Details

Veranstaltung: Einführung in die Grundlagen der Psychotherapie
Institution/Hochschule: Universität Leipzig
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 21
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 4  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 205 KB
Archivnummer: V88802
ISBN (E-Book): 978-3-638-03469-2
Anmerkungen :
Die vorliegende Hausarbeit ist im WS 2007/2008 im Zusammenhang mit dem Wahlfach "Einführung in die Grundlagen der Psychotherapie" entstanden.

Zusammenfassung / Abstract

Jedem von uns ist das Phänomen der Angst ein vertrautes Gefühl. Es wäre unnormal und sehr verwunderlich, würde jemand behaupten, er hätte noch niemals in seinem Leben Angst gehabt, denn normalerweise übermannt uns diese Emotion in ganz alltäglichen Situationen. Im Straßenverkehr beispielsweise, wenn ein fremdes Auto das eigene waghalsig schneidet und man nur noch im letzten Moment in der Lage ist zu bremsen. Nach einem netten Abend bei Freunden, wenn man sich spät abends allein im Dunkeln auf den Nachhauseweg begibt, dabei ein unwohles Gefühl in der Magengegend verspürt und dadurch wie automatisch einen Schritt schneller wird. Allein schon bei der Vorstellung eine öffentliche Rede halten zu müssen, reagieren die meisten Menschen naturgemäß mit einem Kloß im Hals, Herzklopfen und Lampenfieber. Dabei ist Angst ein lebenswichtiges und notwendiges Gefühl, welches durchaus einen sinnvol¬len Zweck erfüllt. Sie entspricht sozusagen einem Alarmsystem in brenzligen oder bedrohlichen Situationen. Alle Sinne reagieren sodann mit erhöhter Wachsamkeit, auch die Konzentration und Zielstrebigkeit werden natürlicherweise optimiert. Der eigene Körper wird innerhalb von Sekunden zu Höchstleistungen mobilisiert, was dazu beiträgt, im Sinne der eigenen Sicherheit blitzartig kämpfen oder flüchten zu können. In Situationen, in denen das Alarmsystem aktiviert wird, reagieren gesunde Menschen verlässlich und instinktiv den eigenen Kräften und Fähigkeiten entsprechend. Man bekommt oftmals erst im Nachhinein, nachdem die gefährliche Situation überstanden ist, weiche Knie und der Gedanke kommt auf, mit einem Schrecken davongekommen zu sein. Das normale, gesunde Gefühl der Angst ist jedoch nicht nur stets negativ belastet, sondern birgt unter Umständen auch positive Aspekte. So bietet beispielsweise eine vorherrschende Befürchtung in einer wichtigen Prüfung versagen zu können, den Anreiz in Zukunft konzentrierter und ehrgeiziger zu sein, mit dem Ziel bessere Leistungen zu erbringen. Es ist wichtig, der meist negativ belasteten Emotion durchaus auch positive Seiten zu zusprechen, denn schließlich geht das Überwinden jeglicher Angstsituationen stets mit einem guten, wohltuenden Gefühl einher. Zudem wird auch das kribbelnde Gefühl der Spannungsangst von vielen Menschen gesucht und durchaus genossen.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Leipzig Medizin

Wintersemester 07/08

Hausarbeit im Wahlfach:

Einführung in die Grundlagen der Psychotherapie

Angst






Geschrieben von: Anna-Maria Kudla

3. Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

Seite

1. Einleitung

3

2. Angst als eine biologisch-evolutionäre Funktion

4

3. Die Schwierigkeit der richtigen Diagnose

4-6

3.1 Klassifizierungssyteme

6-7

4. Angsterkrankungen besitzen eine allgemeine Struktur

7-8

5. Wann und warum wird Angst zur Krankheit

8-11

6. Die Ebenen der Angst

11-14

7. Kommorbidität

15

8. Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen

15-16

9. Bewältigungsstrategien

16

9.1 Das Angsttagebuch

16-17

9.2 Die Konfrontation/Exposition

17-18

10. Fazit

18-19

11. Literaturverzeichnis

20

12. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

20


1. Einleitung

Jedem von uns ist das Phänomen der Angst ein vertrautes Gefühl. Es wäre unnormal und sehr

verwunderlich, würde jemand behaupten, er hätte noch niemals in seinem Leben Angst gehabt,

denn normalerweise übermannt uns diese Emotion in ganz alltäglichen Situationen.

Im Straßenverkehr beispielsweise, wenn ein fremdes Auto das eigene waghalsig schneidet

und man nur noch im letzten Moment in der Lage ist zu bremsen.

Nach einem netten Abend bei Freunden, wenn man sich spät abends allein im Dunkeln auf

den Nachhauseweg begibt, dabei ein unwohles Gefühl in der Magengegend verspürt und da-

durch wie automatisch einen Schritt schneller wird.

Allein schon bei der Vorstellung eine öffentliche Rede halten zu müssen, reagieren die meis-

ten Menschen naturgemäß mit einem Kloß im Hals, Herzklopfen und Lampenfieber.

Dabei ist Angst ein lebenswichtiges und notwendiges Gefühl, welches durchaus einen

sinnvollen Zweck erfüllt. Sie entspricht sozusagen einem Alarmsystem in brenzligen oder

bedrohlichen Situationen. Alle Sinne reagieren sodann mit erhöhter Wachsamkeit, auch die

Konzentration und Zielstrebigkeit werden natürlicherweise optimiert. Der eigene Körper wird

innerhalb von Sekunden zu Höchstleistungen mobilisiert, was dazu beiträgt, im Sinne der

eigenen Sicherheit blitzartig kämpfen oder flüchten zu können. In Situationen, in denen das

Alarmsystem aktiviert wird, reagieren gesunde Menschen verlässlich und instinktiv den eige-

nen Kräften und Fähigkeiten entsprechend.

Man bekommt oftmals erst im Nachhinein, nachdem die gefährliche Situation überstanden ist,

weiche Knie und der Gedanke kommt auf, mit einem Schrecken davongekommen zu sein.

Das normale, gesunde Gefühl der Angst ist jedoch nicht nur stets negativ belastet, sondern

birgt unter Umständen auch positive Aspekte. So bietet beispielsweise eine vorherrschende

Befürchtung in einer wichtigen Prüfung versagen zu können, den Anreiz in Zukunft

konzentrierter und ehrgeiziger zu sein, mit dem Ziel bessere Leistungen zu erbringen.

Es ist wichtig, der meist negativ belasteten Emotion durchaus auch positive Seiten zu zuspre-

chen, denn schließlich geht das Überwinden jeglicher Angstsituationen stets mit einem guten,

wohltuenden Gefühl einher.

Zudem wird auch das kribbelnde Gefühl der Spannungsangst von vielen Menschen gesucht

und durchaus genossen. Ein spannender Krimi, der Sprung aus einem Flugzeug oder das Pad-

deln auf einem reißenden Fluss werden heutzutage oftmals bevorzugt, anstatt die Empfindung

der Eintönigkeit und die Langeweile des Alltages ertragen zu müssen.

3


2. Angst als eine biologisch-evolutionäre Funktion

Das normale, gesunde Angsterleben ist im Gegensatz zur irrationalen Angst ein essentielles

und evolutionär verankertes Grundgefühl. ,,Die biologische Funktion von Emotionen", so

auch die der Angst, ,,besteht in der Vorbereitung von Handlungen" (Hoyer et al., 2005, S. 11)

Angst bereitet grundsätzlich auf eine potentielle Gefahr vor und initiiert so eine adäquate

Kampf- oder Fluchtreaktion.

Hoffmann und Hofmann bezeichnen Angst als sinnvolle, bewährte, dem Überleben dienende

Empfindung, welche aufgrund frühzeitlicher Erfahrungen im Erbgedächtnis verankert ist.

Vor Jahrtausenden war es existentiell umgehend zu fliehen, sobald ein gefährliches Tier ge-

sichtet wurde. Wer zögerte und, wie aus heutiger Sicht als angemessen geltend, seine Emotion

analytisch hinterfragt hätte, hätte es damals sicherlich mit seinem Leben bezahlt.

Das Problematische liegt heutzutage nun in der Tatsache, dass sich Angstsituationen, denen

wir begegnen, oftmals nicht sinnvoll mit der altbewährten Methode des Fliehens oder des

Kämpfens bewältigen lassen. Wir begegnen schließlich glücklicherweise keinen gefährlichen

Raubtieren mehr. Uns ängstigen neue Dinge, die im Gegensatz zur Frühzeit eher das Nach-

denken erfordern, um die gegenwärtige Angst bringende Situation auf reale Gefahrensignale

hin analysieren zu können.

Im Unterschied zu gesunden Menschen gelingt genau jenes analytische Hinterfragen Angst-

patienten nicht. In Angst- oder Alarmsituationen ist ihre Kognition beeinträchtigt, wodurch

die Orientierungsfähigkeit abnimmt. Der Blick ist starr auf die irrationalen Angstsignale ge-

richtet. Die Wahrnehmung ist verzerrt. Eine angemessene Reaktion auf eine reale oder auch

irreale Angstsituation ist aufgrund des eingeschränkten Blickwinkels nicht oder nur äußerst

schwer möglich (vgl., Hoffmann; Hofmann, 2004, S. 12).

3. Die Schwierigkeit der richtigen Diagnose

Angst gehört ebenso wie Wut, Freude oder Trauer zu der individuellen und emotionalen

Erlebniswelt eines Jeden. Jegliche Emotion, so auch die der Angst, ist eine Empfindung und

Interpretation des Limbischen Systems, die durch Botenstoffe und neuronale Verschaltungen

ausgelöst wird. Sie ist nichts Greifbares.

Aufgrund dieser mangelnden fassbaren Struktur, lässt sie sich dementsprechende nur schwer

klassifizieren. Anders als bei einer offenen Fraktur, bei der jeder Arzt/ jede Ärztin das

entsprechende optische Ergebnis vor sich sieht, bleibt Angst etwas Diffuses. Sie ist keine

messbare Größe, wie etwa die Geschwindigkeit, die ein Auto maximal erreichen kann oder

die Dichte eines Eisenstabes.

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Hoyer, Helbig und Margraf zufolge ist das Charakteristische der Angst die Mehrdimen-

sionalität. Sie umfasst nicht nur die gefühlte Erlebnisqualität, sondern geht zeitgleich mit

komplexen Reaktionsmustern auf unterschiedlichen Ebenen einher. Zudem ist Angst zeitlich

variabel und stets subjektiv.

Die Diagnoseproblematik liegt dementsprechend sowohl in der Natur des Phänomens als auch

in der individuellen Festlegung der Wahrnehmungsqualität und der Fähigkeit die eigenen

Empfindungen mitteilen zu können, begründet.

Es erweist sich jedoch von großer Bedeutung bei Betroffenen eine zutreffende Diagnose zu

stellen und nicht etwa die heterogenen und variablen Symptome, die die Angst mit sich

bringt, als eigenständige Krankheit zu klassifizieren. Schlaflosigkeit, Nervosität, Herzklopfen,

Ruhelosigkeit oder Stress sind Begleiterscheinungen und nicht, wie oftmals wohl im ersten

Augenblick angenommen, eine selbständige Krankheit oder gar die Ursache des Unwohlseins.

Eine konkrete Abklärung von Angsterkrankungen ist wichtig und nicht selten entscheidend in

Bezug auf die künftige Prognose. Unbehandelte Angst kann sich im Verlauf des Lebens zu

einem manifestierten Angstzustand entwickeln, Depressionen und/oder Drogenprobleme

bedingen (vgl., Schmidt-Traub; Lex, 2005, S. 40).

Laut Hoyer, Helbig und Margraf ist es von großer Bedeutung, dass eine fundamentierte

Diagnosestellung der genauen Abklärung bedarf, dass keine organischen Ursachen vorliegen

oder dass es sich nicht etwa um eine substanzinduzierte Angst handelt. Es muss sich um eine

konkrete Angst handeln, die mit einer Behandlungsbedürftigkeit einhergeht. Sind all diese

Unterscheidungsmerkmale erfüllt, sollte der Arzt anhand von diagnostischen Leitkriterien

eines Klassifizierungssystems die treffendste, Symptom berücksichtigende Diagnose stellen.

Die folgende Tabelle (vgl., Hoyer et al., 2005, S. 17) bezieht sich auf eine Zuordnung von

häufig auftretenden, spezifischen Symptomen im Zuge einer Angsterkrankung und die in die-

sem Zusammenhang entsprechend passende Zuordnung der jeweiligen Angsterkrankung.

Tabelle 1: Typische Angstsymptome

Symptome

Typisch für...

Nicht auf spezifische Situationen begrenzte, anfallsartig auftretende Panikstörung

Angstattacken mit psychischen und körperlichen Symptomen

Furcht vor oder Vermeidung von Menschenmengen, öffentlichen Plät- Agoraphobie

zen, allein oder weit entfernt von Zuhause zu sein usw.; Furcht die

Kontrolle über Körperfunktionen zu verlieren

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