situation überstanden ist,
weiche Knie und der Gedanke kommt auf, mit einem Schrecken davongekommen zu sein.
Das normale, gesunde Gefühl der Angst ist jedoch nicht nur stets negativ belastet, sondern
birgt unter Umständen auch positive Aspekte. So bietet beispielsweise eine vorherrschende
Befürchtung in einer wichtigen Prüfung versagen zu können, den Anreiz in Zukunft
konzentrierter und ehrgeiziger zu sein, mit dem Ziel bessere Leistungen zu erbringen.
Es ist wichtig, der meist negativ belasteten Emotion durchaus auch positive Seiten zu zuspre-
chen, denn schließlich geht das Überwinden jeglicher Angstsituationen stets mit einem guten,
wohltuenden Gefühl einher.
Zudem wird auch das kribbelnde Gefühl der Spannungsangst von vielen Menschen gesucht
und durchaus genossen. Ein spannender Krimi, der Sprung aus einem Flugzeug oder das Pad-
deln auf einem reißenden Fluss werden heutzutage oftmals bevorzugt, anstatt die Empfindung
der Eintönigkeit und die Langeweile des Alltages ertragen zu müssen.
3
2. Angst als eine biologisch-evolutionäre Funktion
Das normale, gesunde Angsterleben ist im Gegensatz zur irrationalen Angst ein essentielles
und evolutionär verankertes Grundgefühl. ,,Die biologische Funktion von Emotionen", so
auch die der Angst, ,,besteht in der Vorbereitung von Handlungen" (Hoyer et al., 2005, S. 11)
Angst bereitet grundsätzlich auf eine potentielle Gefahr vor und initiiert so eine adäquate
Kampf- oder Fluchtreaktion.
Hoffmann und Hofmann bezeichnen Angst als sinnvolle, bewährte, dem Überleben dienende
Empfindung, welche aufgrund frühzeitlicher Erfahrungen im Erbgedächtnis verankert ist.
Vor Jahrtausenden war es existentiell umgehend zu fliehen, sobald ein gefährliches Tier ge-
sichtet wurde. Wer zögerte und, wie aus heutiger Sicht als angemessen geltend, seine Emotion
analytisch hinterfragt hätte, hätte es damals sicherlich mit seinem Leben bezahlt.
Das Problematische liegt heutzutage nun in der Tatsache, dass sich Angstsituationen, denen
wir begegnen, oftmals nicht sinnvoll mit der altbewährten Methode des Fliehens oder des
Kämpfens bewältigen lassen. Wir begegnen schließlich glücklicherweise keinen gefährlichen
Raubtieren mehr. Uns ängstigen neue Dinge, die im Gegensatz zur Frühzeit eher das Nach-
denken erfordern, um die gegenwärtige Angst bringende Situation auf reale Gefahrensignale
hin analysieren zu können.
Im Unterschied zu gesunden Menschen gelingt genau jenes analytische Hinterfragen Angst-
patienten nicht. In Angst- oder Alarmsituationen ist ihre Kognition beeinträchtigt, wodurch
die Orientierungsfähigkeit abnimmt. Der Blick ist starr auf die irrationalen Angstsignale ge-
richtet. Die Wahrnehmung ist verzerrt. Eine angemessene Reaktion auf eine reale oder auch
irreale Angstsituation ist aufgrund des eingeschränkten Blickwinkels nicht oder nur äußerst
schwer möglich (vgl., Hoffmann; Hofmann, 2004, S. 12).
3. Die Schwierigkeit der richtigen Diagnose
Angst gehört ebenso wie Wut, Freude oder Trauer zu der individuellen und emotionalen
Erlebniswelt eines Jeden. Jegliche Emotion, so auch die der Angst, ist eine Empfindung und
Interpretation des Limbischen Systems, die durch Botenstoffe und neuronale Verschaltungen
ausgelöst wird. Sie ist nichts Greifbares.
Aufgrund dieser mangelnden fassbaren Struktur, lässt sie sich dementsprechende nur schwer
klassifizieren. Anders als bei einer offenen Fraktur, bei der jeder Arzt/ jede Ärztin das
entsprechende optische Ergebnis vor sich sieht, bleibt Angst etwas Diffuses. Sie ist keine
messbare Größe, wie etwa die Geschwindigkeit, die ein Auto maximal erreichen kann oder
die Dichte eines Eisenstabes.
4
Hoyer, Helbig und Margraf zufolge ist das Charakteristische der Angst die Mehrdimen-
sionalität. Sie umfasst nicht nur die gefühlte Erlebnisqualität, sondern geht zeitgleich mit
komplexen Reaktionsmustern auf unterschiedlichen Ebenen einher. Zudem ist Angst zeitlich
variabel und stets subjektiv.
Die Diagnoseproblematik liegt dementsprechend sowohl in der Natur des Phänomens als auch
in der individuellen Festlegung der Wahrnehmungsqualität und der Fähigkeit die eigenen
Empfindungen mitteilen zu können, begründet.
Es erweist sich jedoch von großer Bedeutung bei Betroffenen eine zutreffende Diagnose zu
stellen und nicht etwa die heterogenen und variablen Symptome, die die Angst mit sich
bringt, als eigenständige Krankheit zu klassifizieren. Schlaflosigkeit, Nervosität, Herzklopfen,
Ruhelosigkeit oder Stress sind Begleiterscheinungen und nicht, wie oftmals wohl im ersten
Augenblick angenommen, eine selbständige Krankheit oder gar die Ursache des Unwohlseins.
Eine konkrete Abklärung von Angsterkrankungen ist wichtig und nicht selten entscheidend in
Bezug auf die künftige Prognose. Unbehandelte Angst kann sich im Verlauf des Lebens zu
einem manifestierten Angstzustand entwickeln, Depressionen und/oder Drogenprobleme
bedingen (vgl., Schmidt-Traub; Lex, 2005, S. 40).
Laut Hoyer, Helbig und Margraf ist es von großer Bedeutung, dass eine fundamentierte
Diagnosestellung der genauen Abklärung bedarf, dass keine organischen Ursachen vorliegen
oder dass es sich nicht etwa um eine substanzinduzierte Angst handelt. Es muss sich um eine
konkrete Angst handeln, die mit einer Behandlungsbedürftigkeit einhergeht. Sind all diese
Unterscheidungsmerkmale erfüllt, sollte der Arzt anhand von diagnostischen Leitkriterien
eines Klassifizierungssystems die treffendste, Symptom berücksichtigende Diagnose stellen.
Die folgende Tabelle (vgl., Hoyer et al., 2005, S. 17) bezieht sich auf eine Zuordnung von
häufig auftretenden, spezifischen Symptomen im Zuge einer Angsterkrankung und die in die-
sem Zusammenhang entsprechend passende Zuordnung der jeweiligen Angsterkrankung.
Tabelle 1: Typische Angstsymptome
Symptome
Typisch für...
Nicht auf spezifische Situationen begrenzte, anfallsartig auftretende Panikstörung
Angstattacken mit psychischen und körperlichen Symptomen
Furcht vor oder Vermeidung von Menschenmengen, öffentlichen Plät- Agoraphobie
zen, allein oder weit entfernt von Zuhause zu sein usw.; Furcht die
Kontrolle über Körperfunktionen zu verlieren
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