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Was macht das Märchen zum Märchen?

Untertitel: Funktion von Gut und Böse in Hauffs Kunstmärchen "Das kalte Herz"

Hauptseminararbeit, 2002, 21 Seiten
Autor: Diplomgermanistin Dorothee Noras
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Veranstaltung: NDL II
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Tags: Märchen
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 21
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V89172
ISBN (E-Book): 978-3-638-02589-8
ISBN (Buch): 978-3-638-92159-6
Dateigröße: 139 KB
Anmerkungen :
Wesensmerkmale der Gattung Märchens Merkmale des Kunstmärchens Gut und Böse, dargestellt mit Hilfe mathematischer Terme Eindimensionalität Flächenhaftigkeit Abstrakter Stil Isolation und Weltverbundenheit Sublimation und Welthaltigkeit Helden, Antihelden und andere Protagonisten


Zusammenfassung / Abstract

Anhand selbst aufgestellter mathematischer Termen (1-1=0 → 0-1=-1 → -1+1=0 → 0+1=1) wird aufgezeigt, welchen Verlauf die Handlung und Aktion des Protagonisten nehmen, bevor er letztlich "gut" und "gereinigt" und bereichert um eine Menge an Erkenntnissen, vor allem jedoch dem Wissen, "Es ist doch besser, zufrieden zu sein mit wenigem, als Gold und Güter zu haben, und ein kaltes Herz" wieder in der Welt des Guten und Warmherzigen ankommt. Dies natürlich dargestellt unter den Aspekten der Merkmale von Märchen, wie Eindimensionalität, Flächenhaftigkeit, Abstraktheit etc., spezielle bezogen auf das Kunstmärchen.


Textauszug (computergeneriert)

NdL II

SS 2001-08-19

Was macht das Märchen zum Märchen?

Eine Darstellung im Hinblick auf die Funktion von Gut und Böse

in Hauff´s Kunstmärchen ,,Das Kalte Herz"

Dorothee Kruppe

Dipl.-Germ., Romanistik


2

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung _______________________________________________________________ 3

1.1 Darstellung von Gut und Böse anhand von mathematischen Termen_________________ 3

1.2.

Sinnzusammenhang zwischen Gleichung und Märchen und kurze Inhaltsangabe___ 3

2. Hauptteil ________________________________________________________________ 6

2.1.

Merkmale des Kunstmärchens _____________________________________________ 6

2.2.

Die Wesensmerkmale der Gattung Märchen _________________________________ 8

2.2.1 Eindimensionalität _______________________________________________________________ 8

2.2.2 Flächenhaftigkei

t

________________________________________________________________ 9

2.2.3 Abstrakter Stil___________________________________________________________________ 9

2.2.4 Isolation und Allverbundenheit ____________________________________________________ 11

2.2.5 Sublimation und Welthaltigkeit ____________________________________________________ 12

2.3.

Die Helden, Antihelden und andere Protagonisten____________________________ 14

2.3.1 Die männlichen Helden __________________________________________________________ 16

2.3.2 Die weiblichen Heldinnen ________________________________________________________ 17

2.3.3 Die Bösewichter ________________________________________________________________ 17

3. Schluss ________________________________________________________________ 18

3.1.

Zusammenfassung ______________________________________________________ 18

Literaturverzeichnis ________________________________________________________ 20


3

1. Einleitung

1.1 Darstellung von Gut und Böse anhand von mathematischen Termen

1

+

-1

=

0

0

+

-1

=

-1

-1

+

1

=

0

0 +

1 =

1

1.2. Sinnzusammenhang zwischen Gleichung und Märchen und kurze Inhaltsangabe

Diese mathematischen Terme bilden den Auftakt und die Einleitung meiner Darstellung von

Gut und Böse in einem der ,,schönsten deutschen Kunstmärchen"1, dem ,,Kalten Herz" von

Wilhelm Hauff. Es ist eingebunden in eines seiner drei ,,Märchenalmanache", dem ,,Wirts-

haus im Spessart".

Am Anfang steht die Frage nach dem Sinn dieser mathematischen Gleichungen, vor allem

aber nach dem Zusammenhang zwischen diesen und einem Märchen. Dies mag vor allem

deswegen so wenig zusammensetzbar sein, als unsere Erinnerung, wenn wir das Wort ,,Mär-

chen" vernehmen, wohl eher hinüberschweift zu dicken Büchern, aus denen uns, als wir klein

waren, vorgelesen wurde, womöglich sogar vor dem Zubettgehen.

Vor diesem Hintergrund möchte ich versuchen, diese Gleichungen mit dem Inhalt des Mär-

chens zu erklären und so verständlicher zu gestalten. Auffallend bei der Darstellung des In-

halts war dabei, dass sich die Hauptperson immer wieder auf Wesen jenseits der Realität be-

rief, hier das Glasmännlein und den Holländermichel, ohne dass es etwas Besonderes dar-

stellte. Frederik Hetmann, dessen Buch ich bei der Bearbeitung heranzog, sagt dazu: ,,Damit

ist gemeint, dass im Märchen wirkliche und unwirkliche Welt nahtlos ineinander überge-

hen,..."2

1 ,,Das kalte Herz", Lesehefte mit Materialien, Umschlagseite

2 ,,Märchenforschung, Märchenkunde, Märchendiskussion", S. 15


4

Peter Munk, ein armer Köhlerssohn, der schon frühzeitig und aus der Armut heraus geboren

von seinem Vater das ungesunde, eintönige, ,,elend"3 und schlechtbezahlte Handwerk des

Verschwelens von Holz zu Holzkohle erlernte, saß jeden Tag an seinem Meiler, um für seine

verwitwete Mutter und sich das tägliche Brot zu verdienen. Er selbst war ein rechtschaffener

Bursche, reinen Gewissens und dabei noch solch kindlichen Gemüts, dass beim vielen Nach-

denken über sich und die Welt ,,die tiefe Waldesstille sein Herz zu Tränen und unberührter

Sehnsucht"4 anregte. In diesen Momenten wanderten seine Gedanken hin zu den Flößern,

deren einträgliches Gewerbe Anerkennung und Wohlstand brachte, zu den Glasbläsern, die

ihre Gesundheit schönen Gefäßen opferten, ihre Arbeitgeber jedoch zu reichen Leuten mach-

ten und hin zu jenen, die von Schicksal und Natur derart begütert wurden, dass sie ihre Tage

mit Kartenspiel und Tanz verbringen konnten.

Es ist sicherlich verständlich, dass solcherart Gedanken, wenn man jung und hoffnungsvoll

ist und dabei den ganzen Tag mit Ruß beschmiert vor dem Weiler sitzt, anregen, aus dem

eigenen Dasein auszubrechen, um es den eben Beschriebenen gleich zu tun, und so dem ein-

tönigen Einerlei zu entkommen.

Peter Munk jedoch sah in diesen Momenten nur das vermeintlich Positive. Er begriff nicht,

dass es ein langer Weg zu Reichtum und Glück ist, der viel Mühe und Schweiß mit sich

bringt.

Jung und ungestüm wollte er den erträumten Zustand sofort erreichen. Dabei war ihm jedes

Mittel recht. Sogar den allseits gefürchteten ,,Holländermichel", ein bösartiger Riese, der als

Holzfäller und Menschenverachter so manchen in sein Unglück stürzte, nimmt er in An-

spruch, um mit dessen Hilfe sein Ziel zu erreichen.

Hier sei kurz bemerkt, dass ich die erste Begegnung Peter´s mit dem Glasmännlein außer

Acht gelassen habe, weil ihm diese Begegnung keine längerfristige Veränderung seiner Le-

bensverhältnisse einbringt. Es wird angesetzt, nachdem Peter Munk zwar durch das Glas-

männlein beschenkt wurde, jedoch alles wieder verlor.

An dieser Stelle lässt sich der erste Term aufstellen: Peter Munk, von mir im Anfangsstadi-

um dargestellt mit 1, denn, wie schon gesagt, war er ein einfacher, gutherziger Mensch. Je-

doch bringen ihn seine Tagträumereien und neidvollen Gedanken vom rechten Wege ab.

Dies wurde von mir mit einer ­1 bezeichnet, so dass sich die positiven Seiten des Peter

Munk neutralisieren und damit 0 ergeben.

3 Hauff, Wilhelm, ,,Das kalte Herz", S. 5

4 Hauff, Wilhelm, ,,Das kalte Herz", S. 5


5

Im jetzigen Zustand sucht er den Holländermichel auf, um mit jenem einen Pakt zu schlie-

ßen, der ihm den vermeintlich erstrebenswerten Glückszustand zu sichern scheint. Folglich

wird jetzt das Tun des Holländermichels, von mir mit ­1 gekennzeichnet, zum 0-Zustand

addiert, und es ergibt sich ein Negativwert ­1, der den Kohlenmunk-Peter in seinem jetzigen

Lebensabschnitt zeigt.

Nachdem Peter durch den Vertrag, der ihn von nun an dem Holländermichel verpflichtet,

das, was menschliches Fühlen und Handeln ausmacht, nämlich sein Herz, verliert, folgt ein

langer Weg gräulicher Irrungen und Wirrungen, die den einstmals guten Köhlerjungen zu

einem oberflächlichen, geld- und anerkennungsgierigen, über Leichen gehenden (sogar die

eigene Frau kommt durch seine Hand um und auch der Mutter verweigert er die notwendige

Hilfe) Menschenverächter werden lassen.

Erst nach dem Tod seiner Frau scheint sich der Kohlenmunk-Peter zu besinnen.

Er sucht den Kontakt zur einzigen Person, die ihm aus dieser Misere helfen kann ­ dem

Glasmännlein, ein kleines, gutherziges und hilfsbereites Wesen, welchem zu begegnen die

Erfüllung von drei Wünschen bedeutet. Wie bereits angedeutet, fand eine solche Begegnung

des Peter Munk mit dem Glasmännlein schon einmal statt, änderte jedoch nichts an seinem

damaligen Leben, weil er die Ratschläge des kleinen Glücksbringers missachtete und den

schnelleren Weg zum Glück, der unweigerlich über den Holländermichel führte, einschlug.

Einen einzigen Wunsch aber hatte Peter Munk aus dieser Begegnung noch frei, und den

wollte er nun, nachdem er so tief gesunken war, dass sich seine Situation für ihn selbst uner-

träglich darstellte, einlösen.

Er wünscht sich die Mithilfe des Glasmännleins, wenn er sein Herz vom Holländermichel

zurückholt. Dieses schier unlösbare Ansinnen kann nur mit fremder Hilfe zum Erfolg füh-

ren.

Bevor jedoch zur Tat geschritten wird, das Herz zurückzugewinnen, bleibt der Gedanke, der

die Wende zum Positiven einläutet, festzuhalten.

Peter Munk, bis jetzt im Negativzustand ­1, erfährt durch seinen Willen, dargestellt mit +1,

sein Leben zu verändern und wieder ein menschliches Herz sein eigen nennen zu können,

eine erneute Neutralisation, gekennzeichnet mit 0. In diesem Stadium ist es ihm möglich,

sich dem Guten wieder zuzuwenden und sein Dasein positiv zu gestalten.

Es gelingt ihm u. a. durch seinen Helfer, das Glasmännlein, sein lebendiges Herz zu erlan-

gen. Er ist wieder ein Mensch, kann fühlen und spüren. An dieser Stelle ist sein Anfangszu-

stand wieder erreicht; durch sein Herz, welches ein +1 für ihn bedeutet, befindet er sich dort,

von wo er ausging, nämlich +1.



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