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Termpaper, 2006, 24 Pages
Author: Silviya Daleva
Subject: Russian / Slavic Languages
Details
Tags: Bulgarisch, Makedonisch, Zwei, Einzelsprachen, Varianten, Sprache
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 2
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-02909-4
ISBN (Book): 978-3-638-92881-6
File size: 318 KB
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Abstract
Linguistische Forschungen im Bereich der Balkanologie, insbesondere solche die die Gruppe der slawischen Sprachen betreffen, sind sehr oft durch zahlreiche politische Faktoren beeinflusst, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. So wird die Analyse einer Sprache, ihrer Herkunft, ihrer Entwicklung und Zugehörigkeit, bzw. die Frage nach ihrer Eigenständigkeit, von der engen Verbundenheit zwischen Sprache und Politik auf dem Balkanhalbinseln geprägt. Demnach muss die Frage gestellt werden, in wie weit diese Sprachen politischen Eingriffen ausgesetzt wurden oder werden. Im Folgenden sind der Zusammenstoß politischer Einheiten, geografische Veränderungen und die Wechselbeziehung zwischen der Sprachpolitik und der Sprachentwicklung in Betracht zu ziehen. Die vorliegende Ausarbeitung beschäftiget sichmit der mazedonischen und der bulgarischen Sprache und zielt die Beantwortung der Ftage, ob im Bezug auf beiden Sprachen von einem Sprachkontinuum, bzw. von einem Dialektkontinuum, gesprochen werden kann oder nicht. Anführend wird die Geschichte der Entstehung des Staates Makedonien und der makedonischen Sprache angeführt. Daran anschleißend werden die Forschungen verschiedener Sprachwissenschaftler und Historiker behandelt um den Spektrum der so weit auseinander gehenden Meinungen abdecken zu können. Zwei entgegen gesetzten Thesen werden untersucht und dabei relevante Faktoren und Zusammenhänge miteinbezogen In einem direkten kontrastiven Vergleich grammatischer und sprachlicher Strukturen beider Sprachen, werden dann die Gemeinsamkeiten und hauptsächlich die Unterschiede erörtert und in Relation mit ähnlichen sprachlichen Phänomen der jeweiligen Sprache gesetzt.
Excerpt (computer-generated)
1
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für Slavische Philologie
Proseminar: Typologie des Bulgarischen unter Berücksichtigung
des Vergleichs mit dem Makedonischen
Bulgarisch und Makedonisch:
zwei Einzelsprachen oder Varianten
ein- und derselben Sprache
Name: Silviya Daleva
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Sprache und Politik 3
2.1. Formen der Sprachlenkung 3
2.2. Wie verschieden Meinungen sein können! 5
3. Die Entstehung des Staates Makedonien und der makedonischen Sprache 7
4. Mazedonisch- eine sich selbständig entwickelte Sprache? 7
4.1. Der makedonische Standpunkt und Beispiele ähnlicher Ansichten 7
4.1.1. und seine Auffassung für die Entwicklung der makedonische
Sprache 7
4.1.2. und seine ,,
" 10
4.1.3. Peter Rehder über die Geschichte der makedonischen Sprache 12
4.2. Standpunkt der bulgarischen Sprachwissenschaft und Vertreter ähnlicher Ansichten . 13
4.2.1. Ivan Duridanov und die makedonische Frage 13
4.2.2 Gustav Weigand und die ,, Ethnographie von Makedonien" 15
4.2.3. Otto Kronsteiner und die Frage der makedonischen Literatursprache 16
5. Eine kontrastive Gegenüberstellung beider Sprachen und die daraus resultierende
Ergebnisse 17
5.1. Das Bulgarische und die Grenze zwischen dem Ost- und Westbulgarischen 17
5.2. Das Makedonische und seine Dialekte 18
5.3. Gemeinsamkeiten beider Sprachen auf den verschiedenen Sprachebenen 18
5.4. Unterschiede 19
6. Schlussfolgerung 20
Literaturverzeichnis 22
3
1. Einleitung
Linguistische Forschungen im Bereich der Balkanologie, insbesondere solche die Gruppe der
slawischen Sprachen betreffen, sind sehr oft durch zahlreiche politische Faktoren beeinflusst,
sowohl in der Vergangenheit, wie aber auch in der Gegenwart. So wird die Analyse einer
Sprache, ihrer Herkunft, ihrer Entwicklung und Zugehörigkeit, bzw. die Frage nach ihrer
Eigenständigkeit, von der engen Verbundenheit zwischen Sprache und Politik auf dem
Balkanhalbinseln geprägt.1
Dem nach muss die Frage gestellt werden, in wie weit diese Sprachen politischen Eingriffen
ausgesetzt wurden oder werden.
Im Folgenden sind der Zusammenstoß politischer Einheiten, die geografische Veränderungen
und die Wechselbeziehung von Sprachpolitik und Sprachentwicklung in Betracht zu ziehen.
Die Ausarbeitung beschränkt sich auf die mazedonische und auf die bulgarische Sprache, mit
dem Ziel festzustellen, ob von einem Sprachkontinuum, bzw. von einem Dialektkontinuum,
gesprochen werden kann oder nicht.
Im Weiteren wird die Geschichte der Entstehung des Staates Makedonien und der
makedonischen Sprache angeführt.
Ergänzend werden die Forschungen verschiedener Sprachwissenschaftler und Historiker
behandelt um den Spektrum der so weit auseinander gehenden Meinungen abdecken zu
können.
Zwei entgegen gesetzten Thesen werden untersucht zusammen mit den prägenden Faktoren
und Zusammenhänge.
In einem direkten kontrastiven Vergleich grammatischer und sprachlicher Strukturen beider
Sprachen, werden die Gemeinsamkeiten und hauptsächlich die Unterschiede erörtert und in
Relation mit ähnlichen Befunden auf der anderen Seite gestellt.
2. Sprache und Politik
2.1. Formen der Sprachlenkung
Sich mit einer Sprache zu identifizieren bedeutet nicht nur Teil einer Sprachgemeinschaft zu
sein, sondern offenbart die Zugehörigkeit einer kultur-politischen Gruppe. Um die
1 Schaller, Helmut:
Sprache und Politik auf der Balkanhalbinsel .
In:
Südosteuropa-Jahrbuch 27.Sprache und
Politik: Die Balkansprachen in Vergangenheit und Gegenwart.
Hg. Helmut Schaller. München: Südosteuropa-
Gesellschaft,1996.S.11-19.
4
Einschließung einer solchen Gruppe zu unterstützen oder zu fordern, werden staatliche
Eingriffe vorgenommen.
Diese Prozesse untersucht auch Helmut Schaller in seinem Aufsatz ,,
Sprache und Politik auf
dem Balkanhalbinsel "
In
Südosteuropa-Jahrbuch 27
.
Er stellt offen die Frage nach einer gezielten Sprachlenkung im südeuropäischen Raum. So
eine Sprachpolitik bezweckt, durch gezielte Interventionen, eine Veränderung der Sprache auf
inhaltlicher, struktureller und systembezogener Ebene. Das Ergebnis ist ein künstlich
modifizierter Sprachgebrauch.
Die Methoden für die Umsetzung der Sprachlenkung sind zahlreich. Anzuschneiden wären
hier die Eingriffe des Staates in das Schriftsystem einer Sprache durch die Festlegung einer
Schrift oder durch die Ersetzung oder das Entfernen bestimmter Schriftzeichen:
,, Ein Sonderfall sind die Eingriffe des Staates in das Schriftsystem durch
Rechtschreibreformen Das Ziel ist entweder die Vereinfachung des geltenden
Schreibsystems, die Vereinheitlichung innerhalb der Staatgrenzen oder die Einführung eines
ganz anderen Alphabetes, oft unter politischem Aspekt, "
So entspricht im makedonischen Schriftsystem dem bulgarischen
die Zeichenkombination
ja
, dem
die Kombination von
und
. Für die diagraphische Darstellung von
im
Bulgarischen findet sich im Makedonischen eine monographische Darbietung:
Die
Einführung von
und
im makedonischen Alphabet kann auch nur mit einem Akt der
Sprachlenkung erklärt werden.
Als folgenschwerer bestimmt Helmut Schaller die politische Anteilnahme an Sprachreinigung
oder an Sprachpflege, da sie das System der Sprache systematisch verändern. Das Ersetzen
von Wörtern fremden Ursprungs und die Einführung von neuen, bzw. neu angepassten
Ausdrücken, oder von Lehnwörtern, können politisch bedingt sein.
Neben der schon genannten Formen der Sprachlenkung wäre auch die ideologisch bedingte zu
erwähnen, die auf dem Balkanhalbinsel in verschiedenen Formen zu beobachtet werden kann.
Ihre Erscheinungen finden sich in Wortneubildungen, Bedeutungsänderungen schon
existierender Wörter oder Verbindungen politischen Inhalts.
In diesem Zusammenhang spricht Helmut Schaller auch von einer deutlichen Sprachlenkung
im Makedonischen:
,, Sprachlenkungen liegen offensichtlich vor, wenn z.B. im Mazedonischen als südslavischer
Sprache ein dreifaches Artikelsystem als Norm vorgeschrieben wird, im Gegensatz zum
Bulgarischen mit einem einfachen Artikelsystem."
5
Eine wichtige Fragestellung, die hierzu in Betracht gezogen werden muss, betrifft die
Terminierung im Bereich der Linguistik Südeuropas. Es ist zu untersuchen, inwieweit sich
einzelne Begriffe und Bezeichnungen selbstständig entwickelt haben oder aber durch externe
Faktoren beeinflusst wurden. Die Sprachgebiete, die dadurch betroffen werden, sind der
Wortschatz und die Schriftsysteme.
So finden sich die größten Unterschiede im Bereich des Wortschatzes des Bulgarischen und
des Makedonischen in der verschiedenen Ausbreitung der Lehnwörter, türkischen oder
griechischen (belangt mehr die makedonische Sprache) Ursprungs und deren ungleichen
Ersetzung durch Neubildungen, durch vorhandenen Equivalenten oder durch Wörter
russischen Ursprungs, was aber vor allem die bulgarische Sprache im Bereich der Verwaltung
betrifft.
2.2. Wie verschieden Meinungen sein können!
Der Zusammenhang zwischen Sprache und Politik wird noch deutlicher, wenn die
verschiedenen und zum Teil sehr weit auseinander gehenden Auffassungen, bezüglich der
Herkunft der makedonischen Sprache, untersucht werden. An dieser Stelle werden zwei
Beispiele der kontradiktorischen Thesen vorgestellt.
Radoslav Katicic betrachtet die makedonische Sprache als eine eigenständige Sprache, die ein
eigenes Diasystem ist:
,, Nach dem genetischen Kriterium ist Makedonisch also [...]eindeutig ein eigenes Diasystem
und kann daher als Sprache angesehen werden, zumal es sich zu anderen südslawischen
Diasysteme, die unbestritten als eigene Sprachen angesehen werden
qualitativ und quantitativ genau so verhält, wie diese zueinander Das sind harte und
wissenschaftlich überprüfbare Tatsachen."
2
Im Weiteren betont er mehrmals, dass Die makedonische Standardsprache gut ausgebaut ist
und ihre Funktion als Staatssprache vollständig erfüllt.
Es ist daher noch mehr verwirrender, wenn man dann an einer anderen Stelle des Aufsatzes
folgendes liest:
,, Das Makedonische stimmt meistens entweder mit dem Bulgarischen oder mit dem
Standardneutokavischen überein, zeigt aber auch spezifische Eigenschaften."
2 Katici, Radoslav:
Die politischen Implikationen des Sprachbegriffs im Südosten Europas.
In:
Südosteuropa-
Jahrbuch 27. Sprache und Politik: Die Balkansprachen in Vergangenheit und Gegenwart.
Hg. Helmut Schaller.
München: Südosteuropa-Gesellscheft, 1996.S.35.
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